fkAS hat geschrieben:Das Attentat spielt Trump mE schon sehr in die Karten und treibt ihm weitere Republikaner zu, die vielleicht nicht wählen gegangen wären.
Ich glaube, dass Leute, die jetzt nur wegen des Attentats Trump wählen würden, sonst aber vielleicht gar nicht gewählt haben, eher zu den schwer politisierbaren und damit auch polarisierbaren Leuten gehören, die in 4 Wochen oder 8 Wochen spätestens wieder in ihren Grund-Modus zurückfallen. Wenn es anders wäre, hätte es in den letzten Jahren unzählige Zwischenfälle/Anlässe gegeben sich nachhaltiger zu politisieren. Also natürlich wird es so Leute schon geben, aber wie viele werden das sein? Genug um das Wahlergebnis signifikant zu beeinflussen? Da habe ich eben Zweifel, aber in die Zukunft schauen kann ich natürlich auch nicht.
fkAS hat geschrieben:Das ist jetzt noch viel mehr eine Wahl für Demokratie und Rechtsstaat als sie ohnehin schon war.
Ich will Dir nicht zu nahe treten AS, aber schreibst Du das wirklich in voller Überzeugung? "Demokratie" und "Rechtsstaat"?
Beides ist doch schon komplett den Bach runter? Ich muss Dir doch jetzt nicht ernsthaft alles aufzählen, was in den USA rechtsstaatlich im Argen liegt? Wie viele, vor allem Schwarze, ohne auch nur halbwegs rechtsstaatliches Verfahren in privatisierten Gefängnissen darben? So etwas wie einen "70%-Rechtsstaat" gibts halt nicht.
Und Demokratie? 335 Millionen Einwohner, und der Wähler kann sich zwischen Trump und Biden entscheiden? Es haben eh nur Kandidaten eine Chance, die entweder selbst sehr viel Geld haben oder mit unzähligen Lobbygruppen schmutzige, extrem undemokratische Deals vorab machen. Google, Apple, Microsoft, Amazone und viele andere Weltfirmen teilen sich alle im Staate Delaware eine kleine Bürobutze als Firmenstammsitz, weil sie da keinerlei Steuern zahlen müssen. Es existiert keine demokratisch legitimierte Finanzierung der Infrastruktur in diesem Land. Mit dem, was man ursprünglich demokratisch nennt, hat das US-System wirklich gar nichts mehr zu tun, falls es überhaupt jemals etwas damit zu tun hatte.
Nö, sorry AS. Wenn es bei der Wahl um etwas geht, dann sicher nicht um den Rechtsstaat oder die Demokratie. Es geht wie bei den letzten Wahlen vor allem darum, wer an die Fleischtöpfe darf und zusätzlich noch darum, ob nach Schauspielern und ehemaligen Alkoholikern, jetzt auch ein komplett irrer Präsident werden kann.
Natürlich kann man jetzt eurozentrisch argumentieren, und vermuten, dass uns ein Demokrat ein zuverlässigerer Partner sein würde, als ein tollwütiger Irrer. Aber das ist mir irgendwie zu blöd. Europa muss jetzt ohnehin endlich mal erwachsen werden und seine Probleme selber in den Griff kriegen und bei dieser Wahl gehts nunmal vornehmlich um das Leben der 335 Millionen Leute die in den USA leben. Die haben wieder mal die Wahl zwischen Pest und Cholera. Die Nichtwähler werden dementsprechend erneut die mit Abstand größte Fraktion bilden. Menschen die es längst aufgegeben haben für ihr eigenes Leben an die Wirksamkeit von Politikern und Parteien zu glauben und für die Floskeln wie "Demokratie" und "Rechtsstaat" längst zu reiner Litanei geworden sind.