https://zeitung.faz.net/fas/wirtschaft/ ... 2/?GEPC=s5Wer schützt die Bauern vor Ökoextremisten und hysterischen Städtern? Ein Aufschrei von Kabarettistin Monika Gruber , einer bayerischen Bauerntochter
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Kennen Sie das Gefühl, dass Sie bereits am frühen Morgen nach kürzerer Lektüre der Zeitung den unbändigen Drang verspüren, das Feierabendbierchen vorzuverlegen? Also so ungefähr auf 7.30 Uhr? Ähnlich ergeht es mir immer, wenn den Redaktionen von Maybrit Illner, Sandra Maischberger oder Anne Will mal wieder nichts Besseres eingefallen ist, als Jutta Ditfurth zu exhumieren, die stets gift- und gallespritzend als Zölibatsverstärker bei der katholischen Kirche eingestellt werden könnte. Bereits nach den ersten Ditfurth’schen Rundumschlägen verspüre ich den Drang, meinen Fernseher aus dem Fenster zu schmeißen. Lediglich der Gedanke an den Anschaffungspreis sowie der traurige Blick, den mir Herr Frei, der TV-Händler meines Vertrauens, zuwerfen würde, wenn ich ihm gestehen müsste, dass ich wegen einer in die Jahre gekommenen Ökoextremistin sein Glanzstück an meinem Blauglockenbaum hätte zerschellen lassen, hält mich davon ab. Stattdessen tastet meine Hand fast automatisch nach rechts in die Hausbar und landet treffsicher an der Gin-Flasche.
Und dann gibt es Erlebnisse, die mich so konsterniert zurücklassen, dass ich glatt vergesse, wo sich mein Korkenzieher befindet. Exakt so erging es mir, als ich den Online-Kommentar einer Berliner Journalistin gelesen hatte, die offensichtlich während einer Demonstration von Landwirten in Berlin in einen Stau geraten und dadurch zu spät zu einer Hochzeit gekommen war. Darüber war die Dame so erbost, dass sie folgenden Kommentar auf Twitter postete: „Ich werde nie wieder etwas kaufen, was von einem Bauern produziert wurde!“ Wenn ich diese Anekdote im Freundeskreis erzähle, lasse ich an dieser Stelle immer eine längere Pause, um die ganze Tragweite dieses Satzes richtig sacken zu lassen.
Der Shitstorm für die Journalistin blieb aus
Solche Sätze traut man eigentlich nur all den bedauernswerten Protagonistinnen namens Chantal, Mandy oder Jessica zu, die von verantwortungslosen Fernsehmachern in Formaten wie „Frauentausch“ und „Hartz und herzlich“ für einen Monatsvorrat an Chipsletten als Gage vor die Kamera gezerrt werden. Dort lamentieren sie dann darüber, wie schwer es doch sei, sich die Namen ihrer fünf Kinder von sechs verschiedenen Männern zu merken, und dass die Stütze halt leider immer nur bis zur dritten Stange Marlboro reiche: „Isch tu nix mehr kaufen, wat von die Bauern jemacht is’, weil dat tun der Steven-Ray, dat Jamie-Alena, dat Pamela-Sue, der Rocky-King und dat Coco-Grace nich’ essen tun! Dat kennen die nich’!“
Reflex: Wenn Monika Gruber eine Talkshow mit Jutta Ditfurth guckt, verspürt sie prompt den Drang, den Fernseher aus dem Fenster zuschmeißen. dpa
Aber hier veröffentlichte eine ausgebildete Journalistin einer deutschen Tageszeitung, bei der davon auszugehen ist, dass sie zumindest nicht in allen Biologiestunden gefehlt haben dürfte, ihren intellektuellen Offenbarungseid. Und was war die Folge? Absolut nichts! Der von mir erwartete Shitstorm für den Satz, der es unter die Top 3 meiner Rangliste der dümmsten Sätze, die ich jemals schwarz auf weiß gelesen habe, geschafft hatte, blieb aus. Stattdessen gab es Lob und Verständnis von den ganzen Saskia-Chiaras, Kim-Cheyennes und Kea-Anns, die solidarisch beschlossen, sich in Zukunft anscheinend ebenfalls nur noch von PU-Schaum und Concealer zu ernähren.
Gut, ich gebe zu: Ich als Kind eines Landwirts reagiere auf solche Aussagen vielleicht etwas sensibler als die meisten meiner Mitmenschen. Und ich war auch durchaus erleichtert, dass die Dame in Berlin ansässig ist. Denn wäre sie im Radius von 100 Kilometern um meinen Heimatort wohnhaft, hätte ich wahrscheinlich der Versuchung nicht widerstehen können, sie aufzusuchen, um sie mit abgelaufenen Tofuklößchen zu bewerfen und mit einer aus nachhaltigem Stahl gefertigten Mistgabel einmal ihre Wohnstraße auf und ab zu scheuchen. Aber lassen wir das. Gewalt ist auch keine Lösung.
Hornhaut statt Gespür
Eines steht jedenfalls fest: Wäre ich Redakteur der Sendung „Goodbye Deutschland“, wäre ich garantiert umgehend nach Berlin gefahren und hätte der Dame vorgeschlagen, ein veganes Restaurant direkt am Wildtiermarkt in Wuhan zu eröffnen. Startkapital vom Sender: 100 000 Euro, steuerfrei, versteht sich. Und ich selber hätte noch mal 50 000 draufgepackt – unter der Prämisse, dass sie erst dann nach Deutschland zurückkehren darf, wenn sie anschließend auf einem niederbayerischen Bauernhof meiner Wahl eine Ausbildung zur staatlich geprüften Melkerin absolviert.
Die ganze Geschichte erinnert mich übrigens an einen Satz, den der Kardiologe meiner Mutter einmal zu mir sagte: „Die Menschen in Deutschland entfernen sich immer weiter von sich selbst.“ Oder wie meine Freundin Anni etwas weniger akademisch, aber ebenso treffend immer zu sagen pflegt: „Da, wo die Leut früher ein G’spür g’habt ham, da ham’s jetzt a Hornhaut!“
Dem stimme ich vollkommen zu, würde aber noch ergänzen, dass sich dabei eine signifikante Spaltung in Stadt- und Landbevölkerung auftut: Gerade die Corona-Krise hat gezeigt, dass Großstädter und Menschen aus Ballungsräumen weniger gut mit einer Ausnahmesituation zurechtkommen und deutlich aggressiver reagieren als die Menschen auf dem Land, auf die all die Diskussionen um geschlossene Kitas und Notbetreuung in Schulen, um Homeoffice und Einlasssperren in Bau- und Supermärkten eher befremdlich wirken. Und während viele Großstädter – in ihren gesellschaftlichen Blasen lebend – eher dazu neigen, auf die Landbevölkerung herabzuschauen, erweist sich diese – weil sozialisiert in Vereinen und Gruppierungen und in einer gemischten Nachbarschaft lebend – als pragmatischer und nervlich belastbarer.
Protestierer mit Traktor: Bauern begehren gegen die Agrarpolitik auf. dpa
Umso mehr nervt mich die Stigmatisierung von Landwirten als pauschale Volldeppen, Landschaftsvernichter, Umweltvergifter, Subventionsbittsteller und Tierquäler. Dies ist nicht nur äußerst dumm, sondern wird vor allem von Menschen unternommen, die keinerlei Berührungspunkte zur Landwirtschaft haben und in der Regel eine Egge nicht von einer Walze unterscheiden können. Oder wie mein Bruder – seines Zeichens Teilzeitlandwirt – immer meint: „98 Prozent der Deutschen wissen, wie Landwirtschaft funktioniert, aber nur 2 Prozent führen sie aus!“
Zugegeben, in der Vergangenheit wurden auch hier ganz bestimmt viele Fehler gemacht, und sicherlich könnte immer noch vieles verbessert werden. Aber ich habe Zeit meines Lebens ausschließlich Landwirte kennengelernt, denen das Wohl der Natur und das ihrer Tiere am Herzen lag. Von sich aus käme der gemeine Bauer etwa nie auf die Idee, lediglich Brust oder Filet eines Tieres zu verspeisen, weil ihm der Rest nicht hochwertig genug erscheint. Stattdessen verputzt er mit seiner Familie das ganze Viech, oder wie man neudeutsch sagt: „From head to tail“, also alles vom Kopf bis zum Schwanz. Und zwar weil ihm dieser Respekt vor einem Nutztier von seinen Vorfahren so beigebracht wurde und nicht etwa von Jamie Oliver.
Im Gegensatz zu den meisten Städtern wissen auch die Frauen auf dem Land mit unterschiedlichen Fleischsorten noch etwas anzufangen und deuten an der Wursttheke nicht hilflos auf ein Stück Gelbwurst, während sie die geduldige Metzgereifachverkäuferin fragen: „Sagen Sie mal, essen Kinder so was?“ (Selbst erlebt im November 2018 in der Metzgerei Huber, Kirchheim.) Bei uns wird auch noch gekocht – und zwar nicht in dem Sinne, dass wir uns eine Poke Bowl aus einem ayurvedischen Imbiss holen und diese dann in einen Teller umfüllen. Wir essen vorwiegend Gemüse aus dem eigenen Garten und Mehlspeisen. Fleisch gab es selbst bei Rindermastbetrieben wie dem unseren nur ein- bis zweimal in der Woche. Ja, wir waren als Rinderzüchterfamilie quasi Flexitarier, noch bevor es diesen Begriff überhaupt gab.
Die Empörungsfachrkräfte der Grünen
Ich kenne auch keinen Landwirt, der gemäß der landläufig kolportierten Meinung tonnenweise Kunstdünger oder Pestizide auf seine Äcker schüttet, weil dies a) unfassbar teuer und b) komplett sinnbefreit wäre, denn der Grund dient meist bereits vielen Generationen als Arbeits- und Lebensgrundlage. Dieses wertvolle und unersetzliche Gut gilt es zu erhalten und nicht zu vernichten. Kein Bauer wäre so dumm, den Ast abzusägen, auf dem er sitzt. Angeblich haben ja die dümmsten Bauern immer die größten Kartoffeln. Aber auch große Kartoffeln wachsen nur auf gut gehegten und gepflegten Böden, die mit Bedacht bepflanzt, bearbeitet und gedüngt werden.
Den besten Beweis für diese These lieferte tatsächlich einmal mehr die Hochphase der Corona-Pandemie: Durch das Herunterfahren der Wirtschaft und der Freizeitaktivitäten, die Reduzierung des Flugbetriebes, der Schifffahrt und des Autoverkehrs wurden Gewässer und Luft messbar sauberer. In genau dieser Zeit machten allerdings die Landwirte weiter wie bisher: Sie bestellten ihre Felder, düngten, spritzten gegen Unkraut und fuhren Gülle aus. Sie mähten Gras, fuhren Silage und Heu ein, ernteten Feldfrüchte und versorgten ihre Tiere – und trotzdem erholte sich die Natur merklich. Sollten etwa nicht die vielgescholtenen Landwirte, sondern doch Industrie, Wirtschaft und private Endverbraucher die größeren Umweltverschmutzer sein?
Ich traute jedenfalls meinen Ohren nicht, als ich Renate Künast, die zweite Empörungsfachkraft der Grünen neben Claudia Roth, im Bundestag schwafeln hörte: „Der Grund für die Pandemie ist die falsche Art und Weise, wie wir unsere Nahrungsmittel produzieren, Landwirtschaft betreiben und mit der Umwelt umgehen.“ Laut Frau Künast sei jetzt die Zeit, „diese Erkenntnisse zu nehmen und eine Ernährungswende einzuläuten“.
Nuhr im Ersten: Monika Gruber Youtube/ARD
Ich bin sicher, der Deutsche Bauernverband verbot seinen Mitgliedern noch am selben Tag den Verkauf von Fledermäusen und Schuppentieren auf sämtlichen Wochen- und Bauernmärkten zwischen Kiel und Freilassing, während Frau Künast bereits in Kongo weilte, um den dortigen Virologen zu verkünden, der neuerliche Ausbruch von Ebola sei auf das Tragen von allzu farbenfroher Kleidung der weiblichen Bevölkerung zurückzuführen und könne nur durch praktisch-pfiffige Bürstenhaarschnitte im Stile der United States Navy Seals eingedämmt werden.
Aber das andauernde Niedermachen der eigenen Landwirtschaft bei gleichzeitigem Öffnen des Marktes für so großartige Produkte wie zum Beispiel das vielgepriesene Fleisch von argentinischen Rindern, die zwar im Freien gehalten, aber dort mit Lastwagenladungen voll Kraftfutter und Antibiotika vollgestopft werden, ist für jeden deutschen Landwirt nur schwer erträglich. Zumal es wohl in Deutschland – außer der Gastronomie – keine Branche gibt, in der die Beschäftigten Wochenstunden im dreistelligen Bereich leisten, nur um am Ende des Lebens eine Rente zu bekommen, mit der man hierzulande de facto unterhalb der Armutsgrenze landet. Und wer sich fragt, warum das Zusammenleben von mehreren Generationen auf dem Land im Gegensatz zur Stadt immer noch funktioniert, dem sei gesagt, dass dies unter anderem auch einen wirtschaftlichen Grund hat: Mit einer landwirtschaftlichen Rente wie der meiner eigenen Eltern kann man sich in Oberbayern vielleicht eine Parkbank mieten, aber ganz sicher keine Wohnung.
Wir sind offensichtlich Heuchler und Pharisäer
Und denjenigen, die den Landwirten stets ihre ach so hohen Subventionen, die sie angeblich kassieren, vorwerfen, möchte ich folgenden Vergleich auf den Weg geben: In den 1960er-Jahren bekam ein Bauer für eine ausgewachsene Sau von rund 100 Kilogramm einen Durchschnittspreis von 300 Mark. Heute, knapp 60 (in Worten: sechzig) Jahre danach, bekommt ein Landwirt für eine ebenso ausgewachsene Sau im Schnitt 230 Euro, das ist nicht mal das Doppelte.
Viele von den Menschen, die sich – vollkommen zu Recht – über die Zustände in Großschlachtereien wie der Firma Tönnies entrüsten, haben ironischerweise kein Problem damit, ein Pfund Hack im Discounter zu kaufen, das regulär gerade mal 99 Cent kostet. Wenn alle doch ständig betonen, dass sie bereit sind, für Biofleisch viel mehr Geld auszugeben, wie kommt es dann, dass der entsprechende Bioanteil in Deutschland folgendermaßen aussieht: Für Schweinefleisch beträgt er 1,4 Prozent, für Geflügel 1,8 Prozent und für Rind 4,4 Prozent. Sind wir offensichtlich doch (fast) alle Heuchler und Pharisäer, die Wasser predigen und Wein saufen beziehungsweise in diesem Fall erstklassiges Fleisch aus kontrolliert ökologisch verträglicher Tierhaltung predigen, aber Transglutaminaseschnitzel und Formschinken fressen?
Der durch Ratgebermagazine im TV vorgebildete Durchschnittskunde fordert zwar hygienische Schlachtungen, faire Arbeitsbedingungen und möglichst umfassenden Tierschutz, aber beim Einkauf an der Ladentheke zählen für ihn dann doch nur die drei bekannten Kriterien: billig, billig und billig. Mit einer Genussreise nach Andalusien, dem neuesten SUV-Modell und dem aktuellen iPhone lässt sich eben doch schicker posen als mit der Papiertüte eines örtlichen Kleinmetzgers.
Die Politik ebnete den Weg für riesige Schlachtfabriken
Und was letztlich der Verbraucher mit seinen eingefahrenen Gewohnheiten nicht zugrunde richtet, das erledigt dann die Politik. Früher gab es in jeder größeren Stadt einen regionalen Schlachthof, zu dem alle Metzger vom Ort ihre Tiere brachten; teilweise durften die Fleischer auch in ihrer hauseigenen Metzgerei schlachten. Die Bauern hatten somit kurze Anfahrtswege, und den Tieren wurden lange, nervenaufreibende Transporte erspart. Dies wurde alles von der EU mit der unsinnigen Begründung von mangelnder Hygiene und einer nicht mehr statthaften Abwasserentsorgung untersagt. Damit wurde die Entstehung von gigantischen Schlacht- und Zerlegefabriken wie ebender oben genannten Firma noch weiter vorangetrieben. Ein Bekannter unserer Familie kämpft seit Jahren dafür, seine Rinder, die er in Freilandhaltung züchtet, auf der Weide zu töten, also dort, wo sie ihr ganzes Leben verbracht haben. Dadurch dürften die Tiere bis ganz zum Schluss dort bleiben, wo sie sich am wohlsten fühlen. Ein guter Gedanke, würde man meinen. Die Genehmigung dafür hat er bis heute nicht bekommen, aber er versicherte uns, dass er nicht aufgeben wird.
Die Dumpingpreise für unsere Grundnahrungsmittel sind politisch gewollt, denn Brot und Spiele funktionieren auch im Jahre 2020 noch reibungslos: Ein Ei kostete seit den 1970er-Jahren 20 Pfennige, heute kostet ein Bio-Ei direkt vom Erzeuger 20 Cent. Ein Liter Milch kostete 1949 in Bayern 0,36 DM, 1959 0,44 DM, 1979 1,13 DM. Heute bekommt man einen Liter Milch bereits für 69 Cent. Frage: Welches Produkt – sei es in der Auto- oder Modeindustrie, im Baugewerbe, im Technologie- oder im Medizinsektor – hat seit 60 Jahren nahezu denselben Preis oder ist inflationsbereinigt sogar billiger geworden?
„Die Bauern werden ausgepresst“
Und wenn man bedenkt, dass nirgendwo in Europa die Preise für Lebensmittel so günstig sind wie in Deutschland, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn der Satz, den die eingangs erwähnte verärgerte Hochzeits-Zuspätkommerin aus Berlin zum Besten gab, irgendwann bittere Realität wird: Wir werden vermutlich in absehbarer Zeit tatsächlich auch nichts mehr essen, was von einem Bauern kommt. Denn diese Bauern werden von Politik und Discounterketten ausgepresst und vernichtet, so dass wir uns irgendwann mit Nahrungsmitteln zufriedengeben werden müssen, die in Fabriken von Konzernen wie Aldi oder Lidl oder gar Amazon oder Google produziert werden. Es sei denn, Sie kennen noch jemanden, der eine kleine Landwirtschaft, einen Acker oder einen Garten nur zum Eigenverzehr betreibt. Dann werden Sie in der glücklichen Lage sein, Lebensmittel, also Mittel zum Leben und nicht nur Nahrung, kaufen zu können.
Das wäre ganz im Sinne des Spruchs, der auf der Giebelseite des Rosenheimer Herbstfestzeltes steht, zumindest wenn es eines Tages nach der Pandemie wieder ein solches Herbstfest geben sollte: „Bauernstand und Bauerngeist, ob auch selten man ihn preist, sind des Volkes Quell und Kraft, wohl dem Land, das dies bedacht.“ Das reimt sich zwar nicht ganz so sauber, aber dennoch trinke ich darauf einen selbstgemachten Eierlikör – aus wunderbaren Eiern vom Klobensteiner Herrmann, das Stück zu besagten 20 Cent. Und dafür darf man noch dem wunderschönen grün-gescheckten Gockel beim Balzen um seinen Hühnerharem zuschauen. Kostenlos.
Auf der anderen Seite wäre es natürlich interessant zu wissen, wie jene Hauptstadtjournalistin sich künftig ernähren wird – ganz ohne Eier, Milch, Fleisch, Kartoffeln, Gemüse, Salat, Obst oder Getreideprodukte. Ja, sie könnte sich ihre synthetisch-frutarische Ernährung, vorwiegend wahrscheinlich bestehend aus frittierten Algenchips, gerösteten Eicheln und Analogkäse aus Sojaproteinen, nicht einmal mehr schön saufen. Denn Hopfen und Weintrauben kommen dummerweise ebenfalls, genau, aus der guten alten Landwirtschaft.
Das Buch
Der Text stammt aus dem neuen Buch von Monika Gruber und Andreas Hock: Und erlöse uns von den Blöden. Vom Menschenverstand in hysterischen Zeiten Piper-Verlag, München, 20 Euro. Das Buch erscheint am Montag, 2. November.
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