Ja.
Carpe diem.
. der hier ergänzt den von @haber über netzwerkmacht und die konflikte beim übergang von sichtbar werdenden standards hin zu nicht mehr vermeidbaren standards. Genau genommen ergänzt sich das nicht nur sondern ist die beschreibung desselben phänomens aus einem anderen blickwinkel. An wenigen stellen mußte ich mich leicht wundern: Viele Linke, noch mehr Grüne und auch erstaunlich viele Kirchenleute, die in ihrer Ablehnung der extremen Rechten zuletzt bemerkenswert offen waren. Sie schockt der Gedanke nicht, unverdiente Privilegien zu genießen, zulasten anderer. Grüne sind an den ökologischen Sündenfall gewöhnt, Kirchen an die Ursünde..
3. Die Selbstbezichtigung der Linken, man habe die extreme Rechte durch das Reden über Transgender-Toiletten stark gemacht, führt in die Irre. Emanzipation ist kein linkes Elitenprojekt. Frauen, Schwarze, Queere, Muslime, die als Minderheiten galten, obwohl sie zusammen die große Mehrheit sind, sprechen selbst, weil sie wollen. Und jedes Recht dazu haben. Dass sie einfach nur sichtbar sind, Jobs bekommen und Macht erhalten, löst bereits Gegenreaktionen aus.
8. Wenn das misslingt, wenn die autoritäre extreme Rechte doch an die Macht kommt, zerstört sie die Demokratie. In Ungarn, Polen, auch Österreich und den USA ist das zu beobachten. Dann kann sie wirklich die ganze Gesellschaft verrücken. Ohne vorherigen Rechtsruck.
Meinungsfreiheit
Achtung, Sie verlassen den öffentlich kontrollierten Sektor!
Wo endet Meinungsfreiheit? Bei einem "Focus"-Redakteur, der als zu rechts gilt, um ihn auftreten zu lassen? Oder einer Punkband, die so politisch korrekt ist, dass die Kartoffeln geschält aus dem Keller laufen?
Es gibt viele Gründe, Feine Sahne Fischfilet für eine Strafe Gottes zu halten. Das beginnt mit dem Bandnamen, der wahrscheinlich so etwas wie selbstironische Unverfälschtheit signalisieren soll, tatsächlich aber, was den Ironie-Level angeht, nicht mal Bommerlunder-Niveau erreicht.
Es gibt den Frontmann Jan Gorkow, genannt "Monchi", den sie im Feuilleton wegen seiner vorbildlichen antifaschistischen Haltung so sehr herzen, dass ihm trotz seiner drei Zentner die Puste auszugehen droht. Da ist überhaupt dieser ganze ostdeutsche Links-Proll, der aus jedem Auftritt und jeder Zeile spricht, und der einem als "Punk" verkauft wird, weil das besser klingt. Ich würde ja immer meinen, es ist etwas faul, wenn Punkgrößen mit Kosenamen bedacht werden, aber was verstehe ich schon von Punk.
Wenn sich Künstler politisch äußern, geht das meist zulasten der Kunst. Bei Pianisten fällt das nicht so auf. Da sind die Noten vorgegeben. Bach und Mozart interessiert es nicht, was der Interpret auf Twitter an Herzensergießungen postet. Leider heißen Monchi und seine Kumpels nicht Levit sondern Irrgang oder Ney - sie verstehen auch nichts von Bach und Mozart, weshalb sie uns mit Reimen heimsuchen, die so quietschen, dass die Kartoffeln freiwillig geschält aus dem Keller gelaufen kommen, wie der große Dieter Bohlen sagen würde.
Die Bauhaus-Stiftung in Dessau hat dummerweise den schlechtesten aller Gründe gefunden, Feine Sahne Fischfilet nicht auftreten zu lassen. Vergangene Woche hat die Stiftungsleitung die Genehmigung für ein Konzert abgesagt, weil im Internet ein paar Nazis ihr Missfallen über den Auftritt geäußert hatten.
Man befürchte Demonstrationen vor der eigenen Tür, hieß es in einer Mitteilung. Das ist nun allerdings ein Argument, mit dem sich sogar der Auftritt eines notentreuen Pianisten wie Igor Levit verhindern ließe. Es müssen nur ein paar Verrückte auf die Idee kommen, im Netz Protest anzukündigen, und schon wäre das Bauhaus gezwungen, seinen Saal zu verrammeln.
Ich bin für weitgehende Meinungsfreiheit, ich war das immer. Ich bin dafür, dass es ein Recht auf die ungehinderte Verbreitung von politischem Unsinn sowie schlechter Kunst gibt, womit Feine Sahne Fischfilet gleich doppelt unter Schutz stünde. Ich bin sogar dafür, dass Menschen zweifelhafte Witze machen dürfen. Das Aussterben des Polenwitzes seit dem TV-Abgang von Harald Schmidt empfinde ich als Verlust. Wer traut sich denn heute noch, sich über andere Volksgruppen lustig zu machen? Die einzige Grenze, die ich akzeptiere, ist die, die das Gesetz zieht.
Meinungsfreiheit heißt nicht, dass jeder überall auftreten können muss - um diesem Missverständnis gleich entgegenzutreten. Ein privater Veranstalter ist frei, sich die Leute auszusuchen, die ihm passend erscheinen. Auch politische Erwägungen müssen eine Rolle spielen dürfen.
Wenn ich eine Demonstration gegen Hass zu organisieren hätte, würde ich zum Beispiel dafür Sorge tragen, dass nicht Gruppen mitlaufen, die Politiker wie Angela Merkel und Horst Seehofer als "Schweine" bezeichnen oder von der Bühne eine Vernichtung Israels herbeiwünschen. Problematisch wird es, wenn Veranstalter unter Druck gesetzt werden, bereits gemachte Zusagen zurückzuziehen. Das ist der Punkt, wo die Freiheit endet.
Bevor jetzt alle Freunde links der Mitte sagen: "Was ist bloß in den Fleischhauer gefahren? 100 Prozent Zustimmung. Das mit der Absage der Bauhaus-Stiftung ist wirklich unmöglich", ein Wort der Warnung. Freiheit ist unteilbar. Das heißt, man kann sie nicht nach Opportunität gewähren. Das wäre dann nämlich keine Meinungsfreiheit mehr, sondern Meinungsfreiheitszuteilung.
In dem Zusammenhang deshalb der Hinweis auf eine Geschichte, die vergleichsweise klein wirkt, aber ebenfalls nicht unbedeutend ist. Ein Bekannter von mir, der "Focus"-Redakteur Alexander Wendt, hat in diesen Tagen ein Buch vorgelegt, in dem er für eine andere Drogenpolitik plädiert. Es heißt "Kristall" und will dem "Microdosing" einen Weg bahnen. So heißt der aus den USA importierte Trend, sich so geringe Mengen harter Drogen zuzuführen, dass nur die positiven Effekte übrig bleiben. Ich habe einen Blick hineingeworfen, das Buch liest sich gut. Ich bin allerdings extrem skeptisch, was die These angeht. Mir scheint das ein Projekt, das eher zu den Grünen passt.
Das Buch sollte in einer bekannten Buchhandlung in Berlin-Mitte vorgestellt werden. Die Einladungen waren schon versandt, da erreichte den Autor die Nachricht, dass man von der Buchpremiere leider zurücktreten müsse. Man sei darauf aufmerksam gemacht worden, dass er, Wendt, einer der Initiatoren der "Erklärung 2018" sei. Für alle, die das nicht mehr in Erinnerung haben: Das war der Aufruf, mit dem eine Reihe von Intellektuellen im März eine Unterschriftenaktion gegen die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin lancierte.
Auch hier gilt: Not my cup of tea. Weder fühle ich mich von Flüchtlingen bedroht, noch glaube ich an die Unterschriftenliste als politisches Mittel. Was mich hingegen besorgt, ist die Eilfertigkeit, mit der einem Autor ein vereinbarter Auftritt aufgekündigt wird.
Das Ganze wiederholte sich, als die Agentur, die Wendt betreut, einen Ausweichort gefunden hatte. Dieses Mal dauerte es nur ein paar Tage, bis die Veranstaltung gecancelt wurde. Es ist nicht klar, ob auf die Buchhändler Druck ausgeübt wurde, aber das liegt nahe. Buchhändler ist ein Beruf nahe am Existenzminimum, da will man es sich nicht mit seinem Publikum verscherzen.
Die Berliner Buchhandlung Topics musste vor einem Jahr ihre Türen schießen, weil die Betreiber es gewagt hatten, eine Lesung zu einem Vordenker der Alt-Right-Bewegung zu organisieren. Das reichte einem Teil der Szene, um so lange gegen den Laden zu mobilisieren, bis er in die Insolvenz getrieben war.
Beide Vorgänge, der in Dessau und der in Berlin, zeigen aus meiner Sicht, was für ein empfindliches Gut die Meinungsfreiheit ist. Und dass die Feigheit der erste Schritt auf dem Weg in die Unfreiheit ist.
) Nice Weather hat geschrieben:vivafernanda hat geschrieben:Was nice betrifft: Wenn er das Christentum kritisiert, gibt er sich inhaltlich nullkommanull Mühe. Aber das interessiert niemanden und ich habe es lange aufgegeben. Scheint ihm ein Bedürfnis zu sein. Bitte.
Das ist aber fei fies, gell. Im Laufe der Jahre habe ich mir mit diesem Thema mehr Mühe gegeben als mit jedem anderen, weißt du auch. Ich habe halt keine Zugeständnisse gemacht, die die Religion sonst immer bekommt aber nicht verdient. Interessiert aber wirklich niemanden, zum Glück. ....
Das Kultbuch für Ungläubige und alle, die es werden wollen:
Der Herr ist kein Hirte: Wie Religion die Welt vergiftet von Christopher Hitchens
Religion und der Glaube an Gott sind von Menschen gemachte Dinge, die „alles vergiften“. Christopher Hitchens, erfolgreicher Journalist und bekennender Atheist, beschreibt prägnant und schonungslos, wie Religion zur Gewalttätigkeit gegen Andersgläubige und Ungläubige führt. In seinem fulminanten Rundumschlag beleuchtet er Entstehung, Verbreitung und Wirkung von Glaubensgemeinschaften und macht deutlich, wie verheerend ihr Einfluss auf Politik und Gesellschaft gerade heute (wieder) ist.
DIE Antwort auf das Thema Glauben: informativ, unterhaltsam, provokant.
Auch für überzeugte Christen empfehlenswert.


Nice Weather hat geschrieben:Der Fleischhauer war doch unlängst mit Harald Schmidt auf einer Veranstaltung, da hätte der ihm erzählen können, was er immer gern in Interviews erzählt: als ihn der polnische Botschafter damals einlud, um sich über die ständigen Polenwitze zu beschweren, hatte er die längst aus dem Programm geschmissen. Ich glaube das war noch in den Neunzigern.
Polenwitze sind nicht ausgestorben, weil Harald Schmidt aufgehört hat und sich sonst keiner traut, sondern weil sie nicht mehr funktionieren: das Klischee lautet längst, dass die Polen nur noch kommen, um zu einem fairen Preis deine Küche einzubauen. Dein Auto nehmen sie nicht mit, weil ihr eigenes besser ist.

Auswurf hat geschrieben:ja, mach uns den franky
wo sollte das zum thema gemacht werden ..
tagesschau, brennpunkt?
alle habens mitbekommen und sich ihre gedanken gemacht.
Ich find's zb zum kotzen!
wie hätten sie's denn gern?

Paleto Gaffeur hat geschrieben:R2G scheint Gottseidank nicht zu funktionieren..
