329 Beiträge

CoachingZone
Granadaseggl
Gibt ja doch ein paar Forumsmitglieder, die ihre Ohren auch mal der klassischen Musik leihen... :)

Mahler ist bis auf seine Orchesterlieder gar nichts für mich. Viele nette Lautschöpfungen, aber in Summe halt nichts Ganzes, wenn man es von der symphonischen Seite her betrachtet. Genauso Potpourri wie Rossini. Bei den Orchesterliedern stört das mich hingegen nicht, weil es ja eher musikalische Untermalung des Gesangstextes ist und der wiederum Klammer genug bildet.

Ich stehe eher auf die "symphonischen Riesenschlangen" von Anton Bruckner. Leider im Konzert nicht mehr erlebbar, seit der (meiner Meinung nach) einzig wahre Bruckner-Dirigent Sergiu Celibidache verstorben ist. Aber die Konzerte seiner 3., 4., 5., 6., 7., 8. und 9. Symphonie, die ich zwischen 1988 und 1996 in München am ganzen Körper erfahren durfte, haben mich für immer verändert. Ganz großer Kosmos, des Menschen wie der Welt. Das ist für mich die perfekte Seelenmassage, wenn ich aus dem Gleichgewicht geraten bin. Wenn ich die Neunte von Bruckner höre, dann habe ich auf einer nicht-intellektuellen Ebene verstanden, warum diese unvollendet geblieben ist. Ein Mehr an musikalischer Größe nach dem Adagio ist (für mich) nicht mehr vorstellbar.

Richard Wagner ist ein phantastischer Musiker gewesen, wird aber in der öffentlichen Rezeption immer unter seinem offen gezeigten Antisemitismus zu leiden haben (dabei war dieser Antisemitismus eigentlich nur eine beleidigte Reaktion darauf, dass ihn die Pariser nicht als großen Star anerkannt haben, sondern eher als ein kleines Lichtlein neben dem damals hochgeschätzten Meyerbeer). In seinen Musikdramen, insbesondere im Tannhäuser und im Ring des Nibelungen, trat er aber für eine offene Gesellschaft ein, gegen die Prüderie seiner Zeit und gegen die selbsternannten Götter, die nur ihre Herrschaft sichern wollten. Seine Opernfiguren sind neben denen Mozarts die psychologisch interessantesten. Und ohne seinen Tristanakkord hätten wir vielleicht noch ein wenig länger auf moderne Harmonien warten müssen. Ganz zu schweigen davon, dass sich zig Filmmusiker aus seinem Fundus bedient haben und immer noch bedienen.

Und Bach? Habe ich erst sehr spät kennengelernt, da mein alter Herr nur auf italienischen Barock (und Beethoven) stand und der Ansicht war, dass Bach da sowieso nur geklaut habe. Mittlerweile weiß ich, dass er einfach keine Ahnung von dieser Materie hatte, weil er sich als (rechter) Katholik einfach nicht mit der Musik des protestantischen Bach auseinandergesetzt hatte. Jedenfalls spricht die Musik Bachs (ähnlich wie die Bruckners) die mathematisch-musikalische Seite in mir an. Viel Klarheit und absolute Schönheit.

Tifferette
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Granadaseggl
cordoba hat geschrieben:Mahler ist was fuer Depressive.
Also genau richtig fuer VfB-Fans.

Mir persoenlich etwas zu schwuelstig, zu dick.
Wagner? Geht gar nicht. Wie Autobahn.


Manisch-depressiv, bitte. Deshalb ist die 1ste ja auch so großartig. Und gleichzeitig nicht zu dick.

Ansonsten wäre Bruckner angesagt.
'Of all the gin joints in all the towns in all the world, she walks into mine.'

Tamasi
Granadaseggl
Also. Um das Niveau mal wieder etwas zu senken: Ich hab's heute für die Arbeit mit dem "Lord of The Rings"-Soundtrack probiert. Die Beschreibung klang ja gut. War aber:

Gar nix.

Viel zu viel "mal so, mal anders". Nee. Hab dann zu einem bewährten Klassiker gegriffen, der für mich immer geht und der - deshalb hier - von Text&Stimmung bestens in die dunkle Nacht passt:


vivafernanda
Lombaseggl
Also. Um das Niveau mal wieder etwas zu senken: Ich hab's heute für die Arbeit mit dem "Lord of The Rings"-Soundtrack probiert. Die Beschreibung klang ja gut. War aber:

Gar nix.

Viel zu viel "mal so, mal anders". Nee.



Versteh ich gut, aber weil es "richtige" Musik ist, lohnt es sich auch, sie immer wieder anzuhören, weil das Ohr Zeit braucht, sich daran zu gewöhnen und irgendwann ist es dann doch schön.

Bester Link:




cz:

Wagners Antisemitismus wäre zu erklären oder zu entschuldigen, wenn der Herr aus Braunau ihn sich nicht dermaßen zum Vorbild erhoben und sein Werk so abgöttisch geliebt hätte. Obwohl Wagner da nichts dafür kann, wer weiß, wie er darüber gedacht hätte, es bleibt ein Schatten. Tainted by association. Und die Nachfahren waren ja allzu glücklich im braunen Glanze.
Kürzlich war ich in der Oper "Siegfried". Mein erstes Mal Wagner live. Hat mich absolut vom Hocker gerissen.
Wahnsinn, was er treibt, wie er die Geschichte musikalisch bis ins kleinste ausgestaltet, all die Emotionen, die unterschiedlichen Charaktere, Zukunft und Vergangenheit...
Klar klauen die Filmmusikkomponisten. Er ist ihr Erfinder und Meister.

Aber wehe, jemand gibt mir Wagner auf die Ohren, wenn ich im Koma liege.
Für Euphorie ist´s stets zu früh.

Paleto Gaffeur
Granadaseggl
Na wenns Dich weckt...guter Therapiegedanke.
Was Filmmusik angeht...naja es ist Programmusik (3m???)...war immer schön und bleibt es. Dvorak als Vorbild für Martin Böttchers Winnetou, Berlioz erkennt man überall....gut kopiert, warum nicht.
Und ja...ich höre auch Martin Böttcher sehr gern, die Bilder dazu sind irrelevant.


Paleto Gaffeur
Granadaseggl
:shock: ich dachte ja nur...es klang so.... :shock:

Ich sach mal so: wennste mir im Tiefenkoma diederboolen vorspielst oder mabbuspostings vorliest, kommt es zu einer akuten Wunderheilung ...vllt nur kurz aber für nen Wutausbruch reichts :lol:



vivafernanda
Lombaseggl
Ja. Superernstes Thema. Nur für abgebrühte Professionelle zum Plaudern geeignet und selbst da dient es vor allem der Psychohygiene nicht der Unterhaltung.

Sorry deshalb und wünsch Dir alles Gute.
Für Euphorie ist´s stets zu früh.



vivafernanda
Lombaseggl
D:
Bach, Befiehl Du Deine Wege



A:
Mozart, Klavierkonzert in A-Dur



CZ:
Dvorak: Aus der Neuen Welt, Symphonie in e-Moll

Celibidache, wow...


Rus:
Tchaikovsky, 1812 Ouverture
Zugegebenermaßen antieuropäisch, denn darin wird der Sieg Russlands über Napoleon gefeiert.
Andererseits, wozu braucht man die EU mehr, wenn nicht dazu, machtbesoffene Idioten in den Griff zu kriegen

Noch was einfach Schönes und Kurzes
Dornröschenwalzer :-)..




F:
Debussy, Claire de Lune:


GB:
Britten, war requiem



N:
Grieg, Holberg Suite



FIN:
Sibelius, valse triste



PL:
Chopin, Nocturnes


I:
Vivaldi, La Follia



Jetzt langt´s! :nod:
Für Euphorie ist´s stets zu früh.

In diesen unsicheren Zeiten ist guter Rat teuer. Zum Glück hat der Hydraulic Press Channel für uns einen weiteren Test gemacht: ist es besser, sein Geld in einem Safe aufzubewahren, oder sollte man lieber in Kunst investieren?




Frank N Furter
Lombaseggl
CoachingZone hat geschrieben:Gibt ja doch ein paar Forumsmitglieder, die ihre Ohren auch mal der klassischen Musik leihen... :)

Mahler ist bis auf seine Orchesterlieder gar nichts für mich. Viele nette Lautschöpfungen, aber in Summe halt nichts Ganzes, wenn man es von der symphonischen Seite her betrachtet. Genauso Potpourri wie Rossini. Bei den Orchesterliedern stört das mich hingegen nicht, weil es ja eher musikalische Untermalung des Gesangstextes ist und der wiederum Klammer genug bildet.

Ich stehe eher auf die "symphonischen Riesenschlangen" von Anton Bruckner. Leider im Konzert nicht mehr erlebbar, seit der (meiner Meinung nach) einzig wahre Bruckner-Dirigent Sergiu Celibidache verstorben ist. Aber die Konzerte seiner 3., 4., 5., 6., 7., 8. und 9. Symphonie, die ich zwischen 1988 und 1996 in München am ganzen Körper erfahren durfte, haben mich für immer verändert. Ganz großer Kosmos, des Menschen wie der Welt. Das ist für mich die perfekte Seelenmassage, wenn ich aus dem Gleichgewicht geraten bin. Wenn ich die Neunte von Bruckner höre, dann habe ich auf einer nicht-intellektuellen Ebene verstanden, warum diese unvollendet geblieben ist. Ein Mehr an musikalischer Größe nach dem Adagio ist (für mich) nicht mehr vorstellbar.

Richard Wagner ist ein phantastischer Musiker gewesen, wird aber in der öffentlichen Rezeption immer unter seinem offen gezeigten Antisemitismus zu leiden haben (dabei war dieser Antisemitismus eigentlich nur eine beleidigte Reaktion darauf, dass ihn die Pariser nicht als großen Star anerkannt haben, sondern eher als ein kleines Lichtlein neben dem damals hochgeschätzten Meyerbeer). In seinen Musikdramen, insbesondere im Tannhäuser und im Ring des Nibelungen, trat er aber für eine offene Gesellschaft ein, gegen die Prüderie seiner Zeit und gegen die selbsternannten Götter, die nur ihre Herrschaft sichern wollten. Seine Opernfiguren sind neben denen Mozarts die psychologisch interessantesten. Und ohne seinen Tristanakkord hätten wir vielleicht noch ein wenig länger auf moderne Harmonien warten müssen. Ganz zu schweigen davon, dass sich zig Filmmusiker aus seinem Fundus bedient haben und immer noch bedienen.

Und Bach? Habe ich erst sehr spät kennengelernt, da mein alter Herr nur auf italienischen Barock (und Beethoven) stand und der Ansicht war, dass Bach da sowieso nur geklaut habe. Mittlerweile weiß ich, dass er einfach keine Ahnung von dieser Materie hatte, weil er sich als (rechter) Katholik einfach nicht mit der Musik des protestantischen Bach auseinandergesetzt hatte. Jedenfalls spricht die Musik Bachs (ähnlich wie die Bruckners) die mathematisch-musikalische Seite in mir an. Viel Klarheit und absolute Schönheit.


Ich sehe ein wie nötig es ist dich mit ganz anderen Augen zu betrachten.

Frank N Furter
Lombaseggl
Nice Weather hat geschrieben:
Hydraulic press chanel


Das ist ja eine ganz hervorragende Webseite. Der Typ mit seinem gebrochenen englischen Akzent (ist das echt?) erinnert mich auch noch voller Wehmut an den unvergessenen Vlastimil Hort. Die Dialoge mit Helmut Pfleger (vorgeblich über Schach aber tatsächlich über alle Fährnisse des Seins).....



Es ist so irre, dass man das jetzt einfach alles im Internet finden kann (früher: Einmal-Fernsehen-Unikate, viele davon verglühten ihr kurzes Leben als Pixelchen noch in Schwarz-Weiß)....
und das Allergeilste: unterlegt von Bruckners 9ten, auf die Coaching Zone so sehr zurecht oben hingewiesen hat......

PS: wir brauchen bald mal bessere Gehirne und Sinnesorgane, ich bin mit der aktuellen Ausstattung sehr unzufrieden.



Nilkheimer
Granadaseggl
Vermaledeite Wissenschaft.
Brandstiftung, Steuerhinterziehung (inkl. Zollzeug), Urheberrechtsverletzung, versuchte Körperverletzung, (evtl.) Kindesmisshandlung und TierschG-Delikte sowie - JETZT NEU - Umweltdelikte+Betrug: Stern des Südostens.
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Er zahlt volle Steuern. Echt jetze.