Tamasi hat geschrieben:Und nochmal meine ganz persönliche Meinung zu Beckenbauer: Der hat dieses korrupte System vermutlich als gottgegeben hingenommen und sehr gerne mitgemacht. "Ja mei, so is' halt." Dabei war er auf der Geber-Seite (WM 2006) und auf der Nehmer-Seite (WM 2018 und 2022 und wer weiß, was sonst noch). Den DFB blechen lassen (WM 2006) und persönlich kassieren (die anderen Fälle). Ganz saubere Nummer.
So schätz ich das auch ein. Sehr vieles funktioniert doch nach dem "eine Hand wäscht die andere" Prinzip, gerade im CSU-Freistaat und auch darüber hinaus. Da spart man sich viele Transaktionskosten...
Wenn man dem Kistner glaubt, dann war es ja auch adidas, die für diese gegenseiteigen Abhängigkeiten in der Fifa anfangs verantwortlich waren.
Das Problem bei der Korruptionsgeschichte ist, dass die Erwartungshaltung an den DFB einfach war, sauber zu sein. Das Saubermannimage wurde von außen zugeschrieben (deutsch=korrekt, effizient), vielleicht auch selbst gepflegt. Andererseits waren die DFB-Nasen bei der Kritik an der Fifa nie an vorderster Front. Die ging eher von den Engländern und Skandinavien aus.
Die Differenz zwischen Saubermannimage und "Teil des Systems" sowie die Akzeptanz intransparenter Vergabepraxis ging halt gut, so lange wie die Ergebnisse nachvollziehbar waren. Japan/Korea als Beitrag zur Völkerverständigung, Deutschland als Austragungsort ist ne gute Wahl. Südafrika hat's stellvertretend für den Kontinent verdient - selbst Russland ginge mE noch klar, aber Katar ist einfach zu krass und damit kann man das Bild, dass zwar n bissl was hin und hergeschoben wird, aber im großen und ganzen nicht schlimmer abläuft als anderswo, nicht mehr aufrechterhalten.
Btw. dass jetzt Niersbach gehen muss, hängt wie schon so oft an schlechtem Krisenmanagement, nicht daran, dass er besonder Schuld an der Geschichte hätte. Vielleicht ist es trotzdem für was gut, dass man die Sache aufarbeitet.