Unbestritten: manche Vereine haben einen gewissen Namen, und da wollen Spieler gerne hin. Titel finden Spieler auch gut, zumindest nach eigener Aussage – ich denke das kann man getrost glauben, ist ja sehr plausibel. Und dann geht’s natürlich um Kohle.
Alles andere sollte man sich wirklich ein für allemal von der Backe putzen. Selbstverständlich ist Mario Gomez aus alter Verbundenheit zum Heimatverein zurückgekehrt – aber im Alter von 32 Jahren. Rooney ging zu Everton zurück, nachdem dort ein Investor mit dicken Taschen eingestiegen ist. Und so weiter.
Mein Lieblingsbeispiel: Steven Gerrard, das Maskottchen des Liverpool FC. Der war buchstäblich im Auto auf dem Weg zu Chelsea, als er einen Anruf bekam, dass Liverpool seine irren Gehaltsforderungen nach langem Hin und Her akzeptiert hatte. Soviel zu den Treuesten der Treuen.
Identifikation spielt schon eine Rolle, das sind ja keine Maschinen – aber ich glaube ganz fest, dass sich Spieler mit Teams identifizieren, wenn ihnen das Kicken dort Spaß macht, wenn sie den Zeugwart mögen, einen Draht zu den Fans haben, und morgens gern aufstehen und zum Training fahren. Daran muss man auf allen Ebenen arbeiten, vom Parkplatzwächter bis zum Präsidenten, dann kann man auch mal eigene Talente dabehalten. Das ist sauschwer, weil dafür auch die Kaderzusammensetzung stimmen muss.
Und die besten werden trotzdem gehen, wenn andere Clubs ihnen viel Geld und hervorragende sportliche Perspektiven bieten. Totti und seine Roma, das ist ja eine nette Geschichte, aber der hat sich die Treue natürlich gut vergelten lassen. Und der Weltmeistertitel dürfte ihn darüber hinweggetröstet haben, dass er mit dem Verein “nur” einmal Meister war.
Klar hat Leipzig ein “Söldnerproblem”, aber frag’ mal in Dortmund nach. Oder bei Arsenal, in Sevilla, und auch in Liverpool: wenn Coutinho nach Barcelona will, dann geht Coutinho letztendlich auch nach Barcelona, geiler Heavy-Metal-Fußball und Kloppo hin oder her.
Kann sein, dass es in einem Plastikclub schwieriger ist, eine “kollektive Mentalität” zu erzeugen – aber verloren gehen kann die überall ganz schnell, auch bei Real Madrid oder Athletic Bilbao oder sonstwo. Wenn alle oben erwähnten Aspekte sich die Waage halten, dann hat ein Plastikclub einen klaren Nachteil gegenüber einem etablierten Club, sonst eher nicht so.