Kommentar zur sich anbahnenden Eskalation um Kaliningrad / Königsberg:
Man kann nicht oft genug wiederholen, dass Wladimir Putin auch meint, was er sagt. Er blufft nicht, sondern verfolgt seine Pläne zielstrebig und mit langem Atem. Wenn er sich - wie im Forderungskatalog vom vergangenen Dezember dokumentiert - die Zerstörung der europäischen politischen Ordnung zum Ziel erklärt, dann müssen sich die Staaten Europas auf weit mehr Aggression einstellen, als ihre Fantasie momentan erlaubt.
Russland war in den vergangenen Jahren einfallsreich in seiner asymmetrischen Kriegsführung. Kaliningrad könnte also zum Eröffnungszug in einem Konfliktszenario werden, das die Grenzen der Ukraine überschreitet. Gerade die in der Stadt vertragswidrig gelagerten Mittelstreckenraketen, jederzeit mit nuklearen Sprengköpfen verwendbar, liefern die klassische militärische Deckung für alle Bedrohungs- und Erpressungsszenarien im Zusammenhang mit einer EU- oder Nato-Erweiterung.
(...) Seine [Putins] Eskalationsbereitschaft ist dokumentiert. Die Staaten Europas und die USA wären gut beraten, ihre Abschreckungssignale zu erhöhen und der Ukraine in ihrem Abwehrkampf entschlossener beizustehen.
Realistisch.
https://www.sueddeutsche.de/meinung/rus ... -1.5606290A propos "Augen auf!":
Guten Morgen, Herr Lindner!
Es wirkt, als habe er erst jetzt realisiert, wie schwierig die Energieversorgung in nächster Zeit wirkt. Anders kann ich mir nicht erklären, dass er jetzt - knapp ein halbes Jahr nach Kriegsausbruch - lautsprecherisch eine längere Laufzeit für die drei deutschen Rest-AKWs ins Spiel bringt*. Dabei ist der Zeitpunkt, zu dem man das noch - relativ! - problemlos hätte angehen können, vermutlich längst vorbei. Wenn die Angaben stimmen, ist es jetzt zu spät, um rechtzeitig passende neue Brennstäbe zu bekommen (jedenfalls wohl zu einem sinnvollen Preis).
Warum forciert er das erst jetzt? Das war doch alles absehbar.
Aber vermutlich macht er halt Wahlkampf für sich selbst oder zündet Nebelkerzen.
* = Okay, fair bleiben: Er hat das auch schon vor ein paar Wochen gesagt, aber eher am Rande, m. W. bei einer verhältnismäßig kleinen (Wahlkampf-) Veranstaltung. Jetzt forciert er es nochmal, im gestrigen Interview im heute journal.