Entschuldigung, ich erlaube mit kurz nochmal zurück zu gehen (ich bin mir im Klaren, dass das ein Spezial-Thema ist, das nicht alle gleichermaßen interessiert):
Da schlummert ja gerade gar kein großer Schrifststeller. Was Claas Relotius zusammenfabuliert hat, sind weitestgehend fürchterlich kitschige Klischees von der Welt. Schriftstellerisch unterirdisch. Und genau dafür wurde er gefeiert! Bitte, das ist sehr relevant.
Juan Moreno (der Claas Relotius letztlich auffliegen ließ) in der SZ auf die Frage: Kann man an dieser einen Reportage erklären, warum Relotius' Masche so lange funktionierte, die Kontrollen versagten?
Schlechte Literatur, Herr Moreno, das hätten Sie bitte noch ergänzen sollen.
Beispiele:
Die zwei Jungs - frei erfunden - in Löwenkinder, verbergen ihre Sprengstoffgürtel unter westlichen Fussballtrikots. Der eine Bruder unter dem Trikot von Ronaldo und der andere unter dem von Messie mit der Nummer 10....In nahezu allen Szenen wird Stimmung erzeugt, in dem erfundene Statisten begleitende Filmmusik trällern, meist einen passenden Popsong, als Metathema zum Sujet, als sei das in die Matrix als Qualitäts- und Echtheitssiegel eingraviert.....Menschen einer amerikanischen Kleinstadt werden Motive und falsche Wahlergebnisse untergeschoben, verwoben mit Klischees, die geradezu abartig pervers sind (ipod-Kurse vom 27jährigen Bürgermeister der noch nie Geschlechtsverkehr hatte für schießwütige Cretins, die verbotene Wölfe jagen, wo es gar keine gibt - alles frei erfunden natürlich).
Sorry, das ist keine gute Literatur, das ist kein guter Journalismus. Das ist biedere Volksmusik auf unterstem musikalischen Niveau. Hier wird die ganze Welt so dargestellt, als wäre sie in zwei Schattierungen Schwarz und Weiß immer ganz eindeutig und in allen Facetten harmonisch gestaltet.
Wie gesagt, dass wirklich Schlimme daran ist, dass die selbstreferentielle Branche sich für diese Art der Primitiv-Lyrik gegenseitig feiert und hochrangige Preise vergibt. Dass das heute die höheren Töchter der Henry-Nannen-Schule so als beispielgebend gelehrt bekommen. Und ja, dass ausgerechnet die Offenbarung dieser Tragödie natürlich auch noch im selben sound runtergedichtet wird.
Die Welt ist aber gerade kein märchenhafter Ort, wo immer alles ganz exakt zusammenpasst und jedes Klischee erfüllt wird (die Literatur übrigens auch nicht). Wenn Journalisten beginnen eine solche Welt zu verherrlichen, ist das, was die Themenfelder Information und Kommunikation betrifft, verheerend. Die Menschen müssen sich ja vorkommen, als sei ihr eigenes echtes Leben irgendwie falsch, weil da nichts zusammenpasst.
So, jetzt lasse ich euch damit in Ruhe, versprochen.
factotum hat geschrieben:....Wenn ich Journalist wäre, würde ich wahrscheinlich der Salonansicht stärker zuneigen, als ich das in meiner tatsächlichen Rolle als Medienkonsument tue.....Im allgemeinen gebe ich dem Salonbewohner recht, so grundsätzlich. Im Besonderen und Speziellen finde ich die Aufarbeitung im Spiegel trotzdem angemessen.
....Vielleicht schlummert in dem ja ein grosser Schriftsteller, und er hat sich nur aus Versehen im Beruf vertan.
Da schlummert ja gerade gar kein großer Schrifststeller. Was Claas Relotius zusammenfabuliert hat, sind weitestgehend fürchterlich kitschige Klischees von der Welt. Schriftstellerisch unterirdisch. Und genau dafür wurde er gefeiert! Bitte, das ist sehr relevant.
Juan Moreno (der Claas Relotius letztlich auffliegen ließ) in der SZ auf die Frage: Kann man an dieser einen Reportage erklären, warum Relotius' Masche so lange funktionierte, die Kontrollen versagten?
Moreno hat geschrieben:Das fällt alles wunderbar zusammen in seinen Geschichten, die haben etwas Tröstendes. Es ist totaler Zeitgeist. Die Reportage hat sich in den letzten Jahren massiv Richtung Kurzgeschichte, Richtung Literatur entwickelt. Wenn man in eine Geschichte wie "Jaegers Grenze" schreibt, die Zahl der Flüchtlinge hat sich in den letzten Jahren aber um 85 Prozent reduziert, zerstört das den ganzen Mood.
Schlechte Literatur, Herr Moreno, das hätten Sie bitte noch ergänzen sollen.
Beispiele:
Die zwei Jungs - frei erfunden - in Löwenkinder, verbergen ihre Sprengstoffgürtel unter westlichen Fussballtrikots. Der eine Bruder unter dem Trikot von Ronaldo und der andere unter dem von Messie mit der Nummer 10....In nahezu allen Szenen wird Stimmung erzeugt, in dem erfundene Statisten begleitende Filmmusik trällern, meist einen passenden Popsong, als Metathema zum Sujet, als sei das in die Matrix als Qualitäts- und Echtheitssiegel eingraviert.....Menschen einer amerikanischen Kleinstadt werden Motive und falsche Wahlergebnisse untergeschoben, verwoben mit Klischees, die geradezu abartig pervers sind (ipod-Kurse vom 27jährigen Bürgermeister der noch nie Geschlechtsverkehr hatte für schießwütige Cretins, die verbotene Wölfe jagen, wo es gar keine gibt - alles frei erfunden natürlich).
Sorry, das ist keine gute Literatur, das ist kein guter Journalismus. Das ist biedere Volksmusik auf unterstem musikalischen Niveau. Hier wird die ganze Welt so dargestellt, als wäre sie in zwei Schattierungen Schwarz und Weiß immer ganz eindeutig und in allen Facetten harmonisch gestaltet.
Wie gesagt, dass wirklich Schlimme daran ist, dass die selbstreferentielle Branche sich für diese Art der Primitiv-Lyrik gegenseitig feiert und hochrangige Preise vergibt. Dass das heute die höheren Töchter der Henry-Nannen-Schule so als beispielgebend gelehrt bekommen. Und ja, dass ausgerechnet die Offenbarung dieser Tragödie natürlich auch noch im selben sound runtergedichtet wird.
Die Welt ist aber gerade kein märchenhafter Ort, wo immer alles ganz exakt zusammenpasst und jedes Klischee erfüllt wird (die Literatur übrigens auch nicht). Wenn Journalisten beginnen eine solche Welt zu verherrlichen, ist das, was die Themenfelder Information und Kommunikation betrifft, verheerend. Die Menschen müssen sich ja vorkommen, als sei ihr eigenes echtes Leben irgendwie falsch, weil da nichts zusammenpasst.
So, jetzt lasse ich euch damit in Ruhe, versprochen.





. Hauptsache klare kante gezeigt , das war schon damals das wichtigste
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