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vivafernanda
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Granadaseggl
So, der dritte Versuch, mich zu bedanken, Tiffi. Hab ziemliche Probleme mit dem Forumsserver heute.
Ich hab das wohl nie richtig verstanden. Bin gespannt, wie es bei und für uns jetzt weitergeht.
Eine Hand, die schiebt, ist besser als 100 Hände, die ziehen.


Flache9
Cantona hat geschrieben:Nen Brett?? Mit ner kaputtgesparten Bundeswehr, die es nicht mal schafft, Material für die Nato-Speerspitze 2023 zusammen zu schaffen?

"Zur schnellen Einsatzbereitschaft gehört, über das entsprechende Material zu verfügen. 2015 war das nicht der Fall. 2019, als Deutschland zuletzt die sogenannte schnelle Eingreiftruppe der Nato, die Speerspitze, stellte, musste Ausrüstung zusammengeklaubt werden. Wie wird es 2023 sein, wenn Deutschland wieder in dieser Schlüsselrolle ist?

Die Lage wird dann besser sein. Aber es wird uns bis dahin noch nicht gelingen, die Truppe zu 100 Prozent mit eigenem Material für diese Aufgabe auszustatten. Ich habe mir das anders vorgestellt und die Vollausstattung gefordert. Jetzt realisieren wir: Bestimmte Gegenstände werden nicht zeitgerecht zur Verfügung stehen. Das ist aber verkraftbar und wird durch alternative Maßnahmen aufgefangen."

https://www.sueddeutsche.de/politik/bun ... -1.4793533

Masslose Selbstüberschätzung der deutschen Aussenpolitik. Das einzige, was lange funktionnierte, war die sogenannte Scheckheftdiplomatie. Funktionniert aber nicht mehr, siehe Türkei, siehe Flüchtlingskrise und Visegrad-Staaten, siehe Russland und Ukraine, etc.

Ein verteidigungspolitisches und aussenpolitisches Versagen der deutschen Eliten, wohin man auch schaut.


Ich meinte mit „Brett“ keinen Bundeswehreinsatz, sondern Wirtschaftssanktionen. Die deutsche Bundeswehr kann maximal aufklären, Daten verarbeiten und sonst nichts. Reicht ja auch. Es gibt genug andere die die Dreckarbeit übernehmen wollen.

Flache9
higgi hat geschrieben:Scheckhfetdiplomatie, gutes Wort.
Wieviele Millionen hat die EU der Türkei jetzt überwiesen in diesem Wahnsinns Deal?
Diese Deals mit Türken, Iraner und sonstigen Regimes werden immer nur eines sein. Zum Scheitern verurteilt.
Man muss den Menschen vor Ort helfen, politisch, humanitär und Militärisch.
Wir halten uns aber lieber feige zurück und werfen unser Geld einem Erdogan in den Rachen, damit der die Drecksarbeit für uns macht.


Naja...Die EU hatte 6 Mrd versprochen und überwiesen wurden gerade mal 3 Mrd. Das Geld ging nicht an die Türkei, sondern läuft über die UN Flüchtlingshilfe und die verteilen dann an NGO etc.
Die Türkei hat mittlerweile über 40 Mrd Dollar bezahlt. Was sind dann bitte 3 Mrd oder 6 Mrd von der EU.
Alles zu lesen im UN Bericht.

Zudem habe ich gelesen, dass der Flüchtlingsdeal mit der Türkei seitens der EU nicht eingehalten wurde. Denn zur dieser Vereinbarung gehörten auch:
Der Austausch zwischen illegal und legal eingereisten Flüchtlinge aus der Türkei.
Bedeutet: Türkei übernimmt jeden illegal eingereisten Flüchtling zurück, die EU nimmt dafür einen legal nach Europa. Der Unterschied zwischen illegal und legal ist, ob einer einen Reisepass hat oder nicht und seinen Antrag offiziell gestellt hat.
Und eine VISA Erleichterung für die Türkische Staatsbürger wurde auch vereinbart und wurde Von der EU nicht eingehalten
Kann man alles nachlesen.

Durch zuschauen Europas wird nichts besser. Entweder man agiert gegen die Ursache in Syrien mit Volldampf,denn daran ist primär erstmal Putin, Assad und Iran schuld oder die EU überweist mehr Geld und erkauft sich so ihre Sicherheit.
Aber mit Lippenbekenntnissen und Heuchelei der EU kommt man nicht weiter.

Airwin
Benedict Neff verabschiedet sich nach 5 jahren als schlandkorrespondent der NZZ. Ich hoffe dass der artikel nicht als provokation gesehen wird. Aber er paßt gut einerseits zur debatte um Hopp , andererseits steht das flüchtlingsthema wieder vor der tür. Also , bitte lesen und nicht aufregen.


Anmerkungen zur deutschen Erregungsgesellschaft
Von der Flüchtlingskrise bis zur Erfurter Ministerpräsidentenwahl. Fünf Jahre Deutschland – ein Land, in dem Nüchternheit eine Provokation ist.


Benedict Neff, Berlin
29.02.2020, 05.30 Uhr


Eigentlich habe ich als Korrespondent während fünf Jahren in Deutschland immer den gleichen Kommentar geschrieben. Man könnte ihn als den Lasst-die-Kirche-im-Dorf-Kommentar beschreiben. Manche Leser glauben, darin eine bewusste Strategie zu erkennen. Die Wahrheit ist, der Kommentar entsteht fast von allein, denn die deutschen Debatten sind oft von einer eigentümlichen Hysterie gekennzeichnet. Man denke nur an all die Zeitungskommentare zur angeblichen Schande von Thüringen. Man konnte meinen, ein Nazi habe die Macht ergriffen. Stattdessen wurde ein FDP-Politiker bei einer demokratischen Wahl zum Ministerpräsidenten gewählt – mit den Stimmen der AfD, so viel ist richtig.

Wenn in Deutschland die Welt wieder einmal unterzugehen scheint, drängt sich Nüchternheit auf. Die «Neue Zürcher Zeitung» hatte in den neunziger Jahren einmal eine gute Werbung: Ein gespitzter NZZ-Bleistift sticht in einen aufgeblasenen Ballon. Für Schweizer Verhältnisse mag das Plakat sinnig gewesen sein: Die NZZ schaut sich die Dinge mit der gebotenen Ruhe an und bringt die Aufregungs-Blasen zum Platzen. In Deutschland ist aber etwas anderes zu beobachten: Nüchternheit ist hier eine Provokation. Der Lasst-die-Kirche-im-Dorf-Kommentar bringt viele Menschen erst recht zum Hyperventilieren. Kurzum: je unaufgeregter der Ton, desto aufgeregter die Reaktionen.

Denn wer nicht selbst die Alarmglocke schellt, hat den Ernst der Lage nicht erkannt: handle es sich um Donald Trump, die Klimakrise, die AfD oder um eine FDP, die angeblich mit Faschisten paktierte. In der Gemeinde aktivistischer Journalisten gilt Gelassenheit wahlweise als Kollaboration mit dem Feind oder Geschichtsvergessenheit. Im besten Fall wird sie einem als schweizerische Nonchalance oder Ahnungslosigkeit verziehen.

Ein Land im Ausnahmezustand
Aber selbstverständlich ist der Lasst-die-Kirche-im-Dorf-Kommentar nicht immer das richtige Instrument, um den deutschen Problemen zu begegnen. Er drängt sich vor allem bei den kleineren, alltäglichen Aufregungen auf, die in Berlin aber bekanntlich die bestimmenden sind. Dass die deutsche Öffentlichkeit eine leicht erregbare ist und sich Euphorie und Jammer manchmal in kurzen Intervallen abwechseln, konnte ich immer wieder beobachten. Deutschland ist eine Nation, die sich heute für seine Menschenfreundlichkeit feiern und schon morgen des kollektiven Rassismus bezichtigen kann.

Ich kam im Frühling 2015 als Korrespondent nach Berlin. Wochen später setzte die Flüchtlingskrise ein. Es war in jeder Hinsicht eine extreme Zeit. Aus der Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin entstand eine Art Bewegung, die Willkommenskultur. Ankömmlinge wurden am Münchner Bahnhof von freiwilligen Helfern klatschend empfangen. Ein Ende war lange nicht absehbar, denn die Kanzlerin hatte erklärt, die Grenzen nicht schützen zu können. Sie wollte es auch nicht. Linke Politiker jubilierten, dass sich Deutschland endlich verändern würde. Manager träumten von einem neuen Wirtschaftswunder. Journalisten lobten den neuen deutschen Humanismus. Im Parlament waren sich alle mehr oder weniger einig, dass Merkel das Richtige tat. Nur in Bayern drohte der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer der Kanzlerin mit einer Klage, falls sie die Zuwanderung nicht begrenze. Der heutige Innenminister wirkte auf viele wie ein rechter Fanatiker. Deutschland hilft, wo ist das Problem?

Die Tage von Hell- und Dunkeldeutschland
Irgendwann kam die Ernüchterung. Es gab Proteste und Übergriffe gegen Flüchtlinge. Wo Merkel auftrat, wurde sie niedergeschrien und ausgepfiffen. In AfD- und Pegida-Kreisen nannte man sie Volksverräterin. Es war der Beginn einer Polarisierung der Gesellschaft, die bis heute anhält. Das Establishment versuchte sie nicht einmal zu verhindern. Im Gegenteil, ein Teil der Bevölkerung wurde einfach aufgegeben. Der damalige Bundespräsident Joachim Gauck, ein lutherischer Pastor, trennte Deutschland in zwei Sphären. Er sprach von einem «hellen Deutschland» und von «Dunkeldeutschland». Das waren Orte wie Heidenau.

In dieser Zeit wurde Björn Höcke, der Mann, vor dem sich nun halb Deutschland fürchtet, allmählich populär. In Erfurt demonstrierte der AfD-Politiker jede Woche vor dem Dom und sagte Dinge wie: «Erfurt ist schön deutsch. Und schön deutsch soll Erfurt bleiben.» Ich habe mir eine solche Versammlung im Oktober 2015 angeschaut. Im Publikum standen viele Leute, die als Neonazis erkennbar waren. Einen Redner wie Höcke hatte ich noch nie live gesehen. Er war aggressiv, dann wieder rührte er sich selbst fast zu Tränen. Seine völkische Sprache kam wie aus einer anderen Zeit. Der Zulauf, den er hatte, wunderte mich, und er bereitete mir auch Sorgen. Wo wird das noch hinführen, dachte ich mir, wenn die Regierung die Flüchtlingskrise nicht in den Griff bekommt?

Die Kölner Silvesternacht änderte dann die Stimmung im Land nachhaltig. Zum einen schockierten die massenhaften sexuellen Übergriffe von Migranten, zum anderen deutsche Behörden, die diese zu vertuschen versuchten. Eine Nacht genügte, um die Überforderung eines ganzen Landes zu offenbaren.

Ein ungefragter Experte aus Syrien
Einige Zeit später traf ich den Politologen Bassam Tibi in Göttingen für ein Interview. Er ist in Damaskus geboren, war lange Professor in Deutschland, lehrte aber auch in Harvard und Yale. Von ihm stammen die Konzepte der Leitkultur und des Euro-Islams, sie tauchten als Begriffe nun gelegentlich in der Debatte auf. Eigentlich hätte Tibi zu jener Zeit der Mann der Stunde sein müssen, ein Erklärer zwischen den Welten. Aber er spielte im deutschen Diskurs kaum eine Rolle, und das dürfte mit seinen Meinungen zu tun gehabt haben. Eine Quintessenz aus dem Gespräch war: Schlecht integrierbare Menschen treffen auf eine Gesellschaft, die nicht fähig ist, Menschen zu integrieren. Daneben sprach Tibi vom deutschen Hang zum Extremismus: Fremdenfeindlichkeit oder Fremdeneuphorie, ein Mittelmass gebe es nicht.

Auch dies ist eine extreme Meinung, gab es doch viele Deutsche, die sich weder zum einen noch zum anderen Lager zählten. Aber die These wirkte auf mich gerade in jener Zeit überzeugend, vielleicht auch, weil ich mich als Journalist selbst zwischen diesen Extremen bewegte. Mal machte ich einen Selbstversuch als Flüchtlingshelfer, dann wieder hörte ich Höcke-Reden. Ich lernte Deutsche kennen, die die ganze Welt retten wollten, und andere, die alle Syrer am liebsten ausser Landes gekarrt hätten.

Die Sache mit dem Westfernsehen
Nach dem Interview mit Tibi wurde ich öfters mit dem Begriff Westfernsehen konfrontiert. Damit ist gemeint, dass Schweizer Medien in der Flüchtlingskrise eine Funktion einnahmen, die mit dem Westfernsehen zu Zeiten der DDR vergleichbar sei. Leser bedankten sich für Artikel, die man so angeblich in Deutschland nicht lesen könne. Der Begriff Westfernsehen, der bis heute in Debatten auftaucht, war schon 2016 eine unhaltbare Übertreibung. Im Kern brachte er aber etwas zum Ausdruck, das auch ich beobachtete: In der Schweiz wurde über alle Aspekte der Flüchtlingskrise anders und freier geschrieben. Bei vielen deutschen Journalisten befiel mich das Gefühl, dass sie versuchten, den Kurs der Regierung abzustützen: nur nicht die Willkommenskultur gefährden. Probleme der Zuwanderung wurden eher nicht angesprochen, aus Angst, ihre klare Benennung könnte das Publikum verschrecken. Diese Vorsicht lässt sich mit der deutschen Geschichte erklären, aber sie war einer kritischen Auseinandersetzung mit der Migration hinderlich und schadete dem Ansehen der deutschen Medien.

Warum rekapituliere ich hier noch einmal die Flüchtlingskrise? Sie prägte meine Arbeit als Korrespondent, aber sie prägt auch das Land bis heute. Die Umwälzungen im deutschen Parteiensystem sind zum Teil eine direkte Folge dieser Zeit. Die AfD war bis dahin eine unbedeutende Professorenpartei, die mit dem Euro haderte. Merkel hat sie gross gemacht. Aber auch deutsche Medien haben die AfD vitalisiert, weil sie den Asyl-Diskurs nicht in der nötigen Breite führten und weil sie etwas machten, was Medien nie tun sollten: sich relativ eindeutig auf die Seite der Mächtigen zu schlagen, anstatt sie kritisch zu begleiten.

Der Aufstieg eines Zeuslers
Dass die AfD in einem solchen Klima Zulauf hatte, ist nicht verwunderlich, dazu kamen Repräsentationslücken. Es gab schlichtweg keine Partei, die sich kritisch zur Migrationspolitik stellte oder zur Europäischen Union. Insofern hatte die AfD zu Beginn auch eine wichtige Funktion für die Demokratie, es ging darum, bestimmte Meinungen, die in der Bevölkerung vorkamen, auch im Parlament abzubilden. Dann und bis heute hat die AfD aber etwas Entscheidendes nicht gemacht: Grenzen ziehen nach ganz rechts.

Zwei Jahre nachdem ich Höcke in Erfurt aus der Ferne gesehen hatte, habe ich mit ihm ein längeres Interview geführt. Er war nun nicht mehr nur ein regionales Phänomen, sondern das Schreckgespenst der ganzen Republik. Mittlerweile hatte er die Dresdner Rede gehalten, in der er von einer «dämlichen Bewältigungspolitik» sprach und eine 180-Grad-Wende in der deutschen Erinnerungspolitik forderte. Überall wurde über ihn geschrieben, aber kaum jemand schien mit ihm zu reden – auch dies ein gängiges Muster deutscher Medien: den Bösen nur keine Plattform bieten.

Höcke wollte sich in dem Gespräch als ein Missverstandener präsentieren. Ein Bürgerlicher wollte er sein, den die Sorge um sein Land zeitweise ein bisschen zu stark mitgenommen hatte. Bei seinen Reden auf dem Domplatz, sagte er, habe es ihm manchmal die Stimme überschlagen, was er bedaure. Die Wandlung wirkte auf mich nicht glaubwürdig. Was sich geändert zu haben schien, waren seine Ziele. Er dachte grösser, er wollte nun nicht mehr nur die paar tausend Leute auf dem Erfurter Domplatz erreichen. Indem er sich gemässigt gibt, wird er eher noch gefährlicher.

Der Ruf nach dem Verfassungsschutz
Es gibt Leute, die sagen, Höcke sei ein Nazi. Selbst CDU-Politiker sagen das. Vielleicht ist er einer, aber wer könnte das mit Sicherheit sagen? Höcke macht keine Gewaltaufrufe, er hetzt keine Ausländer durch die Strassen, er ruft nicht zu ihrer Auslöschung auf. «Wehret den Anfängen», sagen da viele trotzdem, und besser, man schalte einem solchen Politiker jetzt schon das Mikrofon aus, bevor es zu spät ist.

«Deutschland ist noch eine junge Demokratie», sagen Schweizer gern und ein bisschen von oben herab. Tatsache ist, die Deutschen sind ängstliche Demokraten. Es gibt ein tiefes Misstrauen und Unbehagen, ob die Demokratie mit Leuten wie Höcke fertigwird. Das Trauma der Machtergreifung durch die Nazis ist bis heute in der Gesellschaft tief verankert. Dies zeigte sich auch nach der Thüringer Ministerpräsidentenwahl, prompt kamen die Vergleiche mit den dreissiger Jahren. Und die Zeitungen veröffentlichten gleich Kommentare, in denen sie den Verfassungsschutz aufforderten, die gesamte AfD zu beobachten. Entscheidend für eine Beobachtung sollten aber Taten sein und nicht Worte.

Deutschland braucht mehr Vertrauen in die eigene Demokratie. Denn wenn Politiker präventiv aus dem Verkehr gezogen werden, aus Angst, sie könnten sich dereinst weiter radikalisieren, nimmt die Demokratie selbst Schaden. Die AfD ist nicht stärker geworden, weil man sie in Deutschland zu wenig bekämpft hätte. Eher hat man sie zu stark ausgegrenzt, zu einem Zeitpunkt, als sie noch einigermassen gemässigt war. Er sei «ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft», sagt Mephistopheles in Goethes «Faust». Die deutsche Politik funktioniert oft genau umgekehrt: Man will das Gute und erreicht damit exakt das Gegenteil.

Der Vorteil des Korrespondenten
Über die Flüchtlingskrise zu schreiben, war damals eine Herausforderung. Ich wollte über die Willkommenskultur fair berichten, aber ich wollte nicht Teil von ihr werden. Das heisst, ich musste mich dem Sog entziehen, und damit war man eher allein.

Natürlich sind ausländische Journalisten kein bisschen klüger als ihre deutschen Kollegen, tendenziell wissen sie sogar weniger Bescheid, vor allem in den Details. Sie sind weiter weg von den Politikern, was ein Vorteil und ein Nachteil ist. Die Distanz öffnet den Blick, was dem Journalismus guttut. Gleichzeitig sieht man die Dinge aus der Ferne eben auch nicht so genau. Einen unbestreitbaren Vorteil gibt es aber, wenn man von aussen kommt: Man ist nicht so leidenschaftlich, weil man sich mit dem Land weniger identifiziert. Man lässt sich weniger hinreissen und mitreissen. Das kann hilfreich sein, wenn es darum geht, zu beschreiben, was ist.

Das Problem mancher Journalisten in Deutschland ist, dass sie nicht über die Wirklichkeit schreiben, sondern über die gewünschte Wirklichkeit. Die Folge ist ein verzerrtes Bild.

Die demokratische Wahl von Thüringen
Vorletzte Woche, nach der Ministerpräsidentenwahl von Thüringen, war ich in einer ähnlichen Situation wie damals in der Flüchtlingskrise. Mir wurde das eigene Abseitsstehen wieder bewusst.

Dass das Vorgehen von FDP und CDU nicht besonders klug war, war offensichtlich, aber ich wendete mich gegen die moralische Verurteilung der Wahl und gegen die Vorstellung, dass eine Wahl von Thomas Kemmerich weniger demokratisch sein soll als eine Wahl von Bodo Ramelow. Wenn ein Politiker einer 5-Prozent-Partei vom Parlament gewählt wird, dann ist er gewählt, auch wenn laut Umfragen eine grosse Mehrheit der Bürger den Gegenkandidaten supersympathisch findet. Wenn bürgerliche Parteien nicht mehr kandidieren aus Angst, von der AfD gewählt zu werden, dann machen sie aus dieser Partei einen Riesen, und sie verraten ihre eigenen Werte.

«Spiegel Online» schrieb einen Tag später: «Die Kritik vieler Kommentatoren fällt vernichtend aus – ein Schweizer sieht die AfD-Stimmen für Kemmerich hingegen nicht als Makel.» Nun kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass es einer halt nicht begriffen hat. Man könnte aber auch fragen: Wie kann es sein, dass in einem Land mit 80 Millionen Einwohnern fast alle Medien nach so einem Ereignis mehr oder weniger den gleichen Kommentar publizieren: Schande, Dammbruch, Tabubruch? Es gibt in Deutschland eine grosse und permanente Angst, man könnte im entscheidenden Moment nicht auf der richtigen Seite stehen. Auch diese Angst führt zu medialen Überreaktionen und dazu, dass viele das Gleiche schreiben.

Der Psychiater und sein Patient
Was ist aber die Bilanz der deutschen Flüchtlingspolitik? Sie ist weder verheerend noch ruhmreich. Befürchtungen, islamistische Anschläge könnten zur Normalität werden, haben sich nicht eingelöst. Mittlerweile haben schon viele Asylsuchende einen Job gefunden, aber von einem neuen Wirtschaftswunder ist Deutschland weit entfernt. Die Flüchtlingskrise hat vor allem sehr viel gekostet, und sie belastet Deutschland finanziell immer noch massiv. Die Integration arabischer Menschen in Deutschland bleibt eine grosse Herausforderung. Die Leitkultur-Debatte wird auch deshalb immer wieder von neuem aufgewärmt, weil eine grosse Hilflosigkeit da ist. Wie oft habe ich mit Einwanderern geredet, die so oder ähnlich fragten: Warum soll ich mich als Deutscher fühlen, wenn die Deutschen selbst ihr Land nicht lieben?

Wenn ich wieder einmal so über Deutschland rede, zitiert ein Freund von mir gern den Schriftsteller Maxim Biller: «Ich fühle mich mit den Deutschen wie ein Psychiater, der langsam auf seinen Patienten keine Lust mehr hat.» So weit würde ich nicht gehen, weil mich der Patient nach wie vor fasziniert. Aber nach fünf Jahren, glaube ich, tut es ihm ganz gut, wenn er zur Abwechslung mal einen anderen Psychiater bekommt.

Nilkheimer
Halbdaggl
In der Zwischenzeit: Die Israelis haben diesem korrupten Rechtskriminellen jetzt im dritten Anlauf zu einer Mehrheit verholfen. Es ist alles ein Scheiß.
Aber das macht doch nichts.

Flache9
Nilkheimer hat geschrieben:In der Zwischenzeit: Die Israelis haben diesem korrupten Rechtskriminellen jetzt im dritten Anlauf zu einer Mehrheit verholfen. Es ist alles ein Scheiß.


Jeder macht eben nach Bedarf seine eigenen Gesetze, auch wenn sie Gesetzlos sind.





Airwin
an der griechisch-türkischen grenze gibt es jetzt die bilder, die man 2015 um jeden preis verhindern wollte. Die griechen dürfen dafür (wieder) den kopf hinhalten.








Es wäre imo angebracht wenn merkel verkünden würde, dass es in D keine asylverfahren für migranten geben wird , die aus einem sicheren drittstaat einreisen. Das wäre sie den griechen und den migranten schuldig.


@Haber, sag doch auch mal was.

Flache9
Das Thema sicheres Drittstaat ist mein Lieblings-Totschlag-Argument .
Bedeutet nichts anderes um uns vor der Verantwortung zu drücken und andere die Drecksarbeit machen zu lassen. So funktioniert das nicht.

Flache9
Und währenddessen hat Putin wieder bombardiert und heute Mittag 64 Zivilisten getötet. Un bei uns wundert man sich warum noch mehr kommen. Das Problem ist nicht die Türkei, Griechland, Bulgarien, Italien, Ungarn etc. Das Problem ist das Gebombe in Syrien durch Putin, Assad und die Mullahs.

Ja gut, das stellt doch niemand in Frage. Putin hat sich auch 2015 schon ins Fäustchen gelacht ohne Ende – es ist noch leichter als er dachte, der EU in die Eier zu treten. Putin ist seit Jahren der erfolgreichste Potentat weit und breit – alles was er anfasst, klappt wie am Schnürchen.

Airwin
Flache9 hat geschrieben:Das Thema sicheres Drittstaat ist mein Lieblings-Totschlag-Argument .
Bedeutet nichts anderes um uns vor der Verantwortung zu drücken und andere die Drecksarbeit machen zu lassen. So funktioniert das nicht.



ähm janu, nur dass die "anderen" die die drecksarbeit machen, sich genau dieses totschlag-argument wünschen würden. Aus der sicht der griechen sind es die deutschen mit ihrer (ehemaligen) politik der offenen grenze die der größte anziehungspunkt für die migranten sind. Man konnte an der dortigen wieder grenze mama merkel-schilder sehen. Nur will und kann die mama nicht mehr. Ein klärendes wäre da schon hilfreich.

Airwin
Das Problem ist nicht die Türkei, Griechland, Bulgarien, Italien, Ungarn etc. Das Problem ist das Gebombe in Syrien durch Putin, Assad und die Mullahs.



Ja alles schurken in syrien. Nur erdogan möchte lediglich mit hilfe der islamisten die kurden massakrieren die syrische opposition beschützen :bounce: .

Flache9
Schau in den UN Bericht. Russland und Assad haben doppelt so viele Zivilisten getötet als die IS. Ich nehme Erdogan auch nicht raus. Allerdings ist die Türkei nicht verantwortlich das Millionen von Flüchtlingen nach Europa rennen.(Ich meine damit nicht die letzte Grenzeröffnung, sondern die letzten Jahre) Das ist nunmal Putin, Assad, die Mullahs, etc. Das kannst du wohl nicht leugnen ! Es warten weitere Millionen Flüchtlinge an der türkischen Grenze um vor den Bomben zu rennen. Laut den Berichten sollen darunter 32 Terrororganisationen sein. Soll die Türkei diese auch aufnehmen und diese finden dann den Weg in die EU. Deswegen muss die Sicherheitszone bestehen.


Airwin
@Flache9 natürlich sind die russen und insbesonder assad hauptverantwortlich. aber erdogan ist in meinen augen nicht teil der lösung sondern teil des problems. Seine absicht ist es eben nicht in erster linie einen sicheren korridor zu schaffen sondern kurdisch kontrollierte zonen zu verhindern. Nur meine meinung , ich bin da nicht so tief drin , dass ich mich nicht belehren lassen würde!


Southern Comfort
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Grasdaggl
Gutes Statement imho...

Bruno Labbadia ist wie ein Aschenbecher in einer Kneipe, die schon vor 20 Jahren hätte abgerissen werden sollen. Du weißt nicht, warum, aber er steht stetig in der Ecke, voller kalter Kippen und mit dem beharrlichen Geruch von verbrannter Vergangenheit.

Nilkheimer
Halbdaggl
Und dann noch dazu das halbe Jahr in Griez: Da freut sich die Lunge gleich dreifach und sie ist ganz weit vorne, weit weit vorne auch vor unseren Dreckdingern.
Aber das macht doch nichts.

Airwin
was ich kürzlich über erdogan - "teil des problems" - geschrieben hatte bestätigt sich wieder mal.

Flüchtlinge die mit geld und kostenlosen busfahrten an die griechische grenze gelockt werden. Flüchtlinge denen man verweigert das grenzgebiet wieder zu verlassen. Migranten die ganz überwiegend keine syrer sind... .

ie türkische Regierung entsendet tausend zusätzliche Polizisten an die Grenze zu Griechenland. Diese sollten „verhindern“, dass die griechische Regierung Flüchtlinge „zurückdrängt“, die versuchten den Grenzfluss Evros zu überqueren, sagte Innenminister Süleyman Soylu nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP bei einem Besuch im Grenzgebiet. Bei den Polizisten handele es sich um vollausgerüstete Spezialkräfte.
https://www.welt.de/politik/ausland/liv ... ndern.html


Die Türkei treibt die Eskalation der Flüchtlingskrise weiter voran. Polizei und Militär sammeln Tausende von Flüchtlingen zusammen, um Griechenland zu zwingen, die Grenzen zu öffnen. Die Grenzschützer halten dicht. Und die Flüchtlinge hoffen auf Erdogan.
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„Raus aus dem Bus, aber schnell“, brüllt ein türkischer Soldat in Zivil in den Wagen mit Flüchtlingen. „Ihr müsst zum Grenzfluss, nun macht schon, raus!“ Als die Insassen sich weigern, zieht der Soldat drohend seine Pistole. „Keine Widerrede, Schluss jetzt“, befiehlt er. „Am Fluss bringt euch das türkische Militär im Boot nach Griechenland.“ Eine Frau im Fahrzeug bittet ihn, doch Rücksicht auf Kinder zu nehmen und sie weiterfahren zu lassen. Aber der Soldat kennt kein Pardon. „Was kann ich dafür, wenn ihr so viele Kinder habt.“

Diese Szene ist in einem Video zu sehen, das am Mittwoch auf Twitter kursierte. Alles deutet daraufhin, dass die Bilder authentisch sind.
https://www.welt.de/politik/ausland/plu ... .206334485


Wegen des Krieges in Syrien habe sie keine andere Wahl, als Flüchtlinge nach Europa weiterreisen zu lassen, behauptet die türkische Regierung. Offenbar lässt sie systematisch Migranten Richtung Griechenland bringen. Doch nach WELT-Recherchen sind die meisten keine syrischen Flüchtlinge.
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Seit Samstag sind auf Befehl des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan die Grenzübergänge nach Griechenland geöffnet. Grund dafür ist laut Erdogan die Eskalation in Syrien, vor der bereits rund eine Million Menschen geflohen sind. Sein Land könne „eine neue Flüchtlingswelle nicht bewältigen“, so der türkische Präsident. Deshalb bringt die Regierung seit Tagen Flüchtlinge in Richtung Griechenland, aus Istanbul werden sie mit Bussen an die Grenze gefahren, wo sie von den griechischen Sicherheitsbehörden gewaltsam zurückgedrängt werden.

Nach WELT-Informationen sind es aber nicht vor allem Syrer, die versuchen, die Grenze zu überqueren. Die meisten Flüchtenden in der Region stammen aus Afghanistan, gefolgt von Menschen aus dem Iran.
https://www.welt.de/politik/ausland/plu ... nland.html

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