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Hasenrupfer
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Granadaseggl
Nice Weather hat geschrieben:Özil wird systematisch diskreditiert. Demnächst wird er auch für Chemnitz verantwortlich gewesen sein und als Staatssekretär ins Innenministerium berufen. Und wenn er sich dann immer noch nicht mit Jogi trifft, machen wir ihn zum Bundespräsidenten.


Auch als Gunner kann man Özils Leistung abseits des Platz kritisch bewerten, ohne in Sarkasmus zu verfallen.

Ich glaube ich könnte mit Özil mindestens nix anfangen, wenn ich ihn kennen tun würde – vielmehr tippe ich darauf, dass er mir gänzlich unsympathisch wäre. Trotzdem betrachte ich mit Abscheu, wie er jetzt für alles mögliche hergenommen wird. Keine Ahnung, ob ich mich zum Beispiel an seiner Stelle auch nicht mit Löw treffen würde, aber ich finde es aus seiner Sicht nachvollziehbar – viele andere scheinen das als höggschde Majestätsbeleidigung zu werten und nehmen es als Anlass, nochmal nachzutreten. Und weil er sich nicht meldet, scheint es vielen nun auch recht und billig zu sein, ihm irgendein Zeug unterzuschieben.

Mir kommt es so vor als ob da ein ganzes Volk von ihm fordert, die miese Behandlung während und nach der WM zu billigen und ein Schleifchen dranzumachen. Nix für ungut, gell. Dass er da die Läden zumacht, obwohl Fragen offen bleiben und er auch Dinge falsch gemacht hat, kann ich absolut verstehen. Und ob er sich mit Löw auseinandersetzen will oder nicht, ist eine Sache zwischen ihm und Löw – ich weiß gar nicht, warum ich davon unterrichtet werden soll.

Um den größeren Bogen nochmal zu spannen: natürlich gibt’s in Deutschland Rassismus, und zwar jeden Tag, und nicht zu knapp. Das weiß jeder, und das kann auch jeder beobachten und nachvollziehen. Nur spricht’s einer mal aus und macht kein Dutzend Fußnoten drunter, ist er ein Verräter an der guten Sache und den vielen Integrationsprogrammen.

Aus der Geschichte mit Özil gibt’s jede Menge zu lernen – stattdessen sinniert man über seine Männerfreundschaft mit Jogi oder stellt Vermutungen darüber an, ob ihm die türkische Regierung was in Twitter reindiktiert hat. Das ist doch Scheiße.

Hasenrupfer
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Granadaseggl
Ach komm, als ob Özil so ne Art Kaepernick wider Willen ist.

Es wäre durchaus angebracht gewesen, seinem langjährigen Trainer wenigstens in irgendeiner Form zu antworten. Hat er bzw haben sie nicht, weshalb dieser Punkt überhaupt erst zum Vorschein kam.

War "Respekt" nicht eines der Schlagworte, mit denen das Erdogan-Treffen gerechtfertigt wurde...

darkred
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Halbdaggl
Relativ einseitige Betrachtung nice.
Du bist doch sonst dafür die Dinge von mehreren Seiten zu sehen und ergehst dich hier jetzt in der allzu einfachen Gleichung "in Deutschland gibt's Rassismus - und endlich sprichts einer aus."
Egal wie pauschal und unscharf das von Statten ging ... und im Nachgang vom Verfasser Unterzeichnenden völlig unkommentiert/undiskutiert blieb.
Zudem die zwischenmenschlich sehr enttäuschende Haltung, den anscheinend mehrfach unternommenen Versuch Löw's die Dinge im Dialog aufzuarbeiten, rein als deren Privatsache abzutun und sich so gänzlich einer Wertung des Charakterlichen zu entziehen... na ja, you gotta know...

Tamasi
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Halbdaggl
Ich bin da ganz bei Hasi. Ich glaube auch, dass die wenigsten Leute Özils Wegducken vor Löws Kontaktversuchen als "Majestätsbeleidigung" ansehen. Es ist schlichtweg schlechter Stil und ja, Hasi, Volltreffer: Mangelnder Respekt. Ausgerechnet. Özil zählte über Jahre hinweg zu Löws Lieblingsspielern. "Lieblingsspieler" ist hier nicht negativ gemeint, Lahm war auch einer. Özil hatte da immer Rückendeckung und das volle Vertrauen von Löw.

Ihn vorab nicht über den Rücktritt zu informieren, fand ich schon schwach. Den Rest dann sowieso.

Kann natürlich sein, dass im Sommer noch irgendwas zwischen den beiden vorgefallen ist. Bierhoff oder Grindel zählen hier aber nicht als Argument. Und ich würde auch kein "Löw hat mich im Sommer nicht öffentlich verteidigt" gelten lassen. Ja, Özil hatte da eine schwere Zeit als Sündenbock der Nation, hochgradig scheiße. Aber Löw hatte auch keine leichte Zeit. Man kann das nicht vergleichen, kein Ding. Aber wer glaubt, dass Löw nach der WM fröhlich frei durchs Leben gegangen ist, liegt sicher auch nicht ganz richtig.

Wie gesagt, vielleicht ist nach der WM noch etwas Größeres zwischen den beiden vorgefallen. Wenn nicht, dann: Schwach.

Weiß nicht genau, was ich dazu schreiben soll, ohne mich zu wiederholen.

Reschpekt ist ja mein Lieblingswort. Respekt muss nicht immer bedeuten, dass man sich verneigt und sich an einen Tisch setzt. Und es gibt halt auch Typen, die mit dem Thema Reschpekt durch sind, wenn man sie jahrelang als Integrationsmaskottchen rumreicht, um sie dann zum Abschuss freizugeben.

Keine Ahnung, was ich Özil für ein Charakterzeugnis ausstellen soll. Vielleicht ein schlechtes, vielleicht erfüllt er gerade das Klischee vom Anatolier, dessen übersteigerter Stolz ihm ständig zum Verhängnis wird. Vielleicht ist er ein ganz normales Arschloch. Ich frage mich halt, was man jetzt noch von ihm will: haben er und Jogi gemeinsame Kinder, deretwegen sie zusammenbleiben wollen?

Zu diesem Kackfoto brauchte ich noch eine Meinung, das war für mich von Belang, weil Özil sich da mitten ins politische Geschehen hineinpflanzen ließ. Man hat die beiden Sportdiplomaten nach Russland mitgenommen, weil man sich erhoffte, dass der sportliche Erfolg die Sache überstrahlen wird. Als das in die Hose ging, gab man Özil zum Abschuss frei. Das war ein Fehler, das kann selbst der unerträgliche Grindel zugeben (nur nicht persönlich: er sagte wir hätten uns vor den Spieler stellen sollen).

Tamasi hat geschrieben:Und ich würde auch kein "Löw hat mich im Sommer nicht öffentlich verteidigt" gelten lassen.


Ich schon. Ich kann vermuten, warum Löw das nicht gemacht hat: der hatte schon mit Gräben im Kader zu kämpfen, was man unter anderem an den schmallippigen Äußerungen nach der WM vom blöden Gaudi-Müller und Kapitän Manu ablesen kann – der übrigens noch nie was kapitänswürdiges von sich gegeben hat, seit er das Amt bekleidet. Trotzdem hätte sich Löw als Chef klar positionieren müssen, und ich kann verstehen, dass Özil beleidigt ist. Wenn man annimmt, dass Özil so ein typischer stolzer Südländer ist, sollte man es eigentlich umso besser nachvollziehen können.

Wie gesagt, ich habe den Eindruck, dass man (“die Öffentlichkeit”) hier hinterher, nachdem einiges schiefgelaufen ist, für das eigene Fehlverhalten Absolution einfordert, und die gibt’s halt nicht, Pech. Wie man Özil dafür menschlich bewertet, ist mir egal. Darum scheint es den Leuten auch nicht zu gehen: die wollen eher, dass Özil deren Fehler für sie rechtfertigt – zum Beispiel, indem er sagt, dass der böse Erdogan ihm alles reindiktiert hat und der DFB und der Kicker gar nicht anders konnten als ihn fallenzulassen. Sorry, nein.

Bundes-Jogi
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Granadaseggl
Hasenrupfer hat geschrieben:Ach komm, als ob Özil so ne Art Kaepernick wider Willen ist.

Es wäre durchaus angebracht gewesen, seinem langjährigen Trainer wenigstens in irgendeiner Form zu antworten. Hat er bzw haben sie nicht, weshalb dieser Punkt überhaupt erst zum Vorschein kam.

War "Respekt" nicht eines der Schlagworte, mit denen das Erdogan-Treffen gerechtfertigt wurde...


In seinem Statement hat Özil ausdrücklich Löw und 'Bierhoff als diejenigen genannt, die ihn immer unterstützt hätte. Seine Vorwürfe betraffen in erster Linie Grindel, ihn hat er als Rassisten bezeichnet, und als inkompetent.
JUHASZ! - GESUNDHEIT!

“Ich wollte mit einer ziemlich überspitzten Formulierung das Thema auf den Sport reduzieren. Ich wollte den Leuten sagen ‘Hört’s doch endlich auf, von Rassismus, von Migrationsproblemen zu sprechen, sondern des zu reduzieren auf das, was es eigentlich sein sollte – nämlich die Diskussion ist einer gut genug oder nicht’”




Tifferette
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Halbdaggl
Ach ja, ist schon ein paar Wochen alt (genauer: nach der Bayernklatsche gegen Gladbach), dafür aber ziemlich großartig.

'Of all the gin joints in all the towns in all the world, she walks into mine.'


tommes
Granadaseggl
Nice Weather hat geschrieben:“Ich wollte mit einer ziemlich überspitzten Formulierung das Thema auf den Sport reduzieren. Ich wollte den Leuten sagen ‘Hört’s doch endlich auf, von Rassismus, von Migrationsproblemen zu sprechen, sondern des zu reduzieren auf das, was es eigentlich sein sollte – nämlich die Diskussion ist einer gut genug oder nicht’”


Was für ein sensationelles Tor.



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