Von einem "heftigen Machtkampf" berichtete am Dienstag die Bild-Zeitung und davon, dass Hansi Flick aufgrund der Umtriebe einer klubinternen Opposition bei Dietmar Hopp in Ungnade gefallen sei und vor dem Rauswurf stehe. (...)
Es geht - wie so gerne in diesem Verein, in dem viele Menschen um Dietmar Hopps Gunst rangeln - eher darum, wer sich wo warum oder eben warum nicht im Organigramm wiederfindet.
Schon lange vor Flicks Geschäftsführer-zeit war die TSG ja ein Verein, in dem es immer dann unruhig wurde, wenn eine der folgenden Bedingungen erfüllt war: wenn der Boss unruhig wurde, wenn der Mäzen unruhig wurde oder wenn der oberste Fan unruhig wurde.
Alle drei Rollen spielt praktischerweise Dietmar Hopp, und in jeder dieser Rollen findet er gerade einen Grund, um unruhig zu werden. Die Mannschaft, der Overperformer der Vorsaison, steht in der Tabelle wieder da, wo sie möglicherweise hingehört (im Mittelfeld), was den Trainer (Julian Nagelsmann) aber nervt, ebenso wie die Debatten um seine Trainerzukunft, die er dank hübscher Formulierungen aber selbst befeuert hat. Das wiederum nervt angeblich den Chef, Mäzen und obersten Fan, der das seinem Trainer als Koketterie auslegt, weshalb er ihn keinesfalls vor der Fälligkeit einer Ausstiegsklausel im Sommer 2019 aus seinem Vertrag lassen wird.
All diese Verwicklungen spielen nun auf dieser Kraichgauer Volksbühne, auf der ständig die unterschiedlichsten Menschen durchs Bild laufen. [

] Zwischen der Ära Rangnick und der aktuellen Kurz-Ära mit Nagelsmann und Sportchef Alexander Rosen hat man sich kaum die Mühe machen müssen, sich all die Namen von Trainern, Managern, Geschäftsführern und Pressestellenchefs einzuprägen, die sich da in schneller Folge an Hopps Hofe abwechselten. Außerdem gab es Spielerberater, die als Einflüsterer galten und auf dem Golfplatz über den Manager lästerten; und es gab und gibt einen Beirat, dessen Einfluss all jenen handelnden Personen nicht gefällt, die nicht zufällig in diesem Beirat sitzen.
In dieser Gemengelage schien es eine Spitzenidee zu sein, einen wie Flick zu installieren - einen loyalen Harmoniker, dessen Expertise branchenweit geschätzt wird und der als Mann aus der Region außerdem das Potenzial besitzt, dem Verein auch nach der Ära Hopp ein Gesicht zu geben. Allerdings hat sich Flick bei der nachvollziehbaren Suche nach einer klaren Rollendefinition in diesem klüngelbegabten Klub zuletzt alleingelassen gefühlt; und diese Sortierungsarbeiten haben manche im Klub offenbar genutzt, um die Sinnfrage zu stellen: Warum man diesen Weltmeister da überhaupt brauche, wo man doch ohne ihn voriges Jahr Vierter geworden sei.