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Frank N Furter
Naja, mit der Baskenlandrundfahrt hat Kemnas Unfall nichts zu tun. Die gemeinsame Klammer ist eher, dass die UCI jetzt endlich was tun sollte. Die Helmpflicht war ehemals gut, hat aber offensichtlich nicht ausgereicht. Jetzt wäre es z.B. an der Zeit die Kleidungsordnung zu ändern. Es ist heute möglich den Rückenwirbelbereich durch Airbags zu schützen. Die Kleidung wäre dann zwar nicht mehr so windschnittig, aber aus sportlicher Sicht wäre das egal, weil es ja alle Fahrer beträfe. Nur unter den letzten Toten hätte das vielleicht das Leben von Gino Mäder, Jacopo Venzo oder auch Katja Husen retten können. Man kann sich ja nicht ernsthaft damit abfinden wollen, dass regelmäßig Sportler in Rennen und im Training sterben?

Auswurf
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Grasdaggl
Geht's da nicht eher um Streckenführung oder andere Ursachen?
Ich fände zb gut, wenn bei spiegelglatter Abfahrt das Rennen neutralisiert würde.
Wer in die Schlucht stürzt oder mit 80 auf Beton knallt, dem helfen weder Helm noch Protektoren.
Ich weiß nicht, ob aggressiver Gefahren wird,
oder der Druck ein höherer ist.
Zufällige Häufung, könnte auch ein Grund sein
das ist doch keine Musik

Frank N Furter
Klar, Streckenführung ist auch wichtig. So wird ja jetzt am Sonntag auch die Einfahrt zum Wald von Arenberg endlich entschärft, nachdem die da jahrelang im Sprint mit 60km/h auf das oft feuchte Kopfsteinpflaster reingeknallt sind (das dürften weit über 100 sein, die sich alleine auf den legendärsten 2,3 Kilometern des Radsports jedwede Art von Knochen gebrochen haben in den letzten Jahren).

Aber das reicht nicht. Der Sturz heute kam z.B. völlig überraschend, das war ne Kurve wie Dutzende in der Abfahrt zuvor auch. Als Wouter Weilands beim Giro starb, da hätte die Strecke besser inspiziert werden müssen, weil er sich an einem nicht einsehbar raushängendem Geländer aufhing und dann 30 Meter durch die Luft wirbelte und mit dem Gesicht aufschlug. Oder Evenepoel, der bei der Lombardia in eine Senke vor der Brücke runterstürzte. Fabio Jacobsen, der bei Zielsprint in der Polenrundfahrt auf abschüssiger Strecke mit 90 Sachen in die Barrikaden ging und sich jeden Gesichtsknochen gebrochen hat (ein Wunder, dass der überhaupt überlebte). Aber das sind eher die Ausnahmen, wo man an der Strecke hätte arbeiten müssen.

Die einzig systematische Schutzoption die ich sehe, im Rennen wie im Training, bei Amateuren wie Profis, ist Schutzkleidung. Natürlich würde man damit nicht alles verhindern, aber wenn man 50% weniger Tote und Schwerverletzte erreichen würde, wäre es das schon allemal wert.

Zu Deinem letzten Punkt: ob sich das in letzter Zeit (zufällig) häuft? Keine Ahnung, ich habe dazu noch keine Statistik gesehen. Aber rein vom Gefühl her: Ja, eindeutig.

Strafraumgitarre
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Halbdaggl
Frank N Furter hat geschrieben:Man kann sich ja nicht ernsthaft damit abfinden wollen, dass regelmäßig Sportler in Rennen und im Training sterben?

Die Frage ist ja trotzdem auch: Was wollen denn die Sportler?
Womit wollen die sich abfinden?

Und: Was will der Radsportverband?

Diese Sportverbände sind ja immer auch sowas wie Innungsgewerkschaften.
Geben vor, die Interessen der "Kleinen" oder der "Mehrheit"zu vertreten, finden dafür aber oft nicht die richtige Zeit und das richtige Maß, weil sie ja eigentlich viel zu beschäftigt damit sind, sich mit der "Minderheit" der "Großen" ins Bett zu legen.

Aber sollen wir das jetzt für die entscheiden? Oder gar Du?
Fick den Reichskanzler! Und den Kaiser!

Auswurf
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Grasdaggl
weniger Verletzte kann gut sein,
weniger Tote bezweifel ich.
Da geht's ja fast immer um Kopfverletzungen.
Helm haben Sie ja auf - was sollte das für ein zusätzlicher Schutz sein?
das ist doch keine Musik

Auswurf
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Grasdaggl
Morgen die erste sommerliche critical Mass des Jahres
Kryz und Tina kommen auch
G. Schmidt? also nicht Du, aber Du und Du?
das ist doch keine Musik

Strafraumgitarre
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Halbdaggl
Umfangreiche Studientests aus großen Höhen kommen zu dem Ergebnis, dass Pudelmützen weitaus resistenter gegen Aufprallschäden sind, als Helme.

Letztere gehen fast immer kaputt, Erstere quasi nie.
Fick den Reichskanzler! Und den Kaiser!

Frank N Furter
Strafraumgitarre hat geschrieben:Aber sollen wir das jetzt für die entscheiden? Oder gar Du?

Du nun wieder Klampfe....

Ich schau da aus der Perspektive eines Radsportfans drauf. Ich will den epischen Kampf zwischen Wout van Aert und Matthieu van der Poel an der Ronde und bei Paris-Roubaix sehen. Und nicht einen von beiden im Krankenhaus. Und so geht das so gut wie allen Radsportfans auf der Welt. Da wirst Du kaum jemanden finden, der nicht schon heute irre gespannt auf die Tour ist, wenn Roglic, Evenepoel, Pogacar und Vingegaard endlich ihr großes Match austragen. Jetzt hat es drei davon erwischt (Jay Vine, ein enorm wichtiger Helfer, hat sich heute dazu noch die Wirbelsäule gebrochen).

Das heißt:
- die Fans, also der Markt, wollen den Wettkampf der Besten sehen.
- die Teams wollen keine teuren Sportler, die jedes Jahr ewig verletzt sind und ihre Haupt-Events auslassen müssen.
- Die Sponsoren wollen im Wettkampf der Besten die größte Aufmerksamkeit für ihr Sponsoring und
- die Fahrer, darf man annehmen, wollen heile und lebendig bleiben bei der ganzen Show.

Kurz gesagt: Wen sollte es denn geben, der ein ernsthaftes Interesse daran hätte, dass nicht endlich was getan wird, um diesem Wahnsinn mal Einhalt zu gebieten? Ich kenne keine andere Sportart, bei der so viele Sportler sterben, wie beim Radsport. Von den Verletzten ganz zu schweigen.


Frank N Furter
Auswurf hat geschrieben:Ne gescheite Bremse, angemessene Vorsicht, gute Reaktionen und Glück,
sind der beste persönliche Schutz

Im Alltag

Kemna wurde gestern von einem Linksabbieger auf dem Fahrradweg fahrend in die Intensivstation geschickt. Der hatte Carbonbremsen, Profi-Bikehandling und ein Teamfahrzeug zu Schutz. Hat trotzdem nichts genützt.

Strafraumgitarre
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Halbdaggl
Frank N Furter hat geschrieben:
Strafraumgitarre hat geschrieben:Aber sollen wir das jetzt für die entscheiden? Oder gar Du?

Du nun wieder Klampfe....


Ich kann doch auch nix dafür! :oops:


Frank N Furter hat geschrieben:die Fans, also der Markt, wollen den Wettkampf der Besten sehen.

Wollte ich früher auch mal, aber das schiere Ausmaß der Dopingseuche damals rund um Fuentes hat mir diesen Sport für immer versaut.
Frank N Furter hat geschrieben:- die Teams wollen keine teuren Sportler, die jedes Jahr ewig verletzt sind und ihre Haupt-Events auslassen müssen.
- Die Sponsoren wollen im Wettkampf der Besten die größte Aufmerksamkeit für ihr Sponsoring und
- die Fahrer, darf man annehmen, wollen heile und lebendig bleiben bei der ganzen Show.

Kurz gesagt: Wen sollte es denn geben, der ein ernsthaftes Interesse daran hätte, dass nicht endlich was getan wird, um diesem Wahnsinn mal Einhalt zu gebieten? Ich kenne keine andere Sportart, bei der so viele Sportler sterben, wie beim Radsport. Von den Verletzten ganz zu schweigen.

Ist ja alles richtig und ich will ja auch nur wissen, wer das entscheiden soll und wer im Zweifel ein Vetorecht hätte.

Daher tatsächlich ganz ernsthaft: Was wollen die Fahrer?
Denn die setzen sich ja freiwillig und bewusst diesem Risiko aus.

Ich hätte jedenfalls noch nie vernommen, dass die sich irgendwo für stärkere Sicherheitsmaßnahmen stark gemacht hätten. Aber man sollte sie vielleicht fragen.
Fick den Reichskanzler! Und den Kaiser!

Frank N Furter
Die Fahrer haben eine Gewerkschaft und die organisiert gerade eine Befragung. Ansonsten ist aber eindeutig die UCI zuständig für die Sicherheit der Fahrer. Und zwar für jeden Aspekt.

Wenn man mal als Vergleich die Einführung der Helmpflicht nimmt, war damals übrigens eine Mehrheit der Profis dagegen. Gut, dass die UCI sich damals durchsetzte. Heute ist nämlich eine deutliche Mehrheit der Fahrer für die Helmpflicht.


Auswurf
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Grasdaggl
Bei der Suche nach den Gründen gerät neben möglichen Straßenschäden auch die zunehmend aggressivere Fahrweise im Feld ins Visier. Es würden wie im Fußball ganz, ganz junge Fahrer direkt aus den Juniorenklassen in die WorldTour kommen und wollten sich sofort beweisen, sagte der deutsche Radprofi Nils Politt im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

"Allgemein ist das Stresslevel deutlich höher. Die Rennen werden immer schneller und immer früher eröffnet", sagte der 30-Jährige vom Team UAE vor dem Klassiker Paris-Roubaix am Sonntag über die generelle Entwicklung im Radsport.
das ist doch keine Musik

schwaebi
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Grasdaggl
Frank N Furter hat geschrieben:
Auswurf hat geschrieben:Ne gescheite Bremse, angemessene Vorsicht, gute Reaktionen und Glück,
sind der beste persönliche Schutz

Im Alltag

Kemna wurde gestern von einem Linksabbieger auf dem Fahrradweg fahrend in die Intensivstation geschickt. Der hatte Carbonbremsen, Profi-Bikehandling und ein Teamfahrzeug zu Schutz. Hat trotzdem nichts genützt.


Du hast in ganz vielen Dingen recht - aber in diesem Fall hätte es nicht mal geholfen, wenn die UCI beschließt, dass die Fahrer in gepolsterten American Football-Rüstungen antreten.
Die Dauer einer Minute hängt sehr davon ab auf welcher Seite der Klotüre man sich befindet.

Frank N Furter
schwaebi hat geschrieben:Du hast in ganz vielen Dingen recht - aber in diesem Fall hätte es nicht mal geholfen, wenn die UCI beschließt, dass die Fahrer in gepolsterten American Football-Rüstungen antreten.

Also diese Airbags scheinen tatsächlich mehr Schutz zu bieten als nur einfache Polster. Vor einigen Monaten las ich mal einen Artikel, wo solche Airbags von Entwicklern vorgestellt wurden. Das hörte sich auf den ersten Blick :P ganz gut an. Es würde ja auch nicht darum gehen, dass Kemna mit solchen Schutzmaßnahmen den Unfall nicht gehabt hätte. Sondern eher, dass er vielleicht nicht auf die Intensivstation gemusst hätte. Natürlich müsste man das erst einmal alles ausprobieren, um wirklich besser urteilen zu können. Aber, wie gesagt, gar nichts zu unternehmen, halte ich aktuell bei der Anzahl von Vorkommnissen für eigentlich nicht mehr verantwortbar.

schwaebi
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Grasdaggl
Fürs Training kann aber niemand was vorschreiben. Höchstens die Versicherung?!
Die Dauer einer Minute hängt sehr davon ab auf welcher Seite der Klotüre man sich befindet.



Frank N Furter
halensee hat geschrieben:update: Der öööhhhhs-Experte Marcel ist wohl nicht der Kittel, sondern der Sieberg. Denn kenne ich nicht mal.

Ja, in der Tat, fand ich auch etwas nervig. Sieberg war natürlich ein sehr guter Fahrer auf dem Pavé, der potentiell viel zu den einzelnen Sektoren erzählen könnte. Aber er hat das leider nur selten rüberbringen können.

halensee hat geschrieben:Poupou's Enkel zieht das Ding durch. Sind es die Gene?

Nein, denke ich nicht. Van der Poel ist einfach ein absoluter Ausnahmefahrer was das technische Können betrifft. Der spart wegen seiner Klasse in jedem Sektor Energie, die die anderen verballern, um die Schläge ausgleichen zu können. Es gibt auch im Cross nur einen der ihm halbwegs Paroli bieten kann und das ist leider der im Vorfeld verunfallte Wout van Aert, ebefalls ein Crosser.

Der heutige Sieg war in der Tat völlig ungefährdet, eine Demonstration überlegenen fahrerischen Könnens. Zudem hatte Alpecin auch noch als Team die anderen völlig im Griff. Aber Mathieu hätte das Rennen auch ganz ohne Team gewonnen, einfach weil er jederzeit wegfahren konnte, ohne das es jemanden gab, der ihm hätte folgen können.

Politt auch wieder bockstark, schade dass er im Sprint gegen Philipsen und Pedersen keine Schnitte hat. Dege in diesem Jahr wieder gut, aber nicht so gut wie letztes Jahr, wo er am Ende einfach nur Pech hatte.

Frank N Furter
Ich bin inzwischen sehr skeptisch was genetische Prädispositionen im Allgemeinen betrifft. Etwa seit der Jahrtausendwende haben wir die Next Generation Sequencing Technologie. Zuvor hatte das Human Genom Projekt 10 Jahre gebraucht, um ein einziges (!) Genom mit dem Sanger-Verfahren wenigstens zu 95% durchzusequenzieren, heute dauert das nur noch wenige Stunden. Seit etwa 2010 hat man für alle möglichen menschlichen Fähigkeiten interindividuelle Genunterschiede mit der NGS-Technologie untersucht und fast nirgends eindeutige genetische Prädispositionen gefunden, auch da nicht, wo man sie eigentlich erwartet hätte. Viel eher hat sich gezeigt, dass ein wesentlich wichtigerer Faktor die Epigenetik ist, also ein Mechanismus, der sich zum Beispiel beim Sport oder Klavierspielen schlicht und ergreifend nur durch Training verändert.

Was Mathieu van der Poel betrifft: Der hat neben seinem einzigartigen Bikehandling halt auch noch die typische Crosser-Eigenschaft sich phasenweise völlig verausgaben zu können, aber auch sehr schnell im Wettkampf wieder erholen zu können. Es wird wenige Fahrer geben, die über eine Stunde hinweg so viel Leistung aus ihrem Körper abrufen können.

Und was PR betrifft, ist Mathieu halt auch einfach ein paar Kilo schwerer als zum Beispiel der ebenfalls begnadete Wout van Aert. Das ist auf dem Pavé ein riesen Vorteil, weil er so auf das antreibende Hinterrad mehr Gewicht bringen kann und damit mehr Traktion generiert. Wout ist dafür der deutlich bessere Bergfahrer, wie er ja nun schon mehrfach demonstriert hat.



Auswurf
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Grasdaggl
Pavé


Glücklicherweise sind wir das Radforum,
sonst müsste man prollmäßig
"Kopfsteinpflaster" schreiben,
wenn man verstanden werden möchte
das ist doch keine Musik

Frank N Furter
Irrer Flèche Wallonne heute, einer der härtesten überhaupt und sicherlich der härteste den ich je gesehen habe. Fast 160 Fahrer haben vor dem Ziel aufgeben müssen, wegen der brutalen Wetterbedingungen. Es hat geschifft ohne Ende bei nahe 0 Grad und immer wieder Schneeregen. Nahezu alle Topfavoriten sind vor dem Ziel erfroren und raus: Teuns, Skjelmose, Bilbao, Hirschi, Pidcock, Almeida usw.

Normaler Weise können dieses Rennen nur ganz wenige gewinnen. Super-Puncher wie Valverde, der 5x als erster die Mauer hoch ist. Heute gewinnt dann ein totaler Außenseiter und der erste Brite in der Geschichte: Stephan Williams. Ein absoluter Schlecht-Wetter-Spezialist und wahrer Nordmann. Aber auch er sah bei der Überquerung der Ziellinie vollkommen fertig aus. Gut, dass Pogacar sich das nicht angetan hat. Für ihn gilt es dann am Sonntag bei LBL.

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