29269 Beiträge

higgi
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Warum die USA sich jetzt mitten im Krieg eine zweite Front aufmacht, muss man auch nicht verstehen oder?
Die Chinesen werden militärisch jetzt alles auffahren was schwimmen oder fliegen kann
von daher

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vivafernanda hat geschrieben:Also ich würde ja niemals einen CSU - Politiker in Schutz nehmen, außer vielleicht den Exbundeminister für Entwicklung und Zusammenarbeit Müller, der war toll, fand ich.
Der war für ich der Einzige, der von denen Respekt verdient hatte.

vivafernanda hat geschrieben:Münchner sind in der Regel keine CSUler, so wie sie in der Regel auch keine FCBayern Fans sind, außer sie sind unter 12 Jahren alt, (jetzt mal seeehr allgemein gesagt) aber kriegen halt die Ergebnisse der Wählergewinnnung in der Provinz trotzdem ab.
Bei BT-Wahlen letzten Herbst waren die Grünen im Stadtgebiet defacto die Partei, mit den größten Zuwächsen. Und in manchen Wahlkreisen sind fast an die CSU rangekommen. Gewonnen haben sie dann letztendlich doch nur einen (München Süd). Alle anderen Wahlkreise hat die CSU abgeräumt.
Bei den LTW 2018 haben die Grünen in München 5 Mandate geholt (CSU 4). Wahlkreise um München herum: Alles schwarz.
Wenn ich das mit Stuttgart vergleiche, dann scheint mir Münchens Wählerschaft wesentlich beharrlicher darauf zu bestehen, dass sich so wenig wie möglich ändert. In Stuggi habe die Grünen im März letzten Jahres bei den LTW ja alle Direktmandate in der Stadt selbst gewonnen. Und sämtliche Mandate in den Wahlkreisen um Stuttgart herum auch.

Was meine Münchner Nachbarn gewählt haben, weiß ich natürlich nicht. Aber ich sage mal so: Sie gehören alle einer Alterskohorte an, die - statistisch gesehen - eher zum Wählerpotential der CSU gehört.[/quote]
"Ein Wort, Herr! Sag mir nur ein einziges Wort in diesem Elend!" - "Ich sage dir sogar zwei: Guten Appetit!"
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"Es gibt keine Lösung. Weil es kein Problem gibt."

schwaebi
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@fernanda
Danke - ja genau so habe ich das von damals vor über 20 Jahren auch in Erinnerung. Ansonsten regt mich der grüne Opa u.A. aus dem von Dir genannten Grund auch auf...

Ich habe eine 80jährige Mutter in Bayern. Die ist auch schon in Panik.
Die Dauer einer Minute hängt sehr davon ab auf welcher Seite der Klotüre man sich befindet.

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Monitor hat geschrieben:
higgi hat geschrieben:Der Russ wird das Gas nicht abschalten.
Solange er unsere Devisen will, wird das weiter laufen
Mit den Indischen Rupien kommt er nicht weit
mMn


Rupien? Wohl nicht wörtlich gemeint?

Edit: Indiens russische Ölimporte sind seit April um das 50-fache gestiegen: Offiziell


Russland wurde Indiens zweitgrößter Öl-Lieferant hinter dem Irak.
Indische Raffinerien kauften im Mai etwa 25 Millionen Barrel russisches Öl.
Indien ist die drittgrößte Öl importierende und verbrauchende Nation der Welt, über 80 %
werden importiert.

Und was wird Indien mit diesen 25 Mio Barrel machen? Können sie die verarbeiten? Sie haben in den letzten beiden Jahren einen Jahesverbrauch von im Durchschnitt 217 Mio Barrel gehabt. Man importierte jetzt also innerhalb eines Monats fast 40 Prozent mehr Öl, als man monatlich im Schnitt der letzten beiden Jahre verrbaucht hat.
25 Mio Barrel in einen Würfel gekippt erfordern nach meinen Berechnungen eine Kantenlänge von fast 350 Meter (ich hoffe, ich habe mir da jetzt keinen klops gebraten). Lang, hoch und breit. Das ist ein unfassbar größer Speicher. Ich bezweifele, das Indien diese Menge an leerer Speicherkapazität tatsächlich vorrätig hat. So was kostet viel Geld. Und das jetzt alle Inder 40 Prozent mehr mit ihren Rikschas in der Gegtend rumbrettern, nur weil sie mehr Sprit haben, glaube ich auch nicht. Und eine zusätzliche verarbeitende Industrie lässt sich auch nicht so schnell aus dem Boden stampfen.
Ich könnte mir deshalb eher vorstellen das:
1. Indien dieses Öl entweder gar nicht direkt importiert hat, sondern erstmal nur irgendwelche Vorverträge oder Optionen vereinbart wurden.
2. Möglichkeit: Es schippert/ankert in irgednwelchen Tankern. Aber zum Vergleich: Der größte jemals gebaute Öltanker hatte ein Fassungsvermögen von 652.000 Kubikmetern. 25 Mio Barrel haben aber ein Volumen von fast 40 Millionen Kubikmetern. Da die meisten Öltanker heutzutage aber ein wesentlich geringeres Fassungsvermögen haben, bräuchte man wohl hunderte von Öltankern, die dann randvoll irgendwo rumliegen würden. Was Wahnsinn wäre, da Tankerkapazitäten momentan extrem teuer geworden sind.
3. Indien hat dieses Öl tatsächlich stark rabattiert von Russland gekauft, verscherbelt den Kram aber jetzt selber (habe gelesen, dass russisches Öl zurzeit 4x so billig ist wie am Weltmarkt gehandeltes). Möglicherweise an Länder, die sich am Ölembargo gegen Russland beteiligen. Indien dürfte den Russen sehr viel weniger bezahlt haben, als der Russe dafür von dem ursprünglichem Abnehmern (den Embargo-Staaten) gezahlt bekommen hätte. Jeder weiß, dass Putin Verkaufsdruck hat.

Gewinner wäre in diesem Fall Indien. Verlierer: Putin und wir. Schiffstransporte sind sehr viel teurer als Pipelinetransfers.

Wenn Indien dieses Öl aber tatsächlich selbst verbraucht und es keine adäquaten Vorratslager für zusätzliche Mengen hat, dann müssten andere Indien-Lieferanten jetzt auf 25 Mio Barrel monatlich sitzen geblieben sein. Ist das so? Ich habe davon bisher nichts gehört.
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Passend dazu vielleicht auch das hier:

Yale-Papier räumt mit Mythen auf "Sanktionen lähmen Russlands Wirtschaft"

Immer wieder heißt es, die Russland-Sanktionen zeigten zu wenig Wirkung, der Westen schade sich damit selbst mehr als Putin. Eine Analyse der US-Universität Yale widerspricht dieser Einschätzung. Im Gegenteil: Die Sanktionen seien für die russische Wirtschaft verheerend, schreiben die Autoren.

Quelle: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Sanktion ... 90413.html

Und das ist der Link zur genannten Studie: https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm ... id=4167193
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Seren Dipity hat geschrieben:
factotum hat geschrieben:Dass die Energiewende, abgesehen von der Gas-Thematik, in den 4 Merkelkabinetten unter sehr weiträumiger Mitarbeit z.B. der CSU ein rechter Bockmist gewesen ist, macht die aktuelle Lage halt noch schlimmer, als sie sonst auch schon wäre.


Das war nicht nur ein Problem von Parteipolitik. Die Mehrheit der Deutschen war im Reden zwar für die Energiewende, aber im Handeln sehr strikt dagegen. Trotz unzähliger technischen Fortschritte hat beispielsweise jeder Einzelne im Schnitt seit 2014 mehr Energie verbraucht. Eine echte Energiewende ohne die Bereitschaft auch Energie einzusparen, ist aber gar nicht umsetzbar, wie viele Studien aufgezeigt haben.

Die Deutschen waren auch nicht bereit ihre Beziehung zur Automobilität zu ändern (Im Gegenteil). Die Fortschritte bei der Ausstattung von Häusern mit Wärmepumpen und Solaranlagen waren bescheiden und scheiterten allzu oft am Empfinden nicht ausreichend staatlich subventioniert zu sein. Über Windkraftanlagen und Stromtrassen brauchen wir erst gar nicht zu reden.

Natürlich muss man die Parteien auch dafür kritisieren, dass sie heutzutage immer hoch populistisch nur noch das umsetzen wollen, was eine klare Mehrheit der Bürger will. Wir haben sozusagen den Populismus zum obersten Prinzip erhoben. Aber manchmal muss Politik eben auch Entscheidungen treffen, basierend rein auf der überlegenen Expertise einer Minderheit von echten Fachleuten und dann dem Volk eben nachvollziehbar und transparent erklären, warum man ihm nicht basisdemokratisch folgt, sondern verantwortlich für die weitere Zukunft des Landes handeln muss, auch im Sinne der nächsten Generationen, die noch gar nicht wählen dürfen oder können.
Unsere Politiker brauchen endlich ein neues Volk!
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jagdhuette
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Der Füllstand der Gasspeicher entwickelt sich momentan recht ordentlich. Sollte es keinen Totalaufall geben und das Wetter im September/Oktober eher mild bleiben, könnte es diesen Winter reichen.

Monitor
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Local Zero hat geschrieben:3. Indien hat dieses Öl tatsächlich stark rabattiert von Russland gekauft, verscherbelt den Kram aber jetzt selber (habe gelesen, dass russisches Öl zurzeit 4x so billig ist wie am Weltmarkt gehandeltes). Möglicherweise an Länder, die sich am Ölembargo gegen Russland beteiligen. Indien dürfte den Russen sehr viel weniger bezahlt haben, als der Russe dafür von dem ursprünglichem Abnehmern (den Embargo-Staaten) gezahlt bekommen hätte. Jeder weiß, dass Putin Verkaufsdruck hat.

Gewinner wäre in diesem Fall Indien. Verlierer: Putin und wir. Schiffstransporte sind sehr viel teurer als Pipelinetransfers.

gekürzt und gefettet

Zitat higgi: Mit den Indischen Rupien kommt er nicht weit


War auf die Schnelle eine Erwiderung auf higgis Beitrag. Ganz so tief (wie die Inder und du) bin ich nicht
im Thema drin. Im Mai bekam ich immer mal wieder am Rande was von Indien und Sri Lanka mit.
Ich kann deine Fragen expertenmäßig nicht beantworten, auch wenn ich über das Thema immer mal
wieder höre, lese und was im www finde.


Sri Lanka has has been getting most of its fuel needs from neighbouring India, which provided it with a credit line. “We are buying fuel either using Indian credit lines and the foreign exchanges that we get from remittances.


Wie meistens, scheint fast alles miteinander verbunden zu sein.

https://www.newsfirst.lk/2022/06/14/fuel-crisis-sri-lanka-wants-another-usd-500-mn-from-india/

Why India Can’t Quit Russian Oil
Investments Indian and Russian public sector companies have made in each other’s oil sectors have created an umbilical cord between their energy industries.


It helps the Modi government that India’s two private refineries have also expanded their purchase of the Urals crude. The world’s largest refinery by capacity, in Jamnagar along the country’s western coastline, secured 27 percent of its oil from Russia in May, up from just 5 percent before April. The facility belongs to Reliance Industries Ltd., owned by India’s—and Asia’s—second-richest person, Mukesh Ambani. The refinery scores high in its ability to process crude of different grades, allowing it to pivot between different sources based on prices.


https://foreignpolicy.com/2022/07/13/india-russia-oil-imports-energy-ukraine-war/

OT

Im Februar / März hatte ich mal mit meinem Sohn gesprochen und es gab auch Fragen u. a.zu Kanada: Wieso, weshalb, warum...!

Mir fiel auf eine seiner / meiner Fragen ein älterer Artikel aus 2017 ein.

If Canada has so much oil, why is our gasoline so expensive?

November 15, 2017 •

Why are we paying a nearly 50 per cent premium on a product

that by all rights should be flowing from our kitchen faucets?


https://nationalpost.com/news/canada/if ... -expensive


The refiners, not the customers, were benefiting from the cheaper crude. “Refineries don’t pass on cheap crude costs if they don’t have to do so,” said Leach.
I could write several novels about what I do not know.

jagdhuette
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Halbdaggl
Local Zero hat geschrieben:
Monitor hat geschrieben:
higgi hat geschrieben:Der Russ wird das Gas nicht abschalten.
Solange er unsere Devisen will, wird das weiter laufen
Mit den Indischen Rupien kommt er nicht weit
mMn


Rupien? Wohl nicht wörtlich gemeint?

Edit: Indiens russische Ölimporte sind seit April um das 50-fache gestiegen: Offiziell


Russland wurde Indiens zweitgrößter Öl-Lieferant hinter dem Irak.
Indische Raffinerien kauften im Mai etwa 25 Millionen Barrel russisches Öl.
Indien ist die drittgrößte Öl importierende und verbrauchende Nation der Welt, über 80 %
werden importiert.

Und was wird Indien mit diesen 25 Mio Barrel machen? Können sie die verarbeiten? Sie haben in den letzten beiden Jahren einen Jahesverbrauch von im Durchschnitt 217 Mio Barrel gehabt. Man importierte jetzt also innerhalb eines Monats fast 40 Prozent mehr Öl, als man monatlich im Schnitt der letzten beiden Jahre verrbaucht hat.
25 Mio Barrel in einen Würfel gekippt erfordern nach meinen Berechnungen eine Kantenlänge von fast 350 Meter (ich hoffe, ich habe mir da jetzt keinen klops gebraten). Lang, hoch und breit. Das ist ein unfassbar größer Speicher. Ich bezweifele, das Indien diese Menge an leerer Speicherkapazität tatsächlich vorrätig hat. So was kostet viel Geld. Und das jetzt alle Inder 40 Prozent mehr mit ihren Rikschas in der Gegtend rumbrettern, nur weil sie mehr Sprit haben, glaube ich auch nicht. Und eine zusätzliche verarbeitende Industrie lässt sich auch nicht so schnell aus dem Boden stampfen.
Ich könnte mir deshalb eher vorstellen das:
1. Indien dieses Öl entweder gar nicht direkt importiert hat, sondern erstmal nur irgendwelche Vorverträge oder Optionen vereinbart wurden.
2. Möglichkeit: Es schippert/ankert in irgednwelchen Tankern. Aber zum Vergleich: Der größte jemals gebaute Öltanker hatte ein Fassungsvermögen von 652.000 Kubikmetern. 25 Mio Barrel haben aber ein Volumen von fast 40 Millionen Kubikmetern. Da die meisten Öltanker heutzutage aber ein wesentlich geringeres Fassungsvermögen haben, bräuchte man wohl hunderte von Öltankern, die dann randvoll irgendwo rumliegen würden. Was Wahnsinn wäre, da Tankerkapazitäten momentan extrem teuer geworden sind.
3. Indien hat dieses Öl tatsächlich stark rabattiert von Russland gekauft, verscherbelt den Kram aber jetzt selber (habe gelesen, dass russisches Öl zurzeit 4x so billig ist wie am Weltmarkt gehandeltes). Möglicherweise an Länder, die sich am Ölembargo gegen Russland beteiligen. Indien dürfte den Russen sehr viel weniger bezahlt haben, als der Russe dafür von dem ursprünglichem Abnehmern (den Embargo-Staaten) gezahlt bekommen hätte. Jeder weiß, dass Putin Verkaufsdruck hat.

Gewinner wäre in diesem Fall Indien. Verlierer: Putin und wir. Schiffstransporte sind sehr viel teurer als Pipelinetransfers.

Wenn Indien dieses Öl aber tatsächlich selbst verbraucht und es keine adäquaten Vorratslager für zusätzliche Mengen hat, dann müssten andere Indien-Lieferanten jetzt auf 25 Mio Barrel monatlich sitzen geblieben sein. Ist das so? Ich habe davon bisher nichts gehört.



Soweit ich weiß gibt es in Deutschland keine Öl-pipelines. Anonsten stimme ich deiner Theorie zu.
Sprich wir werden schon immer per Schiff versorgt. Evtl in der ehemaligen DDR. aber das sollte mengenmäßig nicht die große Rolle spielen.

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Seren Dipity hat geschrieben:
higgi hat geschrieben:Der Russ wird das Gas nicht abschalten.
Solange er unsere Devisen will, wird das weiter laufen
Mit den Indischen Rupien kommt er nicht weit
mMn


Aber da liegt doch genau das Problem. Durch die Sanktionen kann Russland nichts mehr mit "Devisen" anfangen. Deshalb wollten sie ja auch unbedingt in Rubel bezahlt werden, damit der Rubel stabil bleibt und nicht noch eine Hyperinflation durch einen Währungsverfall entsteht, vergleichbar z.B. mit der türkischen Lira.

Ich frage mich zurzeit des Öfteren, ob Deutschland seine bisherige (politische) Haltung zu diesem Krieg durchhalten wird, oder ob und ggf. wann die Stimmung kippt.

Seren Dipity hat geschrieben:Aus meiner Sicht hätte man entweder der Ukraine sehr entschlossen beistehen müssen, um Russland früh auch mit starken militärischen Problemen zu konfrontieren - das haben wir aber nicht gemacht und teilweise waren wir vermutlich auch dazu gar nicht in der Lage. Oder aber man wäre insofern konsistent geblieben, als dass man diesem Krieg gar nicht parteiisch beigetreten wäre, wie so vielen Angriffskriegen vorher bereits auch schon.
Die zweite Option ist defacto keine. Weil Russlands Krieg sich nicht nur gegen die Ukraine selbst, sondern auch gegen die Herrschaftsform "Freiheitliche Demokratie" an sich richtet. Hätte der Westen schneller, geschlossener und entschlossener boykottiert und Waffen geliefert, wäre dieser Krieg und der, der ihn angezettelt möglicherweise bereits Geschichte. Und Millionen kalter deutscher Ärsche im nächsten Winter kein Thema mehr.

Seren Dipity hat geschrieben:Jetzt haben wir uns durch eine ziemlich halbgare Haltung so richtig in die Nesseln gesetzt. Dieses Beispiel zeigt für mich auch, dass die Idee der "goldenen Mitte", die Idee des Kompromisses nicht immer automatisch die beste Lösung ist.
"Beste Lösungen" bei dem Grad der Komplexität internationaler Interessenslagen dürften nie möglich sein. Utopisch. Für mich ist wichtig: Wer hat das Potential dazu, global so viel Schaden anzurichten, dass es große Teile der Menschheit tatsächlich gefährden könnte. Momentan sehe ich da nur die USA, China, Russland und - noch nicht in dem Maße wie die drei, aber auf dem Weg dahin - Indien. Japan und D haben zwar eine große ökonomische Macht, sind aber militärisch zu schwach. Und weil Du heutzutage bei Deinen Entscheidungen es eben nie allen recht wirst machen können bin ich z.B. in Zeiten wie diesen (also Krieg in der Ukraine) übergangsweise auch damit einverstanden, ein kleineres Übel zu akzeptieren - also einen Kompromiss eingehen, den man unter anderen Umständen (hier: es ist kein Krieg in der Ukraine) - welches man sonst nie akzeptieren würde. Konkretes Beispiel:

Um sich aus der fatalen energetischen Abhängigkeit von Russland zu lösen - die uns schadet, die der Ukraine schadet, die diesem Russland nützt - und um die Zeit bis zur energetischen Transformation zu 100 % Öko-Energie zu überbrücken hielte ich es übergangsweise für moralisch legitim, Brennstoffe auch von Ländern zu kaufen, die ähnliche "Schurkenstaaten" wie Russland sind (SA; Katar, Aserbaidshan). Denn keines dieser Länder führt einen Krieg gegen uns (westliche, freiheitlich orientierte Demokratien), noch hätte es die militärischen Möglichkeiten dazu. Und wird sie aller Wahrscheinlichkeit auch nie haben, jedenfalls nicht in dem Ausmaß, in dem Russland sie hat.
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jagdhuette hat geschrieben:
Local Zero hat geschrieben:
Monitor hat geschrieben:
Rupien? Wohl nicht wörtlich gemeint?

Edit: Indiens russische Ölimporte sind seit April um das 50-fache gestiegen: Offiziell


Russland wurde Indiens zweitgrößter Öl-Lieferant hinter dem Irak.
Indische Raffinerien kauften im Mai etwa 25 Millionen Barrel russisches Öl.
Indien ist die drittgrößte Öl importierende und verbrauchende Nation der Welt, über 80 %
werden importiert.

Und was wird Indien mit diesen 25 Mio Barrel machen? Können sie die verarbeiten? Sie haben in den letzten beiden Jahren einen Jahesverbrauch von im Durchschnitt 217 Mio Barrel gehabt. Man importierte jetzt also innerhalb eines Monats fast 40 Prozent mehr Öl, als man monatlich im Schnitt der letzten beiden Jahre verrbaucht hat.
25 Mio Barrel in einen Würfel gekippt erfordern nach meinen Berechnungen eine Kantenlänge von fast 350 Meter (ich hoffe, ich habe mir da jetzt keinen klops gebraten). Lang, hoch und breit. Das ist ein unfassbar größer Speicher. Ich bezweifele, das Indien diese Menge an leerer Speicherkapazität tatsächlich vorrätig hat. So was kostet viel Geld. Und das jetzt alle Inder 40 Prozent mehr mit ihren Rikschas in der Gegtend rumbrettern, nur weil sie mehr Sprit haben, glaube ich auch nicht. Und eine zusätzliche verarbeitende Industrie lässt sich auch nicht so schnell aus dem Boden stampfen.
Ich könnte mir deshalb eher vorstellen das:
1. Indien dieses Öl entweder gar nicht direkt importiert hat, sondern erstmal nur irgendwelche Vorverträge oder Optionen vereinbart wurden.
2. Möglichkeit: Es schippert/ankert in irgednwelchen Tankern. Aber zum Vergleich: Der größte jemals gebaute Öltanker hatte ein Fassungsvermögen von 652.000 Kubikmetern. 25 Mio Barrel haben aber ein Volumen von fast 40 Millionen Kubikmetern. Da die meisten Öltanker heutzutage aber ein wesentlich geringeres Fassungsvermögen haben, bräuchte man wohl hunderte von Öltankern, die dann randvoll irgendwo rumliegen würden. Was Wahnsinn wäre, da Tankerkapazitäten momentan extrem teuer geworden sind.
3. Indien hat dieses Öl tatsächlich stark rabattiert von Russland gekauft, verscherbelt den Kram aber jetzt selber (habe gelesen, dass russisches Öl zurzeit 4x so billig ist wie am Weltmarkt gehandeltes). Möglicherweise an Länder, die sich am Ölembargo gegen Russland beteiligen. Indien dürfte den Russen sehr viel weniger bezahlt haben, als der Russe dafür von dem ursprünglichem Abnehmern (den Embargo-Staaten) gezahlt bekommen hätte. Jeder weiß, dass Putin Verkaufsdruck hat.

Gewinner wäre in diesem Fall Indien. Verlierer: Putin und wir. Schiffstransporte sind sehr viel teurer als Pipelinetransfers.

Wenn Indien dieses Öl aber tatsächlich selbst verbraucht und es keine adäquaten Vorratslager für zusätzliche Mengen hat, dann müssten andere Indien-Lieferanten jetzt auf 25 Mio Barrel monatlich sitzen geblieben sein. Ist das so? Ich habe davon bisher nichts gehört.



Soweit ich weiß gibt es in Deutschland keine Öl-pipelines. Anonsten stimme ich deiner Theorie zu.
Sprich wir werden schon immer per Schiff versorgt. Evtl in der ehemaligen DDR. aber das sollte mengenmäßig nicht die große Rolle spielen.
Doch, die "Transalpine". Das Öl kommt über - ja Grüß Gott Herr Söder - Bayern nach D. Importierte Menge 2018: 42 Mio Tonnen. Und die "Freundschaft" (Zonenjargon :mrgreen: ) bis nach Schwedt. Kapazität: 1 Mio Barrel pro Tag.
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Local Zero hat geschrieben:Indien hat dieses Öl tatsächlich stark rabattiert von Russland gekauft, verscherbelt den Kram aber jetzt selber (habe gelesen, dass russisches Öl zurzeit 4x so billig ist wie am Weltmarkt gehandeltes). Möglicherweise an Länder, die sich am Ölembargo gegen Russland beteiligen. Indien dürfte den Russen sehr viel weniger bezahlt haben, als der Russe dafür von dem ursprünglichem Abnehmern (den Embargo-Staaten) gezahlt bekommen hätte. Jeder weiß, dass Putin Verkaufsdruck hat.

Ein naheliegender Gedanke, auch für Länder wie Saudi Arabien, welche ebenfalls massiv russisches Öl aufkaufen. Allerdings haben wir ja jetzt auch alle gelernt. Dass Öl nicht gleich Öl ist und Raffinerien wie die in Schwedt russisches Öl verarbeiten können und anderes hingegen nicht. Russisches Öl würde also gemäß seiner spezifischen chemischen Qualität immer und überall wieder als russisches Öl identifizierbar sein. Natürlich könnten Staaten die eigentlich Russland sanktioniert haben dieses Öl über Dritte trotzdem aufkaufen, aber keiner in der Lieferkette könnte sich herausreden, er habe nicht gewusst, woher das Öl tatsächlich kommt. Für Deutschland und auch die allermeisten europäischen Staaten schließe ich solche Deals aus. Politiker die so etwas durchziehen wollten, würden das karrieretechnisch nicht überleben.

Local Zero hat geschrieben:Yale-Papier räumt mit Mythen auf "Sanktionen lähmen Russlands Wirtschaft"

Dieses Yale-Paper ist sehr umstritten, weil es in Ermangelung von Originaldaten und Informationen aus Russland auf groben Abschätzungen beruht. Ich glaube, dass im Moment niemand vorhersagen kann, was die Sanktionen mittelfristig bewirken. Nicht mal die Russen selbst dürften dazu in der Lage sein. Andere Studien/Autoren haben darüber spekuliert, ob die Sanktionen nicht auch für Russlands Wirtschaft eine große Chance darstellen fehlende Produkte/Technologien im eigenen Land aufzubauen und/oder neue Handelspartner zu finden.

Local Zero hat geschrieben:Die zweite Option [weitestgehend Neutralität] ist defacto keine. Weil Russlands Krieg sich nicht nur gegen die Ukraine selbst, sondern auch gegen die Herrschaftsform "Freiheitliche Demokratie" an sich richtet.

Das mag ja sein. Trotzdem sind sich die meisten Militär-Experten darin auffallend einig, dass Russland keinen NATO-Staat angreifen würde. Der Ukraine-Krieg ist ja nun wahrlich keine Werbung für die Funktionstüchtigkeit der russischen Armee. Ich halte gerade dieses Argument, wonach in der Ukraine auch unsere „Freiheit“ verteidigt würde, für ein vorgeschobenes Argument. Unsere Freiheit war in der Ukraine nie in Gefahr.

Local Zero hat geschrieben:Hätte der Westen schneller, geschlossener und entschlossener boykottiert und Waffen geliefert, wäre dieser Krieg und der, der ihn angezettelt möglicherweise bereits Geschichte. Und Millionen kalter deutscher Ärsche im nächsten Winter kein Thema mehr.

Wie? Du meinst, Russland wäre dann bereits besiegt und wir würden uns das Gas und das Öl dort einfach rausholen wie es uns gerade gefällt? Selbst wenn es gelungen wäre mit einem entschiedeneren Handeln – auch schon vor dem 24.02. ! – die russische Armee zurück zu schlagen, würde Russland immer Herr über die eigenen Ressourcen geblieben sein. Man weiß nicht, was dann passiert wäre. Evtl. hätte Russland früh eingelenkt und der Konflikt wäre noch vor der bekannten Eskalationen wieder abgeflaut oder aber die russischen Nationalisten hätten diesen Krieg mit aller Härte weiter geführt. Das ist aus meiner Sicht alles reine Spekulation. Für den Fall, dass wir uns entschlossen hätten der Ukraine mit Waffenlieferungen robust zur Seite zu stehen, hätten wir uns von Anfang an darauf einstellen müssen, auf Rohstofflieferungen aus Russland für sehr lange Zeit zu verzichten, wenn nicht gar für immer.

Aktuell, auf Basis der mir verfügbaren Informationen, sehe ich es ungefähr so:

Fall 1:
Falls der Konflikt zu befrieden wäre, wenn Russland die prorussisch dominierten Gebiete Krim, Luhansk und Donezk bekommt, würde ich eher dazu tendieren dafür keine deutsche Kriegsbeteiligung einzugehen. Aus meiner Sicht sind solche Konflikte ohnehin für keine Seite militärisch lösbar. Und warum sollte sich Deutschland/Europa in einen Krieg verwickeln lassen, bei dem zwei Staaten darüber streiten, ob bestimmte Regionen russisch, ukrainisch oder autonom sein sollen, wenn das militärisch gar nicht zu regeln ist? Seit wann tun wir sowas? 2014 haben wir das jedenfalls mit der Krim-Annexion noch nicht getan. Was ist zwischenzeitlich passiert, dass wir glauben uns in solche Konflikte von Nicht-NATO-Staaten einmischen zu dürfen/können/sollen? Vorallem: wie sieht unsere angestrebte Lösung aus, die dann im Alltag der Menschen miteinander eine Chance haben könnte?

Fall 2:
Russland will über die prorussisch dominierten Gebiete hinaus in die Ukraine jenseits des Dnjepr vordringen. Dann könnten wir uns für unsere eigene Glaubwürdigkeit nicht mehr davor drücken der Ukraine militärisch richtig beiseite zu stehen. Also nicht so Firlefanz-alibimäßig wie jetzt, sondern unsere Rüstungsunternehmen dürften liefern. Also Rheinmetall beispielsweise auch den Leopard II und die richtig schweren Waffen, die es dazu braucht.

Monitor
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Local Zero hat geschrieben:
jagdhuette hat geschrieben:
Local Zero hat geschrieben:

Soweit ich weiß gibt es in Deutschland keine Öl-pipelines. Anonsten stimme ich deiner Theorie zu.
Sprich wir werden schon immer per Schiff versorgt. Evtl in der ehemaligen DDR. aber das sollte mengenmäßig nicht die große Rolle spielen.
Doch, die "Transalpine". Das Öl kommt über - ja Grüß Gott Herr Söder - Bayern nach D. Importierte Menge 2018: 42 Mio Tonnen. Und die "Freundschaft" (Zonenjargon :mrgreen: ) bis nach Schwedt. Kapazität: 1 Mio Barrel pro Tag.
gekürzt

Monitor schreibt:

Ergänzend noch drei lesenswerte Artikel:

# 1:

Zur TAL:

Alessio Lilli
Der General Manager der TAL
sieht keine Öl-Lieferkrise und denkt über eine Zukunft ohne Rohöl nach.

Durch die TAL-Pipeline fließen 90 Prozent des österreichischen Rohölbedarfs und immerhin 40 Prozent des Gesamtbedarfs aller deutschen Raffinerien. Baden Württemberg und Bayern erhalten sogar 100 Prozent der benötigten Rohölmenge über die TAL.

Angesprochen auf die aktuelle Energieverknappung durch die Auswirkungen des russischen Angriffs auf die Ukraine erklärt Lilli: „Wir sind nicht die beliebteste Industrie, aber wir liefern problemlos an alle, die fossile Energie brauchen.“ Ein großes Wort. Vor wenigen Wochen unterbrach Russland den Ölfluss aus Kasachstan in Richtung Triest und damit auch in Richtung Österreich. Ein für den Export von kasachischem Erdöl bestimmtes Terminal in der südrussischen Hafenstadt Noworossijsk am Schwarzen Meer wurde gesperrt.

„Kein Problem“, beruhigt der Pipeline-Manager: „Der Rohölmarkt ist ziemlich flüssig und reorganisiert sich laufend.“ Aktuell gebe es nicht nur im Schwarzen Meer sondern auch in Libyen Probleme. Die 420 Riesenschiffe, die jährlich im Hafen von Triest ihre Ölladung löschen, gehören aber Ölproduzenten aus aller Welt. Lieferanten in Mittelamerika oder Afrika können jederzeit einspringen.

Könnte die TAL ihre Liefermenge denn auch erhöhen, zum Beispiel dann, wenn bei Gasverknappung mehr Rohöl benötigt würde? Auch das sei aktuell möglich, versichert Lilli. dolomitenstadt.at


~

#2. dw.com

Sanktionen gegen Russland

Faktencheck: Verstößt Indien gegen das EU-Ölembargo?

Russisches Rohöl billig importieren, um es zu verarbeiten und teuer in die EU und die USA zu exportieren? Indiens raffinierter Raffineriehandel wirft viele Fragen auf. Drei davon beantwortet der DW-Faktencheck.


https://www.dw.com/de/faktencheck-verst ... a-62239985

...Nach Angaben des Forschungszentrums Crea wurden im April und Mai dieses Jahres 75 Prozent des russischen Rohöls auf griechischen Tankern nach Indien und in den Nahen Osten transportiert.
Fazit: Ob Indien das EU-Embargo gegen Russland unterläuft, wird sich frühestens zeigen, wenn dieses vollständig in Kraft getreten ist.

Die Herkunft von Ölprodukten nachzuweisen, werde allerdings schwierig bleiben, sagt Rystadenergy-Vize-Präsident Wei Cheong Ho: "Es kann darauf hinauslaufen, dass Europa Mineralölprodukte aus Indien einführt, die mit russischem Öl vermengt sind. Die Nachverfolgung der Verwendung von russischem Öl wird eine Herausforderung."
~
Drei von vier Lieferungen nach Indien oder in den Nahen Osten wurden sogar von griechischen Schiffen geleistet: Griechische Reeder betreiben die weltweit größte Tankerflotte.
.

#3. n-tv.de

Kaufen, raffinieren, verschiffen Wie Indien russisches Öl in Europa verkauft

Springen asiatische Versicherer ein?

Auf den ersten Blick ist die Regelung ein Volltreffer. Ohne Versicherung gehen Schiffe mit russischem Öl an Bord ein hohes finanzielles Risiko ein, falls sie ihren Zielhafen überhaupt ansteuern dürfen. Dennoch zweifeln einige Experten an der Wirksamkeit des Verbots.

Denn dafür muss nachgewiesen werden, dass tatsächlich russisches Öl transportiert wird. Diese Vorgabe bröckelt bereits, wie die indischen Lieferungen nach Europa und in die USA zeigen. Und sie wird weiter bröckeln, weil immer mehr Tanker ihre Herkunft verschleiern, indem sie ihr GPS-Signal ausschalten und das Öl auf hoher See auf ein anderes Schiff verladen - so umgehen der Iran, Nordkorea und Venezuela schon seit Jahren westliche Öl-Sanktionen.


....erklärt eine Beratungsfirma aus der Schifffahrtsindustrie in einem "Politico"-Artikel: Würden sie wirklich 60 Millionen Fässer Öl auf dem internationalen Markt riskieren, um zwei Millionen russische verschiffen zu können? Die Antwort eines Branchenexperten fällt deutlich aus: "Ich glaube nicht, dass das ein attraktives Angebot ist."


https://www.n-tv.de/wirtschaft/Wie-Indi ... 15244.html

..mit dem Zitieren hakt es wieder mal, aber leicht zu erkennen, was von mir kam #1 #2 #3.....
I could write several novels about what I do not know.

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Seren Dipity hat geschrieben:
Local Zero hat geschrieben:Indien hat dieses Öl tatsächlich stark rabattiert von Russland gekauft, verscherbelt den Kram aber jetzt selber (habe gelesen, dass russisches Öl zurzeit 4x so billig ist wie am Weltmarkt gehandeltes). Möglicherweise an Länder, die sich am Ölembargo gegen Russland beteiligen. Indien dürfte den Russen sehr viel weniger bezahlt haben, als der Russe dafür von dem ursprünglichem Abnehmern (den Embargo-Staaten) gezahlt bekommen hätte. Jeder weiß, dass Putin Verkaufsdruck hat.

Russisches Öl würde also gemäß seiner spezifischen chemischen Qualität immer und überall wieder als russisches Öl identifizierbar sein. Natürlich könnten Staaten die eigentlich Russland sanktioniert haben dieses Öl über Dritte trotzdem aufkaufen, aber keiner in der Lieferkette könnte sich herausreden, er habe nicht gewusst, woher das Öl tatsächlich kommt.
Monitor hat ja gerade eben dankenswerterweise schön einige wichtige Infos dazugepackt.

Ich möchte ergänzen: Was den Rohöl-Transit angeht, würde ich Dir zustimmen. Die Herkunft dieser Plörre dürfte tatsächlich problemlos nachzuweisen sein. Der chemische Fingerabdruck ist wohl eindeutig. Nur: Indien verschifft m.W.n. kein russisches Rohöl in boykottierende Staaten (würde mich mal interessieren, ob sie das überhaupt tun; ich weiß es nicht). Sondern raffiniert das Öl vorher. Ob dieser chemische Fingerabdruck nach der Raffination dann noch vorhanden ist, da hätte ich meine Zweifel. Im übrigen auch daran, dass das im rohstoffgeilen Panikwesten so kurz vor dem Winter überhaupt jemand so genau wissen wollen würde. :mrgreen:

Und das die Inder raffinieren, belegt folgender Artikel. Der auch aufzeigt, dass dieses Geschäft auch für Indiens Wirtschaft selbst nicht ganz unproblematisch ist:

https://www.reuters.com/world/india/ind ... 022-06-01/

Seren Dipity hat geschrieben:Für Deutschland und auch die allermeisten europäischen Staaten schließe ich solche Deals aus. Politiker die so etwas durchziehen wollten, würden das karrieretechnisch nicht überleben..
Dafür würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen. Ich sage nur: Der Winter naht...

Zu Deinen weiteren Anmerkungne komme ich später. Jetzt ist erst mal Essenfassen.
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schwaebi
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Grasdaggl
Find ich nicht. Die Frauen in den USA generell machen mächtig Betrieb (haben schon Biden zum Wahlsieg verholfen) und sind RICHTIG sauer.

Und mal ganz ehrlich - wenn es um Abtreibung geht, sollte NUR die betroffene Frau zu entscheiden haben.
Die Dauer einer Minute hängt sehr davon ab auf welcher Seite der Klotüre man sich befindet.

Local Zero
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Achtung, Triggerwarnung! Mein folgender Text überschreitet geringfügig den im Segglforum gewohnten Umfang. Manche Seggl könnten davon verstört oder von ihm überfordert werden. Da diesbezüglich in der Vergangenheit (letzte Woche) über Auslösereize berichtet wurde, bitte ich Seggl, die von dieser Idiosynkrasie befallen sind, den folgenden Text nicht zu lesen.

Seren Dipity hat geschrieben:
Local Zero hat geschrieben:Yale-Papier räumt mit Mythen auf "Sanktionen lähmen Russlands Wirtschaft"

Dieses Yale-Paper ist sehr umstritten, weil es in Ermangelung von Originaldaten und Informationen aus Russland auf groben Abschätzungen beruht. Ich glaube, dass im Moment niemand vorhersagen kann, was die Sanktionen mittelfristig bewirken. Nicht mal die Russen selbst dürften dazu in der Lage sein.

Bei wem ist das Yale Paper „sehr umstritten“?
Wer bestreitet die darin gemachten Aussagen?
Warum möchtest du dich denn unbedingt darauf beschränken, nur danach zu fragen was die Sanktionen „mittelfristig“ bewirken?

Ich habe trotz nochmaliger Suche niemanden gefunden, der deren Erkenntnisse in Zweifel zieht (was aber natürlich nichts besagen muss). Die Yale Studie stützt ihre Aussagen auf „high frequency consumer data, online screening data, data from the shipping/container/port industry, data mining through complex big data sources, releases from Russia’s international trade partners, and comprehensive aggregate data from international organizations such as the World Bank, IEA, OPEC, and multinational businesses in addition to anecdotal reports and observations from business acquaintances, partners, and our team on the ground in Russia in performing what we believe to be one of, if not the most, comprehensive and wide-ranging analyses of the overall state of the Russian economy in the months following the implementation of unprecedented sanctions.“ (Yale Paper Seite 10 oben)

Das sind alles andere als „grobe Abschätzungen“, das sind (auch) hard facts. Dieses 42-köpfige, zwölfsprachige Forscherteam müsste schon recht blöde sein, würde es seine eigene Reputation und die ihrer Universität - Yale ist ja nun nicht gerade eine Baumschule – sowie die anderer beteiligter Universitäten (Columbia, LSE, Humboldt) - für eine nicht valide Studie aufs Spiel zu setzen.

Natürlich wird die Yale Studie kein zu 100 Prozent korrektes Bild der momentanen Situation der russischen Wirtschaft abbilden. Das war aber auch gar nicht das Ziel dieser Studie. Worum es geht, steht er gleich im ersten Satz (um den Mythos der „supposed “resilience” and even “prosperity” of the Russian economy“). Wir - und auch die Russen übrigens - wissen stand jetzt noch nicht, ob diese Studie das Ausmaß des Einbruchs der russischen Wirtschaft über- oder unterschätzt. Das ist auch gar nicht notwendig, denn dass sie massiv eingebrochen ist, würden wohl nur noch die Russen selbst bestreiten (oder die zahlreichen Putin-Freunde, die Russland im Ausland hat sowie die zahlreichen Propagandaopfer).

Gleichzeitig leistet sich Russland das teuerste, wofür man überhaupt nur Geld ausgeben kann: Einen riesigen Angriffskrieg auf ein sehr kampferprobtes, widerstandswilliges und in zunehmendem Maße konventionell-waffentechnisch mindestens gleichwertiges Land.

Das Yale Papier enthält insgesamt fünf Kern-Argumentationslinien.

1. Russlands Exporte und Importe sind auf seinem wichtigsten Markt, Europa, deutlich zurückgegangen, gleichzeitig scheitert Putins Versuch, diesen Ausfall in Asien auszugleichen. (siehe Yale Paper Section II)

2. fehlen den russischen Firmen wegen Lieferkettenunterbrechungen Komponenten, Teile, Technolgie und Vorprodukte (siehe Yale Paper Section III)

3. hat sich die Stimmung der russischen Verbraucher verschlechtert. (siehe Yale Paper Section IV)

4. hat Russland hat durch den Rückzug 1000 ausländischer Investoren innerhalb von nur vier Monaten 40 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts verloren. Investoren, die möglicherweise für Jahre oder Jahrzehnte auch nicht wieder zurückkehren werden. (siehe Yale Paper Section V)

5. sind die russischen Staatsfinanzen durch die Sanktionen stranguliert, während die Devisenreserven des Landes schwinden. (siehe Yale Paper Section VI)

Das ist wohl mehr als nur eine „Konjunkturdelle“. Und nichts - und darum gehts ja eigentlich - deutet darauf hin, dass die Sanktionen die Wirtschaft des Westens härter treffen als die Russlands. Ja, auch die Sanktionierer leiden unter ihren Sanktionen. Aber so fundamental neu ist diese Erkenntnis nun auch nicht, das ist das Wesen von Sanktionen. Zudem auch gehört, dass nur der sie ausübt, der sie sich auch leisten kann. Und im Übrigen hat auch nie irgendjemand, der noch halbwegs logisch denken kann jemals bestritten, dass die Sanktionen dem Westen nicht auch wehtun würden.

Aber, und das ist der entscheidende Punkt um den es hier geht: Wirklich rein gar nichts deutet darauf hin, dass Russland weniger unter diesen Sanktionen leidet als der Westen. Man findet diese Aussage des Öfteren zum Beispiel auf Twitter, wenn man sich dann aber anschaut, wer diesen hanebüchenen - und bislang übrigens auch noch nirgendwo belegten! - Unfug verbreitet, disqualifiziert sich deren Wahrheitsgehalt von ganz allein. Meistens sind das entweder einige versprengte LINKE-nahe Amerika/NATO-Hasser oder AfDler. Bemerkenswerterweise Personengruppen also, die höchstwahrscheinlich aus Moskau Geld bekommen/haben. Oder die üblichen Putin-„Versteher“ und selbsternannten „Cancel-Culture“-Opfer wie Wagenknecht, Guerot, Vad, Varwick, Welzer, Precht oder Merkel, die komischerweise trotzdem permanent irgendwo im Radio, Fernsehen oder Printmedien eine Bühne bekommen (False Balance at ist best).

Seren Dipity hat geschrieben:Andere Studien/Autoren haben darüber spekuliert, ob die Sanktionen nicht auch für Russlands Wirtschaft eine große Chance darstellen fehlende Produkte/Technologien im eigenen Land aufzubauen und/oder neue Handelspartner zu finden.

Das interessiert mich, könntest Du mir die entsprechenden Links dazu schicken oder Quellen nennen? Ich habe bisher keinen einzigen Ökonomen oder Wirtschaftswissenschaftler gehört oder gelesen, der das belegen könnte.

Meines Wissens nach verliert Russland gerade zehntausendfach seine wichtigste Ressource: Junge gut ausgebildete Fachkräfte (300.000 seit März, darunter 50.000 Informatiker). On top kommen da noch die Stand Anfang August ca. 40.000 Soldaten, die getötet wurden und etwa dieselbe Anzahl Verwundeter.

Ja, Russland hat bereits neue Handelspartner gefunden (siehe Ölexporte nach Indien). Mit den gestern in diesem Thread beschriebenen negativen Folgen. Nur werden diese neuen Handelspartner 1. nicht mal ansatzweise den Sanktionsausfall kompensieren können (siehe Yale Paper Section II). und sind 2. wohl häufig selbst nicht gerade die politisch stabilsten und wirtschaftlich verlässlichsten Geschäftspartner.

Und das Argument Russland könne „fehlende Produkte/Technologien im eigenen Land aufbauen“ kann man sich wahrscheinlich gerade täglich im russischen Staatsfernsehen anhören. Oder auf Deutsch-Twitter von den bereits oben genannten einheimischen Politikern oder RT. Was es nicht richtiger macht.

Das war es erst mal zu diesem Punkt, SD. Zu den weiteren später.
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Eine Drecksau von vielen. Korrupte Partei, nicht wählbar. Überlebt nur aufgrund von Labours Schwächen und einem Wahlsystem, das kleinen Parteien so gut wie keine Chance gibt.


Plan B
Grasdaggl
Wer hat, dem wird gegeben. :puke:

Das läuft in UK doch seit Thatchers Zeiten so. Sie war ja wohl die erste mit dieser Politik.

Aber die Schafherde ist halt geduldig und doof.
Carpe diem.

Vor 12 oder 13 Jahren gab’s einen Kommentar im Guardian, von einem betagten Kolumnisten, kannte ihn nicht. Er schrub die Neuen da seien glatter, schamloser und kaltherziger als Thatcher. Hat ihm keiner geglaubt, er hat aber recht behalten.





Seren Dipity
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Schoofseggl
@Local Zero

Ich muss mich vorab schon mal dafür entschuldigen, dass der Versuch meine Gedanken darzulegen heute etwa wirrer als sonst ausfallen könnte. Ich habe mir jetzt auch die Seuche eingefangen und einen ziemlichen Matschkopf.

Wo waren wir? Ach ja, zuerst mal nur bei dem Yale-Paper. Gerade weil ich es wirklich gut finde, dass du dir das Paper genauer angeschaut hast, eine Qualität von Ernsthaftigkeit und Gründlichkeit, die man heute nur noch bei sehr wenigen Diskutanten antreffen kann, tut es mir leid zu sagen, dass ich dieses Paper für irrelevant halte.

Das schreibe ich nicht aus reiner Bosheit, sondern, wie ich finde aus guten Gründen: Gehen wir nochmal kurz gedanklich einen Schritt zurück, bitte. Mit welchem Ziel hat der Westen Sanktionen verhängt? Mit dem Ziel die wirtschaftliche Situation in Russland so zu schwächen, auf dass daraus ein breiterer politischer Protest entsteht und politischer Druck auf Putin. Das eigentliche Ziel der Sanktionen ist also nicht den russischen Normalbürger wirtschaftlich zu ruinieren, sondern politischen Druck zu erzeugen. Ist das gelungen? Was sagt das Yale-Paper dazu? Es sagt gar nichts dazu und das ist kein Vorwurf meinerseits. Politischer Druck lässt sich mit harten Zahlen kaum messen. Wir wissen nicht ob und ggf. in welcher Form es in Teilen der russischen Bevölkerung bereits gärt. Was wir der sichtbaren Wirklichkeit entnehmen müssen, ist, dass es ganz offensichtlich kaum Proteste gibt, jedenfalls keine Massenproteste. Einige Informationen müssen uns sogar vermuten lassen, dass die Russen eher enger an Putin, ihren Führer, herangerückt sind und in einer Art nationalistischer Verblendung ihm treu zu folgen bereit sind. Mit das Bizarrste was ich von diesem Krieg erfahren habe, waren die Aussagen von Ukrainern, wonach ihre langjährigen guten Bekannten und Verwandten aus Russland ihnen nicht glauben, wenn sie ihnen schildern, das gerade russische Soldaten vor ihrem Haus stehen. Sie hielten das für westliche Propaganda. Ich hätte ehrlich gesagt nicht vermutet, dass Menschen sogar regelhaft bereit sind eher den bekannten Lügen des Staatsfernsehens zu glauben, als nahen Menschen die man seit Jahrzehnten kennt, mag und schätzt.

Kurzum: Unsere Sanktionen haben bisher noch nicht erreicht wozu sie gedacht waren: Putin unter Druck zu setzen, sein eigenes Volk gegen ihn zu mobilisieren.

Ich hoffe du kannst jetzt verstehen, weshalb ich aus verschiedenen Gründen keinen Sinn darin sehe darüber zu diskutieren, ob und mit welcher Genauigkeit die Surrogat-Parameter die die Yale-Studie verwendet die Wirtschaftslage in Russland darstellen kann. Es ist einfach irrelevant, solange das eigentliche Ziel der Sanktionen noch nicht erkennbar, geschweige denn quantifizierbar ist.

Hier könnte ich jetzt enden. Doch das würde gar nicht meine wahren Sorgen und Ängste ausdrücken. Deshalb gestatte ich mir noch einen Blick auf Deutschland. Du hast ja zurecht diese Aussage der AfD zitiert, die behauptet, dass uns die Sanktionen mehr schaden als den Russen. Trifft das zu?
Erinnern wir uns zurück, dann hat die Inflationsrate in Deutschland schon im Mai 2021 5,6% betragen. Das war vor allem durch die vielen Lieferengpässe wegen Corona verursacht. Was die bisherigen wirtschaftlichen Folgen betrifft, habe ich also auch wenig Zweifel daran, dass Russland bisher deutlich stärker von den Sanktionen betroffen ist im Vergleich zu uns. Aber wie sieht es bei uns mit dem politischen Druck aus, der aus diesen geringeren Sanktionsfolgen resultiert? Ist der auch geringer?

In diesem Winter droht uns, dass gasabhängige Brachen ihre Produktion herunterfahren oder sogar ganz einstellen werden. Es wird Arbeitslose geben, mindesten eine Menge Kurzarbeiter. Es kann uns passieren, dass Heizungssysteme stundenweise abgestellt werden, um Gas zu rationieren. In unserer entsolidarisierten Gesellschaft kaufen Leute jetzt Heizlüfter und drohen rücksichtslos und unvernünftig das Stromnetz zu überlasten. Es gehen Leute jetzt schon in den Wald und hacken wild Brennholz. Gestern sah ich eine erschütternde Umfrage, wonach 88% der Deutschen (ca. 5000 Befragte zu diesen Zeitpunkt der Online-Umfrage) unserer Bundesregierung nicht zutrauen die Gaskrise zu managen.

Und jetzt nochmal zur AfD. Seit Jahren schwadronieren dort einige Irre vom Untergang Deutschlands und dass sie sich für diesen Fall mit ihren Springerstiefeln für die Machtergreifung vorbereiten. Noch vor 3 Jahren dürften diese Torfköppe wohl kaum selbst daran geglaubt haben, dass es so einen Tag jemals geben könnte. Und jetzt stehen wir vor einem Szenario, welches droht die Menschen in Deutschland wirklich ganz empfindlich zu erschüttern. Die Trottel müssen gar nicht die Macht ergreifen, was passiert denn, wenn die plötzlich nicht mehr bei 10% liegen, sondern bei 15%? 20%? 25%? Also nochmal die Frage nach dem politischen Druck in Deutschland.

Man kann hier doch schon ahnen, dass sich das Ausmaß wirtschaftlicher Sanktionen in unterschiedlichen politischen Systemen, nicht proportional zum politischen Druck verhält. Wir in Deutschland sind in unserer Wohlstandsgesellschaft viel vulnerabler. Hier gibt es verschiedene Parteien und freie Wahlen, in Russland gibt es eine Diktatur, bzw. einen Mafiaclan aus Geheimdienstmitarbeitern.

Abschließend will ich noch betonen, dass die Diskussion um die Sanktionen für mich generell nur einen Nebenkriegsschauplatz darstellt bei diesem Konflikt. Worüber es aus meiner Sicht wirklich einer breiteren öffentlichen Diskussion bedürfte, sind die Waffenlieferungen, bzw. über die Option der Einstellung oder massiven Ausweitung von westlichen Waffenlieferungen um Verhandlungsdruck auf Selenskji und Putin aufzubauen. Obwohl wir von diesem Krieg auf verschiedenen Ebenen bereits sehr stark betroffen sind, ganz zu schweigen von der weltweiten Ernährungssituation, verhalten sich unsere europäischen Politiker viel zu passiv. Wobei Deutschland, von dem in Europa die meiste Führung erwartet wird, am zauderhaftesten ist und manchmal sogar peinlich.