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tommes
Granadaseggl
Es ist mir ein Anliegen, diesen Thread zu erstellen.
Wir (3 Kumpels mit Anhang) kucken seit dem Sommermärchen 2006 immer gemeinsam Fußball bei Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und beim CL-Finale.
Und seit 2009 bestaunen bzw. bewundern wir die Leistungen von Mesut Özil im DFB-Trikot.
Für uns war er immer einer der herausragenden Spieler der deutschen Nationalmannschaft. Ein Instinktfußballer, der den Unterschied macht.
Die Statistik spricht ganz klar für ihn und ich finde es erbärmlich, wie die Presse vor, während und nach der WM mit ihm umgeht.
Klar, es war ein Fehler, sich mit Erdogan ablichten zu lassen.
Trotzdem möchte ich hier mal nur seine fußballerische Qualität bewerten. Und da gehörte er bei den letzten großen Turnieren immer zu den Besten.
Wir haben natürlich auch die beiden Vorrundenspiele von Özil bei der WM 2018 zusammen angesehen und konnten nicht fassen, wie anschließend über ihn berichtet wurde.
Er gehörte in beiden Spielen eindeutig zu den besseren deutschen Spielern. Das belegen auch alle Statistikwerte und das sagt einem auch der normale Fußballverstand, wenn man die Spiele gesehen hat.

Deshalb freue ich mich, dass es im Netz auch noch Berichterstatter gibt, die die Leistung von Özil richtig einschätzen. Hier mal 2 Kostproben.
Ist ne Wohltat gegenüber den Hetzseiten der BILD und des Kickers.

https://www.gq-magazin.de/leben-als-man ... uendenbock

Und hier noch ein 2. Bericht. Leider finde ich die Quelle nicht mehr:

Dass das deutsche Team bereits nach der Vorrunde ausgeschieden ist? Ein Ding der Unmöglichkeit! Und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, ist die Fußball-Republik auf der Suche nach Schuldigen. Doch wie haltbar sind die Anklageschriften?
Zum Beispiel Mesut Özil.
Er ist so etwas wie der Quotenschuldige. Wann immer es nicht läuft bei der deutschen Mannschaft, zeigen Millionen Mittelfinger in seine Richtung: Der da war’s! An ihm hat es gelegen! Allein diese Körpersprache!
Dass bereits Norbert Elgert, Özils Jugendtrainer beim FC Schalke 04, sagte: „Mesut war schon immer ein Spieler, der sich freischleicht. Der sich zwischen den Linien anbietet, ohne dass seine Gegenspieler es mitbekommen“? Was weiß der schon! Der Mann, der Manuel Neuer, Benedikt Höwedes, Julian Draxler und Leroy Sané entdeckt hat.
Der weiß sicher nicht so viel wie all jene, die Özil mal alle paar Monate in einem Länderspiel sehen.
Und überhaupt: Die Experten sehen es doch genauso! Also vor allem jene Ex-Fußballer, die als Trainer gescheitert sind, die es zumeist nicht einmal auf Amateurniveau schaffen, einer Mannschaft eine Spielidee zu vermitteln. So sie denn eine haben. Die aber, wie etwa Mario Basler, verstanden haben: „Özil hat eine Körpersprache wie ein toter Frosch.“ Da die Körpersprache des Fußballspielers Mario Basler natürlich immer über alle Zweifel erhaben war, hier ein wenig Statistik:
Basler: 30 Länderspiele, zwei Tore, sieben Vorlagen.
Özil: 92 Länderspiele, 23 Tore, 40 Vorlagen.

Überhaupt wird man nicht viele Spieler in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft finden, die eine bessere Statistik vorweisen können als Özil. Ebenso wird man wenige deutsche Spieler finden, über die internationale Topstars, Spieler wie Trainer, so sehr ins Schwärmen geraten wie über den Mann, den sie in England schlicht „Magier“ nennen.
Schön und gut, mögen die Kritiker nun einwenden, aber in den wichtigen Spielen!
Z.B. gegen Südkorea!
Da war Özil (Überraschung!) überragend. Nach Toni Kroos die meisten Pässe gespielt, herausragende 62 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen und vor allem – aus dem freien Spiel heraus sieben Torchancen vorbereitet.

Das gelang bei dieser WM bisher noch keinem Spieler! Aber diese Körpersprache!

thoreau
Granadaseggl
Verstehe, dass es dir ein Anliegen ist. Er ist ein hervorragendes Beispiel für mediale Hetze und Sündenbocksuche von "Fan"seite. Auch wenn ich kein riesiger Fan von ihm bin. Die Kritik an ihm ist - und das schon lange - unverhältnismäßig und unsachlich und grenzt wirklich an Hetze. Der Begriff Sündenbock war selten so passend.
Ich tue mich schwer damit seine Leistung gegen Südkorea auf Basis von Statistiken als hervorragend zu bezeichnen. Aber wie er immer wieder herhalten muss als DAS Problem ist nicht mehr sachlich oder menschlich.



spätzle77
Aufgrund von aktuellen Interviews, zuletzt Khedira, wird jetzt aber immer deutlicher, dass die "türkische Romanze" den Hauptanteil am Versagen hatte. Verständlich. Zuerst heiß auf die WM, dann totaler Abfall durch laufende Konfrontation durch die Medien. Der Stimmungsabfall war sicher extrem.
Nie ist etwas alles, aber das war der Anfang vom Ende. Ohne dies hätte es zumindest für die Gruppe gereicht, da bin ich mir sicher. Medien waren ganz sicher mit in der Schuld.

Iron
Halbdaggl
spätzle77 hat geschrieben:Aufgrund von aktuellen Interviews, zuletzt Khedira, wird jetzt aber immer deutlicher, dass die "türkische Romanze" den Hauptanteil am Versagen hatte. Verständlich. Zuerst heiß auf die WM, dann totaler Abfall durch laufende Konfrontation durch die Medien. Der Stimmungsabfall war sicher extrem.
Nie ist etwas alles, aber das war der Anfang vom Ende. Ohne dies hätte es zumindest für die Gruppe gereicht, da bin ich mir sicher. Medien waren ganz sicher mit in der Schuld.


Da braucht nur jemand die Chancen im Mexiko-, Schwedenspiel verwerten.. dann ist alles plötzlich nicht mehr so schlimm...

tommes
Granadaseggl
spätzle77 hat geschrieben:Aufgrund von aktuellen Interviews, zuletzt Khedira, wird jetzt aber immer deutlicher, dass die "türkische Romanze" den Hauptanteil am Versagen hatte. Verständlich. Zuerst heiß auf die WM, dann totaler Abfall durch laufende Konfrontation durch die Medien. Der Stimmungsabfall war sicher extrem.
Nie ist etwas alles, aber das war der Anfang vom Ende. Ohne dies hätte es zumindest für die Gruppe gereicht, da bin ich mir sicher. Medien waren ganz sicher mit in der Schuld.

Sehe ich überhaupt nicht so. Sondern so, wie es der Autor schreibt:
Keine Frage: Das Treffen mit Recep Tayyip Erdogan war ein Fehler. Mesut Özil wird aus den Diskussionen hoffentlich gelernt haben. Aber dass eine politische Debatte eine Fußball-Mannschaft so beeinflusst, dass sie gegen Mexiko und Südkorea verliert? Blödsinn. Wenn die Affäre für jemanden belastend gewesen wäre, dann für Özil und Ilkay Gündogan. Wieso sollte es Toni Kroos oder Thomas Müller groß beschäftigen, wem Mesut Özil die Hand schüttelt?

Plan B
Granadaseggl
Tommes, vielen Dank für diesen Thread.
Wenn Mesut Özil nämlich Georg Schneider heissen würde, würde die Diskussion nicht geführt werden.
Meine Muttersprachen sind Ironisch, Sarkastisch und Zynisch.

de mappes
Spamferkel
In den unseriösen medien vielleicht nicht...hier im forum schon...denn ich wage zu behaupten, dass hierdrin grösstenteils differenziert wird und die Herkunft keine rolle spielt...

Müller ist zb. Bei uns in den diskussionsrunden der Hauptakteur...im negativen sinn
Don't criticize what you can't understand

tommes
Granadaseggl
denn ich wage zu behaupten, dass hierdrin grösstenteils differenziert wird und die Herkunft keine rolle spielt...

Darum geht es überhaupt nicht.


Strafraumgitarre
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Granadaseggl
Finde diesen Thread ebenfalls nötig und richtig. Spätestens seit der kicker nach dem Ausscheiden von "Özil und Co." schrieb. Und dass der Basler sich mit toten Fröschen auskennt, liegt vielleicht daran, dass der irgendwo einen Spiegel zuhause hängen hat. Nein, ich meine nicht den zum Lesen, sondern es geht hier um Basler.



de mappes
Spamferkel
tommes hat geschrieben:
denn ich wage zu behaupten, dass hierdrin grösstenteils differenziert wird und die Herkunft keine rolle spielt...

Darum geht es überhaupt nicht.


In dem post darüber schon
Don't criticize what you can't understand

Manolo
Grasdaggl
Hoffe auch, dass er weitermacht. Auf Gündogan und Kroos sollte man auch setzen. Wir haben nicht so viele Spieler, die in Topligen kicken.
Hier könnte ihre Werbung stehen.


jagdhuette
Granadaseggl
spätzle77 hat geschrieben:Aufgrund von aktuellen Interviews, zuletzt Khedira, wird jetzt aber immer deutlicher, dass die "türkische Romanze" den Hauptanteil am Versagen hatte. Verständlich. Zuerst heiß auf die WM, dann totaler Abfall durch laufende Konfrontation durch die Medien. Der Stimmungsabfall war sicher extrem.
Nie ist etwas alles, aber das war der Anfang vom Ende. Ohne dies hätte es zumindest für die Gruppe gereicht, da bin ich mir sicher. Medien waren ganz sicher mit in der Schuld.


Das ist dann eben die Headline die die Welt draus macht. Für Khedira wars nur ein Puzzle Stück.

Jogi Löw
Seggele
Ja, die Medien und die Stammtische suchen halt immer einen Sündenbock, und da passt natürlich die dämliche Erdogan-Geschichte (wobei da IMO seine Berater krass versgat haben bzw. einen schlechten Job gemacht haben) als Steilvorlage plus seine schwachen Leistungen in den beiden WM-Spielen. Wobei da die gesamte Mannschaft krass versagt hat, und Özil ging mit den anderen unter. Er ist kein Leader-Typ, das war er aber nie, und das wird er nie werden. Das ist aber nicht seine Schuld.

Unter Westfalen
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Granadaseggl
Özil war für mich eigentlich immer weder Fisch noch Fleisch.
Es mag an seinem Wesen liegen.
Kann aber auch andere Gründe haben.
Bei einem Spieler, der für Deutschland spielen möchte,
sich aber nie eindeutig zu diesem Deutschland bekennt,
wird eine politische Instinktlosigkeit
noch stärker bewertet.
Wenn er während des Abspielens der Nationalhymne zu Allah betet,
möchte ich ihm das gerne abnehmen.
Doch gleichzeitig frage ich mich, warum macht er es nicht davor?
Womit wir wieder beim ersten Satz wären.

Falls ihr das jetzt für oberlehrerhaft oder oldfashioned haltet, lasse ich mich gern eines anderen belehren.
Jezzd gang I ahans Brennale, drengg abor ned

Ich hab’ meinen Zivildienst ganz gern geleistet, aber ich habe keine 90 Fußballspiele für Deutschland gemacht. Da hat er mir einiges voraus.

Ich find’s gesünder wenn Menschen gar nicht beten – man kommt da manchmal ganz schräg drauf – aber das ist seine Privatangelegenheit. Ob die Arier in der Mannschaft während der Hymne an Goethe oder die Zugspitze denken? Ich weiß es nicht.

Jogi Löw
Seggele
Ich singe die Hymne nie mit, und ich verzichte bei Eidesleistung auf den Zusatz "So wahr mir Gott helfe." Und? Ich erachte es aber auch nicht als Geschenk, Deutscher zu sein. Ich bin deutsch, weil meine Eltern deutsch sind, und weil ich zufällig in Deutschland geboren wurde. Und auf die deutsche Geschichte des 20.Jahrhunderts bin ich nicht stolz, erachte sie aber auch nicht als "Vogelschiss".

thoreau
Granadaseggl
Wer behauptet, dass Müller so wie Özil überdurchschnittlich kritisiert wird hat den Schuss nicht gehört und verharmlost die Gesamtdebatte. Müller wurde kritisiert. Seine WM war eben ein Desaster. Das ist nicht wild, aber die Kritik war weitgehend sachlich. Hummels, Boateng und Neuer wurden auch kritisiert, aber deren Leistungen wurden mit ihren Verletzungen und mangelnder Fitness begründet/entschuldigt. Ich sehe hier absolut keine unsachliche Kritik gegenüber Bayernspielern (die man vermutlich wieder mit Komplexen begründen würde (wäre man ein Dummkopf)), wohl aber seit Jahren eine völlig überzogene Kritik an Özil, die im Kontext der Erdogansache ihren Höhepunkt erreicht hat. Ich bin wie gesagt kein Özil-Fan, aber wem diese Unverhältnismäßigkeit der Kritik nicht auffällt schließt die Augen schon sehr fest.

darkred
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Halbdaggl
Die überzogene Kritik ab Özil fußt aber für mich vielmehr darauf, dass er als zentraler Kreativspieler nun mal maßgeblich für die Geschmeidigkeit im Getriebe verantwortlich ist, respektive gesehen wird. Weil Jogi ihn da quasi so alternativlos handelt, wie bspw. Toni auf der einen 6er Pos oder Müller mit seinen "chaotischen Qualitäten" in der Box.

Durch die Erdogan-Geschichte ist er jetzt extrem ins Auge der Öffentlichkeit gerückt, was ihm in Verbindung mit seinen überschaubaren Leistungen dort natürlich exponierte und zudem der deutschtümelnden Dummenfraktion die Möglichkeit bietet, unsachlich und polemisch loszutreten und ihren Alltagsrassismus zu pflegen. Aber den Blick jetzt alleine darauf zu verengen, wird der Sache nicht gerecht. Es gab in der Geschichte der wenig erfolgreichen Auftritte der N11 immer wieder dumpf simplifizierte Betrachtungen, das gehört nun mal leider dazu. Fußball ist Emotion und nicht Ratio. Man denke in der jüngeren Vergangenheit nur an Gomez und dessen in der Öffentlichkeit und sogar von Teilen der Medien gezeichnetes Bild... bei der WM jetzt gehörte er zu denen, die noch am meisten Biss an den Tag gelegt haben.

Um auf die Intention des Freds zu kommen.
Özils Leistungen wurden in der Vergangenheit bestimmt nicht immer angemessen und in Gänze gewürdigt. Für mich ist er bspw. nach wie vor der "assist-zum-assist-Geber No.1"

Ihn aber bei dieser WM jetzt als Einäugigen unter den Blinden darstellen zu wollen, empfinde ich als müßig. Er ist schlichtweg mit unter gegangen und konnte wenig Impulse setzen. Im Spiel gegen Südkorea demonstrierte er zudem die Körpersprache in Perfektion, die man ihm zu oft und zu stereotyp vorhält. Passspiel. Stehen bleiben. Beim Spiel ohne Ball reihte er sich nahtlos in die unterirdische Laufbereitschaft ein. Und da hilft kein Verweis auf Hemmnisse durch die außen um ihn geführten Diskussionen :!:

Gibts des
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Granadaseggl
darkred hat geschrieben:Die überzogene Kritik ab Özil fußt aber für mich vielmehr darauf, dass er als zentraler Kreativspieler nun mal maßgeblich für die Geschmeidigkeit im Getriebe verantwortlich ist, respektive gesehen wird. Weil Jogi ihn da quasi so alternativlos handelt, wie bspw. Toni auf der einen 6er Pos oder Müller mit seinen "chaotischen Qualitäten" in der Box.

Durch die Erdogan-Geschichte ist er jetzt extrem ins Auge der Öffentlichkeit gerückt, was ihm in Verbindung mit seinen überschaubaren Leistungen dort natürlich exponierte und zudem der deutschtümelnden Dummenfraktion die Möglichkeit bietet, unsachlich und polemisch loszutreten und ihren Alltagsrassismus zu pflegen. Aber den Blick jetzt alleine darauf zu verengen, wird der Sache nicht gerecht. Es gab in der Geschichte der wenig erfolgreichen Auftritte der N11 immer wieder dumpf simplifizierte Betrachtungen, das gehört nun mal leider dazu. Fußball ist Emotion und nicht Ratio. Man denke in der jüngeren Vergangenheit nur an Gomez und dessen in der Öffentlichkeit und sogar von Teilen der Medien gezeichnetes Bild... bei der WM jetzt gehörte er zu denen, die noch am meisten Biss an den Tag gelegt haben.

Um auf die Intention des Freds zu kommen.
Özils Leistungen wurden in der Vergangenheit bestimmt nicht immer angemessen und in Gänze gewürdigt. Für mich ist er bspw. nach wie vor der "assist-zum-assist-Geber No.1"

Ihn aber bei dieser WM jetzt als Einäugigen unter den Blinden darstellen zu wollen, empfinde ich als müßig. Er ist schlichtweg mit unter gegangen und konnte wenig Impulse setzen. Im Spiel gegen Südkorea demonstrierte er zudem die Körpersprache in Perfektion, die man ihm zu oft und zu stereotyp vorhält. Passspiel. Stehen bleiben. Beim Spiel ohne Ball reihte er sich nahtlos in die unterirdische Laufbereitschaft ein. Und da hilft kein Verweis auf Hemmnisse durch die außen um ihn geführten Diskussionen :!:


:prost:
Für mich dein „best Post ever“. Von denen, die ich gesehen habe... :oops:
heute schon gelebt?