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Unter Westfalen
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Halbdaggl
Heute ist Europawahltag und Messetag.

Mit der Messe Nr. 2 von Vincenzo Bellini möchte ich allen Andächtigen unter uns eine Freude machen.



https://de.wikipedia.org/wiki/Vincenzo_Bellini

Bellini war 24, als er die Messe schrieb. Wer mit seiner Musik etwas vertraut ist, kann schon den Meister von "Norma", "La Sonnambula" und "I Puritani" heraushören.

Was hätten wir von ihm noch für Meisterwerke zu erwarten gehabt, wäre er so alt geworden, wie Verdi.

Und noch ein Tipp:

Die Musik unbedingt anhören, BEVOR man das Kreuzchen macht.
Nein, nicht in der Kirche, im Wahllokal.

:D :lol: :nod:
Wolle, Dei Frau haod aogruafa, Du sollsch hoimkomma!!


CoachingZone
Granadaseggl
Für meinen Klassik-Kompagnon @Unter Westfalen :!:

Heute ist mir bei diesem Wetter (dunkel-nieselnd) mal wieder nach der musikalischen Größe von Johann Sebastian Bach. Viele finden ja, dass die Bachsche Musik zu verkopft sei. Ist sie auch, wenn man nur die Noten spielt und nicht die Seele dahinter wahrnimmt...

Anbei die vollständige Sonata und Partita No.1 - für die Kurzentschlossenen in kleinen Häppchen alias Sätzen.

Henryk Szeryng, einer meiner Lieblingsgeiger, spielt die zum Teil sehr bekannten Stücke so, dass man die Seele dahinter entdecken kann...

Sonata No. 1 in g-moll BWV 1001:









Partita No. 1 in b-moll BWV 1002:

















Viel Spaß!
Wenn Erfolg planbar sein soll, ist es von Nachteil, wenn man immer erst hinterher klüger ist.

@luxalpha69 im Forum von vfb.de am 4.6.2019

vivafernanda
Granadaseggl



Hatte heute das überraschende und profunde Vergnügen, Pretty Yende die Lucia di Lammermoor singen zu hören und zu sehen. Bin ganz und gar aweck.

Ihr beigeordneter Tenor, Javier Camareno, der den Edgardo sang, hatte Mühe neben ihr zu bestehen, aber er gab alles.
Die opernverrückten Münchner überschütteten sie mit Applaus. Ich war heiser wie nach einem Fußballspiel, bei mir bleibts nie beim Klatschen.

Für Euphorie ist´s stets zu früh.

CoachingZone
Granadaseggl
Wirklich sehr schön. Bin ja eigentlich nicht so der Fan von Rossini, Donizetti und Bellini. Aber hier singt eine junge Frau mit ganzer Seele und (noch wichtiger!) mit ganzem Körper, so dass jeder (Spitzen-)Ton sitzt. Prima!

Bin seit etwa 15 Jahren aus der Opernszene draußen, aber da habe ich doch gleich gegoogelt und folgendes Portrait gefunden:

Ohne einen Gedanken an die Oper, aber mit viel Musik im Ohr wächst Pretty Yende in der tiefsten südafrikanischen Provinz auf, in Piet Retief an der Grenze zwischen Natal und Swaziland, dreieinhalb Autostunden von Johannesburg entfernt. Mit sechzehn sieht sie einen Fernsehspot von British Airways und hört etwas, was sie restlos begeistert – es ist jenes Blumenduett von Léo Delibes aus der Oper «Lakmé», das sie auf ihrer ersten CD («A Journey») mit der Mezzosopranistin Kate Aldrich singen wird.

Was das denn sei, fragt Pretty Yende tags darauf ihren Lehrer. «Das ist Oper», sagt er, «das kann man lernen.» Sie will es lernen, unbedingt. Musik hat in ihrer Familie immer eine Rolle gespielt, ihre Brüder sind DJs, die Schwester singt auch. Und sie stammt von einem tief musikalischen Kontinent. «Die Musik steckt in unseren Genen», sagt sie. «Mein erster Gesangslehrer pflegte zu sagen: Afrikaner singen, wenn sie glücklich sind. Sie singen, wenn sie traurig sind. Sie singen, wenn sie zornig sind, sie singen und sie tanzen. Wir wachsen auf mit den Wiegenliedern unserer Grossmütter, und unsere Väter, die sehr hart in den Minen gearbeitet haben, haben dazu gesungen.»


https://www.luzernerzeitung.ch/kultur/p ... z-ld.87749
Wenn Erfolg planbar sein soll, ist es von Nachteil, wenn man immer erst hinterher klüger ist.

@luxalpha69 im Forum von vfb.de am 4.6.2019


Unter Westfalen
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Halbdaggl
Viva & CZ

Danke für die eingestellten Musikbeispiele.

Wie CZ nicht so der Belcanto-Fan ist, steht mir Bach nicht so nahe, wie andere Komponisten. Doch habe ich festgestellt, dass je älter ich werde, desto aufgeschlossener ich seine Musik hören und tatsächlich auch genießen kann. Die Sonate und Partita sind großartige Werke und Henryk Szeryng, der große Künstler, haucht dieser Musik Seele ein.

Schon früh gehörte er zu meinen Lieblingsinterpreten der klassischen Violinkonzerte. Das Violinkonzert von Brahms mit The London Symphony Orchestera unter Antal Dorati und die Paganini-Konzerte mit demselben Orchester unter Alexander Gibson sind seit Jahrzehnten meine Favoriten. Alles Bestseller zu ihrer Zeit und über die Jahre zeitlos geblieben.

Seitdem ich nicht mehr Abonnent des „Fono Forum“ bin, stehe ich, was junge aufstrebende Künstler/innen betrifft, nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Pretty Yende war mir bis heute nicht bekannt. In der Tat hat sie eine sehr schöne Stimme und eine ausdrucksstarke Bühnenpräsenz.

Seitdem Maria Callas die Belcanto-Opern entrümpelt und ihre Rollen nicht nur gesungen, sondern dargestellt hat, genügt es nicht mehr, an die Rampe zu treten und Arien in das Auditorium zu schmettern.
Hier ein Ausschnitt aus der berühmten Berliner Aufführung von 1955 mit dem RIAS-Symphonieorchester unter Herbert von Karajan.



Leider gibt es keine filmische Aufzeichnung, so dass man sich ihre vielgerühmte Darstellung vorstellen muss.

CZ schrieb:
Bin seit etwa 15 Jahren aus der Opernszene draußen,


Das finde ich sehr schade. Warum? Der Freyer-Freischütz hat Dir vielleicht nicht gefallen, sonst hättest Du hier etwas darüber geschrieben. Vielleicht sind Dir Barockopern näher, als die des Belcanto.

Vor einiger Zeit hatte ich hier einen jungen aufstrebenden Countertenor aus Polen vorgestellt, Jakub Jozef Orlinski.

Zur Erinnerung hier ein Arie von Vivaldi, mal eben im Freizeitlook für ein spontan zusammengekommenes Publikum gesungen:



Als sehr guter Breakdancer pflegte er früher, sich vor Aufführungen warm zu tanzen:



Meine Frau hatte mich auf ihn aufmerksam gemacht, nachdem sie folgende Sendung in 3 Sat gesehen hatte:

http://mediathek.daserste.de/ttt-titel- ... d=59556064

An Himmelfahrt haben wir in Frankfurt, wo er regelmäßig gastiert, Rodelinda von Händel gesehen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Rodelinda_(Händel)

Er sang die Rolle des Unolfo, Andreas Scholl, etwas fülliger geworden, aber immer noch mit seiner engelsgleichen Stimme, sang den Bertarido, Paraderolle des Kastraten „Senesino“ bei der Uraufführung 1725 in London.

Einen Eindruck der gelungenen Inszenierung zeigt der Trailer:



Der Regisseur Claus Guth, hatte die großartige Idee, den Sohn der Rodelinda in einer stummen Rolle auftreten zu lassen, gespielt von einem kolumbianischen Schauspieler, der praktisch die ganze Oper über auf der Bühne war. Einfach nur sensationell.

Der Beifall war enthusiastisch. Orlinski bedankte sich mit Flic Flac und eingesprungener Hechtrolle!
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vivafernanda
Granadaseggl
Jungs, was Ihr mit bzw. gegen Bach habt, erschließt sich mir nicht. Trampel kanns ja auch nicht mit ihm.

Wenn er verkopft wäre, dann müsstet Ihr doch Zugang haben. (dädää, Sexismus, ich weiß :oops: )
Aber im Ernst, an Gefühl mangelt es seiner Musik ganz bestimmt nicht. Vielleicht an Offenheit. Wer ihn hört, muss folgen, sich einlassen. Aber dann ist seine Musik voll Trost und Freude, Wohlklang und Zartheit. Sie ist genauso ernst und streng, wie sie voller Gnade und Kraft ist.
Meine Eltern erzählen, dass ich schon als Dreijährige still vor den Boxen saß, wenn sie das Weihnachtsoratorium laufen ließen. ME der Beweis dafür, dass er nicht verkopft ist, wie könnte ein Kind sonst reagieren?

Aber andererseits: Es sind einfach Geschmäcker und eine Debatte darüber sinnlos.
Für mich nur schwer verständlich, da ich ein Leben ohne Bach schwerer aushalten könnte. Aber wie immer gilt auch hier: Jedem das Seine.

Das gilt auch für Countertenöre, denen ich absolut nichts abzugewinnen weiß.
Ich hege tiefe Verehrung für gute Altistinnen. Für diese klangvolle, ausdrucksstarke, frauliche Stimmlage. Junge Männer mit abartig hohen Stimmen lehren mich eher das Grausen. Aber auch das ist Geschmack, nichts weiter.

Edit: ich weiß, dass es Rollen für sie gibt, dass man sie braucht. Aber kennengerlernt habe ich sie tatsächlich wie sie Arien sangen, die ich nur für Alt kannte.
Für Euphorie ist´s stets zu früh.

Unter Westfalen
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Halbdaggl
Ich zitiere ausnahmsweise mal mappes hier:

Die Geschmäcker sind verschieden ;)

Nur eine kleine Korrektur:

Ich habe nichts gegen Bach, im Gegenteil.
Seine Oratorien und Brandenburgischen Konzerte sind unglaublich schön.

Er steht mir nur nicht so nahe, wie andere Komponisten.

Was Countertenöre (Orlinski singt fast schon in der Altlage) betrifft, ist es natürlich ein Spezialgebiet. Da gibt es kein lauwarm. Nur kochend heiß oder eisig kalt.
:idea: :!:
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vivafernanda
Granadaseggl
Natürlich sind die Geschmäcker verschieden, schrub ich ja auch zweimal.

Mir gings mehr um die Formulierungen: der Bachschen Musik Seele einzuhauchen, ist weder nötig noch möglich, denn sie lebt und atmet. Und ich glaube, dass H. Szeryng das auch so sehen würde.
Nach meiner Erfahrung ist eine schlechte Aufführung imstande, Bachs Licht zu dimmen, aber das ist bei allen Komponisten so, aber es braucht keine außergewöhnlich gute, um es leuchten zu lassen. Weil es stark ist. Nicht schwer zu entdecken. Aber vielleicht ist auch diese Erkenntnis Geschmacksfragen unterworfen, das weiß ich nicht.
Für Euphorie ist´s stets zu früh.