Deutschland bleibt sauber, mit einladend geöffneter Grenze, an die – dank der Balkanstaaten – kaum noch jemand herankommt. Und wer im Schlamm von Idomeni ein Schild mit "Merkel, hilf" hochhält, kommt damit bestenfalls ins Fernsehen des gelobten Landes. Da müsste die Kanzlerin eigentlich ein paar Dutzend Züge der Deutschen Bahn chartern, um die Flüchtlinge entsprechend ihrer Willkommenskultur ins Land zu holen. Doch Fehlanzeige. Ein humanitäres Image ist praktischer als reale Hilfe.
Dafür lässt man sich mit dem lupenreinen Demokraten Erdogan ein, der aus wahltaktischen Gründen einen Krieg gegen den kurdischen Teil seiner Bevölkerung vom Zaun bricht, die Pressefreiheit abschafft und dem Verfassungsgericht bei einem unpassenden Urteil den freundlichen Hinweis gibt, beim nächsten Mal würde er das Gericht abschaffen.
Für Berlin scheint Ankara das neue Brüssel zu sein. Dass die europäischen Partner kopfschüttelnd danebenstehen, scheint im Kanzleramt keinen zu kratzen. Grexit? Brexit? Oder vielleicht ein stiller Gexit, German Exit? Deutscher Alleingang zum Bosporus? Gesichtswahrung mithilfe des Sultans? Da sollte die Kanzlerin schon mal das Kopftuch bereitlegen. Bei Erdogan gibt es nichts umsonst. Solche Politik hat man früher als verlogen bezeichnet.
Genau dieser perfide Sachverhalt, plus der ohnmächtig wirkenden Unfähigkeit, der eigenen Bevölkerung den eingeschlagenen Weg und das "Wie" dahinter auch nur grob skizziert zu erklären, wird den Großteil der aktuellen AfD-Wähler dazu gebracht haben, ihr Protestkreuz da zu setzen wo sie es getan haben.
Und wenn man sich das Wählervotum anschaut, dann sieht man auch ohne tiefer greifende Analyse, woher der zweistellige Sprung aus dem Stand kommt. Das sind en gros eben keine am rechten Rand der Demokratie agierenden Überzeugungstäter, sondern vornehmlich bürgerliche Wähler, die sich mit einem vagen "Wir schaffen das" nicht abspeisen lassen und ihren Protest ausdrücken wollen.
Ich will Frau Merkel das Voranstellen des humanitären Gedankens ja gar nicht absprechen, der ist ja per se vorbildlich und löblich, aber in welcher Art sie das moderiert (oder eben gerade nicht) und am Souverän vorbei versucht durch zu galoppieren ist schon beispiellos. Wenn man sich die Entwicklungen auf dem (sozialen) Wohnungsbaumarkt anschaut oder die ewig währenden Diskussionen über knapper werdende Mittel für Bildung und Erziehung, die fehlgeschlagene Integrationspolitik, Bildung von Parallelgesellschaften, schleichende Ghettoisierung nach Vorbild der Banlieues in Frankreich ... und und und ... WOHER soll der Wähler der bürgerlichen Mitte bittschön das Zutrauen nehmen, dass wir "es schaffen"...?
Solch eine Art und Weise bietet in der Politik quasi automatisch den Nährboden für populistische "Dagegen-Parteien", da brauchs dahinter nicht mal Inhalte...