Hortensie hat geschrieben:Mich wunderts, dass solch tollen Frauenstimmen wie Amanda Jenssen und Sharon Kovacs nicht bekannter sind
Muss niemanden wundern: tolle Musiker gibt’s wie Sand am Meer. Ich hatte während der Studienzeit das Vergnügen, säckeweise Musiker kennenzulernen – alle hochtalentiert, da zieht’s dir die Socken aus. Von denen wird man aber nie was hören, weil die Konkurrenz groß ist. In London zum Beispiel kannst du zwar mit deiner eigenen Musik durchaus auftreten, aber eine Bezahlung ist da normalerweise nicht in Sicht – mit Glück kriegst du ein paar Bier umsonst. Die Pubbetreiber können aus dem vollen schöpfen: Bands, die versuchen eine Fanbase aufzubauen, gibt’s genug.
Einige jener Musiker haben schon oft erwähnt, dass sie gern in Deutschland touren: wenn dort eine Band in eine Kleinstadt einrollt, dann kommen die Leute, da spielen sie dann nicht vor 15 desinteressierten Figuren, sondern vor einem relativ vollen Haus. Die Kohle stimmt, der Backstagebereich besteht nicht nur aus einem Scheißhaus, und oft gibt es sogar was leckeres zu Essen! Deutschland, sehr beliebt.
Ein neuer Gag in London sind von Promotern organisierte Abende, an denen mehrere Bands spielen – oft in Zusammenarbeit mit irgendeiner Marke. Toll, nur gehen die Musiker am Ende trotzdem mit fast oder ganz leeren Taschen heim – die dürfen da für die kostenlose Promo spielen.
Ein befreundeter Bassist hat hin und wieder Profimusikern Unterricht gegeben, die wollten so spielen wie er. Heute ist der Immobilienmakler, war halt einfach nie zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Hasenrupfer hat geschrieben:Manchmal fragt man sich schon, ob man nicht eh VIEL zu spät geboren wurde, musikalisch natürlich, den Rest kann man nachlesen...
Auch nicht – es gibt tonnenweise geile Musik, wesentlich mehr als damals. Findet man halt nicht: die müssen sich die Aufmerksamkeit mit zigtausenden anderer Rockbands teilen, das musste Deep Purple seinerzeit nicht.
Hortensie hat geschrieben:Und wenn wir schon gerade bei schönen Frauenstimmen sind:
zu solchen "Kunstprodukten" wie Lana del Rey finde ich ja eher schlecht Zugang, aber ihre Stimme hat einfach irgendein "gewisses Etwas"......und in diesem Retro-Style-Song passt das wunderbar!
Ein anderer befreundeter Musiker hat mal erzählt, dass Lana del Rey über drei Ecken angefragt habe, ob sie in London für eine Weile auf seiner Couch pennen könnte. Damals hieß die aber noch Lizzy Grant, T-Shirt und Akustikgitarre, und keine Sau hat sich für ihre Musik interessiert. Der hat mir dann – Jahre später, als er die Story erwähnte, ihre Musik auseinanderklamüsert (ich habe ja null Ahnung von Musiktheorie): das Ganze kommt einem ein bissle spanisch vor, weil es sich dabei um simpelste Akkordfolgen handelt – wenn du Songwriting an einer Musikhochschule studierst, lernst du dieses Prinzip im ersten Semester, wenn nicht sogar in den ersten zwei Wochen kennen. Soll nicht heißen, dass das schlechte Musik sei, aber ist halt so. Man denkt man kennt diese Songs seit der Kindheit, und das ist Absicht.
Ob man das “Kunstprodukt” nennen soll, weiß ich nicht – die macht schon ewig Musik, und irgendwann hat sie Leute getroffen, die die ganze Chose mit einem Konzept verbunden haben – der Papa hat einen Haufen Geld, aber keine Ahnung ob der nachgeholfen hat. Aber, um den Bogen zu spannen: man braucht nicht glauben, dass man nur gut sein muss und das Publikum einen dann von allein entdeckt, das kannsch vergessen.