Hui, interessante Diskussion und gefühlt die erste seit langem, die recht emotionslos abläuft.
Da ich das Glück habe, dass es an meiner Schule auch eine der frühen Gemeinschaftsschulen gibt, kann ich Ergebnisse von Studien und die dreijährige Beobachtung ganz gut zusammenbringen.
Als lose zusammenhanglose Punkte:
- Kinder aus "bildungsferneren" Schichten haben es selbst in der Schule schwerer. Da gibt es keine Diskussion. Bildungsfern und ökonomisch schlecht gestellt sind dabei zu großen Teilen deckungsgleich. Ausnahmen bestätigten, etc etc
- In der GMS sind prinzipiell durchaus auch Kinder aus idealistischen Elternhäusern mit Gymnasialempfehlung zu finden. Inoffiziellen Zahlen zufolge bei uns sind wohl durchaus etwa 25% der GMS-Schüler. Das große Problem, das dabei entsteht ist, dass man dabei einerseits eine enorme Heterogenität in Bezug auf Begabung und Leistungsfähigkeit/-bereitschaft hat - was prinzipiell schon sehr schwer von den Lehrkräften aufgefangen wird durch individuelles und differenzierendes Lernen. Hinzu kommt aber auch eine extreme Bandbreite an sozialen/gesundheitlichen Auffälligkeiten innerhalb der Lerngruppen (wie die Klassen dort heißen) was den Lehrkräften (oder Lernbegleitern...) ein Klientel beschert, das in der aktuellen Gruppengröße einfach nicht effektiv zu beschulen ist. Inklusion ist dann noch eine weitere Herausforderung... und bei all dem arbeiten sich die GMS-Kollegen wirklich den Arsch ab mit Bilanzgesprächen, etc.
- Prinzipiell stimmt es, dass bei Leistungsunterschieden sowohl die Starken als auch die Schwachen profitieren. Prinzipiell ist es aber ebenso richtig, dass dies nur bis zu einem bestimmten Maß an Heterogenität der Fall ist. Klaffen die Unterschiede zu weit auseinander wird es für die Lehrkraft unmöglich diese Effekte zu nutzen.
- Die jetzt unverbindliche Grundschulempfehlung hat lediglich einen aufschiebenden Effekt. Wir kennen zwar die Grundschulempfehlungen der Kinder nicht (dürfen sie nicht kennen), aber es wird bereits in der 5. Klasse deutlich welche Schüler auf dem Gymnasium überfordert sind. Ich schätze, dass dadurch im Schnitt nur etwas mehr als 2/3 eines jeden Jahrgangs das Abitur in 8 Jahren macht.
- Neben der schon genannten Korrelation zwischen ökonomischem Status und Bildungsdistanz der Familie spielt die ökonomische Situation der Familie natürlich grundsätzlich auch eine Rolle. Medizinische Behandlungen und insbesondere massive Nachhilfe sind immer wichtigere Faktoren.