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Veröffentlicht am 1. September 2023
Hey Boss, ich brauch’ mehr Geld!
von @abiszet
Schwaben wird nachgesagt, dass sie sparsam seien, dass sie ihr Geld zusammen halten. Nur ein Fußballverein aus der schwäbischen Hauptstadt, bei dem scheint das nicht zu stimmen. Obwohl einerseits immer wieder davon gesprochen wird, dass der VfB „voll handlungsfähig“ sei durch sein „Weltmarkenbündnis“ und nicht gezwungen sei, Spieler zu verkaufen, werden andererseits Transferumsätze von über 40 Millionen gefordert. Und auf dem Transfermarkt agiert der VfB bei Neuzugängen sehr defensiv, obwohl er mit Wataru Endo, Borna Sosa und Dinos Mavropanos massiv Substanz verloren hat.
In der Süddeutschen Zeitung gibt es freitags immer im Wirschaftsteil ein Interview mit dem Thema „Reden wir über Geld“. Vielleicht befragt die SZ einmal Alexander Wehrle: Er sprach von 90 Millionen für den Stadionumbau, die der VfB an den Gesamtkosten von 130 Millionen tragen muss.
Nur: Wie setzt sie sich das zusammen?
Es kursieren 30 Millionen, die der VfB für den Innenausbau (Digitalisierung, Hospitality, Küchen, „Tunnel-Club“) bezahlt. Die Stadt Stuttgart beteiligt sich mit 37,5 Millionen, während der VfB weitere 24,75 Millionen am Gesamtumbau übernimmt.
Dazu kommen 36,25 Millionen, die die Stadion NeckarPark GmbH & Co KG bezahlen muss, an der die Stadt Stuttgart mit 60 Prozent und der VfB mit 40 Prozent beteiligt sind. Diese Gesellschaft hat als einzigen Zweck die Verpachtung des Stadions (in erster Linie an die VfB Stuttgart Stadion GmbH) und übernimmt Wartungsthemen und Verwaltungsaufgaben. Die Pachtzahlungen des VfB erhöhen sich nach dem Umbau von rund 5,33 um ca. 1,6 Millionen auf rund 7 Millionen pro Jahr. Auf Strecke finanziert der VfB also die 36,25 Millionen ebenfalls. Die 90 Millionen von Wehrle sind nicht grundsätzlich falsch, wobei die 36,25 Millionen sich über 22,5 Jahre verteilen (Berechnungsgrundlage: die Erhöhung der Pacht um 1,6 Millionen). So kommt Wehrle wahrscheinlich auf seine 90 Millionen, nur ist das unscharf summiert und oberflächlich kommuniziert, aber das kennen wir von ihm.
Sport-Direktor Fabian Wohlgemuth denkt sich dabei:
“Ich wär’ so gerne Millionär, dann wär’ das Konto des VfB niemals leer“. Dann könnte er ganz anders auf dem Transfermarkt agieren. Von den sicheren 50 Millionen Transfereinnahmen durfte er nur einen Bruchteil einsetzen. Ein Nachfolger für Borna Sosa zu verpflichten, war nicht möglich. Mit Scheinargumenten – Sosa verlor zuletzt seinen Stammplatz, Linksverteidigerposition mit Hiroki Ito und Maxi Mittelstädt doppelt besetzt – wurde das begründet und macht ein anderes System als mit Viererkette schwer möglich. Dabei bevorzugte Sebastian Hoeneß beim Weg zum Klassenerhalt in der letzten Saison das Wingbacker-System. Auch einen Back-up oder Konkurrenten von Atakan Karazor sucht man im Kader vergeblich.
Wegen der angespannten Finanzen musste Wohlgemuth einfallsreich sein, weil sich die Überlegungen mit Chris Richards von Crystal Palace, Tomas Araujo von Benfica Lissabon und Paul Jaeckel von Union Berlin als zu kostspielig erwiesen. Dabei ist ihm ein echter Coup gelungen: Mit Anthony Rouault (22) vom FC Toulouse konnte er einen hochveranlagten Innenverteidiger verpflichten, der den Kaderplatz von Mavropanos übernimmt – ohne Leihgebühr und mit Kaufpflicht in Höhe von drei Millionen: Da hat der Sportdirektor wirklich mal gekocht!
Alles in allem wurden die substanziellen 50 Millionen-Abgänge von Endo, Sosa und Mavropanos kompensiert mit
Angelo Stiller
Anthony Rouault
Leonidas Stergiou
Maxi Mittelstädt
Ein Downgrade.
(nix gegen die Spieler!)
Und dabei wollte der VfB ein stabiler Bundesligist werden und Leistungsträger langristig halten, so jedenfalls die Zielsetzung nach der Saisonanalyse. Die Finanzen verhindern das. Ein Blick darauf, was in diesem Bereich schief läuft, würde sich lohnen. Die undurchsichtige Kommunikation von Alexander Wehrle erschwert dies allerdings. Aber womöglich ist genau das die Intention des VfB-Bosses. Hieß es früher “Wo sind es die Gomez-Millionen?” fragt man sich jetzt: “Wohin fließen die Transfererlöse?”
Von Vertikalpass