Hab mich gestern nach dem Geschäft mit nem Kumpel auf den Weg nach Kornwestheim gemacht und an der "rotes Sofa"-Veranstaltung teilgenommen. Neben Wolfgang Dietrich und Guido Buchwald war überraschender Weise auch Jochen Röttgermann vor Ort (der der Diskussion sichtlich gut tat, weil er Fragen doch um einiges ruhiger und sachlicher beantwortete, als sein Vorstands-Kollege). Nach einer etwas langwierigen Einleitung durch die Oberbürgermeisterin, gab es eine Rede von Wolfgang Dietrich (im Prinzip eine Kurzzusammenfassung der VfB-Dialog-Veranstaltung vom Vortag). Es folgte eine Diskussion-Runde, die Anfangs von der Oberbürgermeisterin Ursula Keck und dem Ersten Bürgermeister Dietmar Allgaier geführt wurde (teilweise sogar mit sehr kritischen Fragen) und die irgendwann in eine offene Frage-Runde überging. Da die offene Frage-Runde (von Seiten der Oberbürgermeisterin) leider ziemlich abrupt und überraschend beendet wurde, konnte ich meine Fragen nicht mehr öffentlich stellen. Ich hatte (nach etwas Wartezeit) jedoch noch die Möglichkeit persönlich mit Jochen Röttgermann zu sprechen, der mit Abstand der gefragteste Gesprächspartner war. Da die Veranstaltung doch informativer war als ich vermutet hatte und auch ein paar interessante Dinge angesprochen wurden, hab ich irgendwann begonnen mir kurze Notizen zu machen. Wie gesagt kurze Notizen. Ich möchte keine Garantie darauf geben, das entsprechende Aussagen so Wort für Wort getätigt wurden, sondern lediglich das sind, was ich persönlich gestern aus der Veranstaltung mitgenommen habe.
- Etat / 4-Jahres-Plan: Der VfB wäre mit einem Etat von rund 45Mio abgestiegen. Sollte die Ausgliederung abgelehnt werden, würde dieser laut Dietrich "wohl nicht mehr ganz erreicht" und würde "Platz 14-18" in der Etat-Tabelle der Bundesliga bedeuten. Sollte die Ausgliederung durch gehen, "könnte man eine Stufe höher planen". Die 4-Jahres-Planung (während seiner Amtszeit) würde es vorsehen die Mitgliederzahlen auf rund 100.000 Mitglieder und den Etat auf rund 100Mio zu erhöhen, um wieder mit den Top6 der Bundesliga konkurrenzfähig zu sein. Man hätte im Rahmen der Planung errechnet, dass dafür "finanzielle Mittel von 270Mio" nötig wären/fehlen würden. Von den 270Mio wolle man 100Mio mit der Ausgliederung generieren und 100Mio durch die dadurch entstehenden Zusatzeinnahmen aus den Bereichen ("von Jochen Röttgermann") Sponsoring, Merchandising, TV-Gelder und Auslandsvermarktung, sowie Ticketing und Hospitality. Diese 3 Zahlen wurden von Dietrich auch später wiederholt. Die restlichen 70Mio "wolle Daimler zuschießen", gebunden an das Erreichen "verschiedener Meilensteine in der Planung". Meines Wissens fiel in diesem Zusammenhang der Begriff "Sponsoreninvest". Ich habe es auch so notiert. Allerdings bin ich mir nicht mehr zu hundert Prozent sicher, wie die Aussage getätigt wurde, deswegen würde ich dahinter erst Mal ein Fragezeichen stehen lassen. Der 4-Jahres-Plan sei "eng mit Daimler abgestimmt", die sehr genau wissen wollten, wie und für was ihr Geld verwendet werden würde.
- Ausgliederung: Dietrich wurde gefragt mit welchen 3 Argumenten er die Mitglieder von einer Ausgliederung überzeugen würde. Er antwortete (zusammengefasst): "wollen wieder erfolgreich sein", wollen " Tradition eine Zukunft geben" und "wollen wieder Feste feiern". Er erwähnte in diesem Zusammenhang auch das der VfB ja immer "erst verkaufen und dann kaufen" musste und das mit der Ausgliederung dann endlich eine "vernünftige Planung" gemacht werden könnte. Es gäbe dann "keine Ausreden mehr für Jan", keine guten Transfers zu tätigen. Über die erste Transferperiode unter seiner Regie zeigte er sich sehr angetan. Es würde zeigen "was für einen Weg" man gehen wolle.
- Zeitpunkt: Angesprochen auf den Zeitpunkt der Ausgliederung, antwortete Dietrich, dass man "das Momemtum und die positive Grundstimmung im und um den Verein" nutzen wolle. Auserdem gäbe es nur jetzt den neuen TV-Vertrag, der sich positiv auf die Bewertung des Vereins ausgewirkt hätte, eine unterzeichnete Zusage von Daimler, "die einstimmig im Aufsichtsrat beschlossen wurde" und man würde einen weiteren Abstieg "nicht verkraften".
- Gratis-Trikot / Propaganda: Dietrich wurde gefragt "ob man Stimmen kaufen müsste", oder warum es plötzlich ein Trikot, eine Essen- und Getränkemarke, ein Gewinnspiel, etc. geben würde und ob man "Angst hätte". Er antwortete darauf etwas harsch, "man kenne keine Angst" und schloss an, dass es das Trikot "ja für jeden Teilnehmer geben würde" und nicht an eine Ja-Stimme gebunden wäre und das es alles andere "ja schon immer bei solchen Verantstaltungen gegeben hätte" (Anm: was nicht korrekt ist). Man wolle auserdem "einen breiten Querschnitt der Mitglieder bei der Wahl". Angesprochen auf die Art und Weise des Vorstand, der den "Eindruck von Wahlkampf erwecken" würde, antwortete Dietrich das man "von der Ausgliederung überzeugt" sei und deshalb auch "dafür werben" wolle.
- Mitgliederrechte: Eine Frage drehte sich auch um die so artikulierte "Stärkung der Mitgliederrechte", worauf Dietrich mit der Gegenfrage "Wieviele Jahre wurde der Vorstand jetzt nicht entlastet?" antwortete und darauf verwies, das dass "bisher ja auch keine Konsequenzen" gehabt hätte. Die Mitglieder hätten das Recht, "das Präsidium und den Vereinsbeirat in Direktwahl" (Anm: ebenfalls nicht ganz korrekt) und damit "indirekt den Aufsichtsrat der AG" zu wählen. Seiner Meinung nach, würden die Mitgliederrechte dadurch sogar gestärkt.
Nach der Verantstaltung hatte ich wie gesagt die Chance kurz mit Jochen Röttgermann zu sprechen. Meine erste Frage drehte sich darum, ob man "Investionen in den Kader nicht als großes Risiko ansehen würde" und warum man "keinen größeren Anteil der Summe für Bereiche wie Infrastruktur, Scouting, Abzahlung des Stadions, etc. aufwenden würde". Er blickte mich etwas erstaunt an und fragte mich, wie ich darauf kommen würde "das man den größten Teil in Kader stecken wolle?". Man wolle zwar das "jeder Euro der durch die Ausgliederung eingenommen würde, in den Sport fließt", aber man hätte nicht vor 2-3 Top-Stars zu kaufen, sondern möchte bewusst in alle Bereiche investieren, die der Mannschaft und der Jugend zu gute kommen. Allgemein wäre ich "einer der wenigen, die in diese Richtung argumentieren würden", sondern die meisten Leute die ihn ansprechen würden, hätten gerne "2-3 Top-Stars". Das er aber froh über solche Meinungen wäre, weil der Vorstand das "auch so sehen" würde. Ein großer Punkt bei den Änderungen die man plant, wäre z.B. das "Thema Big Data", bei dem man schon jetzt "mit vielen Unis" zusammen arbeiten würde und das man gerne noch massiver ausbauen würde, um z.B. schon im voraus "relativ genau sagen zu können, ob ein Spieler in die Mannschaft und das System das Wolf spielen lassen will passt". Angesprochen auf den "Footbonauten" der TSG Hoffenheim, erwiderte er, dass das "alles Dinge sind, die man auch auf dem Schirm hätte", "eventuell nicht gleich mit den ersten 41,5Mio", aber man wolle ähnliche Dinge auch in Angriff nehmen. Allgemein wolle man viele Dinge in der Infrastruktur über "günstige Bank-Darlehen, die mit dem Eigenkapital der Ausgliederung möglich wären" finanzieren. Meine zweite Frage drehte sich darum, warum der Verein "keine konkreten Zahlen oder Schlüssel" veröffentlichen würde, was man mit dem Geld vor hätte und "wieviel Geld in welche Bereiche fließen würde". Er antwortete darauf, das man "sich ungern von Außen unter Druck setzen" lassen würde, was automatisch passieren würde, wenn bekannt wäre, dass der VfB "Summe X in einen bestimmten Bereich investieren" wolle. Er nannte dabei das exemplarische Beispiel "man hätte im Masterplan jetzt 8,5Mio für einen 6er vorgesehen". Wenn diese Zahlen bekannt wären, würde "jeder Verein von Jan mindestens 16Mio" verlangen und so würde sich das in allen anderen Bereichen ähnlich gestalten.
Ein inoffizieller Bericht über die Veranstaltung in Kornwestheim.
Sieht so aus, als ob zumindest Schindelmeiser und Röttgermann auf der sachlichen Ebene argumentieren und nur Dietrich den Agitator macht (was ich auf den Tod nicht ausstehen kann). Bestätigt diejenigen im Forum, die pro Ausgliederung argumentiert haben. Und die der Ansicht sind, dass Daimler als Investor deutlich mehr kontrollieren wird, was der Verein macht. In Summe ergeben die nun diversen Aussagen auf der sachlichen Ebene allmählich ein überzeugendes Bild ab. Dietrichs Aussagen führen bei mir jedoch zu beständiger Aggression. Fürs Binnenklima im Verein würde imo ein anderer Präsident wohl mittelfristig besser tun.