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Vorab: ich weiß, dass die meisten wissen und verstehen, wie das läuft. Wenn das hier für euch nix neues ist, dann gratuliere ich euch herzlich. Ich sehe halt ab und zu Kommentare, die auf Missverständnisse hindeuten, und ich habe das Thema zu meiner eigenen Überraschung selbst auch nicht sofort durchdrungen.

Deshalb hier, unabhängig von Spielernamen: was sind festgeschriebene Ablösesummen, und was sind sie nicht?

Arbeitsverträge können Klauseln enthalten, die besagen, dass der Arbeitnehmer gegen die Zahlung eines bestimmten Betrags den Vertrag selbst vorzeitig auflösen kann. Ein Arbeitnehmer kann natürlich auch dem Chef auf den Sessel pinkeln und sich rausschmeißen lassen, aber so eine Klausel soll auch Arbeitgeber davor schützen, dass ihnen die Konkurrenz einfach die besten Leute abwirbt. Wenn das passiert, gibt’s mit so einer Klausel wenigstens eine Entschädigung. Im Falle einer Abwerbung kommt der neue Arbeitgeber üblicherweise direkt oder indirekt für das Geld auf, das ist dann also eine festgeschriebene Ablösesumme.

Soweit ich weiß sind diese Klauseln in Spanien gesetzlich vorgeschrieben: du musst da einen Betrag reinschreiben. Deshalb schreiben die Fußballclubs prohibitive, astronomische Summen rein, und dadurch ist ein falsches Bild entstanden: diese irren Beträge dienen natürlich dazu, eine vorzeitige Auflösung absolut zu verhindern – das ist aber gar nicht der eigentliche Zweck einer solchen Klausel.

Eine festgeschriebene Ablöse ist nicht der Mindestbetrag, für den ein Vertrag aufgelöst werden kann, sondern praktisch der Höchstbetrag. Fest. Warum nicht der Mindestbetrag? Weil der Arbeitgeber einer Auflösung auch zustimmen könnte – ganz einfach so, oder gegen Zahlung einer kleineren Summe. Aber nicht höher: wer das Geld hinlegt, das im Vertrag steht, löst den Vertrag auf.

Ein Spieler hat eine feste Ablösesumme von 10 Mio in seinem Vertrag stehen. Wenn mehrere Vereine den Spieler haben wollen und dessen Wert auf 20 oder 30 Mio beziffern, dann beträgt die Ablösesumme trotzdem 10 Mio, und keinen Cent mehr.


Wer will eine feste Ablösesumme im Vertrag haben, der Verein oder der Spieler?
Der Spieler. Eine feste Ablöse eröffnet dem Spieler mehr Optionen: er kann den Vertrag eigenmächtig auflösen wenn ein Interessent die Kohle hinlegt, und wenn es ein Wettbieten gibt, ist der Spieler der Auktionator, nicht der Verein.

Obiges Beispiel: Wenn zwei Interessenten den Wert des Spielers auf 20 Mio bzw. 21 Mio plus Gehalt beziffern, dann bekommt der Verein ohne Klausel 21 Mio – oder 20, wenn sich der Spieler mit dem anderen Verein einigt. Mit Klausel bekommt der Verein 10 Mio, und der Rest ist gegebenenfalls Geld, über das sich die Interessenten mit dem Spieler unterhalten.


Warum sind feste Ablösesummen oft so niedrig, gemessen an den irren Marktpreisen?
Weil es viel mehr als eine Geste ist, nämlich knallharte Verhandlungsmasse. Spieler fordern das nicht nur aus Angst, dass der Verein auf den Vertrag pocht, sondern eben weil es unter Umständen in einem mordsmäßigen Handgeld bzw. Gehalt beim nächsten Verein mündet.


Ist die feste Ablöse garantiert, wenn ein Spieler vorzeitig wechselt?
Nein. Wenn der Verein gute Gründe für einen Wechsel sieht (Geldnot, Unruhe im Team, etc. etc.) und der oder die Interessent(en) weniger als die feste Ablöse bieten, dann einigt man sich auch mal auf einen geringeren Betrag. Die Schalker wollten mit der Kohle für Draxler Schulden tilgen, und die Ablösesumme beim Wechsel zu Wolfsburg lag angeblich unter dem festen Betrag in der Klausel. Wenn das stimmt: blöd, aber trotzdem noch ein Schweinegeld verdient. Die feste Ablöse ist keine Mindestsumme.


Ist eine feste Ablösesumme für die Vereine überhaupt irgendwie von Vorteil?
Eine Ausstiegsklausel ist oft Bedingung für eine lange Vertragslaufzeit, und vielleicht auch eine Möglichkeit für den Verein, das Gehalt etwas niedriger zu halten – Verhandlungsmasse eben.

Es kann Umstände geben, in denen die feste Ablöse für den Hausfrieden hilfreich ist: bietet ein Interessent 8 Mio und es stehen 10 im Vertrag, dann kann der Verein sagen “sorry, Spieler – die Summe hast du selbst ausgehandelt, also kannst du jetzt nicht sauer sein, dass es nicht klappt.” Eine feste Ablöse kann auch von Vorteil sein, falls ein Spieler kurz vor Vertragsende noch die selbe Summe drinstehen hat und großes Interesse besteht. Möglich, dass ein reicher Verein dann eine Summe zahlt, die sonst kaum zu rechtfertigen wäre.

Aber sonst liegen die Vorteile für den Verein nur darin, dass der Spieler ihnen bei der Verlängerung bei Gehalt und Laufzeit entgegen kommt – oder überhaupt verlängert.


Kauft ein Verein automatisch den Spieler bzw. die Transferrechte, wenn er das Geld bietet?
Natürlich nicht. Angeblich hat ein chinesischer Club mal darüber nachgedacht, die 700 Millionen zu bieten, die in Messis Vertrag stehen. Aber der Messi ist da halt nicht hingegangen, Thema erledigt.


Für Spieler gibt es sehr gute Gründe, das mit in die Vertragsverhandlungen zu nehmen – und kaum Gründe, das nicht zu tun. Für Vereine ist eine niedrige feste Ablöse echt Bockmist, und leider wahrscheinlich oft schwer vermeidbar. Und auf eine sehr hohe Summe wird sich kaum ein Spieler einlassen – wenn, dann nur gegen hohes Gehalt und kurze Laufzeit.

Käskibber
Seggl
Ausstiegsklausel oder festgeschriebene Ablösesumme - alles nur nette Absichtserklärungen.

Wenn der Opamejang weg will, dann zickt er rum. Wenn kein verein die festgeschriebene oder eben geforderte Ablösesumme zahlen will, dann zickt er noch mehr rum, bis Dortmund mit dem Preis so weit runter geht, daß sich ein Dummer findet, der das zahlt.

Was hätte eine Ausstiegsklausel oder festgeschriebene Ablösesumme gebracht?

Die Fragen sind:
was gibt der Markt her?
wie lange ist die Spieler bereit, seine Karriere auf der Tribüne auszusitzen und damit zu riskieren?
wie lange kann und will der Verein seinen Spieler auf der Tribüne schmoren lassen und damit womöglich jede Ablöse kaputt machen.

da hilf kein Vertrag. Wenn's erst wird hilft meistens nur rohe Gewalt oder kluges Nachgeben.