Tamasi hat geschrieben:Ich denke, man sollte den Nutzen von Ausgangssperren nicht an "persönlichen Rechten" messen.
Hast Du nichts von den Diskussionen mitbekommen, als erörtert wurde, wie man die Einschränkung verfassungsmäßiger Rechte, welche durch Ausgangssperren unzweifelhaft beschnitten würden, begründen müsste? Natürlich gemäß "unserer Rechtsauffassung", persönlich, also individuell. Unser Recht ist kein Sippenrecht und kennt auch keine Erbschuld. Selbst im Seuchenschutzgesetz ist verankert, dass persönliche Einschränkungen von nicht Betroffenen grundsätzlich nicht statthaft sind.
Nur damit Du mich nicht falsch verstehst: Ich halte manches davon auch eher für eine Ausgeburt des grassierenden Hyperindividualismus und würde es persönlich anders betrachten. Aber, woran "man misst", wie Du schreibst, ist eben das geltende Recht und nicht das Gefühl für die Richtigkeit eines gewissen Konfunzianismus.
Aber noch viel wesentlicher ist, was mappes geschrieben hat:
de mappes hat geschrieben:Wenn man den gleichen Effekt durch Maßnahmen erzielt, die die Bevölkerung oder große Teile weniger hart trifft, sind diese natürlich vorzuziehen
Verhältnismäßigkeit der Mittel usw. Gilt auch immer. Die Datenlage ist mittlerweile gut genug, um aufzuzeigen, dass Einschränkungen des öffentlichen Lebens, welches sich nicht in geschlossenen Räumen abspielt, weit überwiegend nicht verhältnismäßig ist. Ausnahmen bestehen vielleicht noch dort, wo Menschen dicht an dicht gepackt stehen würden, wie beispielsweise in Fussballstadien. Aber schon bei Demonstrationen, wo die Menschen auch mal dicht gepackt stehen können, haben unsere Gerichte bisher durchgehend pro Demonstrationsrecht entschieden.
Außerdem muss man auch mal klar sagen, dass alle Maßnahmen, die sich bisher auch gegen die Freiheit von Kindern richteten höchstwahrscheinlich nicht verfassungsrechtlich gedeckt waren. Aber diese Diskussion hat man bisher (unter Erwachsenen) nur zu gerne aufgeschoben. Jedenfalls hat man viel zu lange daran geglaubt, man könne die Krise auch vorallem auf dem zarten Rücken von Kindern bewältigen, während Industriearbeitnehmer, ÖPNV-Teilnehmer usw. weitermachen sollten wie bisher. Aber Kinder haben eben kein Wahlrecht.