Hallo Ihr,
danke für alle Blumen. Nilks wird trotzdem nicht zufrieden sein und das zurecht.
Aber ich schrub aus dem Bauch heraus, Finger quasi verlängerter Bauch. Im Zug. Am Handy.
Bin jetzt eigentlich mit anderen beschäftigt, aber soviel noch:
Ich bin Pflegekraft. D. h. im Hospiz dennoch viel Verantwortung für die Therapie, da die Ärzte nicht vor Ort sind und total abhängig davon, ob ich bzw. wir anrufen , was unsere Informationen und Einschätzungen sind. Je nach Erfahrung des Arztes auch mein Therapievorschlag.
Bzw. der wird immer erwartet. Und dann kommentiert und modifiziert ggf. Bin immer froh, wenn die Ärzte nicht nur abnicken.
Wir, das ist das Pflegeteam. Wenn es um den erwähnten Konsens geht, dann gehören noch meine Vorgesetzten plus Arbeitgeber dazu.
Andere Kollegen ticken z. T. anders. Durch die wirtschaftliche Verbindung zum „Klienten“, können wir nicht beim Suizid assistieren. In manchen ambulanten Teams, die schwerstkranke Menschen über Jahre betreuen, wird das eher als Belastung gesehen. Denn an wen sonst sollten sich die Kranken wenden, wenn sie es nicht mehr aushalten? Die Geldverbindung gilt natürlich auch für alle Erben, bes. die.
Ich bin froh, dass ich nicht müssen muss, andere denken anders.
Die Bitten um den Tod umfassen ein weites Spektrum. Der Klassiker: Schwester, jetzt geben Sie mir doch was, dass es endlich vorbei ist. Diesen Satz habe ich unzählige Male gehört in meinem Berufsleben und stresst mich nicht mehr so. Ich bin halt da, also krieg ich es eben zu hören.
Dann gibt es Menschen, die nicht verstehen, was ein Hospiz ist. Sie wundern sich, wenn sie nach einer Woche nach Einzug noch leben. Denn sie kamen ja , um zu sterben. Das amüsiert mich bissle. Was denken sie, was passiert? Herzlich willkommen, möchten Sie noch zwei oder eher drei Tage leben?
Aber es gibt die anderen: Angehörige, die genau zu wissen meinen, dass der Kranke so unter keinen Umständen mehr leben möchte. Menschen, die mir sagen, dass man ein Tier besser behandelt als sie, weil man sie einschläfert, wenn sie leiden. Die mich meine Arbeit nicht tun lassen, sondern sauer werden, weil ich nichts mache.
Angehörige, die die letzte stille Zeit am Sterbebett nicht aushalten und 100mal fragen, wie lange noch? Könnten Sie nicht? Das eher nicht so offen, aber deutlich genug.
Wer bin ich in den Augen dieser Menschen?
Ein Letztes: Die Palliativmedizin wird gerne als Lösung in der Sterbehilfedebatte gesehen. Keiner muss mehr leiden, alle Symptome sind zufriedenstellend behandelbar.
Das stimmt nicht!
Wenn Politiker das sagen, dann sehen sie eben eine Lösung für ein schwieriges Problem.
Wenn die Bevölkerung das denkt, dann weil die Hospizidee um sich greift, die Palliativstationen und - teams in den Krankenhäusern z. T. wirklich gute Arbeit leisten.
Wenn Palliativmediziner das sagen, ist es mE grenzwertig kriminell. Ärztliche Hybris gibt es auch in diesem Bereich.
Es wurde sehr viel sehr viel besser in den letzten 20 Jahren. Aber gelitten wird auch heute noch.
Für mich gehört es zum Menschsein. Es ist nicht in unserer Hand, das komplett zu ändern.
Eine Hand, die schiebt, ist besser als 100 Hände, die ziehen.