"Im Grunde ahnen oder spüren die Menschen heute, dass sie überflüssig sind oder es demnächst werden. Das, was man Digitalisierung nennt, wird sich als gigantisches „Arbeiterlegen“ (Helmut Reinicke) erweisen, die Wiederholung dessen, was Marx im Kontext der „ursprünglichen Akkumulation des Kapitals“ als „Bauernlegen“ beschrieben hat. Aus Bauern sollten damals Lohnarbeiter werden, heute werden diese zu Dienstleistern und Datenproduzenten – oder zu nichts. Das Kapital hat sich von der Ausbeutung der Ware Arbeitskraft weitgehend emanzipiert und nullt, ohne den Umweg über die Produktion realer Dinge zu gehen, tautologisch vor sich hin."
"Das vage Gefühl der Überflüssigkeit ist der Kern der um sich greifenden Indifferenz. Die aus dieser Indifferenz rührende Leidenschaft ist der Hass – ohne Gegenstand und ohne Bindung an ein Objekt."
"Wenn eine staatliche Ordnung, die wir als Bedingung unseres Lebens vorfinden, Überleben und geschichtliche Errungenschaften nicht mehr zu sichern vermag und von keiner gemeinsamen Idee oder ideellem Interesse getragen und verbunden ist, büßt sie ihre Legitimität ein und wird verfallen."Quelle:
https://www.freitag.de/autoren/der-frei ... h-im-kreisWas den Hass anbelangt, könnte der Herr Eisenberg leider Recht haben.
Aber: Läuft nicht sein skizziertes globalwirtschaftliches Szenario einer von menschlichen Produktionsfaktoren "weitgehend" abgekoppelten Erzeugung von Waren irgendwie ins Unlogische? Wenn niemand mehr Geld verdient und die Realwirtschaft (verglichen mit dem von ihm erwähnten Finanzkapitalismus) marginalisiert ist: Wer soll den ganzen Plunder dann noch kaufen? Braucht nicht ein finanzkapitalistischer Profit ein realwirtschaftliches Produkt (Land, Jacht/Mondfähre, Gold, Fußballverein (?)), um überhaupt als eine Bereicherung (in welcher Form auch immer) empfunden werden zu können?
Und wenn er schon dystopisch argumentiert: Wäre dann nicht eher das Szenario eines hyperdigitalen Feudalstaates naheliegend? Mit einer rigorosen Zweiteilung in 80/90 % Weltbevölkerung, die in einer Landwirtschaft tätig ist, die - dank billigstem Arbeitskräfteüberschüss - tatsächlich zu 100 % Öko ist (Pestizide und Herbizide unnötig: "Alles raus zum Käfersammeln und Unkrautjäten!") und 10/20 %, die alles besitzen und die Dank eines maximal robotosiertem Industrie-/ökologisch perfektioniertem Agrar-Sektors ein materiell abgesichertes Leben mit maximalen individuellen Freiheiten führen können?
Oder glaubt er, dass unsere gegenseitige Abneigung so groß ist, dass wir uns alle gegenseitig irgendwann einmal auf eine ökologisch verträgliche Populationsgröße heruntergehasst haben werden?
Will man es positiv sehen, lässt er ja eigentlich nur den Weg in ein für alle sehr auskömmliches, absolut bedingungsloses Grundeinkommen offen. Wenn ich mich nicht verlesen habe.
Was wird unser aktueller Finanzminister dazu sagen?
"Ein Wort, Herr! Sag mir nur ein einziges Wort in diesem Elend!" - "Ich sage dir sogar zwei: Guten Appetit!"
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"Es gibt keine Lösung. Weil es kein Problem gibt."