Haber hat geschrieben:Hast du in Berlin nicht genügend an verrückter Sub - Kultur - Kunst? Bei uns in Stuttgart herrscht Hochkultur aber es gibt abgefahrene Ecken und Läden und Galerien. Hiphop ist in Stgt. inzwischen mainstream und Tekkno Einheitsbrei, Punk eine absolute Minderheit. Die Galerie Villa Merkel in ES zeigt klasse Ausstellungen und auch hier in S gibts ein paar Undergroundecken.
Schwierig. Berlin ist bekanntlich eine Techno-Hochburg. Hier gab es wirklich sehr avangardistische Sachen. Auch in kleineren Clubs. Das meiste würde man gar nicht mehr unter Techno verbuchen. Das waren extrem ausziselierte Klangwelten unterschiedlichster Art, von psychadelic bis trancerational.
Alles tot jetzt!
Die Clubs sind dicht. Ihre Mitglieder und Besucher spenden wie verrückt. Fast alle Clubs haben Crowd-Funding-Maßnahmen, um irgendwie doch noch zu überleben, aber das wird nicht helfen. Kurzarbeitergeld bekommen eh nur die Festangestelleten, die meisten die dort arbeiten sind aber Minijobber. Weil selbst die bekanntesten Clubs bereits schon vor Corona wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand standen, wird Techno in Berlin durch Corona ausgerottet. Überlebenswahrscheinlichkeit...2%?
Und Techno ist, wie Du richtig sagst, in Teilen durchaus noch mainstreamfähig (nicht was die super coolen-Freak-Geschöpfchen abliefern! Aber nur das finde ich wiederum spannend). Aber Techno ist eben gerade nicht nur Musik. Das ist für die meisten Clubgänger ihr Lebensstil. Ja, vielleicht auch Drogen. Aber auch eine Art sich im Leben zu positionieren, "Farbe" zu bekennen. Alles im Arsch jetzt.
Haber hat geschrieben:Kann schon sein dass nicht die Ausflipperei krank macht sondern die permanente Anpassung, der Verzicht, das Duckmäusertum. Einen gewissen Anteil an Anpassung haben natürlich hier auch die GRÜNEN auf die Menschen ausgeübt.
Hmm... Mein Schwager (Ossi) zwingt mich das Buch von Maas jetzt endlich zu lesen, dann kann ich vielleicht mehr dazu sagen. Aber so wie ich Maas und ein paar andere bisher aus Interviews verstanden habe, besteht das wirklich destruktive, also normopathische Element unserer Gesellschaft, in ihrer völligen Sinnlosigkeit. Der Einzelne hat gar keinen Plan mehr, wozu er überhaupt leben soll. Die Wurzeln des Seins wurden in der Postmoderne einfach gekappt und das individuelle Menschenbäumchen verdurstet bei schönstem Wetter und Sonnenschein. Der Hedonismus mag die Rezeptoren, also das Körperliche zeitweise befriedigen, aber nicht das Geistige (Seelische). Ein Mensch braucht Bestimmtheit, Bestimmung, Selbstgewissheit viel mehr als einen Rotwein für 80 €....