Goofy hat geschrieben:Aber im Ernst, was ich früher, mit den “deutschen“ Namen tatsächlich etwas besser fand, ist, dass das eben eindeutig Deutsche waren, die sich mit Deutschland identifiziert haben.
Nein, das war überhaupt nicht eindeutig – es war nur sehr leicht, sich das einzureden bzw. einfach mal davon auszugehen.
Goofy hat geschrieben:Heute weiß man ja nicht mehr, warum die Leute für ein Land antreten.
Weil sie mit Deutschland, oder Frankreich ist ein gutes Beispiel, Weltmeister werden können, und mit dem anderen Land, das noch zur Auswahl stand, eben nicht?
Dass beim VfB nicht schwäbisch gesprochen wird und es in der Mannschaft keinerlei Bezug zu Stuttgart oder der Region gibt, das ist das eine. Bei Nationalmannschaften würde ich mir das aber schon wünschen.
Beim Fußball passt das aber zum Großteil schon, denke ich.
Früher war das schon anders: man trat für das Land der Väter an, da gab’s überhaupt keine Frage, dafür hat schon die Familie gesorgt. Das war auch sozusagen die herrschende Volksmeinung, also eine kulturelle Geschichte. Weiche Faktoren, aber fest verankert. Da hätte sich Tunesien über Sami Khedira gefreut, stattdessen war er einer der deutschesten deutschen Nationalspieler aller Zeiten – den haben die sogar verletzt mitgenommen, weil er die Bude zusammenhielt. Der Streber*.
Bei Nationalmannschaften wünscht du dir einen Bezug zum Land, für das die Leute spielen? Also hör mal, die aller-aller-allermeisten sind in den Ländern aufgewachsen, für die sie spielen – da ist jede Menge Bezug vorhanden, das ist doch unzweifelhaft. Selbst der Özil, der nun anscheinend voll auf dem Osmanentrip hängengeblieben ist, ist ein Gelsenkirchener Junge.
Willst du Weltmeister werden, wenn du Fußball spielst? Ich denke schon. Das wäre ein Grund, für ein Land anzutreten, ein anderer wäre, dass es einfach was besonderes ist, ein dritter Grund wäre, dass es für die Karriere förderlich ist, und so weiter und so fort. Heute weiß man nicht, warum die Leute für ein Land antreten? Doch doch, das weiß man. Bei allen diesen Spielern ist es eine Mischung aus den oben genannten Gründen und noch ein paar anderen. Der eine oder andere kriegt vielleicht weiche Knie, wenn er die Nationalhymne hört oder an die Leute zuhause an den Empfangsgeräten denkt, aber ich bitte dich – denen geht’s hauptsächlich ums Kicken, und ich sehe in dieser Sache jetzt keinen riesigen Kontrast zu Leuten wie Hoeneß oder Breitner seinerzeit.
Zu welchem Grad sich ein Nationalspieler oder sonst jemand mit Deutschland identifiziert, ist eine verdammt schwierige Frage. Ich denke diese Diskussion ist komplett vom 54er-Weltmeistertitel verseucht: das war eine Zeit, in der es eine mega-ehrenvolle Aufgabe war, das kaputte Land zu vertreten und der Welt ein deutsches Gesicht ohne Stahlhelm obendrauf zu zeigen. So ein Mandat haben die Nationalspieler heute eben nicht mehr. Und frag’ doch mal irgendeinen Mittzwanziger, inwiefern und inwieweit er sich mit seinem Heimatlande identifiziert, und was das eigentlich heißt und bedeutet: das ist nicht so leicht zu beantworten.
Genau darauf habe ich auch mit dem Threadtitel angespielt. Die kicken hauptberuflich, und Nationalspieler sein ist was erstrebenswertes, fertig. Wer zwischen der deutschen Nationalmannschaft und einer anderen wählen kann, wählt oft die deutsche, weil die historisch erfolgreich ist – und aber auch, weil er halt von hier kommt. Ist okay so.
Goofy hat geschrieben:Aber, die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Gesellschaft wandelt sich - und das ist auch gut so.
Muss man nicht gut finden, jeder tut sich schwer mit Veränderungen und mit Ungewissheit. Aber es ist eben einfach so.
*Einwandererkinder werden von der Familie oft dazu verdonnert, doppelt so hart zu arbeiten wie die Eingeborenen, oder sind extra hart zu sich selbst. Das bietet weniger Angriffsfläche für Rassisten und andere Arschlöcher, und eine Nebenwirkung davon ist, dass sie dann als Vorzeigemigranten und Integrationsmaskottchen vorgeführt werden. Das ist jetzt aber auch schon wieder ein Vorurteil gegenüber fleißigen Migrationshintergründlern – vielleicht ist er einfach nur voll der Streber.