de mappes hat geschrieben:@studie
Interessant...man darf gespannt sein
Was ich mich als Laie frage und wo du vielleicht weiterführend berichten kannst: Lösen die Viren wirklich direkt durch Schädigungen am Nervensystem (was psychische Spätfolgen betrifft) diese Long-Covid-Schäden aus wie Fatigue oder wird man ggfs. auch anfälliger für psychische Erkrankungen durch das, verkürzt gesagte, "drumherum"...also Stigmatisierung als Infizierter, von der man zu Beginn dereinst lesen konnte...oder die Ängste vor Intensiv und Beatmung oder die belastende Situation des Lockdowns, die drauf gerechnet wird...fehlende Hoffnung auf Besserung/Ende der Pandemie...Ausweglosigkeit...kann sich das mit einer Infektion zu solchen längeren Beeinträchtigungen "hochsterilisieren" oder geht man wirklich von Schäden an neuronalen Systemen aus durch Corona-Viren?
Oder gibt es sogar sowohl-als auch...oder weiß man noch fast nichts?
Oh, das ist ein riesen Themenfeld. Mal der Versuch in Kürze:
1. Wir sprechen hier eigentlich von Chronic Fatigue Syndrom (CFS), welches vor Covid bereits beforscht wurde. Das meiste, was man jetzt für Covid ableiten will, baut noch auf CFS-Erfahrungen auf.
2. Bei CFS stellt sich die Situation in etwa so dar. Jemand hat als vormals Gesunder eine schwerere aber in der Summe harmlose Erkältung (auch viral verursacht), erholt sich dann aber nicht mehr von den grippetypischen Erkältungssymtomen. Bei einigen Covid-Patienten beobachtet man nun dasselbe.
3. Bei CFS ist bis heute strittig, ob dahinter eine persistierende Virus-Erkrankung steckt (Hauptkandidat der Epstein-Barr-Virus (EBV))
4. Nehmen wir mal die Hypothese beim EBV zum Vergleich. Dieser Virus, den tatsächlich 95% der Deutschen permanent in sich haben, "lebt" in unseren Zellen. Wenn unser Immunsystem geschwächt ist (z.B. durch Krebs, weshalb es auch explizit Krebs-CFS gibt), erkennt der Virus seine Chance und kommt raus aus seinem Versteck und durchläuft einige Replikationszyklen. Sobald unser Immunsystem wieder eine echte Gefahr für ihn ist, versteckt sich EBV wieder. Einige Leute scheinen für diese Replikationszyklen anfälliger zu sein als andere.
5. Die Leute, die nach der EBV-Hypothese anfälliger sind, von denen glaubt man, dass sie blöder Weise während der Replikationsphase des Virus Antikörper gegen EBV hergestellt haben, die kreuzreaktiv auf eigene wichtige körpereigene Proteine sind (dazu stehen einige Hormone der Schilddrüse unter Verdacht). Eines der fraglichen Schilddrüsenhormone regelt unseren Stoffwechsel. Wenn dieses Hormon andauernd von eigenen Antikörpern abgefangen und zerlegt wird, kommt unser Stoffwechsel gar nicht mehr in Gang und wir haben eben genau jene andauernden Erkä#ltungssymptome, bis zum extremen, chronischen Erschöpfungs-Syndrom einer Fatigue.
Mit den Nerven hat das also Stand heutigen Wissens nichts zu tun bei CFS. Allerdings muss man erwähnen, dass es mittlerweile auch dazu Hypothesen gibt und sich ein Covid-FS auch anders verhalten könnte.
Das "Interessante" an der CBF-Diskussion ist, ob es bei Covid auch so sein könnte wie beim EBV vermutet: einige Viren beginnen sich bei bestimmten Patienten im Immunsystem zu verstecken und replizieren sich dann später spontan immer wieder. Allerdings ist dieser Gedanke bisher wirklich reine Spekulation.