RedBlues hat geschrieben:Unabhängig von der Gesellschaft an die man angeschlossen ist, meiner Meinung sind ALLE Menschen auf diesem Planeten von ihrer grundsätzlichen Denkstruktur her Rassisten.
Warum? Weil unser Gehirn Informationen strukturiert und in Mustern verarbeitet.
Ich würde es anders formulieren. Von dem Wirken unseres Gehirns her gesehen sind wir Diskrimierende. Das fängt schon damit an, dass wir mit dem Auge materielle Gegenstände als solche "erkennen" können (oder auch nicht) und hört bei der Sprache auf, die Dingen und Handlungen einen Namen gibt (und sie damit diskriminiert, denn eine Rose ist nun mal keine Tulpe).
Über Diskriminieren ermöglichen wir auch Verständigung.
Insbesondere aber hat unser Gehirn in der über die Tausende von Jahren vollzogenen Entwicklung gelernt, dass Diskriminieren (v.a. zwischen Freund und Feind) überlebensnotwendig ist. Und es wird diese Denkweise auf jeden Fall nicht spontan, vielleicht auch gar nie ändern. Immer, wenn wir jemand Neues kennenlernen, läuft genau dieser Prozess - unbewusst - ab, und wir entscheiden dann, ob wir den anderen "gut riechen" können, d.h. ob er für uns interessant/attraktiv ist, oder nicht.
Das einzige, was wir tun können, ist, uns dieses Prozesses bewusst zu sein und trotz dieses Prozesses offen auf den Anderen zuzugehen.
Sprache ist jedoch viel mehr als die reinen Worte. Wer als Nicht-Muttersprachler eine neue Sprache erlernt, wird immer wieder an Ausdrucksweisen und Sprichwörtern verzweifeln, deren Subtext nicht sofort erkenntlich ist.
Und dazu kommt dann noch der Subtext der persönlichen Haltung, der Context. Ich glaube, kein Kind wird den Sarotti-Mohr per se als rassistisch wahrnehmen, aber sehr wohl verstehen, was gemeint ist, wenn die Eltern über die "Itaker" oder die "Neger" schimpfen. Genauso wird man mit den Meinungen und dem Context der Eltern über Mädchen/Frauen und Jungen/Männern heranwachsen und diese in den meisten Fällen unbewusst übernehmen.
Und genau an diesem Subtext muss man etwas ändern

Man muss sich ihn bewusst machen und einen neuen erlernen, d.h. das Gehirn darauf trainieren. Das kann über eine andere Ausdrucksweise möglich werden, aber die andere Ausdrucksweise alleine macht es nicht

Wenn die Unfähigkeit einen Decknamen braucht, nennt sie sich Pech.
- Charles Maurice de Talleyrand -