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Airwin
Granadaseggl
so und ein letztes für heute zum thema staatskünstler. Es gab in der DDR ja auch unangepaßte künstler auch und v.a unter den schriftstellern. Seinerzeit wurden diese hierzulande als dissidenten abgefeiert. Heute fühlen sich viele in der DDR2.0 aber auch nimmer so richtig wohl und werden daher bestenfalls ignoriert (zumindest so lange sie die klappe halten, das dürfte ihnen bekannt vorkommen). Umso schöner wenn es einer mal ausspricht.

Reiner Kunze: „Ich fühle mich im Dunstkreis einer mehr und mehr zurückkehrenden DDR“

Was die zum Teil schäumende Kritik gewisser Leute gegen die Aktion „Schluss mit dem Gender-Unfug!“ betrifft, so gilt wohl die alte Redensart: Es ist zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von allen. Und was wurde denn wirklich kritisches „gesagt“ bzw. geschrieben? Nichts! Kein Sachargument, sondern nur bewusst und gezielt Diskreditierendes: Die Aktion bediene den Rechtspopulismus, sei von älteren Herrschaften inszeniert, sei zukunfts- und frauenfeindlich – die üblichen Plattitüden (was wörtlich und sprachgeschichtlich korrekt mit „Wortfladen“ zu übersetzen wäre). Wir haben bei TE auszugsweise darüber berichtet. Dass sich nun auch Spiegel-online anschließt? Geschenkt, die Schreiberin hat in den Lesereinträgen wenigstens ordentlich Widerworte bekommen.

Von einem „Dunstkreis der AfD“, in den sich die Aktion angeblich begeben habe, war bei manch obermotivierten Schreibern die Rede. Reiner Kunze, einer der namhaften Erstunterzeichner der Aktion hat darauf nun folgendes gesagt: „Ich las, ich hätte mich in den Dunstkreis der AfD begeben. Ich fühle mich tatsächlich in einer Art Dunstkreis – es ist der Dunstkreis einer mehr und mehr zurückkehrenden DDR, als dort die gleichen Methoden politischer Denunziation angewandt wurden.“

https://www.tichyseinblick.de/daili-es- ... enden-ddr/


:nod:
"wenn man nicht weiß um was es geht, kann man das kaum erkennen"

Haber
Granadaseggl
aus der taz eine Buchbesprechung von Aram Linzel, Aram war übrigens Punk aus Degerloch, arbeitet jetzt in Berlin ...


Neues Buch „Identitätspolitiken“
Solidarität ist niemals fertig

Soziale Kämpfe sind Kämpfe um Anerkennung – und andersherum: Dieses Buch tritt der Frontenbildung in der Identitätspolitik differenziert entgegen.
Ohrring, auf dem Black Lives Matter steht

Aus der politischen Komplexität gibt es keinen großen Sprung, man muss sich auf einen „Mehrfrontenkampf“ einlassen Foto: dpa

Nach der Trump-Wahl und verstärkt nach dem Einzug der AfD in den Bundestag ging eine These viral: Verantwortlich für beide Ereignisse ist die linke Identitätspolitik, der es nur noch um die Anerkennung kultureller Differenzen geht und dabei „die wahren Probleme der Menschen“ – ergo die soziale Frage – sträflich vernachlässigt. Mit Pseudothemen wie genderneutralen Toiletten hätten Linksliberale die abgehängte Industriearbeiterschaft vergrätzt, so der Tenor.

In ihrem Buch „Identitätspolitiken“ treten die Wiener Autor*innen Lea Susemichel und Jens Kastner dieser, wie sie es nennen, „anti-identitätspolitischen Frontenbildung“ argumentativ entgegen. Abgesehen davon, dass es auch schwarze und queere Arbeiter gibt, ist das Lamento ahistorisch; als hätte es je die eine, unumstrittene linke Identitätspolitik gegeben. Tatsächlich gab es immer schon eine Vielzahl von identitätspolitischen Ansätzen. Deren geschichtliche und theoretische Grundlagen leuchten Susemichel und Kastner gut lesbar aus, das Anschauungsmaterial reicht vom Austromarxismus bis zu aktuellen Genderthemen.

Während derzeit, oft in demagogischer Absicht, kulturelle Differenz und universale Gerechtigkeit zu unvereinbaren Gegensätzen hochdramatisiert werden, zeigen Susemichel und Kastner, dass soziale Kämpfe immer zugleich identitätspolitische Kämpfe waren – und vice versa. Schon die klassische Arbeiter*innenbewegung war für sie ein identitätspolitisches Projekt, das durch kulturelle Praktiken, wie etwa – kein Witz – den Übergang vom „zerstörerischen Schnaps“ zum „geselligen Bier“, politischen Willen formte.

Genauso war jede linke Identitätspolitik, die für die Autor*innen den Namen verdient, ein Kampf ums Ganze. Exemplarisch zeigen sie diese „egalitäre, universelle Dimension“ an der „Black Lives Matter“-Bewegung auf: „Schwarze Leben sollen nicht etwa mehr zählen oder anders gezählt werden, sondern einfach so zählen wie alle anderen auch.“ Zugleich zeigt „Black Lives Matter“ das unentrinnbare Paradox jeder Identitätspolitik. Sie muss sich, um Handlungsfähigkeit zu ermöglichen, positiv auf eben die Fremdzuschreibung (als schwarz, schwul, weiblich etc.) beziehen, die Grundlage der eigenen Diskriminierung ist.
Das Buch

Jens Kastner, Lea Susemichel: „Identitätspolitiken. Konzepte und Kritiken in Geschichte und Gegenwart der Linken“. Unrast Verlag, Münster 2018, 152 Seiten, 12,80 Euro

Um das abschätzige Sprechen über Identitätspolitik als ideologisch zu kontern, sind die innerhalb der jeweiligen Communities geführten Debatten erhellend. Schon im Feminismus oder in der antikolonialen Bewegung waren politische Aktivist*innen versucht, die innere Spannung zwischen Universalismus und kultureller Differenz einseitig aufzulösen: durch die kulturessenzialistische Einschließung ins Identitäre oder durch die Flucht in eine vulgärmarxistische Eigentlichkeit, die jede Unterdrückung qua kultureller oder sexueller Differenz zum Nebenwiderspruch herabgewürdigt hat.
Ineinander verwobene Diskriminierungsformen

Susemichel/Kastner machen deutlich, dass es keinen archimedischen Punkt der Unterdrückung gibt, auch wenn die Sehnsucht danach gerade jetzt groß sein mag. Viel zu sehr sind die unterschiedlichen Diskriminierungsformen ineinander verwoben, als dass es einen Generalschlüssel geben könnte. Was heute unter dem Konzept der Intersektionaliät diskutiert wird, heißt in diesem Sinne, dass sich etwa in einer schwarzen, lesbischen Frau mehrere Diskriminierungen überkreuzen. Aus dieser Komplexität gibt es keinen großen Sprung, man hat sich auf den „Mehrfrontenkampf“ einzulassen.
taz am wochenende

Dieser Text stammt aus der taz am wochenende. Immer ab Samstag am Kiosk, im eKiosk oder gleich im praktischen Wochenendabo. Und bei Facebook und Twitter.

Bei der Betrachtung aktueller Identitätspolitiken äußern die Autor*innen eine solidarische, aber unmissverständliche Kritik an der Inflation von kulturellen und sexuellen Kleinstdifferenzen sowie an den erbitterten Gegnern kultureller Aneignung. Sie erkennen darin eine selbstreferentielle „Individualisierung von Identität“, da oft persönliche Betroffenheit zum alleinigen Kriterium für legitimes Sprechen erklärt würde.

Damit werde die Möglichkeit geleugnet, sich von der prägenden Dominanzkultur zu distanzieren und sich mit anderen solidarisch zu zeigen. Zudem tendiere der Überschuss an Identitäten dazu, strukturelle Gewalt zu nivellieren und Diskriminierungserfahrungen leichtfertig gleichzusetzen. Eine „lookistische“ Abwertung qua Aussehen ist eben etwas anderes als die Konfrontation mit rassistischer Polizeigewalt.
Politische Aufklärung

Die unendlichen Abweichungen dann aber im Namen einer imaginären Gemeinsamkeit nicht zu artikulieren ist für die Autor*innen keine Option. „Es gibt diese Differenzen, und sie sind gewaltig“, schreiben sie lakonisch. Jede Identitätspolitik sollte diese grundlegende Differenz nach innen (es gibt nicht „die Frau“, „den Arbeiter“ etc.) und nach außen (andere berufen sich auch auf ihre Abweichung) anerkennen und als konstruktives Merkmal bejahen.

Solidarität – für Susemichel und Kastner das zentrale Ziel linker Politik – setze diese Differenz gerade voraus, deshalb sei sie nie fertig, sondern müsse immer wieder neu ausgehandelt werden. Mit wem ich eh schon „eins“ bin, mit dem brauche ich mich nicht zu solidarisieren.

Während Identitätspolitik von Leuten wie dem „Aufstehen“-Vordenker Bernd Stegemann als Elitenveranstaltung abgetan wird, betreiben Susemichel und Kastner politische Aufklärung, indem sie sich konkrete Kämpfe mit all ihren Widersprüchen genauer anschauen. Die Lage der Dinge lassen sie so sowohl komplizierter als auch hoffnungsvoller erscheinen.
"Noi, noi. I gang alloi hoim."

cordoba
Granadaseggl
"Wir sind mehr" vs. "Mehrheitler (russ. Bolschewiki)".

Ob hinter der (gewollten?) sprachlichen Analogie auch eine ideologische zu suchen ist?
Vom Aktivist zum Berufsrevolutionär?
Mensch freue Dich.

Airwin
Granadaseggl
Vom Aktivist zum Berufsrevolutionär?



wenn einer als "aktivist" im hambacher forst im aus vor ort selbst gefällten bäumen, s.o. :mrgreen: ähm selbst gebauten baumhaus "wohnt" dürfte für einen normalen beruf nicht mehr viel zeit bleiben, selbst incl. "freiday for future" nicht 8) . Insofern kann das "?" weg .


bzgl "mehrheitler" : => Dunstkreis einer mehr und mehr zurückkehrenden DDR :bounce:
Zuletzt geändert von Airwin am 14. März 2019 14:24, insgesamt 1-mal geändert.
"wenn man nicht weiß um was es geht, kann man das kaum erkennen"

Hasenrupfer
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Granadaseggl
cordoba hat geschrieben:Mal 'ne Frage:

Wer sind denn eigentlich diese "Wir sind mehr!".
Ist das ein Ableger der Bolschewiki?


Mit Verlaub, so eine trollige Wichsvorlage hier rein zu klatschen, ist unter deinem Niveau.

Airwin
Granadaseggl
ja da ist wohl ein ideologischer klärungsprozess, geduldige überzeugung und hilfe nötig, damit sowas nicht wieder vorkommt :lol:
"wenn man nicht weiß um was es geht, kann man das kaum erkennen"

Hasenrupfer
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Granadaseggl
Hihihi.

Hunderttausende Menschen aus allen Bevölkerungsschichten, die für eine offene, pluralistische Gesellschaft und gegen Hass und Hetze auf die Straße gehen, mit kommunistischer Indoktrination gleichzusetzen, ist natürlich sehr geistreich.

Tut mir leid, dass das hier nicht so gut ankommt, wie in deinen PI-Foren und Facebook-Gruppen.

Hihihihi.

Airwin
Granadaseggl
blablubbblabla PI-Foren und Facebook-Gruppen



trollige wichsvorlage, genau dein niveau. hehe. Bzw harhar.
"wenn man nicht weiß um was es geht, kann man das kaum erkennen"

cordoba
Granadaseggl
Hasenrupfer hat geschrieben:Mit Verlaub, so eine trollige Wichsvorlage hier rein zu klatschen, ist unter deinem Niveau.

Werter Rasenhupfer,

zugegeben - eine provokante These.
Aber, sie hat Dich wenigstens auf "einem" Niveau erreicht.

Anderes Niveau.
Ich möchte meine These auf die Frage nach "Motivation" und deren praktischer Umsetzung beziehen.

Die "Bolschewiki" wollten sich an dem nach Marx intrinsischen Übergang von Sozialismus zu Kommunismus nicht aufhalten, und haben eben angekurbelt.
Die Frage des "Ankurbelns" erlaube ich mir zu heutigen, prärevolutinorären? Zeiten erneut zu stellen.
Ist heute Revolution begründet und ist die dazu gewählte Praxis dem Ziel hinreichend?
Mensch freue Dich.

Tifferette
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Halbdaggl
Der DDR-Vergleich ist dämlich. Den Unmut über diesen Genderkram pauschal in die rechte Ecke zu stellen allerdings auch.
'Of all the gin joints in all the towns in all the world, she walks into mine.'

Hasenrupfer
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Granadaseggl
Ah guck, das ist doch dann gleich viel Substantieller, werter Cordoba. ;)

Allerdings war Politische Philosophie nie so meins, daher kann ich dir sicherlich nicht auf irgendwelchen Gedankengängen folgen, sondern frage ganz praktisch:

Wer will Wie/Wo/Weshalb/Was revolutionieren?

Hasenrupfer
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Granadaseggl
Airwin hat geschrieben:
blablubbblabla PI-Foren und Facebook-Gruppen



trollige wichsvorlage, genau dein niveau. hehe. Bzw harhar.


Dann halt Welt- und Tichy-Kommentarspalten. Bei deinem Sendungsbewusstsein, wirst du kaum lediglich hier die Gesellschaft beglücken wollen.

Aber ich weiß, es ist schwer auszuhalten, dass die Anderen mehr sind...

Airwin
Granadaseggl
Dann halt Welt- und Tichy-Kommentarspalten. Bei deinem Sendungsbewusstsein, wirst du kaum lediglich hier die Gesellschaft beglücken wollen.

Aber ich weiß, es ist schwer auszuhalten, dass die Anderen mehr sind...



nein, ich beglücke ausschließlich dieses forum :prost: . Und in der minderheit zu sein ist auch kein problem , insbesondere nicht in einem forum in dem der schutz von minderheiten so groß geschrieben wird :!:
"wenn man nicht weiß um was es geht, kann man das kaum erkennen"



de mappes
Spamferkel
Und in der minderheit zu sein ist auch kein problem , insbesondere nicht in einem forum in dem der schutz von minderheiten so groß geschrieben wird :!:


:mrgreen:
Don't criticize what you can't understand

Unter Westfalen
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Halbdaggl
@ mappes

Deine Smileys in den anderen threads sind manchmal lustig, aber immer harmlos.
Aber hier bekommen sie doch schon ein Gschmäggle.
:arr:
Jezzd gang I ahans Brennale, drengg abor ned



de mappes
Spamferkel
ich glaube schon...auch wenns der politik-thread ist, so steckt in meinem Smiley keine politische wertung oder Tendenz...kannst mir glauben ;)
und ich denke das weißt du auch :prost:
Don't criticize what you can't understand

Tifferette
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Halbdaggl
Oh Scheiße.

Es gibt wahrscheinlich wenige Städte (außerhalb von Kriegsgebieten), die in den letzten Jahren so stark gebeutelt worden sind wie Christchurch.
'Of all the gin joints in all the towns in all the world, she walks into mine.'

factotum
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Lombaseggl
@ mappes

Deine Smileys in den anderen threads sind manchmal lustig, aber immer harmlos.
Aber hier bekommen sie doch schon ein Gschmäggle.
:arr:


uWe, deine Neigung zur Gesinnungsjuristerei ist wirklich unangenehm. Stell das doch bitte mal ab.
Ein so rundherum geiler Typ wie Du sollte da drüber stehen können.
I know fuck about shit.