591 Beiträge


Airwin
Benutzeravatar
Granadaseggl
was schönes aus der NZZ. Lügenpresse nein, aber erziehungs , zuspitzungs- und verdichtungspresse. Ein SPIEGEL-veriss:

«Der andere Blick»: Gibt es eine Moral für Journalisten und eine für Normalsterbliche?
Wenn Politiker Fehler begehen, verlangen Journalisten sofort personelle Konsequenzen. In der Affäre um erfundene Reportagen beim «Spiegel» halten sich die Kollegen mit Rücktrittsforderungen zurück. Die Medien messen offenkundig mit zweierlei Mass.


Angesichts der Flüchtlingskrise 2015 und des Aufstiegs der AfD verloren viele Journalisten den Kompass. Sie sahen ihre Aufgabe nicht mehr darin, die Politik zu kontrollieren. Sie verstanden sich als Staatsbürger in unsichtbarer Uniform, dazu da, die Rechtspopulisten zu bekämpfen und die gesellschaftliche Spaltung zu verhindern.
Journalisten sahen sich plötzlich als eine Art Sozialarbeiter und wollten das verirrte Volk auf den richtigen Weg bringen. Es kam ihnen nicht in den Sinn, darauf hinzuweisen, dass die unkontrollierte Einwanderung politische Gegenreaktionen auslösen würde. Sie wollten diesen Zusammenhang einfach nicht wahrhaben, getreu dem Motto: Was nicht sein darf, kann nicht sein. Denn sie hatten ein vorgefertigtes Bild im Kopf: Helldeutschland gegen Dunkeldeutschland. Realitätsverweigerung ist nie gut, im Journalismus ist sie eine Todsünde.
«Lügenpresse», skandierten 2015 schlichtere Gemüter. Wer es differenzierter mochte, fragte sich, in welchem Umfang Medien durch das Weglassen von Fakten und durch Vorurteile ihr eigenes Bild der Wirklichkeit schafften. In der Flüchtlingskrise war das Verhalten der Medien eindeutig politisch motiviert. Kurz vor Weihnachten musste «Der Spiegel» eingestehen, dass es auch andere Gründe dafür geben kann, der Wahrheit auf die Sprünge zu helfen, zum Beispiel krankhaften Ehrgeiz und den subtilen Druck, das zu denken, was alle denken.
Der 33-jährige Redaktor Claas Relotius aus dem Ressort Gesellschaft hat zugegeben, dass zahlreiche seiner Reportagen einen allenfalls losen Bezug hatten zu den Schauplätzen, denen sie gewidmet waren. Er erfand Figuren und verdrehte Fakten , damit der Text sein Bild der Wirklichkeit perfekt wiedergab. Weil die Redaktion des «Spiegels» ohnehin zu wissen glaubt, dass die Wähler Trumps in Waffen vernarrte, rassistische Hinterwäldler sind, entdeckte Relotius überall in Amerika in Waffen vernarrte, rassistische Hinterwäldler.
Wieder einmal hatte die Wirklichkeit dem Vorurteil der Journalisten zu folgen. «Der Spiegel» inszeniert sich als das Sturmgeschütz der Demokratie gegen den angeblichen Despoten Trump, den man auf einem Titelbild umstandslos mit mordenden Terroristen gleichsetzte. Härter geht in Deutschland niemand mit dem US-Präsidenten ins Gericht. Und Relotius lieferte, was seine Vorgesetzten und wohl auch seine Leser lesen wollten: Helldeutschland gegen Dunkelamerika.


Doch es kam noch schlimmer. Bald nach Bekanntwerden der neuen «Spiegel»-Affäre erklärte der Medienjournalist Stefan Niggemeier, das Ressort Gesellschaft habe sich intern den Ruf erworben, «es im Zweifel nicht zu übertreiben mit der Wahrheitsliebe. Gemeint waren damit sicher keine Fälschungen und Erfindungen, aber Verdichtungen, Zuspitzungen, kreative Freiheiten.»
Was der Medienjournalist, der selbst einmal für das Magazin gearbeitet hatte, beschrieb, war genau das: Die Wirklichkeit wird passend gemacht, bis sie den eigenen Vorstellungen entspricht. Und verantwortlich dafür ist nicht einfach ein junger Reporter mit krimineller Energie. Verantwortlich sind die grundlegenden Methoden eines Teils der Redaktion, die sich gleichwohl nicht schämt, sich als Herausgeberin eines Nachrichtenmagazins zu bezeichnen.
Damit steht wieder einmal die Frage im Raum, in welchem Mass Journalismus die Realität aus politischen oder anderen Motiven frisiert: nicht Lügenpresse, aber frei nach Niggemeier mindestens Verdichtungs- und Zuspitzungspresse. Diese Frage müssen sich nicht nur die Hamburger Kollegen gefallen lassen, sie richtet sich – siehe Flüchtlingskrise – an alle Journalisten.
I want you to panic

Plan B
Granadaseggl
Das mag stimmen, aber ich glaube nicht, dass bei der NZZ nicht auch ein subtiler Druck herrscht, gemäss der eher neoliberalen Ansicht schreiben zu müssen.
Schon blöd, dass Relotius auch für die NZZ gefälschte Artikel geschrieben hat, auch wenn es nicht so viele wie für den Spiegel waren.
Glashaus und so.
Meine Muttersprachen sind Ironisch, Sarkastisch und Zynisch.

Airwin
Benutzeravatar
Granadaseggl
klar dürfte das stimmen. Und klar hat er auch für die NZZ geschrieben, als freier. daher auch:

Diese Frage müssen sich nicht nur die Hamburger Kollegen gefallen lassen, sie richtet sich – siehe Flüchtlingskrise – an alle Journalisten.



überhaupt noch mal treffend dargestellt die rolle der medien 2015:

Journalisten sahen sich plötzlich als eine Art Sozialarbeiter und wollten das verirrte Volk auf den richtigen Weg bringen. Es kam ihnen nicht in den Sinn, darauf hinzuweisen, dass die unkontrollierte Einwanderung politische Gegenreaktionen auslösen würde. Sie wollten diesen Zusammenhang einfach nicht wahrhaben, getreu dem Motto: Was nicht sein darf, kann nicht sein. Denn sie hatten ein vorgefertigtes Bild im Kopf: Helldeutschland gegen Dunkeldeutschland. Realitätsverweigerung ist nie gut, im Journalismus ist sie eine Todsünde.
«Lügenpresse», skandierten 2015 schlichtere Gemüter. Wer es differenzierter mochte, fragte sich, in welchem Umfang Medien durch das Weglassen von Fakten und durch Vorurteile ihr eigenes Bild der Wirklichkeit schafften.


nagel =>kopf
I want you to panic


Nilkheimer
Granadaseggl
Ceci n'est pas une église.
Brandstiftung, Steuerhinterz. (inkl. Zollzeug), UrhG-Verstöße, vers. Körperverletzung, (evtl.) Kindesmisshandlung und TierschG-Delikte, Umweltdelikte u. Betrug u. nun - NOCH TAUFRISCH - BtMG-Sachen: Stern des Südostens.
-- Volle Steuern. Echt wahr, Mann.


Nilkheimer
Granadaseggl
... aus Schlumpfhausen bitte sehr.
Brandstiftung, Steuerhinterz. (inkl. Zollzeug), UrhG-Verstöße, vers. Körperverletzung, (evtl.) Kindesmisshandlung und TierschG-Delikte, Umweltdelikte u. Betrug u. nun - NOCH TAUFRISCH - BtMG-Sachen: Stern des Südostens.
-- Volle Steuern. Echt wahr, Mann.




redrum
Benutzeravatar
Schoofseggl
Bild

Der Vatikan hat bereits einen ersten Verdächtigen für den Brand gefunden. Hier ein Foto direkt nach der Tat. Der mutmaßliche Brandstifter, der Bauarbeiter Yves M. meint dazu: "Da habe ich wohl ziemlich Scheiße gebaut."



Nilkheimer
Granadaseggl
Plan B hat geschrieben:
Nilkheimer hat geschrieben:Ceci n'est pas une église.

Non?


Pas du tout!

Yours sincerely ,

R. Magritte
Brandstiftung, Steuerhinterz. (inkl. Zollzeug), UrhG-Verstöße, vers. Körperverletzung, (evtl.) Kindesmisshandlung und TierschG-Delikte, Umweltdelikte u. Betrug u. nun - NOCH TAUFRISCH - BtMG-Sachen: Stern des Südostens.
-- Volle Steuern. Echt wahr, Mann.