13592 Beiträge

Soll der Bundestag einen neuen Kanzler wählen?

Ja
6
43%
Bin da unschlüssig.
3
21%
Nein, Merz macht gute Arbeit
2
14%
Nein, des machts auch net besser
3
21%
Merz soll die Vertrauensfrage stellen und Neuwahlen ermöglichen
0
 
Keine Ahnung, keine Angabe
0
 

Kryztina
Granadaseggl
Lieber Plan B und Tiffi, ich kenne mich da wirklich nicht so aus, steuerrechtlich vom Vokabular und so, kann da nicht mitreden. Ich kenne es nur aus erster Hand, was der Bürger denkt und wie er handelt. Und was Mitsotakis bewirkt hat, ja das verstehe ich und wie er es macht auch. Aber ich bin da eher Mitbürger und bekomme mit was die Leute denken und machen.

Das mit dem
Zusammenhang
glaub da meinst du das etwas ironisch. Verstehe. Ich kenne halt nur die tricks. Man lebt ja hier.

Greecle aus der Kältekammer Hellas, naja, sagen wir mal 19 Grad, aber windig und grau.


Spielgerät
Benutzeravatar
Halbdaggl
Ich behaupte mal, dass es in den bargeldintensiven Gewerben wie Taxi oder Gastro heute nicht mehr so einfach ist, im großen Stil dauerhaft zu bescheißen. Wenn du im Monat 10.000 Döner einkaufst und nur 5.000 verkaufst, fällt das ziemlich schnell auf. Also musst du nicht nur eine schwarze Kasse führen, sondern auch deinen EK frisieren. Dazu brauchst du einen Lieferanten, der mitspielt. Das setzt schon ein ordentliches Maß an krimineller Energie voraus. Und weil die Cheater häufig nicht die Hellsten sind, werden die relativ schnell aus dem Verkehr gezogen. Die vergessen dann beispielsweise, die Anzahl der Servietten oder Pappteller dem Fake-Umsatz anzupassen und schwupps steht die Steuerfahndung in der Bude.

Wenn hingegen 10 Döner am Tag ohne Bon über den Tresen gehen, will das Finanzamt das vllt auch gar nicht so genau wissen. Genauso wenig wie das, was die Friseuse macht, die manchmal nach Feierabend im Freundeskreis für kleines Geld Haare schneidet oder der Malergeselle, der am Wochenende tapezieren hilft. Sonst hast du irgend wann die halbe Gesellschaft kriminalisiert. Will man das?

Das große Geld wird ohnehin mit internationalen Umsatzsteuerkartellen und Cum Ex oder ähnlichen Deals gemacht. Wenn man die Finanzverwaltung in diesem Bereich massiv aufrüsten würde, könnte man lässig die eine oder andere Sozialwohnung mehr bauen.
"In this world there's two kind of people: Those who have loaded guns and those who dig. And you dig."



Southern Comfort
Benutzeravatar
Grasdaggl
Spielgerät hat geschrieben:Ich behaupte mal, dass es in den bargeldintensiven Gewerben wie Taxi oder Gastro heute nicht mehr so einfach ist, im großen Stil dauerhaft zu bescheißen. Wenn du im Monat 10.000 Döner einkaufst und nur 5.000 verkaufst, fällt das ziemlich schnell auf. Also musst du nicht nur eine schwarze Kasse führen, sondern auch deinen EK frisieren. Dazu brauchst du einen Lieferanten, der mitspielt. Das setzt schon ein ordentliches Maß an krimineller Energie voraus. Und weil die Cheater häufig nicht die Hellsten sind, werden die relativ schnell aus dem Verkehr gezogen. Die vergessen dann beispielsweise, die Anzahl der Servietten oder Pappteller dem Fake-Umsatz anzupassen und schwupps steht die Steuerfahndung in der Bude.

Aussage Mandant: "Ich mache 60:40 über alles." Er lässt also einfach 40% aller Einnahmen und aller Ausgaben weg... Dann hat er das Problem nicht mehr. Das braucht aber unheimlich Energie, eine Rechnung per Bank und eine Rechnung bar zu bezahlen. Er war recht schnell nicht mehr mein Mandant.

Zum Thema Steuerfahndung... Also, die kommt nicht in die Dönerbude. Da kommt erstmal (vielleicht) eine Kassennachschau und schaut, wie man das so mit den Aufzeichnungen hält. Wenn die feststellen, dass da irgendwas nicht passen könnte, schicken die in der Regel die Umsatzsteuernachschau, und der Beamte will dann erstmal ein paar Dokumente sehen, bevor er dann zufrieden anfängt Umsätze zu schätzen. Also, da ist noch ganz wenig mit "Keiner fasst was an. Alles versiegeln und einpacken!"

Allerdings: Das Bescheißen im großen Stil (im Prinzip Manipulation der kasseninternen Software, um Umsätze zu verschleiern) hat dem Rest der Unternehmerschaft die neue Rechtslage erst eingebrockt. Da kann man sagen, der Schützengraben hat sich wieder etwas gegen die Kriminellen verschoben, die aber wieder was finden werden, die Grabenlinie zurückzuschieben. Ich würde also nicht sagen, dass das Bescheißen vorbei ist. Man muss halt kreativer werden...

Spielgerät hat geschrieben:Wenn hingegen 10 Döner am Tag ohne Bon über den Tresen gehen, will das Finanzamt das vllt auch gar nicht so genau wissen. Genauso wenig wie das, was die Friseuse macht, die manchmal nach Feierabend im Freundeskreis für kleines Geld Haare schneidet oder der Malergeselle, der am Wochenende tapezieren hilft. Sonst hast du irgend wann die halbe Gesellschaft kriminalisiert. Will man das?


Auch deswegen lässt man da vielleicht Spielraum. Auch die neuen Kassenregeln sprechen da schon eine "kulante" Sprache. Bei Barumsätzen bis zu 12.000 € im Jahr kannste weiter auf Papier aufzeichnen. Das sind aber trotzdem 3.000 Döner.

Gleichzeitig...
Naja, dann wäre das halt so, das jeder Gastronom eine elektronische Kasse hat. Wer ein kleines Unternehmen hat und auch nicht viel Umsatz erzielt, hat eben trotzdem allerhand Verwaltungskram an der Backe. Das gehört zum Spiel. Dann ist die elektronische Aufzeichnung von Einnahmen halt auch so ein Hürde, die man nehmen muss. Meines Erachtens ist das alles halb so wild, wenn man sich mal dazu durchringt.

Oder man verzichtet eben auf Bargeld: Ich selbst habe ein kleines Sumup-Gerät für 30 € gekauft und akzeptiere nur noch Überweisungen, Lastschriften oder Kartenzahlungen. Hatte noch nie ein Problem mit einem Kunden, der auf Barzahlung bestanden hätte.

Insofern bin ich auch recht schnell in der Beurteilung, dass die armen stigmatisierten Kleinunternehmer eigentlich nur unflexibel waren. :P

Spielgerät hat geschrieben:
Das große Geld wird ohnehin mit internationalen Umsatzsteuerkartellen und Cum Ex oder ähnlichen Deals gemacht. Wenn man die Finanzverwaltung in diesem Bereich massiv aufrüsten würde, könnte man lässig die eine oder andere Sozialwohnung mehr bauen.


Absolut!
Deswegen: :!: https://www.finanzwende.de/
Das NGO von Brorhilker.
Bruno Labbadia ist wie ein Aschenbecher in einer Kneipe, die schon vor 20 Jahren hätte abgerissen werden sollen. Du weißt nicht, warum, aber er steht stetig in der Ecke, voller kalter Kippen und mit dem beharrlichen Geruch von verbrannter Vergangenheit.

Local Zero
Benutzeravatar
Grasdaggl
Southern Comfort hat geschrieben:Bei Barumsätzen bis zu 12.000 € im Jahr kannste weiter auf Papier aufzeichnen. Das sind aber trotzdem 3.000 Döner.

Bei uns hier bekommst Du dafür nur 1.500.

Was mir nicht einleuchten will: Wenn ich im Mafia-Staat Italien im hinterletzten 30-Seelen-Kaff des kalabresischen Berglandes einen Espresso am Straßenrand schlürfe, dann reicht mir der Wirt da ungefragt einen Bon aus einer elektronischen Kasse übern Tresen. Und wenn ich den beim Verlassen der Bar auf dem Unterteller lasse und draußen empfängt mich die Guardia di Finanzia, dann bin ich wegen Steuerhinterziehung dran (so war das jedenfalls vor einigen Jahren noch, keine Ahnung, ob die immer noch so scharf sind. Ich glaube schon). Und im Mutterland der Ingenieure und der "überbordenden" Bürokratie geht eine flächendeckende Erfassung solcher Steuern aus irgendwelchen "technischen", bürokratischen oder Bequemlichkeitsgründen nicht?
"Ein Wort, Herr! Sag mir nur ein einziges Wort in diesem Elend!" - "Ich sage dir sogar zwei: Guten Appetit!"
-------
"Es gibt keine Lösung. Weil es kein Problem gibt."

Local Zero
Benutzeravatar
Grasdaggl
Ich fand in diesem Zusammenhang das Interview mit der EU-Generalstaatsanwältin Laura Kövesi gestern in der SZ sehr lesenswert:

SZ: Frau Kövesi, Sie ermitteln inzwischen in fast 4000 Fällen. Der geschätzte Schaden in Ihren Verfahren hatte sich von 2024 auf 2025 fast verdreifacht, auf 67 Milliarden Euro. Was sagen diese Zahlen über Ihre Arbeit aus – und über Europa?
Laura Kövesi: Das Ausmaß des europaweiten Betrugs wurde völlig unterschätzt. Wir haben einen Kontinent des Verbrechens entdeckt. Zuvor sah jeder EU-Staat nur, was bei ihm geschah. Kriminelle Organisationen konnten über Jahre unbehelligt agieren und mit Mehrwertsteuerbetrug viel Geld verdienen. Laut Europol verliert die EU dadurch mindestens 50 Milliarden Euro im Jahr. Stellen Sie sich vor, welche Macht die Kriminellen damit haben – und was für Krankenhäuser und Schulen fehlt.

https://www.sueddeutsche.de/politik/lau ... li.3553443
"Ein Wort, Herr! Sag mir nur ein einziges Wort in diesem Elend!" - "Ich sage dir sogar zwei: Guten Appetit!"
-------
"Es gibt keine Lösung. Weil es kein Problem gibt."


Tamasi
Benutzeravatar
Allmachtsbachel
… und der Beamte will dann erstmal ein paar Döner sehen, bevor er dann zufrieden anfängt Umsätze zu schätzen.

Scheiß Leseschwäche.

Aber zurück zu Jens Spahn. Mir ist immer ein Rätsel, warum er so selbstverständlich „als großes politisches Talent“ bezeichnet wird. Weil er so gut netzwerkt und eine Hand wäscht die andere?

Mir würde da eher ein Talent einfallen, das inzwischen hingeschmissen hat und wieder als Mathe- und Politik-Lehrer arbeitet. Gutes Interview mit Martin Hikel, dem ehemaligen Bürgermeister von Neukölln, der in seiner Berliner SPD keine Chance mehr hat. Als Mathelehrer kann er natürlich rechnen:

Berlin fehlen jetzt schon 4,3 Milliarden Euro im Haushalt. Die Wünsche der Linken nach Vergesellschaftung, nach Kiezkantinen, einem Mietendeckel für landeseigene Wohnungsbaugesellschaften werden den Steuerzahler Milliarden kosten. Gezielt sind die Aktivisten vom Volksentscheid zur Vergesellschaftung von Deutsche Wohnen und Co. hineingekommen, und die haben diesen Wahlsieg mitgetragen. Aber das sind Aktivisten, die die Kompromissfindung noch gar nicht kennen (…)

Der Rechnungshof hat sowohl die Entschädigungssummen der Initiative als auch des Senats kalkuliert. Die geringen Kosten der Initiative von acht bis elf Milliarden Euro sind mit erheblichen rechtlichen Unsicherheiten verbunden. Realistisch würden eher die Kostenschätzungen des Senats in Höhe von 29 bis 36 Milliarden Euro anfallen. Und dann bräuchte es einen Zuschuss von etwa einer Milliarde Euro pro Jahr, um die Mieten lediglich auf dem gleichen Niveau zu halten und Wohnungen weiter instand zu setzen und die Zinsen zu bezahlen. Und zugleich haben die öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften kein Geld, um neue Wohnungen zu bauen. Das wird das Land Berlin in den Ruin treiben. Für die weiteren Aufgaben wie Jugendarbeit, Schulsanierungen, Universitäten wird nichts mehr übrig bleiben.

Ansonsten geht‘s um Polizeiarbeit, Clankriminalität und Antisemitismus. Quasi die Kernkompetenzen der Linken. (Nein, Späßle. Aber es sind halt gerade wichtige Themen, die für die Berliner Regierungsfindung sehr relevant sind.)

https://www.sueddeutsche.de/projekte/ar ... n-e822312/


Spielgerät
Benutzeravatar
Halbdaggl
Der Gewatschte ist ein Freund von mir.
Jetzt Adresssperrung zum Schutz.
Nein, es sind nicht nur die Berliner Linken ...
"In this world there's two kind of people: Those who have loaded guns and those who dig. And you dig."

Local Zero
Benutzeravatar
Grasdaggl
Schade, dass der Ferat hingeschmissen hat. Mit seinen Kontakten hätte er sich nützlichmachend vom Dobrindt umdrehen lassen sollen.
"Ein Wort, Herr! Sag mir nur ein einziges Wort in diesem Elend!" - "Ich sage dir sogar zwei: Guten Appetit!"
-------
"Es gibt keine Lösung. Weil es kein Problem gibt."

“Direkt daneben hatte die Fraktion Die Linke ihren Tisch der eigenen Jugendorganisation überlassen.”

Immer riskant, der Jugend irgendwas zu überlassen, aber nicht selbst da hinzugehen ist erstmal die richtige Entscheidung. Ich meide solche Zusammenrottungen auch.








Local Zero
Benutzeravatar
Grasdaggl
Es war halt emblematisch für die Union. Deswegen fand ich das natürlich auch gut.
"Ein Wort, Herr! Sag mir nur ein einziges Wort in diesem Elend!" - "Ich sage dir sogar zwei: Guten Appetit!"
-------
"Es gibt keine Lösung. Weil es kein Problem gibt."

Tifferette
Benutzeravatar
Grasdaggl
Falls sich jemand fragt, was eigentlich Hubertus Heil derzeit so in der Politik macht* - der ist Religionsexperte der SPD. Ich muss mal ne Weile überlegen, ob mir was Unwichtigeres einfällt.


*also nicht dass mich das jetzt so umgetrieben hätte; bin halt gerade in der SZ drüber gestolpert.
"They may be drinkers, Robin, but they are also human beings."

(Batman)


Tifferette
Benutzeravatar
Grasdaggl
Bei der SPD.

Für einen ehemaligen Bundesminister und Generalsekretär.

Aber ich sollte da vielleicht nicht so engherzig sein. Vielleicht es das ja genau sein Ding.
"They may be drinkers, Robin, but they are also human beings."

(Batman)