Ich denke, hier muß man zwischen Wohlgemuth und Labbadia trennen:
Wohlgemuth hat bisher schon gezeigt, dass er einen Kader aufbauen kann, auch mit wenig Mitteln und dass er durchaus auch junge (entwicklungsfähige) Spieler verpflichten kann.
Dass "unter seiner Regie" Labbadia verpflichtet wurde, kann man ihm sehr sicher nicht ankreiden:
Das war schon vorher klar, nur wollte Wehrle halt den Schein wahren "der neue Sportdirektor verpflichtet den neuen Trainer".
Damit komme ich wieder zu einem entscheidenden Satz in dem Artikel:
Vermutlich, weil auch fünf Jahre nach der Ausgliederung und drei Jahre nach der Einführung eines Sportdirektors und eines Vorstandsvorsitzenden die Strukturen beim VfB immer noch auf bestimmten Personenkonstellationen beruhen und nicht auf klar definierten und abgegrenzten Aufgabenbereichen.
Das hier ist mMn auch interessant:
Dass es aber einen Sportvorstand gibt, der die von seinem Sportdirektor getätigten Transfers ledigliche bestätigt oder ablehnt und gegebenenfalls eine grobe Ausrichtung der Transfer- und Kaderpolitik vorgibt: Das gibt es erst, seit Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat im Frühjahr 2019 ihre Posten antraten. Die Rollenaufteilung zwischen Vorstand und Direktor ergab sich bis letzten Mittwoch vor allem aus der Personenkonstellation: Der Sportdirektor plante den Kader und verpflichtete und verkaufte Spieler, der Vorstand leistete die Unterschrift und gab vielleicht Leitlinien vor, hielt sich aber sonst mangels Expertise raus aus dem Tagesgeschäft. Das war so lange mehr oder weniger sinnvoll, wie Sven Mislintat die Aufgaben eines Sportvorstandes quasi mit erledigte, inklusive des öffentlichen Auftretens in sportlichen Fragen, während sich sowohl Thomas Hitzlsperger als auch Alexander Wehrle vor allem auf ihre Rollen als Vorstandsvorsitzende zurückzogen – mit Nuancen: Hitzlspergers Erfahrung als ehemaliger Spieler holte sich Wehrle durch Sami Khedira und Philipp Lahm von außen.
Ich hoffe, dass Wehrle sich auch zurückhalten wird aber ich bezweifle, dass Sami da nur beraten wird.
Aber ich lasse mich gerne überraschen.
So wie in dem Artikel mehrfach beschrieben wird, ist Bruno eher ein Feuerwehrmann, langfristig hat er, außer bei uns, noch nie gearbeitet.
Das hier, aus seiner WOB-Zeit, läßt mich ein klein wenig optimistischer in die Zukunft schauen.
V.a. das "hammerharte Training" lässt aufhorchen, denn allein, dass es eine Diskussion über die Fitness gab, ist schon ein Armutszeugnis für einen Proficlub:
"Qualität kommt halt doch von Qual" auch wenn der Urheber dieses Spruches natürlich trotzdem ein "Liebling" ist.
Sportlich schaffte er nach einem vor allem für die Spieler schweißtreibenden Abstiegskampf laut Leonard den Übergang zum Ballbesitzspiel, dieses “gehörte zum Besten, was die Liga zu bieten hatte. Die Automatismen saßen, jeder wusste, was zu tun war.” Auch beim VfB müssten sich die Spieler auf intensive Wochen mit “hammerhartem” Training einstellen, “aber wenn die Grundlagen sitzen, geht es ans Spielerische – und auch da hat Labbadia viele, viele Lösungen, die sehr attraktiv sein können
Und auch in Bezug auf junge Spieler gibt es vielleicht ein bischen Hoffnung:
Aus seiner Berliner Zeit:
So schafften in seiner Zeit mit Jessic Ngankam, Marton Dardai und Lazar Samardzic den Sprung in die Bundeslia, während der Nachwuchs unter seinen Vorgängern kaum Beachtung fand. Natürlich war auch Labbadia angesichts der sportlichen Situation gezwungen, den Fokus auf die Gegenwart zu legen. Trotzdem ließ er nach dem Restart der Bundesliga viele Jugendspieler mittrainieren, um sich einen Eindruck zu verschaffen.
Mal schauen, ob er das auch hier machen wird.
Bei Sven und Rino waren wohl (mindestens einmal) wöchentliche Besprechungen mit Thomas Krücken der Normalfall.
Ich hoffe, das bleibt so und es wiederholt sich nicht, dass bald auch Krücken geht, so wie bei Brunos 1. VfB-Amtszeit Schrof und Albeck.
Mein Fazit bisher:
Mit Wohlgemuth kann ich viel besser leben als mit Bruno.
Aber man sollte eben zügig neue Trainer scouten, um auf Brunos (baldigen?) Abschied vorbereitet zu sein.
Und nein: Brunos Nachfolger sollte nicht der Kategorie Gisdol, Slomka und Weinzierl zu finden sein.
Nichtsdestotrotz:
Wehrle, Voigt und auch Adrion MÜSSEN TROTZDEM lieber heute als morgen weg
