Spielgerät hat geschrieben:Der durch den Verein gehende Riss, den Hitzlsperger beschrieb, besteht noch. Er trennt heute aber vorwiegend die Anhänger des VfB in unterschiedliche Lager. Das unterscheidet diese Krise von vielen anderen zuvor. Da waren es nämlich die Fans auf der einen Seite, Hundt, Porth, Dietrich, Mäuser, Reschke und wie sie alle hießen auf der anderen. Wir da unten gegen die da oben. Das hatte auch etwas einendes. Wenn jetzt einige – auch hier drin – ihren inneren Abschied vom Verein verkünden, hängt das vielleicht auch mit dieser neuen Situation zusammen. Dass sich nun auch noch Staudt zu Wort meldet, ist sicher kein Zufall.
Vogt spaltet die Anhänger, und zwar bewusst. Er kumpelt mit den Kurvenfans, einigen Bloggern und Journos. Er weiß, dass die ihn alle in Ruhe lassen, wenn er sich (geht's eigentlich noch infantiler?) in seinem Kinderzimmer mit den Fanutensilien ablichten lässt, wenn er im Fanzug mit nach Dortmund fährt, bei der Karawane von der Brücke winkt oder Selfies mit Riky macht. Riky hat das, so meine Vermutung, durchschaut, und wollte sich nicht weiter instrumentalisieren lassen, weshalb er sich zurück gezogen hat. Die meisten anderen raffen es nicht, vermutlich fühlen sie sich sogar gebauchpinselt, wenn ihr Präsi im Zugabteil nebenan sitzt, „einer von uns“ eben. Die Kurvenfans sind die lauten, die man hört, im Stadion und auf Social Media. Sie sind aber nicht die Mehrheit. Müssen sie auch nicht, denn solange beispielsweise Wahlen nur in Präsenz und nicht online abgehalten werden, zieht niemand dem Claus und seiner Bande den Stecker.
Der Spalter Vogt hat bisher Null Interesse gezeigt, auch diejenigen mitzunehmen, die seinem Kurs kritisch gegenüber stehen. Das hat er in der Auseinandersetzung mit TH nicht getan und macht es jetzt bei der Personalie Mislintat nicht. Er spricht keine versöhnlichen Worte. Er nähert sich anderen Meinungen nicht an. Er schweigt ganz einfach. Im Streit mit Hitzl hat er die Blogger und ihm geneigte Schreiberlinge benutzt, um seine Standpunkte unters Volk zu bringen. Jetzt hat er hierfür erster Linie Wehrle (und die lächerliche Mischpoke aus seiner Play-Fair-Bude wie Prechtl oder Merz. Wobei ich annehme, dass die selbst einem CV zu peinlich sind). Ob Wehrle ein nützlicher Idiot oder Überzeugungstäter ist, da bin ich mir noch nicht sicher. Spielt aber auch keine Rolle. Vogt hat mithilfe der (Kurven-)Fans den Verein auf seine Linie gebracht. Nahezu alle Personen, sei es in den Gremien oder als Berater, die zuletzt neu dazu gekommen sind, liegen auf seiner Linie. Seine Kritikersind weg. Mislintat, der unbequem und bei den Fans äußerst beliebt ist, wird ebenfalls gehen. Dafür kommt Gente. Die damit drohende erneute öffentlichen Demütigung wird sich Mislintat nicht antun. Mit den dann folgenden Besetzungen Sportdirektor und Trainer gibt es nahezu keine Person in verantwortlicher Position in Verein oder AG mehr, die nicht von Vogt protegiert wurde und ihm deshalb Dank und Gefolgschaft schuldet.
Der Gedanke, dass Anhänger bestimmenden Einfluß auf einen Bundesligaclub haben, mag romantisch sein, wird aber im Desaster enden, da bin ich mir ziemlich sicher. Sportlich werden wieder Karl-Heinz F. und die ganze verrottete Bande mitreden. Die wurden die letzten Jahre von TH und SM rausgedrängt, jetzt wittern sie Morgenluft. Denen ist es noch nie um das Wohl des Vereins gegangen. Wir werden uns noch nach den Zeiten von „Svens Fehleinkäufen“ zurücksehnen. Sponsoren werden sich zurückziehen bzw. gar nicht erst für den VfB gewonnen werden können. Statt seriöser Ansprechpartner bieten wir ihnen einen Fanpräsidenten nebst Karnevalsprinzen und Hofstaat, der mit PlayFair ganz unverhohlen investorenfeindliche Positionen vertritt. Ich orakel mal, dass Daimler in einem derartigen Umfeld über kurz oder lang ganz aussteigen wird. Und wenn wir dann keinen Ersatz an der Hand haben.,wonach es bis jetzt ja aussieht, sind wir komplett gefxxxt. Hab‘ ich was vergessen?
Alles in Allem treffend beschrieben, abgesehen davon, dass man die Frage "nützlicher Idiot oder Überzeugungstäter"? ähnlich auf Vogt selbst anwenden kann. Dass er sich von den falschen Leuten beeinflussen lässt bzw. die falschen Leute mitreden lässt, ist eben auch ein Faktor. Dazu kommt das Problem, dass man einen eitlen Adrion ins Präsidium gewählt hat, der nicht verstehen will, wie lange "seine Zeit" schon vorbei ist - und das im Prinizp ausschließlich deshalb, weil Adrion mit einem einzigen Satz auf einer MV den Sturz von Dietrich eingeleitet hat. Letztlich alles ein gutes Beispiel dafür, dass Revolutionäre, die ein untragbares System stürzen, danach nicht selbst beim Neuanfang die Macht übernehmen sollten. Die meisten meinen es nichtmal böse und überschätzen sich oder ihre Berater einfach gewaltig.
Es gab jetzt wohl schon einige wichtige Abstimmungen, auch das Verhältnis mit Sponsoren betreffend, in denen Christian Riethmüller von den anderen beiden überstimmt wurde. Hätte man damals ihn statt Vogt zum Dietrich-Nachfolger gewählt, wäre uns vielleicht Vieles erspart geblieben.
Hitzlsperger kann man übrigens durchaus vorwerfen, dass er nicht konkret genug angesprochen hat, was das Problem ist und bei seinem handwerklich falsch begonnenen Aufstand auf halber Strecke einfach kapituliert und dann geschwiegen hat. Mit Hitzlsperger und Mislintat geschlossen gegen ihn wäre Vogt nicht wiedergewählt worden. Und der Dank ist, dass die Ex-Revolutionäre es jetzt zulassen und zu großen Teilen fördern, wie Wehrle Mislintat seit seinem Amtsantritt mit fast allem was er tut dazu provoziert, hinzuschmeißen.
Es verwundert mich, dass er das immer noch nicht gemacht hat, während er kein Problem hätte, bei einem Klub mit deutlich angenehmeren Rahmenbedingungen unterzukommen. Aber jetzt haben sie mit der Trainerfrage den richtigen Hebel gefunden, um eine für Mislintat unzumutbare Situation zu schaffen.
Das Resultat wird sein, dass Alex der Karnevalsclown hier ein ganz übles Kaliber vom Format Horst Heldt anschleppen kann - und es noch lange dauern wird, bis wir diese beispiellose Fehlbesetzung an der Spitze des AG-Vorstands losgeworden sind (was dann vermutlich auch gleichbedeutend mit dem Ende von Vogt ist).
Dass die Kurven-Fans auf Vogts Seite sind, würde ich übrigens nicht so unterschreiben. Aber er hat sich eben ausreichend gut mit der Kurve gestellt, damit die Kurve neutral bleibt - und das reicht aus für verheerende Konsequenzen in diesen Monaten.
... weil diese Mannschaft 1.000 Mal besser ist als Wehrle es verdient.
Ok, Goofy.