Spielgerät hat geschrieben:Ich behaupte mal, dass es in den bargeldintensiven Gewerben wie Taxi oder Gastro heute nicht mehr so einfach ist, im großen Stil dauerhaft zu bescheißen. Wenn du im Monat 10.000 Döner einkaufst und nur 5.000 verkaufst, fällt das ziemlich schnell auf. Also musst du nicht nur eine schwarze Kasse führen, sondern auch deinen EK frisieren. Dazu brauchst du einen Lieferanten, der mitspielt. Das setzt schon ein ordentliches Maß an krimineller Energie voraus. Und weil die Cheater häufig nicht die Hellsten sind, werden die relativ schnell aus dem Verkehr gezogen. Die vergessen dann beispielsweise, die Anzahl der Servietten oder Pappteller dem Fake-Umsatz anzupassen und schwupps steht die Steuerfahndung in der Bude.
Aussage Mandant: "Ich mache 60:40 über alles." Er lässt also einfach 40% aller Einnahmen und aller Ausgaben weg... Dann hat er das Problem nicht mehr. Das braucht aber unheimlich Energie, eine Rechnung per Bank und eine Rechnung bar zu bezahlen. Er war recht schnell nicht mehr mein Mandant.
Zum Thema Steuerfahndung... Also, die kommt nicht in die Dönerbude. Da kommt erstmal (vielleicht) eine Kassennachschau und schaut, wie man das so mit den Aufzeichnungen hält. Wenn die feststellen, dass da irgendwas nicht passen könnte, schicken die in der Regel die Umsatzsteuernachschau, und der Beamte will dann erstmal ein paar Dokumente sehen, bevor er dann zufrieden anfängt Umsätze zu schätzen. Also, da ist noch ganz wenig mit "Keiner fasst was an. Alles versiegeln und einpacken!"
Allerdings: Das Bescheißen im großen Stil (im Prinzip Manipulation der kasseninternen Software, um Umsätze zu verschleiern) hat dem Rest der Unternehmerschaft die neue Rechtslage erst eingebrockt. Da kann man sagen, der Schützengraben hat sich wieder etwas gegen die Kriminellen verschoben, die aber wieder was finden werden, die Grabenlinie zurückzuschieben. Ich würde also nicht sagen, dass das Bescheißen vorbei ist. Man muss halt kreativer werden...
Spielgerät hat geschrieben:Wenn hingegen 10 Döner am Tag ohne Bon über den Tresen gehen, will das Finanzamt das vllt auch gar nicht so genau wissen. Genauso wenig wie das, was die Friseuse macht, die manchmal nach Feierabend im Freundeskreis für kleines Geld Haare schneidet oder der Malergeselle, der am Wochenende tapezieren hilft. Sonst hast du irgend wann die halbe Gesellschaft kriminalisiert. Will man das?
Auch deswegen lässt man da vielleicht Spielraum. Auch die neuen Kassenregeln sprechen da schon eine "kulante" Sprache. Bei Barumsätzen bis zu 12.000 € im Jahr kannste weiter auf Papier aufzeichnen. Das sind aber trotzdem 3.000 Döner.
Gleichzeitig...
Naja, dann wäre das halt so, das jeder Gastronom eine elektronische Kasse hat. Wer ein kleines Unternehmen hat und auch nicht viel Umsatz erzielt, hat eben trotzdem allerhand Verwaltungskram an der Backe. Das gehört zum Spiel. Dann ist die elektronische Aufzeichnung von Einnahmen halt auch so ein Hürde, die man nehmen muss. Meines Erachtens ist das alles halb so wild, wenn man sich mal dazu durchringt.
Oder man verzichtet eben auf Bargeld: Ich selbst habe ein kleines Sumup-Gerät für 30 € gekauft und akzeptiere nur noch Überweisungen, Lastschriften oder Kartenzahlungen. Hatte noch nie ein Problem mit einem Kunden, der auf Barzahlung bestanden hätte.
Insofern bin ich auch recht schnell in der Beurteilung, dass die armen stigmatisierten Kleinunternehmer eigentlich nur unflexibel waren.
Spielgerät hat geschrieben:
Das große Geld wird ohnehin mit internationalen Umsatzsteuerkartellen und Cum Ex oder ähnlichen Deals gemacht. Wenn man die Finanzverwaltung in diesem Bereich massiv aufrüsten würde, könnte man lässig die eine oder andere Sozialwohnung mehr bauen.
Absolut!
Deswegen:
https://www.finanzwende.de/Das NGO von Brorhilker.
Bruno Labbadia ist wie ein Aschenbecher in einer Kneipe, die schon vor 20 Jahren hätte abgerissen werden sollen. Du weißt nicht, warum, aber er steht stetig in der Ecke, voller kalter Kippen und mit dem beharrlichen Geruch von verbrannter Vergangenheit.