RedBlues hat geschrieben:Gibts des hat geschrieben:RedBlues hat geschrieben:Thema Seilschaften,
ich vermute jetzt einfach einmal, dass jeder der schon etwas Zeit im Arbeitsleben in einem größeren Unternehmen verbracht hat, die gleiche Beobachtung wie ich machen konnte.
Auf dem Weg nach oben in einer Organisation benötigt man Unterstützer, steigt der Abteilungsleiter auf, dann nimmt der meistens seinen besten Mitarbeiter mit, oder holt einen Mitarbeiter von früher der evtl. gerade Zwecks Karriere an einer anderen Stelle im Konzern sitzt wieder hinzu.
Heute nennt sich das häufig Sponsor, Mentor oder Netzwerk. Wenn man es negativ benennen will, nennt man das Seilschaften oder Vitamin B.
Warum ist das etwas das man häufig beobachten kann? Nun, das liegt daran, dass Menschen sich gerne auf gemachte Erfahrung zurückbesinnen, zum anderen gerne Weggefährten um sich herum haben zu denen sie ein Vertrauensverhältnis haben, und man bei diesen eben auch am besten einschätzen kann wie gut sie zu den neuen Anforderungen passen.
Wenn wir ehrlich mit uns sind, macht das jeder von uns so, wenn er in die Situation kommt und die Möglichkeiten hat.
Deshalb sehe ich das Thema Seilschaften beim VfB nicht so tragisch und ich sehe gar keine Möglichkeit diese Seilschaften aufzusprengen und viel wichtiger danach zu verhindern, dass es neue Seilschaften geben wird.
Ich sehe auch nicht, dass unser VfB besser performen würde, wenn sich alle Verantwortlichen bevor sie beim VfB in Verantwortung kommen, sich nicht gekannt hätten.
Knapp vorbei gezielt:
Es geht nicht um die Seilschaften an sich, sondern darum, was die ganz konkreten beim

in den letzten zehn Jahren angerichtet haben. Die Kritik richtet sich also an ganz bestimmte Personen und ist leider mit dem Manko behaftet, dass niemand hier drinne, genau weiß, was wer von dem vergangenen Schlammassel zu verantworten hat.
Nur kurz um den Aufsichtsrat nochmal kenntlich zu machen
Franz Reiner, seit 2016 im Aufsichtsrat, Vertritt die Mercedes Benz Bank
Bertram Sugg, seit 2017 im Aufsichtsrat, Fanclub Courage Gerlingen, Arbeitet bei Bosch
Hermann Ohlicher, seit 2016 im Aufsichtsrat, jeder kennt ihn
Hartmut Jenner, seit 2014 im Aufsichtsrat
Bernd Gaiser, seit 2017 im Aufsichtsrat
Rainer Adrian, seit 2020 im Aufsichtsrat
Wilfried Porth, seit 2014 im Aufsichtsrat, vertritt Daimler?
Claus Vogt, seit 2019 im Aufsichtsrat, vertritt die e.V.
Was ich damit verdeutlichen möchte, im Aufsichtsrat sitzen nicht viele Leute die da ewig drin sitzen, ewig sind gerade mal Jenner und Porth, wenn 6 Jahre ewig sind.
Nun - man sollte vielleicht unterscheiden zwischen dem AR der AG, die ja erst seit Sommer 2016 existiert, und dem AR des e.V. vor der Ausgliederung, dem bereits Jenner und Porth (als zwei von drei Aufsichtsräten - neben Schäfer) angehört haben.
Jenner und Porth haben als AR (zunächst des e.V., dann der AG) die beiden jüngsten Abstiege der ersten (und übrigens auch der zweiten) Mannschaft miterlebt (mitverantwortet?). Beide haben als AR wieviele Sportvorstände und Trainer erlebt (mitverantwortet)? Habe jetzt gerade keine Zeit nachzuschauen und nachzuzählen - mehr jedenfalls als kaum ein anderer Verein/Club außer dem HSV vielleicht.
Was die weiteren Aufsichtsräte der AG betrifft:
- Ohlicher war vor der Ausgliederung im Ehrenrat des Vereins (also mitten unter den nicht demokratisch gewählten Strippenziehern) zugange.
- Reiner wurde als Vertreter des Trikotsponsors Mercedes Benz Bank berufen und vergrößert sicherlich die Mitsprache Daimlers im Gremium.
- Buchwald ist mittlerweile zurückgetreten (worden), seine Stimme hatte aber wohl eh keinerlei Gewicht, wenn man den diversen Informationsschnipseln glauben mag.
- Martin Schäfer (Würth) ist 2017 ebenfalls zurückgetreten. Würth auch als Sponsor, die sponsern mittlerweile die Vorchristlichen.
- Sugg und Gaiser sind WD-Leute, bei denen man schon mal nachfragen darf, was sie für den AR qualifiziert.
- Bleiben noch Vogt (an der Stelle von ehemals WD) und Adrion, der vermutlich die Nachfolge von Buchwald angetreten hat.
Letztlich konzentriert sich doch alles auf ein strukturelles Problem:
WD hat als damaliger Präsident des e.V. das Organigramm von AG und e.V. nach der Ausgliederung sicherlich wesentlich mitgestaltet und sich in der Doppelfunktion als Präsident und AR-Vorsitzender durchaus als Gestalter gesehen und über den zunächst nicht öffentlich gemachten Präsidialrat auch ein Entscheidungsgremium neben dem AR etabliert, das wozu genau dienen sollte, wenn nicht zum Regieren und Entscheidungen Treffen am Vorstand und am (vollständigen) AR der AG vorbei.
Im Sinne der Stärkung der sportlichen Führung (die übrigens selbst im Vorstand der AG immer noch in der Minderheit ist) muss man solche Macht- und Einflussstrukturen eigentlich kippen. Der Verein als Mehrheitsaktionär darf und sollte die Geschäftsführung der AG in seinem Sinne bestellen und kontrollieren dürfen, aber sollte keine wie auch immer gearteten Entscheidungen neben dieser treffen.
Mir sind heute Nacht wieder Worte von WD und Porth eingefallen, die diese 2019 kurz vor und kurz nach der MV geäußert haben:
Wilfried Porth hat geschrieben:Wir haben unter Wolfgang Dietrich viel aufgebaut, was nicht so schnell zerstört werden kann
Wolfgang Dietrich hat geschrieben:Ich lasse mir meine Würde und Ehre nicht von denjenigen nehmen, die ihre Macht lautstark und mit verbaler Gewalt demonstrieren. Ebenso wenig wie von denen, die sich schon seit langem an den gut gefüllten Töpfen unseres Vereins bedienen wollen.
Auch kann und möchte ich nicht mehr einer Organisation vorstehen, die weder willens ist, sich mit mir gemeinsam diesen Interessen entgegenzustellen...
[...] Der Vereinsführung und allen Gremien wünsche ich die Kraft und das wache Auge, nicht zuzulassen, dass Einzelne sich den VfB Stuttgart für ihre persönlichen oder wirtschaftlichen Interessen zunutze machen.
Das deutet meiner bescheidenen Meinung nach ziemlich klar auf einen Macht- und Verteilungskampf hin. Die offene Frage bleibt aber auch hier bestehen: Wer sind dabei die Guten? Und was bzw. wer stellt sich als gut für den sportlichen Erfolg der Sparte Profifußball heraus? Und nicht unwichtig: Wohin soll die Sparte Profifußball NACH/SEIT der Ausgliederung entwickelt werden?
Wenn die Unfähigkeit einen Decknamen braucht, nennt sie sich Pech.
- Charles Maurice de Talleyrand -