Auswurf hat geschrieben:https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1333605/umfrage/militaerische-staerke-von-russland/
Die Truppenstärke steigt stetig an.
Das sind zwar keine Verlaufszahlen, mit denen sich eine Aussage wie "steigt stetig an", aber egal. Russland hat in den letzten zwölf Monaten seine Verlustrate durch Neurekrutierungen halten können, mehr aber auch nicht (Karolina Hird, Russia Deputy Team Lead and Evans Hanson Fellow, Institute for the Study of War in einem Bericht für Chathamhouse.org, 2024). Geschenkt sei auch die Frage, wie groß die mobilisier- und einsetzbare Mannstärke der russischen Armee tatsächlich ist. Und wie gut der Ausbildungsstand der russischen Armee ist:
The generally low quality of new recruits deployed to the front line without sufficient training will probably continue to prevent Russian forces from achieving operationally significant breakthroughs in the war in 2024. Ukrainian intelligence reported in January 2024 that Russia lacked the force capacity to sustain operational reserves capable of conducting simultaneous operations on multiple sectors of the front...Yet most new Russian recruits are both of low quality and inadequately equipped (a.a.O.)
Die eigentliche russische Armee gibt es seit zweieinhalb Jahren de facto gar nicht mehr, seine besten Land-Truppen hat Putin bei der drei Tage dauernden Eroberung Kiews, Charkiws, der Ostukraine und im Süden bis Cherson bereits verheizt. Und seine Schwarzmeerflotte liegt zur Hälfte auf dem Grund des namensgebenden Ozeans und die andere Hälfte musste er von der Krim abziehen. Die Tatsache, dass es Putin ja auf Teufel komm raus vermeidet, dass theoretische personelle Potenzial in Russland heben zu wollen und stattdessen in der Ukraine lieber teure Söldner, Vertrags- und Berufssoldaten einsetzt, spricht ja für sich. Auf dem Papier ist die russische Armee stärker als die Ukraine, aber möglicherweise auch nur dort. Auf keinen Fall aber ist das eine Berechtigung zu der Annahme, dass Russland zu einer „territorialen Ausdehnung“ fähig sein könnte:
The irrecoverable personnel losses per month of about 30,000 soldiers in 2024 are about equivalent to the influx of contract soldiers and volunteers, constituting the combat-capable core of the Russian military manpower over the same period. In turn, the implementation of this new wave of mobilization is being postponed due to the Kremlin’s concerns about potentially negative domestic political consequences, as well as the lack of command personnel and weapons for new units. By and large, the longer the war in Ukraine lasts, the more the Russian military machine deteriorates. (Watling and Reynolds, 2024, Rusi.org)
Ich bin also immer noch etwas ratlos, warum die Russen trotz ihrer Überlegenheit kaum vorankommen in der Ukraine (vielleicht liegt es an meinen veralteten Kartenmaterial, letzter Stand gestern. Ist Lviv mittlerweile eingenommen?). Und warum es ausgerechnet im Falle des Eröffnens einer weiteren Front zum Zwecke einer „territoriale Ausdehnung“, anders sein sollte. Aber bei Sahra Wagenknecht, Alice Weidel und Tino Malermeister dürfte Deine Argumentation durchaus willkommen sein.
Dass ein Land, das einen großen Eroberungskrieg führt, seine Rüstungsproduktion ausweitet, ist jetzt auch nicht unbedingt eine neue Erkenntnis, oder? Die Frage ist doch vielmehr, ob Russland es schafft, mehr zu produzieren, als es verbraucht. Oder ob es von seinen Reserven lebt. Und wie lange ist das noch kann. Und ob sich diese gesteigerte Rüstungsproduktion auch in militärischen Gewinnen ausdrückt. Und ob es - und hier will ich wieder auf den Ausgangspunkt der Diskussion zurückkommen - mit diesen Mitteln zusätzlich das tun kann, was du behauptet hast, sich nämlich „territorial ausdehnen“. Man schaue sich die Verfügbarkeit von Granaten an: Zu Beginn des Krieges und auch im Jahr danach lag der numerische Vorteil Russlands gegenüber der Ukraine bei 7:1, manche sagten 8:1. Mittlerweile ist er - trotz angeblicher! (man muss das betonen, denn wirklich verlässliche Zahlen aus Russland dazu gibt es nicht, da es viel Propaganda dabei) Ausweitung der Produktion in Russland - auf 3:1 gefallen. Zeitgleich ist aber auch die Verfügbarkeit der einsetzbaren Granatwerfer stark gesunken.
Meines Wissens nach haben die Russen mittlerweile mehr als die Hälfte ihrer konventionellen Waffentechnik verloren. Und die Neuproduktionsrate gleicht die Verlustrate nicht aus. (Möglicherweise liegt es daran, dass sie in der Ostukraine ihre Fleischwellen immer häufiger auf Mopeds und alten Ladas anrollen lassen? Ich habe diese Woche sogar das erste Video mit Pferden und Maultieren bei russischen Truppen gesehen. Ich empfand die Kavallerie ja sowieso immer schon etwas unterschätzt

). Es stimmt zwar, dass Putin seine Wirtschaft de facto auf Kriegswirtschaft umgestellt hat, es scheint ihm aber nicht viel zu nutzen. Und irgendwann ist halt auch mal Schluss mit Reserven heben und Produktionskapazitäten ausweiten. Auch weil schlicht die Arbeitskräfte fehlen. In vielen russischen Betrieben herrscht quasi jetzt schon so etwas wie ein Zwangsarbeitssystem.
Auswurf hat geschrieben:Koreanische Soldaten sind aber günstiger und lassen sich noch leichter opfern, ohne dass es jemanden kratzt
Ausländische Söldner sind „billiger“ als russische Wehrpflichtige und Reservisten? Verstehe

. Da Du den Preis zu kennen scheinst, den Putin an den dicken Kim für dessen Fleischbataillone zahlt: Wie viel ist es denn?
"Ein Wort, Herr! Sag mir nur ein einziges Wort in diesem Elend!" - "Ich sage dir sogar zwei: Guten Appetit!"
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"Es gibt keine Lösung. Weil es kein Problem gibt."