CoachingZone hat geschrieben:Ich persönlich finde das Gegeneinander-ausspielen von Impfbefürwortern und Impfgegnern immer schwierig, denn beide haben auf ihre Weise recht.
Eine Impfung ist ein Eingriff in körperliche Abläufe wie eine Operation oder eine sonstige Therapie - und natürlich kann es dabei zu Komplikationen und Nebenwirkungen kommen, die je nach Individuum unterschiedlich schwer sein können.
Bei keinem dieser Eingriffe lässt sich vorhersagen, was dann beim Einzelnen passieren wird, sondern eben nur die Wahrscheinlichkeit, mit der unerwünschte Wirkungen passieren können.
Die statistische Berechnung der Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Nebenwirkungen braucht ein recht großes Testkollektiv, damit auch seltene Nebenwirkungen erfasst werden können. Außerdem ist es für manche Nebenwirkungen wichtig, dass man auch einen größeren Zeitraum als nur ein paar Tage oder Wochen erfasst, weil sie eben verzögert auftreten können.
Typische rasch auftretende Nebenwirkungen von Impfungen sind:
- Rötung und Schmerz an der Einstichstelle
- Fieber, Gliederschmerzen, Schüttelfrost
- bisweilen Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit
Dies sind in der Regel alles typische Symptome einer Immunreaktion, wie sie (bis auf die Symptome an der Einstichstelle) auch bei einer Erkrankung auftreten.
Unklarer ist das Wissen über Spätfolgen von Impfungen - und hier liegt der Hund, also der Hauptstreitpunkt zwischen Befürwortern und Gegnern von Impfungen, begraben:
Die Befürworter halten sich an die von der Stiko und dem BGA veröffentlichten Ergebnisse, die nämlich keine anerkannten langfristigen Nebenwirkungen nennen, weil ein ursächlicher Zusammenhang in der Regel (also praktisch immer) nicht nachweisbar ist.
Die Impfgegner, so sie sich denn informiert haben, weisen darauf hin, dass es eben auch solche langfristigen Nebenwirkungen einer Impfung geben kann und dass der ursächliche Zusammenhang von den Impfbefürwortern (absichtlich oder nicht) eben nicht gesehen wird, auch, weil es dazu leider praktisch keine kontrollierten Studien gibt.
Am meisten werden diese offiziell nicht anerkannten Nebenwirkungen auf den Zusatz von Hilfsstoffen (z.B. Aluminium) zurückgeführt, die die Wirkung der Impfung verstärken sollen. Aluminium wurde beispielsweise mittlerweile eliminiert, weil es im Verdacht steht, Alzheimer zu verursachen.
Wesentlich schwieriger zu beweisen, wäre eine durchaus logische Nebenwirkung von Impfungen, die allerdings genauso individuell auftreten kann wie die individuelle Immunantwort auf eine Infektionskrankheit, nämlich die Autoimmunreaktion. Dabei richten sich die humorale und/oder die zelluläre Antwort (also bestimmte gebildete Antikörper und/oder bestimmte auf den Erreger spezialisierte Immunzellen) auch gegen körpereigene Zellstrukturen.
Typische Autoimmunerkrankungen sind beispielsweise Diabetes Typ 1, rheumatoide Arthritis oder Multiple Sklerose.
Bei bestimmten Impfungen im Kindesalter hat man in retrospektiven vergleichenden Studien festgestellt, dass beispielsweise Diabetes Typ 1 seltener in der Gruppe auftritt, die nicht geimpft wurde. Leider kann man die Gruppen statistisch nicht wirklich miteinander vergleichen, die Gruppe der nicht geimpften Kinder ist beispielsweise deutlich kleiner als die der geimpften Kinder. Und diese Art von Studien entspricht nicht dem Goldstandard einer klinischen Studie. Also kann man aus diesem Ergebnis halt nur eine Vermutung/Hypothese ableiten, aber nicht einen statistisch gesicherten Beweis (obwohl das auch nicht immer ein Beweis ist...).
Das Risiko einer Autoimmunerkrankung ist dennoch nicht zu unterschätzen. Bezüglich SARS-CoV-2 haben Forscher an der Charite bei der Herstellung eines Antikörpercocktails zur passiven Immunisierung beispielsweise durchaus Antikörper identifiziert, die sich auch gegen körpereigene Strukturen richten.
Insofern muss man sich das bei jeder Impfung bewusst machen: Man tauscht das Risiko einer (möglicherweise) lebensgefährlichen Erkrankung gegen das Risiko eines (allerdings in der Regel sehr seltenen) Impfschadens.
Impfen beruht wie jeder andere Eingriff (s.o.) immer auf einer Nutzen-Risiko-Bewertung. Und aus diesem Grund darf man die Entscheidung der Impfgegner denn auch respektieren

Auch wenn Impfen ja nicht nur eine individuelle, sondern auch eine soziale Wirkung hat (nämlich den Schutz der anderen, weil man selbst nicht Krankheitsüberträger wird)
Kleine Anmerkung zum Schluss: Zu einer unerwünschten Wirkung gehört übrigens auch, dass der Impfstoff wirkungslos bleibt, also keine Immunität hervorruft (für die Coronavirusimpfstoffe aktuell bei 5 von 100 Geimpften) und man deshalb doch - trotz Impfung - an der Infektionskrankheit erkranken kann
