So, nachdem ich noch mal darüber geschlafen habe und die diversen kleineren und größeren Fakten, die bislang bekannt geworden sind, sortiert habe, gehe ich inzwischen davon aus (Achtung Interpretation

), dass die Trennung von Schindelmeiser auf mehreren Gründen basiert.
Zum einen ein persönliches Nicht-Miteinander-Können zwischen Dietrich und Schindelmeiser. Dafür sprechen solche Kleinigkeiten, wie die weiter oben von mir zitierten Aussagen Dietrichs in der Affäre JSch-Luhukay als auch im Rahmen von Ausgliederungswerbeveranstaltungen. Auch Schindelmeisers Körpersprache und Gesichtsausdruck hat bei eben diesen Veranstaltungen für mich nie den Eindruck gemacht, dass er und Dietrich ein Team seien. Das sah jeweils ganz anders aus, wenn er mit seinen Vorstandskollegen oder mit Hannes Wolf aufgetreten ist. (Obwohl er vom Typ her, so glaube ich, ein Mensch ist, der höflich und freundlich und auch gewinnend sein kann, aber halt nicht so leicht nahbar). Man hat die beiden auch nie in so vertrauter Umarmung gesehen, wie jetzt bei der Vorstellung von Reschke durch Dietrich. Reschke ist da für mich eindeutig Dietrichs Mann. Und andererseits wird halt an einem Mitarbeiter/einer Führungskraft auch nicht länger als nötig festgehalten, wenn man mit ihr nicht kann.
Zum zweiten eine unterschiedliche Auffassung zwischen WD und JSch über die Rolle und die Kompetenzen eines Sportvorstands. JSch hatte sich wohl vorbehalten, die Richtlinien selbst und auch als letzte Instanz abzustecken und in gleicher Weise die Entscheidungen zu treffen. WD wollte da - unabhängig von der Qualität der Mitsprecher - wohl nur gemeinsam gefällte Entscheidungen und keine Alleingänge. Das musste zwangsläufig schiefgehen - und in dem Fall sticht halt Ober Unter, und der AR setzt den Vorstand ab. Dass sich Schindelmeiser im Verein/in der AG nicht zu viele Freunde gemacht hat, weil er gewisse Klüngel (wie Spielerberater) nicht bedient hat und möglicherweise auch die Kompetenz einiger der Leute, die immer mitsprechen wollen, als nicht so hoch gesehen hat, um sie zu Rate zu ziehen, half vermutlich nicht, diesen Machtkampf um die Deutungshoheit, wie die sportlichen Entscheidungen zu treffen sind, für sich zu entscheiden. (Übrigens sind solche Kompetenzgerangel auch recht oft die Folge von systemischen Unklarheiten, in diesem Fall hat der Untergebene die älteren Rechte, weil länger im Betrieb, der Vorgesetzte, der zwar später begonnen hat, ist aber nun mal der Vorgesetzte und darf es nicht dulden, wenn man ihm nicht folgt, sondern sein eigenes Ding macht.)
Zum dritten eine unterschiedliche Auffassung bei der Entwicklung des Fußball-Teams und der AG. Die Äußerungen Dietrichs in diesem Sommer lassen vermuten, dass es ihm nicht schnell genug gehen kann, den VfB wieder in CL-Regionen zu bringen. (Worin er sich wohl im Gleichklang mit der Mehrheit der (Fans und) Mitglieder befindet, die ihn und die Ausgliederung befürwortet haben). Dazu passen auch die wohl sehr ehrgeizig gesteckten Ziele im Rahmen der Ausgliederung, sowohl was die Generierung von Geldern durch den sportlichen Erfolg als auch der Gelder betrifft, die eine Veräußerung weiterer Anteile an der AG einbringen soll. Bei Schindelmeiser hatte ich immer den Eindruck, dass er nicht ganz so verwegen, sondern eher langfristig und nachhaltig dachte, wobei man bei seiner Zusammenstellung des Spielerkaders durch vorwiegend sehr junge, bundesligaunerfahrene Spieler durchaus auch eine Art Verwegenheit sehen könnte...
Und damit kommen wir zum vierten Punkt der Gründe: Die Unzufriedenheit des AR über die Zusammenstellung des Kaders durch Schindelmeiser, die, wie @Barfly verlauten ließ, der ja Quellen aus dem sportlichen Staff besitzt, wohl der Hauptgrund für die Trennung war. Oder wie es nun schon mehrmals verlautete, die Unzufriedenheit über die Spieler, die Schindelmeiser NICHT geholt hat. Was darunter konkret zu verstehen ist, bleibt unklar. Sind es zu wenige Kracher? (Buchwald) Oder zu wenig erfahrene Spieler? (Gentner, Insua, Wolf) Oder weder Klinsmann Junior (Dietrich) noch Didavi (Förster via Barner)? Oder alles halt nicht zum versprochenen Zeitpunkt, dem Beginn des zweiten Trainingslagers? Oder war Schindelmeisers Liste abgearbeitet - und als letzte Wahl blieb nur noch Badstuber übrig? Darüber kann ich nur spekulieren, so lange keine konkreten Vorwürfe öffentlich werden. Wenn man die Arbeit Schindelmeisers unabhängig von den Umständen (Transfersummenwahnsinn in diesem Sommer, der ja nicht nur den VfB betrifft, Unattraktivität des VfB als Aufsteiger, etc.) bewertet, dann kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass er seine Ziele, die er selbst artikuliert hat oder die die AG von ihm erwartet, nicht oder nur teilweise erfüllt hat und/oder erfüllen kann. Und dann ist eine Trennung, obwohl die Transferperiode noch gar nicht vorbei ist, möglicherweise ein letzter Versuch, bessere Ergebnisse zu erzielen.
Womit ich zum fünften Punkt komme - und jetzt wird es für solche Menschenfreunde wie mich ein wenig unangenehm, weil es sich dabei halt auch knallhart um eine einseitig leistungsbezogene Unternehmensführung handeln könnte, die mir persönlich nicht so behagt, weil ich selbst im betrieblichen Kontext immer auch den Aspekt von gewachsenen persönlichen Beziehungen hoch halte, insofern die dem Erfolg nicht im Wege stehen. Die Möglichkeit, dass es sich bei dem Wechsel des Sportvorstands schlicht um eine qualitativ hochwertigere Besetzung dieser Position durch einen Mann gehandelt haben kann, der sich in Deutschland einen geradezu legendären Ruf im Scouting und in der Kaderplanung erworben hat und just in diesem Moment auf den Markt gekommen ist. Wenn wir ehrlich sind, dann haben manche Hotte verflucht, dass er 2008 nicht Klopp statt Veh als Trainer eingesetzt hat, als dieser auf den Markt gekommen ist. Der Ersatz von Schindelmeiser durch den bereits deutlich erfahreneren und allseits anerkannten Reschke könnte ein solcher Move und auch die eigentliche Agenda des Wechsels gewesen sein (was Dietrich in der Stellungnahme beim SWR ja auch andeutet, in der er von einer Neuaufstellung spricht, die den gesetzten Zielen mehr dient).
Wenn diese meine Vermutungen stimmen sollten (

), finde ich es sehr schade, dass die AG (in Person von Dietrich) nicht ausschließlich in einer sachlichen Art und Weise kommuniziert hat, warum man einen Wechsel auf der Position des Sportvorstands vornehmen wollte. Das hätte für mich Größe gehabt, gerade, weil der Vorgänger ja nicht unerfolgreich und insbesondere auch beliebt war. (Vergleichbar vielleicht zu dem Wechsel auf der Trainerposition seinerzeit bei Mainz vom Aufstiegstrainer Andersen zu Tuchel, bei dem man halt mehr Potential gesehen hat.) Warum man eine Absetzung via Presse vorbereiten musste (wo man doch sonst so Wert darauf legt, dass Interna intern bleiben) und diesen Journalisten dann mMn offensichtlich auch vorab mit der Information über die Absetzung informiert hat, wohl damit er im Sinne des Urhebers die öffentliche Meinung lenkt: Das hat für mich mehr als nur ein Gschmäckle und schafft bei mir Misstrauen und nicht Vertrauen in die handelnden Personen. Und da vermute ich halt doch auch verletzte Eitelkeiten im Spiel.
So - das habe ich jetzt auch geschrieben, um für mich Klarheit zu gewinnen und das Ganze abzuschließen. Man möge dies als meine Interpretation und nicht als die Wahrheit sehen.
Wenn die Unfähigkeit einen Decknamen braucht, nennt sie sich Pech.
- Charles Maurice de Talleyrand -