Nochmal was zu einem älteren Beitrag:
muffinho hat geschrieben:vivafernanda hat geschrieben:@muffi, die medizinische Aufklärung gibt es als Blätter mit schönen bunten Bildern für (fast) ALLES. Vielleicht auch bald für die Impfung. Dann geht es so: Bitte durchlesen, wenn sie einverstanden sind hier unterschreiben, bei Fragen wenden sie sich an den Arzt, der äh bald kommt.
Ja, so würde ich das auch sehen. Auch wenn es unpersönlich rüberkommt, aber man kann nicht einerseits der Bevölkerung solch große Opfer abverlangen und andererseits hat man den Eindruck, dass bei der Impfung nichts vorangeht.
Da muss man halt auch mal unkonventionell vorgehen, also nichts mit abgetrennten Kabinen und 2 Leuten die sich pro Person kümmern, sondern eine Art Fließband, mehrere Reihen mit je 20 Stühlen mit Impflingen, eine medizinische Kraft desinfiziert nur die Oberarme in der Reihe, die nächste bereitet die Spritze vor und die dritte verwandelt.
Das hat zwar was von Massenabfertigung beim Schlachthof von Onkel Tönnies, aber man muss halt Prioritäten setzen.
Genau so läuft es ja auch. Ich hatte jetzt kürzlich mit meinem Senior den zweiten Impftermin im Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart und muß sagen, daß ich von der Organisation schwer beeindruckt bin. Der Ablauf ist tatsächlich wie bei der Schafschur organisiert:
Zuerst Fiebermessung am Eingang, dann Anmeldung und Prüfung der Berechtigung, man bekommt einen Laufzettel ausgehändigt. Es geht dann weiter im Gatter, man kommt in großzügige Wartebereiche mit weit abstehenden Stühlen. Dabei wird ein Aufklärungsfilm über den Virus, die Erkrankung, den Impfstoff und die Impfung an sich gezeigt, was natürlich für alle gleich ist.
Danach kommt aber ein persönliches Aufklärungsgespräch, in dem neben der Risikoaufklärung vor allem die Patientenvorgeschichte (Anamnese) abgefragt wird. Zu deren Beurteilung ist ein ausgebildeter Arzt erforderlich und sonst niemand! Soviel zur Frage, ob man da irgendwas delegieren kann.
Welche Ausbildung derjenige nun hatte, der die Spritze gegeben hat, weiß ich nicht, das geht ja ganz fix. Schließlich geht es noch für mindestens 15 Minuten in einen weiteren Warteraum zur Beobachtung, ob Nebenwirkungen auftreten. Bei beiden Malen, die ich dabei war, war kein einziger solcher Fall aufgetreten. Am Ende wird der Laufzettel wieder abgegeben, man bekommt eine Impfbesscheinigung oder für die weniger Vergesslichen einen Stempel ins Impfbuch.
Selbst An- und Abfahrt mit dem Auto ist als Einbahnstraße durchorganisiert. Nur der Parkautomat ist mit den vielen Anfragen überfordert. Dann entweder im Hauptgebäude bezahlen oder auf eine offene Schranke spekulieren (für die Schwaben unter uns

)
Das ganze ist extrem professionell auch für große Durchsätze an Patienten ausgelegt, wobei die Auslastung nur recht gering war. An jeder Biege steht ein Helfershelfer, der einem den Weg weist oder geduldigst die allerdümmsten Fragen beantwortet. Das sind wohl Minijobber, die Ärzte habe ich nicht gefragt, ob sie etwas bekommen. Das Publikum erwartungsgemäß betagt und mit Begleitperson, aber alles recht diszipliniert, bis auf einen (echten) Seggl: "Warum dauert das so lange?"
Meine Frau hat sich auch als Impfärztin gemeldet und nein, sie wird nicht freigestellt, sondern macht das in ihrer Freizeit. Außerdem sollte vielleicht noch erwähnt werden, daß die Krankenhäuser derzeit sicherheitshalber keine "normalen" Patienten aufnehmen und keine Operationen durchführen, wenn es nicht unbedingt erforderlich ist. Das bedeutet, daß die Normalstationen fast leer sind, es kommt auch kaum jemand freiwillig. Soviel zur Frage, ob durch die Impftätigkeit andere Arbeiten liegen bleiben.