@Tifferette
Zitiere mich in dem Zusammenhang gerne selbst.
Bei mir hat die Begeisterung ziemlich rapide nach der vierten, allerspätestens aber während der fünften Staffel abgenommen. Da kam ja fast nur noch eine hollywood-typische Action- und Blockbuster-Dialogszene nach der anderen. Und aus den vorher interessanten Charakteren wurden Schablonen.
Finde die Erklärung mit den unterschiedlichen Ansätzen einerseits nachvollziehbar, andererseits gibt es in den Büchern genug Hinweise, dass auch Martin zumindest eine Grundidee z.B. der Intrigen von Littlefinger gehabt haben muss, weil die vielen kleinen Szenen ja dann doch in einem größeren Zusammenhang stehen. Und es gibt andere Autoren, die zunächst grob die Storyline festlegen und dann in die Detailarbeit gehen und trotzdem "lebendige Personen" erschaffen.
Sehe die Veränderung der Serie daher eher darin begründet, wie es @Hasenrupfer schon ausgeführt hat:
Dein Moment des Niedergangs trifft auch ziemlich genau den Punkt, wo Benioff und Weiss, die Macher der Serie, nicht mehr auf Vorlagen von Martin zurückgreifen konnten.
Ergo, eine "Hollywoodisierung" des Ganzen.
Meine Vermutung ist ja, dass die etwas lahme fünfte Staffel in der Hoffnung gedreht wurde, dass Martin bis dahin sein sechstes Buch endlich fertiggeschrieben und man wieder eine Vorlage für die nächste Staffel haben würde. Blöd halt, dass Martin gerade - aus welchen Gründen auch immer - nicht weiterarbeitet.
Jetzt haben wir also drei Staffeln, die wie ein Endgame beim Schach wirken. Die Personen sind plaziert und die Motive im Wesentlichen klar. Lediglich bei Daenerys wurde ein Twist eingebaut, der viele Zuschauer(innen) schockieren mag, aber doch nicht wirklich überrascht, wenn man die Serienstaffeln Revue passieren lässt. Oder psychologisch ausgedrückt: Wer seinen Hunger nach Liebe und Anerkennung nicht gestillt bekommt, der... Und dieser Twist war sicherlich auch von Martin so geplant.
Hinzu kommt, dass die zwei zentralen Themen - Kampf gegen den Night King und Kampf um den Eisernen Thron - irgendwie sehr unbefriedigend und mit großen Logikfehlern weniger gelöst, denn "ver"endet wurden. Dramaturgisch ist nach "The Long Night" der emotionale Höhepunkt vorbei.
Es wirkt auf mich so, als ob die Macher D&D endlich aus der Serie rauskommen wollten. Kann man machen. Ist vielleicht sogar das Besondere, dass GoT eben auch hier nicht die Erwartungen erfüllt. Aber zumindest bei mir hinterlässt eine solche Vorgehensweise ein schales Gefühl, weil die ersten Staffeln andere Erwartungen geweckt haben.
Filmisch, im Sinne von Bebilderung des Geschehens, setzt die Serie jedoch wirklich Maßstäbe. Da kann ich mich kurzfristig daran berauschen, aber danach kommt der Kater, weil kaum etwas zurückbleibt, was in mir weiterarbeitet, wie beispielsweise nach "The Rains of Castamere".
Wenn die Unfähigkeit einen Decknamen braucht, nennt sie sich Pech.
- Charles Maurice de Talleyrand -