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Airwin
Granadaseggl
was schönes aus der NZZ. Lügenpresse nein, aber erziehungs , zuspitzungs- und verdichtungspresse. Ein SPIEGEL-veriss:

«Der andere Blick»: Gibt es eine Moral für Journalisten und eine für Normalsterbliche?
Wenn Politiker Fehler begehen, verlangen Journalisten sofort personelle Konsequenzen. In der Affäre um erfundene Reportagen beim «Spiegel» halten sich die Kollegen mit Rücktrittsforderungen zurück. Die Medien messen offenkundig mit zweierlei Mass.


Angesichts der Flüchtlingskrise 2015 und des Aufstiegs der AfD verloren viele Journalisten den Kompass. Sie sahen ihre Aufgabe nicht mehr darin, die Politik zu kontrollieren. Sie verstanden sich als Staatsbürger in unsichtbarer Uniform, dazu da, die Rechtspopulisten zu bekämpfen und die gesellschaftliche Spaltung zu verhindern.
Journalisten sahen sich plötzlich als eine Art Sozialarbeiter und wollten das verirrte Volk auf den richtigen Weg bringen. Es kam ihnen nicht in den Sinn, darauf hinzuweisen, dass die unkontrollierte Einwanderung politische Gegenreaktionen auslösen würde. Sie wollten diesen Zusammenhang einfach nicht wahrhaben, getreu dem Motto: Was nicht sein darf, kann nicht sein. Denn sie hatten ein vorgefertigtes Bild im Kopf: Helldeutschland gegen Dunkeldeutschland. Realitätsverweigerung ist nie gut, im Journalismus ist sie eine Todsünde.
«Lügenpresse», skandierten 2015 schlichtere Gemüter. Wer es differenzierter mochte, fragte sich, in welchem Umfang Medien durch das Weglassen von Fakten und durch Vorurteile ihr eigenes Bild der Wirklichkeit schafften. In der Flüchtlingskrise war das Verhalten der Medien eindeutig politisch motiviert. Kurz vor Weihnachten musste «Der Spiegel» eingestehen, dass es auch andere Gründe dafür geben kann, der Wahrheit auf die Sprünge zu helfen, zum Beispiel krankhaften Ehrgeiz und den subtilen Druck, das zu denken, was alle denken.
Der 33-jährige Redaktor Claas Relotius aus dem Ressort Gesellschaft hat zugegeben, dass zahlreiche seiner Reportagen einen allenfalls losen Bezug hatten zu den Schauplätzen, denen sie gewidmet waren. Er erfand Figuren und verdrehte Fakten , damit der Text sein Bild der Wirklichkeit perfekt wiedergab. Weil die Redaktion des «Spiegels» ohnehin zu wissen glaubt, dass die Wähler Trumps in Waffen vernarrte, rassistische Hinterwäldler sind, entdeckte Relotius überall in Amerika in Waffen vernarrte, rassistische Hinterwäldler.
Wieder einmal hatte die Wirklichkeit dem Vorurteil der Journalisten zu folgen. «Der Spiegel» inszeniert sich als das Sturmgeschütz der Demokratie gegen den angeblichen Despoten Trump, den man auf einem Titelbild umstandslos mit mordenden Terroristen gleichsetzte. Härter geht in Deutschland niemand mit dem US-Präsidenten ins Gericht. Und Relotius lieferte, was seine Vorgesetzten und wohl auch seine Leser lesen wollten: Helldeutschland gegen Dunkelamerika.


Doch es kam noch schlimmer. Bald nach Bekanntwerden der neuen «Spiegel»-Affäre erklärte der Medienjournalist Stefan Niggemeier, das Ressort Gesellschaft habe sich intern den Ruf erworben, «es im Zweifel nicht zu übertreiben mit der Wahrheitsliebe. Gemeint waren damit sicher keine Fälschungen und Erfindungen, aber Verdichtungen, Zuspitzungen, kreative Freiheiten.»
Was der Medienjournalist, der selbst einmal für das Magazin gearbeitet hatte, beschrieb, war genau das: Die Wirklichkeit wird passend gemacht, bis sie den eigenen Vorstellungen entspricht. Und verantwortlich dafür ist nicht einfach ein junger Reporter mit krimineller Energie. Verantwortlich sind die grundlegenden Methoden eines Teils der Redaktion, die sich gleichwohl nicht schämt, sich als Herausgeberin eines Nachrichtenmagazins zu bezeichnen.
Damit steht wieder einmal die Frage im Raum, in welchem Mass Journalismus die Realität aus politischen oder anderen Motiven frisiert: nicht Lügenpresse, aber frei nach Niggemeier mindestens Verdichtungs- und Zuspitzungspresse. Diese Frage müssen sich nicht nur die Hamburger Kollegen gefallen lassen, sie richtet sich – siehe Flüchtlingskrise – an alle Journalisten.
"Wir sind Klimaner. Wir essen nichts Warmes."

Plan B
Granadaseggl
Das mag stimmen, aber ich glaube nicht, dass bei der NZZ nicht auch ein subtiler Druck herrscht, gemäss der eher neoliberalen Ansicht schreiben zu müssen.
Schon blöd, dass Relotius auch für die NZZ gefälschte Artikel geschrieben hat, auch wenn es nicht so viele wie für den Spiegel waren.
Glashaus und so.
Meine Muttersprachen sind Ironisch, Sarkastisch und Zynisch.

Airwin
Granadaseggl
klar dürfte das stimmen. Und klar hat er auch für die NZZ geschrieben, als freier. daher auch:

Diese Frage müssen sich nicht nur die Hamburger Kollegen gefallen lassen, sie richtet sich – siehe Flüchtlingskrise – an alle Journalisten.



überhaupt noch mal treffend dargestellt die rolle der medien 2015:

Journalisten sahen sich plötzlich als eine Art Sozialarbeiter und wollten das verirrte Volk auf den richtigen Weg bringen. Es kam ihnen nicht in den Sinn, darauf hinzuweisen, dass die unkontrollierte Einwanderung politische Gegenreaktionen auslösen würde. Sie wollten diesen Zusammenhang einfach nicht wahrhaben, getreu dem Motto: Was nicht sein darf, kann nicht sein. Denn sie hatten ein vorgefertigtes Bild im Kopf: Helldeutschland gegen Dunkeldeutschland. Realitätsverweigerung ist nie gut, im Journalismus ist sie eine Todsünde.
«Lügenpresse», skandierten 2015 schlichtere Gemüter. Wer es differenzierter mochte, fragte sich, in welchem Umfang Medien durch das Weglassen von Fakten und durch Vorurteile ihr eigenes Bild der Wirklichkeit schafften.


nagel =>kopf
"Wir sind Klimaner. Wir essen nichts Warmes."


Nilkheimer
Granadaseggl
Ceci n'est pas une église.
Brandstiftung, Steuerhinterz. (inkl. Zollzeug), UrhG-Verstöße, vers. Körperverletzung, (evtl.) Kindesmisshandlung und TierschG-Delikte, Umweltdelikte u. Betrug u. nun - NOCH TAUFRISCH - BtMG-Sachen: Stern des Südostens.
-- Volle Steuern. Echt wahr, Mann.


Nilkheimer
Granadaseggl
... aus Schlumpfhausen bitte sehr.
Brandstiftung, Steuerhinterz. (inkl. Zollzeug), UrhG-Verstöße, vers. Körperverletzung, (evtl.) Kindesmisshandlung und TierschG-Delikte, Umweltdelikte u. Betrug u. nun - NOCH TAUFRISCH - BtMG-Sachen: Stern des Südostens.
-- Volle Steuern. Echt wahr, Mann.




redrum
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Schoofseggl
Bild

Der Vatikan hat bereits einen ersten Verdächtigen für den Brand gefunden. Hier ein Foto direkt nach der Tat. Der mutmaßliche Brandstifter, der Bauarbeiter Yves M. meint dazu: "Da habe ich wohl ziemlich Scheiße gebaut."



Nilkheimer
Granadaseggl
Plan B hat geschrieben:
Nilkheimer hat geschrieben:Ceci n'est pas une église.

Non?


Pas du tout!

Yours sincerely ,

R. Magritte
Brandstiftung, Steuerhinterz. (inkl. Zollzeug), UrhG-Verstöße, vers. Körperverletzung, (evtl.) Kindesmisshandlung und TierschG-Delikte, Umweltdelikte u. Betrug u. nun - NOCH TAUFRISCH - BtMG-Sachen: Stern des Südostens.
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Strafraumgitarre
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Granadaseggl
Gibts des hat geschrieben:StN berichtet - sicher empirisch nachweisbar - vom "höchsten Saisonsieg der Saison" 8)

Das sind Schlamper! Es war der bislang höchste Saisonsieg der bisherigen Saison. :bounce: :bounce: :bounce:

Außerdem hatten wir in diesem Spiel von allen bis dahin gewonnenen Saisonspielen das beste Torverhältnis. :cyclops:
Wo ein Willig ist, ist auch ein Gebüsch!

Gibts des
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Granadaseggl
Und ausserdem hätten wir ein beinahe ebenso gutes Tor Verhältnis gehabt, wie bei einem höher gewonnen Spiel, wenn wir ein Spiel höher gewonnen hätten. :roll:
Aber darüber berichtet die Lokalpresse ja mal wieder nicht :bounce:
heute schon gelebt?

Airwin
Granadaseggl
Was erlaube Haller? Sicher ein nazi oder aber mindestens AFDler , wenn es nach UWe geht :nod: : . Und die tagesschau glänzt wieder mit "ihrem tradierten Leitbild des moralisierenden Belehrungsjournalismus" . Was hatte der vom öffentlich framenden rundfung denn erwartet :?:


UN-MIGRATIONSPAKT UND MEDIEN
Wenn Gesinnungsethik die sachliche Aufklärung verhindert


Haben deutsche Medien die Debatte über den UN-Migrationspakt im vergangenen Jahr verschlafen? Der Wissenschaftler Michael Haller hat die Berichterstattung analysiert – und übt heftige Kritik.

Vor rund zwei Jahren hatte der frühere Journalist und spätere Kommunikationsforscher Michael Haller eine umfassende Analyse zur Berichterstattung der Flüchtlingskrise in den Medien vorgelegt. Überregionale Zeitungen, so der Befund aus einer Inhaltsanalyse von Zehntausenden von Beiträgen, hätten sich vor allem an den Positionen der politischen Elite abgearbeitet und zu wenig mit den Einschätzungen von Bürgern und ihrer Alltagswelt befasst.

Die Lokal- und Regionalpresse habe dagegen zu sehr unkritisch das Narrativ der „Willkommenskultur“ übernommen. Einer der zentralen Sätze aus Hallers Untersuchung von damals: „Wer Skepsis anmeldete, rückte in den Verdacht der Fremdenfeindlichkeit.“ Ein differenzierterer Umgang mit dem heiklen Thema habe erst nach der Kölner Silvesternacht von 2016 eingesetzt. :nod:

Haller sorgte mit dieser Studie – nicht ganz überraschend – für Aufsehen. Die Verquickung eines der wichtigsten gesellschaftlichen Themen mit der medialen Berichterstattung darüber barg Sprengstoff in einer Zeit, in der Bürger sich fragen, ob ihnen von Politikern und Experten, aber auch von Medien, die unabhängig und unvoreingenommen informieren sollen, die Wahrheit gesagt wird.

Oder, um es weniger pathetisch auszudrücken, ob sie die vollständigen Fakten und Sachverhalte präsentiert bekommen, bei möglichst vollständiger Transparenz der jeweiligen Agenden der Entscheidungsträger. Die Schlussfolgerungen fielen nicht sehr schmeichelhaft aus.

Eine Studie der Uni Mainz kam später zu dem Ergebnis, Medien hätten problematische Aspekte der Flüchtlingskrise nicht ausgeblendet. Haller sagt dazu, er halte die beiden Untersuchungen für nicht vergleichbar, weil es bei der Mainzer Studie vor allem um die Frage gegangen sei, ob faktisch korrekt über Migranten berichtet wurde.

Nun legt der emeritierte Journalistik-Professor der Uni Leipzig eine neue Untersuchung im Auftrag der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung vor. :!: Die in ihrem ersten Teil (in einem zweiten Teil geht es um die Rezeption der ersten Studie) als Fallstudie über die Berichterstattung zum UN-Migrationspakt ausgeflaggt ist.

Zur Erinnerung: Der „Globale Pakt für eine sichere, geordnete und reguläre Migration“ wurde am 10. Dezember vergangenen Jahres in Marrakesch unterzeichnet und war davor mehr als zweieinhalb Jahre vorbereitet worden. Erstaunlicherweise wurde über dieses von der UN-Generalversammlung angestoßene Abkommen in den großen meinungsbildenden Medien, gedruckt, digital oder ausgestrahlt, erst etwa sechs Wochen vor Unterzeichnung umfassend berichtet. Obwohl hätte klar sein müssen, dass dieser Pakt, der legale Migration besser organisieren helfen soll, von großem öffentlichem Interesse war.

Denn bereits viele Monate vorher hatte sich in Deutschland vor allem die AfD des UN-Migrationspakts angenommen und auf Webseiten und sozialen Medien Stimmung gegen das geplante Abkommen gemacht. Die These dieser Gruppe von Gegnern war, dass an der Öffentlichkeit vorbei ein Pakt unterschrieben werden würde, der auf gesetzlich legalem Wege viel mehr Flüchtlinge ins Land bringen würde. Gezielt wurde Misstrauen gegen Politik, aber auch gegen Journalisten gestreut.

Ist es denn gerechtfertigt, zu sagen, fragt also Haller in seiner Fallstudie, „dass nicht allein die regierenden Politiker die Verhinderer waren, sondern auch die Leitmedien, in dem sie der Themenagenda der Bundesregierung folgten und die Bedeutsamkeit des Vorgangs nicht erkannten“?

„Konfliktthema verschlafen“
„Die Medien“, urteilt der ehemalige „Spiegel“- und „Zeit“-Journalist auf Basis seiner Auswertung, „haben das Konfliktthema verschlafen“. Die Deutung liege nahe, „dass die Leitmedien weiterhin der Agenda der institutionellen Politik und ihrer Elite folgen und Konfliktstoff erst bearbeiten, wenn er von den Polit-Akteuren öffentlich thematisiert wird“. :nod:

Für den medialen Dammbruch sorgte eine Erklärung des österreichischen Kanzlers Kurz, den Pakt nicht zu unterschreiben. Das war am 31. Oktober 2018. Danach explodierte die Berichterstattung förmlich (WELT berichtete).

Nun belässt es Haller in seiner Analyse nicht bei diesem pauschalen Urteil. Sein Team hat nach eigenen Angaben rund 700 Beiträge in „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Bild“, „taz“ und WELT sowie Stichproben der ARD-„Tagesschau“ ausgewertet. Für alle ausgewerteten Leitmedien kommt er zu dem Schluss, dass sie „sehr spät, aber dann kraftvoll in den öffentlichen Diskurs“ eingestiegen seien.

„FAZ“ und WELT sei es dabei gelungen, informative Übersichten und Analysen zu veröffentlichen und dabei unterschiedliche Positionen über Sinn und Zweck des Paktes zu vermitteln, auch Leserargumente seien diskutiert worden. Beide Zeitungen widerlegten die Vorwürfe vor allem seitens der AfD, heikle Aspekte des UN-Paktes seien verschwiegen worden.

Während die „Bild“-Zeitung vor allem die innerpolitischen Konflikte in den Vordergrund gestellt habe, hätten „Süddeutsche“, „taz“ und „Tagesschau“ dagegen eher als „Propagandisten des Pakt-Projekts“ agiert. Vor allem weil sie Gegenargumenten kaum Raum gegeben hätten und sich letztlich, urteilt Haller, „dem Diskurs entzogen“. Zu wenig hätten vor allem diese Medien zwischen der Darstellung des Sachverhalts und der Kommentierung getrennt.

Praktisch alle erfassten Texte der „taz“, seien dem Credo gefolgt, der UN-Pakt sei „per se eine großartige Sache“. Gesinnungsethik habe bei diesen Zeitungen die sachliche Aufklärung geschlagen, „besserwisserische Prophetie“ die Darstellung von Kontroversen verhindert.

„Die ,Tagesschau‘ sollte ihr Selbstbild tiefer hängen“
Seien aus der Berichterstattung über die Flüchtlingskrise die richtigen Schlussfolgerungen gezogen worden? Haller sieht entsprechend zu dem jeweiligen Ansatz der Zeitungen nur einen bedingten Lerneffekt. Für die „Tagesschau“ kommt er sogar zu einem deutlich negativen Urteil: sie sei in ihren Beiträgen „ihrem tradierten Leitbild des moralisierenden Belehrungsjournalismus“ gefolgt. :!:

In Bezug auf die Regionalpresse, die in dieser Fallstudie nicht berücksichtigt wurde, warnt der Professor, dass Lernprozesse in manchen Redaktionen kaum noch zu leisten seien, da es ihnen zunehmend an Ressourcen mangele. Und endet in einer Warnung: „Wenn der Lokaljournalismus untergeht, wird der öffentliche Diskurs in Echokammern zerfallen und das Feld den Ideologien radikalisierter Gruppen überlassen.“


https://www.welt.de/kultur/medien/artic ... edien.html
"Wir sind Klimaner. Wir essen nichts Warmes."

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Granadaseggl
Ein Bonmot von George Moissidis: :)

kicker hat geschrieben:In der älteren wie jüngeren Vergangenheit war es so eine Sache mit dem Weitblick der Stuttgarter. Während ihre Führungskräfte gedanklich schon über den stillen See der Hoffnung der Sonne entgegensegelten, war das Boot mal wieder längst am Kentern.


Wahre Poesie! :D

Wenn jetzt noch Lord Quattrex der Sonne entgegensegelt... von mir aus auch über den stillen See der Hoffnung... solange nur der Sturm der Entrüstung die Segel des Abgesangs bläht wie weiland die Zwiebelsuppe der Mahnung den Hintern des schnellen Vergessens... oder so... :cyclops:
Wo ein Willig ist, ist auch ein Gebüsch!