Behörde schließt "ungewöhnliches Verfahren" ab
Datenaffäre: VfB Stuttgart muss 300.000 Euro bezahlenMit einem Bußgeld von 300.000 Euro belegt der Landesdatenschutzbeauftragte die VfB Stuttgart AG. Damit ist ein behördlicher Schlussstrich unter die Datenaffäre gezogen. Doch mit Spannung wird noch die Aufklärung von mindestens einem Sachverhalt seitens des Bundesligisten erwartet.VfB Stuttgart und die Datenaffäre: Die Behörde zieht einen Schlussstrich.Denn nach wie vor ist unklar, weshalb genau der Aufsichtsrat der ausgegliederten AG deren beiden Vorstände, Stefan Heim (Finanzen) und Jochen Röttgermann (Marketing), abberufen hat. In die Weitergaben ohne Rechtsgrundlage von in einem Fall sogar 100.000 personenbezogener Daten war das Duo nicht involviert. In Bälde soll es hierzu eine Pressekonferenz geben. Kürzlich trennte sich der VfB zudem von den zwei leitenden Mitarbeitern, die die Daten weitergegeben hatten. Darüber hinaus traten im Zuge des aus der Affäre entsponnenen Machtkampfs die Präsidiumsmitglieder Dr. Bernd Gaiser und Rainer Mutschler zurück. Mit Letzterem steht Vorstandschef Thomas Hitzlsperger im Austausch über seine berufliche Zukunft, weil er auch in der AG angestellt ist.
Diese also muss nun 300.000 Euro bezahlen und organisiert ihr Datenschutzmanagement neu. "Zudem planen die Verantwortlichen erfreulicherweise künftig ein Engagement bei der Aufklärung über Datenschutzanliegen, mit dem vor allem junge Menschen angesprochen werden sollen", erklärt Dr. Stefan Brink, der Datenschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg. Konkret unterstützt der Klub die Behörde bei der Öffentlichkeitsarbeit für regionale Schul-Aktionstage und konzipiert Schulungen für seine Nachwuchsteams. Diese Maßnahmen dürften für eine Reduzierung des Bußgelds gesorgt haben.
Ungewöhnlich war nicht nur der Gegenstand unseres Verfahrens, sondern vor allem das hiermit verbundene öffentliche und mediale Interesse.
DR. STEFAN BRINK, DATENSCHUTZBEAUFTRAGTER DES LANDES BADEN-WÜRTTEMBERG spricht von einem Verfahren, "das auch für uns als Aufsichtsbehörde ungewöhnlich war. Ungewöhnlich war nicht nur der Gegenstand unseres Verfahrens, sondern vor allem das hiermit verbundene öffentliche und mediale Interesse. Ungewöhnlich war auch der Umfang des durch die Einschaltung der Esecon belegten Aufklärungsinteresses und der Kooperationsbereitschaft des VfB mit unserer Behörde."
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass eine der vier E-Mails mit weitergegebenen Daten von den VfB-Servern gelöscht wurde - bislang ist unklar, wer an dieser diskreten Aktion beteiligt war. Dabei handelte es sich just um die E-Mail aus 2018, die den Ansatzpunkt von Brinks Ermittlung darstellte. Das bestätigt der Verwaltungsjurist mit der Aussage, dass die Behörde "mit Blick auf Verjährungsvorschriften nicht alle öffentlich diskutierten Vorgänge vollständig untersuchen konnte". Denn die Weitergaben aus 2016 und 2017 sind datenschutzrechtlich verjährt.
E-Mail anonym zugespieltDass der VfB dennoch personelle Konsequenzen ziehen musste, obgleich die 2018er Mail zunächst nicht auffindbar war, lag auch an Brink. Denn dem Landesdatenschutz wurde genau diese E-Mail anonym zugespielt. Brink wiederum reichte Auszüge davon an VfB-Präsident Claus Vogt weiter am 4. Februar, als die internen Esecon-Ermittlungen bereits beendet waren. So schilderten es Hitzlsperger und ein die VfB AG beratender Jurist vor zwei Wochen.
https://www.kicker.de/datenaffaere-vfb- ... 87/artikel--------------------------------------------
Schöner Deal.
Der VfB geriert sich öffentlichkeitswirksam als geläuterter Datenschützer und möchte in Zukunft, in enger Abstimmung mit der Landesdatenschutzbehörde, Heranwachsende über diesbezügliche Gefahren aufklären. Einer sonnt sich im Licht des Anderen und gut ist. Kann man machen.
Jetzt dann noch die PK bzgl. den ergriffenen personellen Änderungen im Organigramm und man könnte so langsam einen Haken hinter das Thema machen. Spannend wird sein, wie sich Vogt und Hitz dabei zur Sache und zueinander stellen.