Die Bedeutung von Twitter wird in Deutschland massivst unterschätzt, war schon immer so. Wenn du Twitter boykottierst und ignorierst, nimmst du schlicht nicht mehr an der öffentlichen Diskussion teil – das ist als würde einer sagen “schmeiß mal dein Mobiltelefon ins Klo, es ist politisch/moralisch nicht tragbar, es weiter zu benutzen”.
Twitter, obwohl nie profitabel, gehört zur Infrastruktur. Selbst die größten Kritiker – oder gerade die – gehen da nicht weg, weil sie anders die Leute nicht erreichen. Eine Weile hieß es, dass Facebook ja viel größer sei, aber das hat nie eine Rolle gespielt, weil Facebook einfach was anderes ist – und heute gibt’s Facebook eh nur noch, damit Omi Bilder von den Enkeln sehen kann, und um das alte Fahrrad zu verkaufen oder was weiß ich.
Was neues disruptives zu starten und das Arschloch auf Twitter verhungern zu lassen, funktioniert nicht mehr. Zuckerberg (ausgerechnet) hat einen Rivalen aus dem Boden gestampft, da hieß es boah, guck mal, wächst so schnell wie keine Plattform je zuvor – mittlerweile habe ich schon vergessen, wie das Ding heißt. Oder Mastodon: Hä, das ist doch eine Metal-Band? Gibt’s übrigens schon lange, immer wieder haben Leute versucht, dahin umzuziehen, auch aus sehr guten Gründen, hat leider nie geklappt: war immer so “Oh, viel besser hier. Hallo? Hallo, ist da wer?” Bluesky? Das ist doch ein Fußballsender, gehört das nicht dem Murdoch? Und so weiter.
Wer denkt, dass Twitter nur so eine Tratschplattform sei, der man mal das Wasser abgraben muss und könnte, der soll sich die Story nochmal vergegenwärtigen, aber “Twitter” mit “Google” ersetzen, dann schnackelt’s vielleicht.
Schwierige Kiste.