Erinnert sich noch jemand an diese geniale Idee einer Bundesliga-Reform von MV anno 1989?
09.05.2017, 12:55
Heute vor 28 Jahren: Die Bundesliga-Revolution, die nie kam
Als die Bundesliga das Elfmeterschießen beschloss
Ligaspiele in Hin- und Rückspielen binnen einer Woche und ein Bonuspunkt für den Sieger der Paarung? Was wie eine neue verrückte Idee der FIFA klingt, ist 28 Jahre alt - und war in der Bundesliga bereits beschlossene Sache.
Der Hamburger SV wäre heute nicht mehr in der Bundesliga, wenn tatsächlich gekommen wäre, was die deutschen Profiklubs am 9. Mai 1989 einstimmig beschlossen: Der kicker nannte es damals eine "tiefgreifende Reform", eine "weltweit einmalige Änderung". Und das war sie in der Tat.
Die emotionale und chaotische Sitzung der 38 Vereine in Düsseldorf endete mit dem Beschluss, schon ab der Saison 1989/90 Hin- und Rückspiele binnen einer Woche in der Bundesliga einzuführen. Der Sieger eines Spiels sollte wie bisher zwei Punkte erhalten, bei Unentschieden jeder einen - und der Gesamtgewinner der Paarungen einen zusätzlichen fünften.
Bei Punkt- und Torgleichheit sollten wie im Europapokal die mehr erzielten Auswärtstore über jenen Bonuspunkt entscheiden, bei identischem Hin- und Rückspiel ein Elfmeterschießen. Es war nichts weniger als eine Bundesliga-Revolution.
"Es ist unser erklärtes Ziel, die in den letzten 16 Jahren rapide gesunkenen Zuschauerzahlen nicht nur aufzufangen, sondern auch wieder ins Positive zu bringen", begründete der Ligaausschuss-Vorsitzende Gerhard Mayer-Vorfelder die Reform - der Zuschauerschnitt der Bundesliga lag damals schon seit Jahren unter der 20.000er-Marke.
Hoeneß rettet die Sitzung mit seinen Ideen
Die Befürworter versprachen sich attraktivere Spiele. "Das steigert die Spannung, wobei die Regeln einfach bleiben. So verhindern wir, dass Fußball zum reinen Fernsehsport abgleitet", schrieb Willi Lemke, damals 42 und Manager von Werder Bremen, im kicker. Und Kölns Spielmacher Thomas Häßler hoffte ganz pragmatisch, dass jetzt "einige, die ganz gerne mal treten, es sich besser überlegen werden - weil das Rückspiel ja schon bald kommt".
Bayern-Manager Uli Hoeneß war es letztlich, der, obwohl kein Freund der Neuerung, auf der Sitzung den fünften Bonuspunkt und den Europapokal-Modus vorschlug, als nach einer dreistündigen Debatte ein ergebnisloser Abbruch drohte. Hitzig blieb die Diskussion aber auch im Nachgang.
"Bei diesem Beschluss ging es nur um den Kommerz!"
DFB-Präsident Hermann Neuberger sorgte sich um die Sicherheit wegen der "emotionsgeladenen und aufgeheizten" Konstellation der Hin- und Rückspiel-Innovation; Sicherheitsexperte Wolfgang Wehrum schimpfte, bei dem Beschluss sei es "nur um den Kommerz" gegangen; und Bayern-Trainer Jupp Heynckes, der heute seinen 72. Geburtstag feiert, kritisierte: "Ich glaube nicht, dass deswegen auch nur ein einziger Zuschauer mehr ins Stadion kommt. Statt solcher Reformen sollte der Komfort im Stadion verbessert werden, die Infrastruktur rundherum, ebenso die Sicherheitsvorkehrungen."
Letztlich kippte der DFB-Beirat mit 35:15 Stimmen die geplante Reform wieder, Neuberger, von Anfang an skeptisch, setzte sich also durch. Zuvor hatte ihm der damalige FIFA-Generalsekretär eindringlich geschrieben, dass der Weltverband - bei aller Autonomie der Verbände - gegen eine solche Reform sei. Dessen Name übrigens: Sepp Blatter.
Die Revolution scheiterte, die Bundesliga lockte schon bald dennoch immer mehr Zuschauer an, 1995 kam die Drei-Punkte-Regel. Und der HSV ist auch noch Bundesligist: Nach der Punktevergabe von 1989 wäre er 2015 direkt abgestiegen.
http://www.kicker.de/news/fussball/bund ... hloss.htmlFalls ich mich nicht irre, hat damals der VfB dafür gesorgt, dass die Sache gegen MV's WIllen nicht geklappt hat. Da war das DFB-Pokal-Halbfinale Dortmund - VfB, und da sind den VfB-Spielern, die schon mächtig Frust geschoben hatten wegen Herrn Germanakos in Neapel, nach einem durchaus strittigen Tor der Dortmunder (Mill hatte sich bei seinem Tor klar bei einem VfB-Spieler (Nils Schmäler?) aufgestützt) sämtliche Sicherungen durchgebrannt. Von da an wurde nicht mehr Fußball gespielt, sondern nur noch "Tritt den Gegner um", und es hagelte Platzverweise (2 für den VfB, 1 für Dortmund) und gelbe Karten, das die Spieler sich nicht verprügelt haben. war alles... Und eben dieses Spiel diente dann Neuberger und dem DFB als Beispiel, warum Hin- und Rückspiel in einer Woche keine so ganz gute Idee sein könnte. Nach dem Motto "Dortmund-VfB-reloaded - Jetzt erst recht!".