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Frank N Furter
Himbeertoni
@de mappes

Das ist natürlich wirklich Gefasel. Aber wenn ein gewisses Spielgenre, wie die Shooter, süchtig machen, dann muss man fragen, was das suchtauslösende Momentum ist.

In der Sexualität hat das Internet dazu geführt, dass Jugendliche heute empirisch nachweisbar andere Sexual-Präferenzen entwickeln. Je höher der Internetporno-Konsum, umso stärker differenziert sich die Sexualpräferenz. Internet-Porno-Süchtige, haben meist nur noch ganz wenige, hoch spezifische Phantasien, die sie sich selbst herangezüchtet haben und die kaum noch in der Realität gelebt werden können. Entweder wollen sie z.B., dass ihnen eine Frau unbedingt ins Maul scheißt oder sie wollen z.B., eine Frau sadistisch quälen.

Dieses "Differenzierungsphänomen" kennen wir auch aus anderen Spielarten der sensorischen Lustbefriedigung. In der Musik ist es auch so, dass Leute die sehr viel Musik hören, einen immer differenzierteren Geschmack ausbilden. Einige hören dann z.B. nur noch Heavy Metall einer ganz bestimmten Sorte.

Bei der Shooter-Spielsucht hat der Spielsüchtige aus irgendeinem Grund seine Lust ganz auf Shooter-Spiele fokussiert, welche er teilweise viele Stunden am Tag spielt und mit Anderen Shooter-Freaks noch darüber chattet. Was diese chattenden Shooter-Spieler sich als Lustgewinn erhoffen, dürfte in jedem Fall mal Aufmerksamkeit durch ihre Peer-Shooter sein. Eine Aufmerksamkeit, die sie ja sozial nicht bekommen. Dann ist es kein großer Schritt mehr, darüber nachzudenken, wie man durch einen analogen Shooter, noch mehr Aufmerksamkeit bekommen könnte.

Unabhängig davon sagen Psychologen, dass diejenigen Menschen zur Ausbildung starken Suchtverhaltens im Allgemeinen neigen, die innerhalb der ersten drei Jahre ihres Lebens keine sichere Bindung im Sinne der Bindungstheorie erlebt haben.

Die Bindungstheorie unterscheidet 3 nicht-sicher gebundene Typen: die i) unsicher gebundenen, ii) die desorganisierten und iii) die ambivalent gebundenen. Die ambivalent gebundenen gehören zu der Gruppe, die das mit Abstand höchste Suchtverhalten zeigen. Man erklärt sich das so, dass diese Kinder als Bezugsperson innerhalb der ersten drei Lebensjahre einer Person ausgesetzt waren (meist der Mutter), die dem Kind nur liebend Aufmerksamkeit geschenkt hat, wenn es die impliziten Leistungskriterien erfüllt hat. Ansonsten gab es keine Liebe. Deshalb die Klassifizierung "ambivalent". Die Bindungstheorie ist heute die Mastertheorie der Psychologie und sie hat alle freudianischen Erklärungsmuster ersetzt. Die Evidenz für die Bindungstheorie ist experimentell erdrückend.


muffinho hat geschrieben:Ja, ein Verdacht mit dem man herrlich Stimmung machen, komplexe Situationen auf ein Mindestmaß reduzieren und von den eigentlichen Problemen ablenken kann.


Ja, all das und ein Verdacht über den man zusätzlich auch seriös diskutieren kann - siehe oben.

de mappes
Spamferkel
danke für deine ausführlichen, sehr interessanten und nachvollziehbaren (fundierten) Erläuterungen...kann ich mir durchaus vorstellen
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