Ich habe mir noch mal Gedanken über das Petersonthema gemacht.
Vorweg eine Frage:
Tifferette schrieb:
He! Der Sarrazin-Thilo ist laut Cicero der sechsteinflussreichste deutschsprachige Intellektuelle. Kein Scheiß.
Wie misst man die Quantität des Einflusses von Intellektuellen? Würde mich mal interessieren und wer sind die fünfteinflussreichsten? Hier in unserem kleinen Mikrokosmos ist es ja relativ einfach festzustellen. Aber draußen, in der feindlichen Welt?
Tifferette schrieb:
Damit wir jetzt nicht zu sehr ins Allgemeine abgleiten - der wichtige Ausgangspunkt meines Ärgers war, dass das Ganze im akademischen Umfeld passiert. Wenn es ein Setting gibt, in dem man andere Meinungen (und dann auch noch von Kollegen) aushalten muss, dann dort.
Grundsätzlich sehe ich es auch so. „Et audiator altera pars“ ist immer noch eins meiner Prinzipien. Aber man muss achtgeben, dass man mit seiner liberalen Einstellung nicht über die eigenen Beine stolpert. Wir leben in der Postenlightenmentära, da ist Meinungsaustausch nicht mehr so gefragt. Da geht es um Behauptung von Positionen und Eroberung von Stellungen.
Früher habe ich gerne mal mit den adretten US-Jungs im BWL-Look in der Fußgängerzone oder mit den verhärmten Heftlesanbietern an der Haustüre diskutiert. Doch spätestens, wenn ich mal ihnen meine Sicht über das Christentum darlegen wollte, verstummten sie schlagartig und verabschiedeten sich. Da erkannte ich, dass es Ihnen nicht um Diskussion, sondern um Indoktrination geht.
Was ist Peterson für ein Mann, was treibt ihn um? Posterboy scheint ihn ja wohl nicht hinreichend zu beschreiben. Konservativer Aufklärer? Sicher zu intelligent, um als Dumpfbacke durchzugehen, aber nicht intelligent genug, um sich nicht mit einem ausgewiesenen islamophoben Dumpfbacken ablichten zu lassen.
Ist er ein Typ wie Trump? Der schnell Strömungen erkennt und sich zu ihrem Vorreiter macht? Der die Menschen, die ihn verehren und ihm huldigen, verarscht und über sie spottet? Der vietnamkriegsdienstflüchtig war und martialische Sprüche raushaut, wenn er unter Soldaten ist?
Was wollte Peterson in Cambridge? Eine wissenschaftliche Diskussion über unterschiedlichen Auffassungen mit dem Ziel der Annäherung führen? Eher nicht. Sich mit fremden Federn schmücken? Eher doch. Zwar hat er genug Follower, aber natürlich muss ihm daran liegen, seine kruden Thesen auch in der Mitte der Gesellschaft platzieren zu können. Und dazu braucht er halt zumindest das Interesse von Institutionen, die sich in dieser Mitte befinden. Die Cambridge University ist ihm nicht auf den Leim gegangen. Gut so.
Ich gehöre nicht zu den Leuten, die ständig Parallelen zwischen der Weimarer Republik und der Berliner Republik ziehen. Zum Glück ist weder die politische, noch die wirtschaftliche, noch die gesellschaftliche Situation mit der der Jahre vor 1933 vergleichbar. Eine Ähnlichkeit sehe ich allerdings. Die NSDAP hatte zwei Strategien, um aus der Schmuddelecke herauszukommen und im Bildungsbürgertum Fuß zu fassen:
1. Den bis in tiefste Schichten der Gesellschaft vorgedrungenen Antisemitismus mit der eigenen, romantisch verbrämten Ideologie der Germanen als überlegene Rasse verbinden.
2. Die Anerkennung durch konservative, völkisch-esoterische Zirkel, wie der Kreis um Winifred Wagner in Bayreuth und das Großunternehmertum gewinnen.
Während Hitler sich auf deren Bühnen präsentierte, machte Goebbels die propagandistische Drecksarbeit.
Man sollte solchen Menschen nicht zu viel Aufmerksamkeit zuteilwerden lassen.
Und man sollte nicht über ihr Stöckchen springen, sondern darauf pinkeln.
Häggor, fliag iebor da Näggor, fliag iebor da Rai, fliag midda drennai