Zitiere hier mal einige Ausschnitte aus dem Artikel auf spielverlagerung.de:
Doch in seinen frühen Jahren war der heute 22-Jährige nicht nur als Ringer aktiv, sondern spielte ursprünglich auch als Innenverteidiger. Ins Tor zog es ihn erst, als niemand anderes in seiner Mannschaft diesen Job übernehmen wollte und er ohnehin genug vom vielen Laufen hatte.
Diese Geschichte kehrt Marvin Schwäbe als Profi-Fußballer nunmehr fast ins Gegenteil um. Er verlässt sein Tor bei eigenem Ballbesitz häufig weit und hilft der Mannschaft dadurch als zusätzlicher Feldspieler. Dies erweist sich vor allem gegen mannorientierte oder -deckende Teams als überaus hilfreich. Nicht selten agiert er dafür jenseits des Strafraums und positioniert sich situativ gar etwas höher als seine Mitspieler (Stichwort: Torwartkette).
Besondere Effektivität erzeugt er gegen Teams, die ihn in der Folge nicht anlaufen, sondern ihre ursprünglichen Deckungen halten. Schwäbe agiert ruhig, dribbelt mitunter leicht an. Anschließend wartet er Bewegungen der Mitspieler ab und spielt im Zweifelsfall noch mal nahe Optionen an.
Entweder passt er zur Seite, um zumindest die Orientierung des Gegners zu verändern oder direkt ins Zentrum, um den Ball zurückzubekommen und einen beziehungsweise mehrere Gegenspieler aus dem ursprünglich bewachten Raum zu ziehen.
Die Spielweise seines Teams ist ganz bewusst darauf angelegt, derlei Effekte so häufig wie möglich hervorzurufen. Insbesondere die drei Mittelfeldspieler wechseln regelmäßig ihre Positionen. Reißen sie so zwangsläufig einmal eine Lücke im gegnerischen Verbund, wird diese auch ziemlich häufig von einem Mitspieler angelaufen. Und der freie Mann Schwäbe bringt den zugehörigen Pass an.
Solche sich bietenden Räume kann der ehemalige Junioren-Nationaltorhüter aber auch mit hohen Bällen bedienen, die er durchweg technisch mindestens solide, häufig genug auch hervorragend ausführt. Charakteristisch sind dabei Pässe, die ähnlich wie ein Chip, eher weich geschlagen sind und zudem in hohem Bogen fliegen, ehe sie einige Meter vor dem Empfänger zum steilen Sinkflug ansetzen. Dadurch ist die Ballverarbeitung einfacher und die Mannschaft hat gegebenenfalls noch Zeit sich in eine bessere Situation für eventuelle Abpraller zu bringen.
Außerdem spielt Schwäbe auch eher stramm geschlagene Pässe, vor allem in Richtung der Seitenlinie. Diese haben eine eher flache, aber dafür stetig leicht ansteigende Flugkurve. Dadurch sind sie bei leichten Ungenauigkeiten zwar schwerer zu verarbeiten, ermöglichen bei guter Ausführung jedoch eine schnelle Spielfortsetzung.
Als Alternative werden die hohen Pässe ohnehin bereits in Richtung eines festgelegten Zielspielers geschlagen. Hierfür bietet sich bei Dynamo Dresden zum Beispiel Kapitän Hartmann an. Etwas hinter der Mittellinie, zumeist seitlich, ballen sich die Mitspieler dann. Schwäbe bedient diese Situationen erfolgsstabil. Eine leichte Streuung kann durch die eher ungefährlichen Zonen auf dem Spielfeld vernachlässigt werden.
Doch scheut er keineswegs das Risiko. Im Gegenteil: Auch kleinere Schnittstellen werden bedient. Oder Schwäbe erkennt einen Raum im Rücken des Gegners und passt auch zu unter Druck befindlichen Mitspielern, die den Ball genau dorthin weiterleiten können.
Dieser Mut zeigt sich nicht nur in Situationen, in denen andere Spieler sich unter Druck befinden. Schwäbe spielt auch gegen hohes Zustellen am Strafraum den Ball häufig flach heraus. Dazu fächern die Innenverteidiger neben ihm auf. Dadurch, dass die Stürmer häufig einen gewissen Abstand zu ihnen halten, kann man so in der ersten Linie zirkulieren bis sich eine Lücke ergibt.
Viele der anderen Teams wissen jedoch um diese Stärke und wagen sich für besseren Zugriff etwas näher heran. Dies bestraft Schwäbe ziemlich konstant mit einem direkten Pass zum (meist) linken Außenverteidiger. Im leichten Bogen gelangt der Ball am gegnerischen Stürmer vorbei zu ihm und er kann direkt den ersten Kontakt in den freien Raum am Flügel nehmen, da der entsprechende Gegenspieler in der Regel erst aus dem Zentrum herausrücken muss.
Was Marvin Schwäbe endgültig zu einem besonderen und zukunftsweisenden Torhüter macht, ist jedoch sein überaus aktives und ambitioniertes Freilaufverhalten. Für Torhüter gelten dabei im Allgemeinen einige Regeln, die für Feldspieler beim spanischen Juego de Posición im Besonderen von Bedeutung sind: Aufgrund ihrer hervorgehobenen Position auf dem Feld können Torhüter schlichtweg nicht einfach so überall hinlaufen.
Sie müssen stattdessen ziemlich genau in ihrer Zone bleiben, um stets als letzter Spieler noch das Tor sichern zu können. Beim tieferen Ballbesitzspiel kann man sich dafür am Strafraum orientieren und gemeinsam mit dem Team weiter vorrücken.
Auch für Torhüter ist es wichtig, beispielsweise nicht zu nah an Mitspieler heranzukommen, wenn diese genug Raum zum Spielen haben. So rückt Schwäbe immer mal wieder auf die gegenüberliegende Seite des Innenverteidigers, der sich gerade in Ballbesitz befindet.
Würde er bloß hinter ihm auf der gleichen Seite stehen, während der Innenverteidiger selbst ausreichend Platz zur Verfügung hat, so nimmt er sich als Passoption aus dem Spiel. Falls der Pass doch erfolgt, kommt man dadurch in keine bessere Position. Ganz im Gegenteil: Der Innenverteidiger muss sich erst wegdrehen, der Torhüter nach der Ballannahme ein paar Schritte zur anderen Seite machen. Das Pressing wird für den Gegner vereinfacht.
Durch die Positionierung auf der ballfernen Seite ist hingegen eine schnelle Spielfortsetzung gewährleistet, während der Gegner durch das Passspiel in Bewegung versetzt wird und seine Orientierung verändern muss. Wenn ich nur hinter mich spiele, blickt der Gegner ja praktisch immer noch auf denselben Punkt, nur etwas weiter entfernt.
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Marvin Schwäbe hingegen besticht durch sein Freilaufverhalten und ist in diesem Teilaspekt neben den beiden großen Namen [gemeint sind Andre Ter Stegen und Manuel Neuer], die andere Bereiche revolutionieren, als Wegweiser für zukünftiges Torwartspiel zu sehen. Kaum jemand fokussiert sich so sehr auf Aktivität und ständiges Teilnehmen am Spiel wie er. Fast wie ein Spielmacher.
https://spielverlagerung.de/2017/12/06/marvin-schwaebe/Marvin Schwäbe klingt schon sehr nach einem Torwart nach Walters Gusto. Halt als die Option, die man als Zweitligist bekommen kann...
Wenn die Unfähigkeit einen Decknamen braucht, nennt sie sich Pech.
- Charles Maurice de Talleyrand -