on topic!
Möchte gerne nochmals das STN-Interview mit Dieter Hoeneß aufgreifen, in dem er -für meinen Geschmack- vieles richtig einordnet...
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.dieter-hoeness-vfb-hat-ueber-jahre-an-substanz-verloren.cbaa4672-c4fa-49e2-96aa-a67e39d47b4b.htmlDie großen fünf marschieren vornweg, der Rest, darunter der VfB, hecheln hinterher.
Ganz klar ist: Weiterentwickelt haben sich jene Clubs, die den Mut hatten, in den sportlichen Bereich zu investieren, was bedeutet, nicht nur gute Spieler zu verpflichten, sondern auch in hoch qualifiziertes Personal im Nachwuchs und Scouting zu investieren.
Der VfB Stuttgart hat nach der Meisterschaft 2007 binnen weniger Jahre über hundert Millionen Euro investiert. Allerdings ohne großen Erfolg.
Mut allein reicht natürlich nicht. Das muss mit Sinn und Verstand und hoher fachlicher Kompetenz gemacht werden . . .
. . . die beim VfB gefehlt hat.
Das haben Sie gesagt. Da will und darf ich mir kein Urteil erlauben. Generell ist es aber so: In Clubs wie dem VfB, wo infrastrukturell eigentlich alles da ist, muss man mit seinen Ressourcen immer wieder an die Grenzen dessen gehen, was vertretbar ist. Und wer dabei immer nur auf die Ausgabenseite blickt, die Einnahmemöglichkeiten aber außer Acht lässt, der wird auf die Dauer keinen Erfolg haben. Es ist eben nun mal so, dass das sportliche Abschneiden die Einnahmeseite maßgeblich beeinflusst.
Können Sie Beispiele nennen?
Nehmen Sie die nationale und internationale Vermarktung der Fernsehgelder, die in den vergangenen Jahren stetig gestiegen sind. Da klaffen zwischen den erfolgreichen Clubs und den Vereinen im hinteren Tabellendrittel inzwischen große Lücken. Da fehlen dann pro Saison plötzlich 20 bis 25 Millionen Euro. Und das womöglich über Jahre. Oder denken Sie an die Entwicklung des Transfermarkts, wo für einen guten Spieler beim Wechsel nach England inzwischen enorme Summen generiert werden können. Aber dafür braucht ein Verein fußballerische Substanz.
Warum gelingt es einigen Clubs, anderen nicht?
Weil nicht alle nach dem Prinzip arbeiten, das ich vorher erwähnt habe. Und was vielerorts noch hinzukommt: Wenn die innere Struktur abhandenkommt, wenn ein Verein keine zeitgemäße Konzeption mehr hat, wenn die Trainer und die Spielideen ständig wechseln, dann ist die Gefahr groß, in einen Abwärtssog zu geraten, der nur schwer wieder zu stoppen ist. Ein Verein wie der VfB darf sich die Konzeption nicht vom Trainer diktieren lassen. Die gibt der Verein vor und sucht sich dann dazu das passende Personal.
Genau auf diesen Weg hat sich der VfB inzwischen begeben. Nach Ergebnissen betrachtet noch ziemlich erfolglos.
Wie gesagt: So eine Entwicklung stoppt kein Verein der Welt von heute auf morgen. Nach so einer Phase ständiger Veränderungen hat man vielleicht noch ein paar gute Spieler, aber keine echte Mannschaft mehr. Es braucht Zeit, bis wieder etwas zusammenwächst.
Recht gute Analyse der Ursachen und ne treffliche Zustandsbeschreibung.
Wir werden bestimmt noch mehr Geduld aufbringen müssen, als momentan angenommen...
Und auch zum Thema "Homogenität" des Kaders, die ich ja hier seit geraumer Zeit bemängele, trifft er den Nagel auf den Kopf
Wie lautet Ihre Analyse?
(Lacht) Wie viel Zeit haben wir? Nein, ganz im Ernst: Die Offensive ist wirklich stark besetzt. Einzelne Spieler gefallen mir da sehr gut. Aber ich hatte den Eindruck, dass da keine Mannschaft auf dem Platz steht.
Das passt alles nicht so richtig zusammen?
So war jedenfalls mein Eindruck. Die Einstellung stimmt, nur das Gefüge stimmt nicht.