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Rufus
Granadaseggl
Zum heutigen Spiel aus dem Spiegel:

Fußball-Feindbilder RB Leipzig und PSG
In herzlicher Abneigung
Ein Kommentar von Peter Ahrens
Mit RB Leipzig und PSG treffen in der Champions League zwei Teams aufeinander, die vielen als Feindbild gelten. Die geleistete Arbeit beider Klubs ist anzuerkennen. Das Recht, sie abzulehnen, aber auch.

Fußball lebt von der Parteinahme. Es geht wirklich nicht um "Der Bessere soll gewinnen", es geht um "Der eigene Verein soll gewinnen". Im Grunde egal wie. Und wenn am Abend das Duell zweier Teams ansteht, die nicht zu den eigenen Lieblingsmannschaften zählen, drängt sich, bewusst oder unbewusst, die allererste Frage auf: "Für wen bin ich jetzt?"

Eine Frage, die schon mal leichter zu beantworten war als beim heutigen Halbfinale der Champions League zwischen RB Leipzig und Paris Saint-Germain.

Auf der einen Seite mit Leipzig der Klub, der vor etwas mehr als zehn Jahren auf der grünen Wiese geschaffen wurde, den viele nach wie vor nicht einen Verein, sondern ein Konstrukt nennen, aufgestiegen aus der Fünftklassigkeit nach Übernahme der Lizenz aus Markranstädt, die Alt-Klubs danach im Turbotempo überholend, auf Tradition bewusst pfeifend, gar damit offensiv kokettierend, dass man damit nichts zu tun hat. Die selbsternannte Moderne. Und siehe da: Da ist wieder ein Neuzugang aus Salzburg.

Anerkannt, nicht geliebt
Auf der anderen Seite der Klub, der mit dem Geld aus Katar in die höchsten Sphären gehoben wurde. Der Verein, der nonchalant 222 Millionen Euro für den Stürmer Neymar investieren kann, den das Financial Fair Play und die Gepflogenheiten des Transfermarktes bestenfalls dann interessieren, wenn das Thema mal wieder vor dem Internationalen Sportgericht verhandelt wird. Ein Verein, der auf ungesunde Weise personell und ökonomisch mit dem Emirat und seinem Regime verflochten ist. Wobei man sich nur schwer vorstellen kann, auf gesunde Weise mit Katar verflochten zu sein.

Betreut werden beide Klubs von hochbegabten deutschen Trainern, Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel, die sich in ihrem Ehrgeiz und ihrer Obsession, auch mit ihrem Stich ins Verbissene, durchaus ähneln. Respektiert, fachlich anerkannt, bei der Disziplin, die Fanherzen im Flug zu erobern, hapert es noch ein wenig.

Seit Tagen wird in der Öffentlichkeit und erwartbar vor allem auf Social Media heftig gestritten, wie gerade mit dem Erfolg von RB Leipzig umzugehen sei. Die Macher des Fußballmagazins "11 Freunde" bedienen ihre Zielgruppe der Traditionsbewussten und ignorieren den RB-Erfolg mit vielen Worten, demgegenüber gibt es anderswo Kommentare wie diesen hier im RBB-Inforadio, die die Ablehnung von RB als heuchlerisch bezeichnen. Die Argumente sind bekannt, es ist ein zehn Jahre alter Streit, durch den internationalen Erfolg von RB neu entfacht.

Nicht nur Liebe ist eine starke Emotion
Es gibt so viele Arten, auf den Fußball zu gucken. Es gibt den intellektuellen, den ökonomischen Zugang zum Fußball, man kann es mit geradezu chirurgischer Analyse versuchen, am Ende aber landet, wer die Faszination dieses Sports ergründen mag, bei der Emotion. Wer für einen Verein ist, ist logischerweise gleichzeitig gegen einen Verein. Wer "Liebe", gar "Echte Liebe" im Fußball verkauft, der bekommt es im Umkehrschluss auch mit der anderen Seite zu tun. Hass mag ein hässliches Wort sein, ein hässliches Gefühl ist es auch, es ist aber in jedem Fall auch eine starke Emotion, eine Fußball-Emotion. Die Abneigung ist eine besondere Form der Zuneigung im Fußball.

Daher hat das immer schon merkwürdig gewirkt, wenn Fußballgucker im Europapokal sehr unvermittelt zu Vereinen umschwenken, die sie in der Liga verabscheuen. Allein weil es deutsche Klubs sind, weil es der Fünf-Jahres-Wertung oder dem Uefa-Koeffizienten nütze. Eine statthafte Sichtweise, sicherlich, aber eine sehr nüchterne, sehr kühle, eigentlich eine Fußball-untypische Perspektive. Plötzlich ist man Bayern-Fan. Wie kann das sein?

Man kann die Arbeit, die RB Leipzig und PSG leisten, anerkennen, auch die Cleverness, die dort waltet. Man muss es sogar. Dass RB mittlerweile eine Fanbasis besitzt, die sicher auch mit einem gewissen Lokalpatriotismus und dem sportlichen Erfolg des Teams zusammenhängt, steht fest. Und dass es Fußballfreunde gibt, die sich gerade deswegen für Leipzig oder Hoffenheim interessieren, weil sie das ewige Gerede der Traditionalisten anödet. In Paris wird es ähnlich sein. All das gibt es, und es ist selbstverständlich legitim.

Das Recht, diese Klubs dennoch nicht zu mögen, ist es auch.

Die Modernisten, wenn man sie so nennen mag, weisen mit Vorliebe darauf hin, dass auch die sogenannten Traditionsvereine heute mindestens so durchgentrifiziert und -kommerzialisiert sind wie die Neureichen. Der börsenorientierte BVB, der von Gazprom und Tönnies alimentierte FC Schalke und so weiter. Das ist klar, dem zu widersprechen wäre vollständig lächerlich. Und die Ungleichbehandlung im Fußball besteht ohnehin eher zwischen Bayern München und dem VfL Bochum als zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig.

Der Unterschied, dass sich Dortmund, Schalke und Co über viele Jahrzehnte dorthin bewegt haben, wo sie jetzt sind, während in Leipzig der Prozess als von Anfang an durchgeplanter Erfolg sozusagen im kapitalistischen Schnelldurchlauf vollzogen wurde, bleibt aber bestehen. Mit diesem Makel müssen die Investorenklubs leben - und auch mit dem Feindbild.

Am Mittwoch spielen der FC Bayern und Olympique Lyon im zweiten Halbfinale gegeneinander. Da fällt es dann wieder wesentlich leichter, sich zu entscheiden.

Bundes-Jogi
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Grasdaggl
Die Büchsen sind wohl raus. Ein ehemlaiger Mitbewohner nannte leichte Mädels immer "Büchsen". Im Schwarzwald sagt man das wohl so. In Bad Peterstal. Da haben seine Eltern eine Pension.
„Selbst das wildeste Tier kennt doch des Mitleids Regung“ – „Ich kenne keins und bin deshalb kein Tier“ (Richard III).






de mappes
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Spamferkel
Glaube kann mit Paris eher leben als mit leipzig als CL-Sieger
Das wäre, trotz der seltsamen CL-Saison, eine Katastrophe gewesen, wenn das Plastikprojekt so schnell die CL gewonnen hätte.

Auf deutsche spieler setzen sie mittlerweile auch nicht mehr; da fallen die Hüllen dann...
Don't criticize what you can't understand

Frank N Furter
Wer Leipzig ernsthaft als Plastikklub betrachtet, muss mir mal erklären, was die Daimerfiliale VfB anderes sein soll? Beim VfB ists ja noch viel schlimmer, da steckt der Mäzen nicht nur seine Kohle rein, sondern zerüttet sogar den ganzen Verein mit seiner jahrelangen Vetterleswirtschaft.

Es ist doch viel eher so: Bei Leipzig funktioniert das Sponsoring recht erfolgreich. Beim VfB ists eine Katastrophe.
Zuletzt geändert von Frank N Furter am 19. August 2020 11:40, insgesamt 1-mal geändert.

CoachingZone
Halbdaggl
Nun ganz einfach: Beim Reißbrett will der Sponsor eine attraktive (i.e. sportlich erfolgreiche) Plattform für sein Produkt. Beim VfB will der Sponsor insbesondere keinen anderen Werbeträger vor der Haustür.
Wenn die Unfähigkeit einen Decknamen braucht, nennt sie sich Pech.

- Charles Maurice de Talleyrand -

Frank N Furter
CoachingZone hat geschrieben:Nun ganz einfach: Beim Reißbrett will der Sponsor eine attraktive (i.e. sportlich erfolgreiche) Plattform für sein Produkt. Beim VfB will der Sponsor insbesondere keinen anderen Werbeträger vor der Haustür.


Und das differenzierst Du dann entlang einer moralischen Achse?

CoachingZone
Halbdaggl
Tja. Das Herz schlägt halt immer noch für den Fußballclub meiner Jugend, auch wenn sich andere dessen bemächtigt haben.

Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte es keine Ausgliederung gegeben. Dann wäre Daimler nur ein Sponsor gewesen, aber die Fußballabteilung hätte eben noch zum Verein gehört.

Nun ist es anders. Zu Zeiten von WD und Reschke war ich schon beinahe entliebt, nur ein ganz kleines Bisschen Hoffnung blieb noch übrig, dass sich doch alles zum Guten wendet. Ich stehe nämlich darauf, Dinge zu entwickeln statt sie nur einzukaufen. Entwicklung ist einer der höchsten Werte in meinem Leben.

Da die Zeit des Mit-dem-Geld-um-sich-Werfens wieder vorüber ist, ist der Club dazu gezwungen, und so haben jetzt Leute das Sagen, die den Club tatsächlich durch gute Arbeit entwickeln wollen. Damit kann ich mich identifzieren.

Umgekehrt: Das Reißbrett hat gute Arbeit gemacht, allerdings nur im Scouting guter und passender Spieler. Verpflichten konnten sie sie nur, weil das dazu nötige Geld vom Sponsor da war. Und zwar bereits, als sie noch in den unteren Spielklassen unterwegs waren. Dazu ist nicht jeder in der Lage. Außerdem wüsste ich nicht, dass dem VfB mal eben so 100 Millionen Euro an Schulden erlassen wurden. Sind also recht ungleiche Voraussetzungen.
Wenn die Unfähigkeit einen Decknamen braucht, nennt sie sich Pech.

- Charles Maurice de Talleyrand -


Balbriggan
Granadaseggl
darkred hat geschrieben:Bixa hoißt dees.

Ja. Das wars jetzt für Leibzsch.
Die Unaussprechlichen gegen PSG im Finale. Warum nicht?

P.S.
Di Maria ist auch ne Pussy. :mrgreen:

Bleede Bix, Standard Beschimpfung für Personen weiblichen Geschlechts mit fragwürdigen charakterlichen Eigenschaften.
Bleeder Seggl ist das männliche Gegenstück. :mrgreen:


Balbriggan
Granadaseggl
Rufus hat geschrieben:
Balbriggan hat geschrieben:Paris hat gestern stark gespielt, wird sicher ein interessantes Finale gegen Lyon.

Hast du Insiderinfos über den Ausgang des heutigen HFs? :mrgreen:

Ich hoffe darauf :D

Frank N Furter
CoachingZone hat geschrieben: Entwicklung ist einer der höchsten Werte in meinem Leben.


Sehr vorbildlich!

Ja, vielleicht kehrt der VfB ja zum Entwicklungs-Prinzip zurück... er hätte heute allerdings 20 Jahre "technologischen" Entwicklungsrückstand gegenüber den Branchen-Riesen aufzuholen.

Leipzig ist für mich in erster Linie Ralf Rangnick. Es nützt kein Geld der Welt, wenn niemand da ist, der es mit Sachverstand investiert. Rangnick ist der Leipzig-Entwickler gewesen. Ob Leipzig in der Summe von seinem Sponsor mehr Geld bekommen hat als der VfB, lasse ich mal mangels Einsicht dahingestellt.

Solange hier nur Privatkohle verbrannt wird, ist mir das mit dem Sponsoring auch fast egal (nur fast, weil ich es nicht einsehe, dass in Anbetracht der Probleme in unserer Gesellschaft, 20jährigen, tätowierten Vollidioten so viel Kohle in den Arsch geschoben wird - da bin ich dann nochmal gerne etwas konservativer :lol: ) Ansonsten muss der Sponsor selber verantworten, was er da tut. Was nicht in Ordnung ist, wenn z.B. wie im Falle Kaiserslautern das Land Rheinland-Pfalz für das massive wirtschaftliche Versagen eines Fussballvereins grade stehen soll. Wenn ich also die Wahl hätte, würde mir eher das Modell Kaiserslautern missfallen, als das Modell Lepzig.

Das Grundproblem, welches mir den Fussball aber über jedwede Art von "Identifikation" vergellt hat, liegt darin, dass egal woher die Kohle kommt, sich die Vereine so eine unvernünftige Konkurrenz machen, dass alles was an Geld da ist und leider auch das, was eigentlich nicht da ist, sowieso immer bei den Spielern und ihren Beratern landet und nie zu "gemeinnützigen Zwecken" im "Verein" bleibt (Und die Arschlöcher, die am meisten Kohle für diesen Fussballquatsch kassieren, entziehen dann in der Regel noch ihr Geld dem Finanzamt, was wirklich der Gipfel des asozialen Verhalten ist).

Im Grunde ist Fussball zu einer reinen Werbeplattform mit maßlos überzüchteten Laufstegmodellen degeneriert. Aber das hat lange, lange vor Leipzig begonnen und darin war der VfB auch viel mehr ein Teil der Entwicklung, als der ehemalige VfB Leipzig, der ja in der Insolvenz verschwand.


George Best
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Lombaseggl
lieber bayern als rotzbull, immer

Dem muss ich leider zustimmen.

Frank'n'furter versteht nicht, dass RB nicht zuletzt durch dreistes Umgehen von Regeln (ja, DFB, DFL und UEFA haben sich an der Nase durch die Manege ziehen lassen) nach oben gespült wurde.
Ein reines Marketingprojekt, bei dem es mitnichten um Fußball geht - es geht einzig und allein um die Vermarktung überteuerter Brause.

Keine Ahnung, wie man daran etwas Sympathisches finden kann. Da kann ich auch gleich Fan von Apple, Esso oder HeidelbergCement werden.

George Best
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Lombaseggl
Bei den Bauern ging es vor Katar um Fußball. Bei den Bauern wird es nach Katar um Fußball gehen. Bei den Bauern ging es mit Opel auf der Brust um Fußball. Bei den Bauern geht es mit der Telekom auf der Brust um Fußball.
Bei RB geht es um Brausevermarktung. Um nichts anderes. Dieses Konstrukt gibt es ausschließlich, um Brause zu vermarkten.


darkred
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Halbdaggl
Doch nix mit Pep zurück zu Barca.
Mit Koeman soll ein altgedienter Holländer die Katalanen wieder auf Vordermann bringen.

Bin irgendwie gar nicht so überzeugt, dass diese Liaison Früchte trägt. Mich beschleicht eher das Gefühl, dass er als Mann fürs Grobe geholt wird, der ohne Vorbehalte den nötigen Umbruch vollziehen soll. Zieht seine Ausrichtung dann auch sportlich... gut, wenn nicht, dann trennt man sich halt wieder.

2007 hat er während seiner kurzen Zeit bei Valencia ja auch einige alte Zöpfe abgeschnitten und wurde im Zwist gegangen. Obwohl er den spanischen Pokal holte.

Für mich keine auf Langfristigkeit angelegte Lösung. Aber ich kann mich auch täuschen...

https://www.kicker.de/782100/artikel/_willkommen_zu_hause_koeman_offiziell_neuer_bar_a_coach

Hasenrupfer
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Grasdaggl
George Best hat geschrieben:
Frank'n'furter versteht nicht, dass RB nicht zuletzt durch dreistes Umgehen von Regeln (ja, DFB, DFL und UEFA haben sich an der Nase durch die Manege ziehen lassen) nach oben gespült wurde.
Ein reines Marketingprojekt, bei dem es mitnichten um Fußball geht - es geht einzig und allein um die Vermarktung überteuerter Brause.



Dieses. Müsste man halt mal den 11Freunde-Artikel lesen, da wird's schön zusammengefasst.

Das whataboutistische "Aber die anderen Vereine haben auch Investoren!1!!1" könnte quasi direkt aus der Rasenbull-PR-Abteilung stammen...