barbarossa hat geschrieben:Aleksiander hat geschrieben:jagdhuette hat geschrieben:
China und Europa sitzen diesbezüglich im selben Boot. Beide wissen dass nur ein Weg dazu führt zukünftig nicht erpressbar zu sein: Autarkie bei der Energieversorgung. Meiner Ansicht nach gibt es viele Konflikte aktuell genau aus diesem Grund. Weil das den großen Anbietern fossiler Energieträger nicht passt.
Zum Glück haben wir mit Reiche und Merz da die absoluten Durchblicker in Ihren Ämtern.

Tut mir echt sehr leid, aber die Autarkie anzustreben ist der größte Fehler an sich in der ganzen Debatte.
Um Autarkie zu erreichen, sind wahnsinnig teure Speicher erforderlich, um die Unregelmäßigkeit zum Beispiel von Solar oder Windstrom auszugleichen.
Zwei drei Wochen Dunkelflaute erfordern bei rein elektrischer Speicherung irre Investments. Schätzt mal mit ChatGPT oder so. Ich komme auf mehrere Billionen EUR. Die Speicher für den Ausgleich der Schwankungen über den Tag gibt’s auch nicht umsonst. Um über 24 Stunden 100 % Grünstrom zu haben, muss man ( und das wird gar nicht betrachtet) massiv Überkapazitäten Solar und Wind hinstellen, Investments werden immer unrentabler. Wir erreichen schon heute an manchen Tagen die 100%, klar ersichtlich, dass zur dauerhaften Produktion daher Überkapazitäten unerlässlich sind.
Das Gasnetz und dessen Speicher sind quasi kostenlos schon da. Macht man aus ideologischen Gründen kaputt (Autarkie als Götze).
Man wird schon demokratische Länder finden können, aus denen man grünes Gas importieren kann, bin ich sicher. Redundant eingebunden, warum nicht?
Den Invest in grünen Wasserstoff oder grünes Methan aus solarer Erzeugung schätze ich als sinnvoller ein. Bei uns sehe ich kaum Möglichkeiten, den grünen Strom unter 6 Cent pro Kilowattstunde zu erzeugen, in der Wüste sind wir aktuell schon auf knapp unter 1 Cent pro Kilowattstunde…Nach Umwandlung in Methan und Transport zu uns: 6 Cent pro Kilowattstunde.
Die Umwandlung bisher gerechnet bei uns oder in der Wüste ging bisher von zu hoch kalkulierten Stromkosten aus, entspricht schon lange nicht mehr der Realität!
Wie soll ich es erklären, bin Ingenieur, meine technischen Lösungen werden IMMER anhand der Kosten bewertet. Bei der Energiewende, und die halte ebenfalls für unerlässlich, spielen die Kosten bei uns scheinbar keine Rolle.
Es ist ein nochmal anderes Thema: Die CO2 Abgaben bei uns gehen in den Haushalt und nicht in Investitionen in grüne Energie… oder CO2 Speicherung, das wird sich auch noch rächen, bin ich mir sicher. Selbst die bekloppten Amis sind da erheblich weiter!
Danke für deinen sachlichen Beitrag. Ein paar Punkte, die ich bei der Kostenrechnung anders sehe:
Der Wert von 6 Ct/kWh für grünes Methan ist zu niedrig angesetzt. Aktuelle Metaanalysen sehen Importkosten für grünen Wasserstoff nach Deutschland bis 2030 eher bei 7 bis 13 Cent pro Kilowattstunde, mit einer Bandbreite von 4,5 bis über 20 Cent je nach Herkunft und Transportweg. Und das ist bereits Wasserstoff, die Methanisierung bringt zusätzlichen Wirkungsgradverlust von rund 15–20% mit sich. Selbst optimistische Pipeline-Szenarien aus Spanien oder Marokko liegen im besten Fall bei etwa 12 Ct/kWh, nicht bei 6. Schiffsimport per Ammoniak oder LOHC liegt darüber, aus Regionen wie Australien oder den Golfstaaten ist er in vielen Szenarien wirtschaftlich gar nicht darstellbar.
Der 1-Ct-Wüstenstrompreis stimmt für das beste Segment (Rekordausschreibungen in Saudi-Arabien oder den VAE), ist aber der Spitzenwert unter idealen Bedingungen mit Staatsgarantien, nicht der Durchschnittspreis. Als Kalkulationsbasis für eine Gesamtinfrastruktur ist das zu optimistisch.
Was in der Rechnung oft fehlt: Heimischer Wind- und Solarstrom liegt in Deutschland inzwischen ebenfalls oft unter 6 Ct/kWh (Freiflächen-PV ca. 3–5 Ct, gute Windstandorte ca. 5–7 Ct). Der Kostenvorteil "Wüste vs. hier" ist also kleiner als die 1-vs-6-Ct-Gegenüberstellung suggeriert, sobald man Erzeugungskosten statt Endprodukt vergleicht.
Was für die Argumentation spricht: Die Überkapazitäts-Problematik wird tatsächlich systematisch unterschätzt – Redispatch- und Abregelungskosten steigen schon jetzt spürbar. Auch der Hinweis auf die CO2-Abgabe, dienicht zweckgebunden in Speicher oder CCS zu fließen, ist selbstverständlich ein rieisges Problem.
Ein Aspekt, der die Kostenrechnung noch verschärft, ist aber weniger die reine Technikkostenfrage als die Umsetzungsgeschwindigkeit: Bei Batteriespeichern lag der Flaschenhals lange im Baurecht. 2024 waren rund 800 Megawatt an Projekten von Verzögerungen durch uneinheitliche Bebauungsplanverfahren betroffen, erst zum Jahreswechsel 2025/2026 kam eine bundeseinheitliche Privilegierung. Inzwischen verlagert sich das Problem auf den Netzanschluss: Ende 2024 lagen den Übertragungsnetzbetreibern bereits Anfragen für 226 GW Batteriespeicherleistung vor, weit mehr als die Netze aufnehmen können. Bei Wasserstoffspeichern ist die Lage strukturell aber noch gravierender: Planung und Neubau einer Salzkaverne bspw dauern bis zu zehn Jahre, selbst die Umwidmung bestehender Erdgaskavernen braucht rund fünf Jahre. Die reinen Speicherkosten wären dabei technisch gar nicht das Problem (0,45 bis 3,50 Euro pro Kilogramm je nach Auslastung) – das zentrale Hemmnis ist, dass sich Investitionen mangels klarer Erlösmodelle derzeit weder über Eigenkapital noch über externe Investoren darstellen lassen.
Das macht die Importoption meiner Einschätzung nach politisch gewollt attraktiver, weil sie nicht an deutsche Genehmigungszyklen gekoppelt ist. Hier aktiv zu werden würde Realisierbarkeit deutlich erhöhen.
Autarkie lässt sich nicht nur als Ideologie abtun: nach 2022 ist Importabhängigkeit bei Energie auch ein geopolitisches Risiko, das eingepreist werden muss, nicht nur ein reiner Kostenfaktor. Die eigentliche Frage ist eher der optimale Autarkiegrad (z. B. 80% heimisch, 20% diversifizierter Import) als ein Entweder-oder zwischen Vollautarkie und Vollimport. Wenn man sich Preisverläufe an der EEX in 2022 und 2026 ansieht, kann man definitiv kein Weiter so mehr anstreben.